Mit EvoBus nach Indien

Egal ob Urlaub, Dienstreise oder eben wie in meinem Fall Praxisphase, jeder kennt die „Erzähl mal was“-Frage. Nach meiner Rückkehr aus Chennai, Indien, dachte ich, stelle ich mir diese Frage einmal selbst und verschriftliche meine Eindrücke.

Ich bin Rebecca Rapp und duale Studentin der EvoBus GmbH im Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen. Für alle, die uns nicht kennen: die EvoBus GmbH ist eine Tochtergesellschaft der Daimler AG und repräsentiert Daimler Buses auf dem europäischen Kontinent.

Praxiseinsatz mit System

Im dualen Studium schließt sich jedem Theoriesemester eine dreimonatige Praxisphase im Unternehmen an. Dafür steht eine Fülle an Abteilungen zur Wahl, in denen durch Projektarbeiten die theoretischen Inhalte aus dem Semester praktisch angewandt und vertieft werden. Natürlich wird dabei nicht mit dem Pendel über dem Werksplan entschieden, welche Abteilung es werden soll. Nein, eine studienbezogene Auswahl und eine anschließende Bewerbung gehören zum Prozess.

Standardmäßig bin ich im Werk Neu-Ulm angesiedelt und aktuell absolviere ich meinen Praxiseinsatz in Mannheim. Aber sind wir ehrlich, der Kulturschock von Schwaben nach Baden hält sich in Grenzen, also wieder zurück zum Thema.

Am Ende des zweiten Semesters bekommen alle dualen Studenten die Möglichkeit, eine Praxisphase im Ausland zu machen. Einzige Prämisse: Vom Visum über den Flug, bis hin zur Unterkunft, alles muss selbst organisiert werden. Für mich war klar, dass sich diese Chance kein zweites Mal bietet und so entschied ich mich dazu, so viel wie möglich aus dieser Zeit herauszuholen.

Daimler India Commercial Vehicles Pvt. Ltd (DICV) klang vielversprechend. Eine gerade erst ein Jahr alte bzw. junge Busproduktion nahe Chennai und eine völlig andere Kultur.

Neues hoch zwei

In der Hinsicht wurden alle meine Erwartungen erfüllt. Genauso vielfältig wie die Erfahrungen und Erzählungen über Indien ist das Land selbst.

„Indien ist von allem mehr“

Diese Aussage ist, denke ich, sehr treffend. Lautstärke, Farben, Gerüche, Menschen – egal wohin man sieht – und Verkehr neben und auf der Straße, beanspruchten alle Sinne doppelt.

Auch bei der Arbeit, bekam ich das deutlich zu spüren. Als allgemeine Verkehrssprache galt Englisch, wobei auch erwähnt werden muss, dass der indische Dialekt einer Eingewöhnungsphase bedarf. Abgesehen davon, kann es in einem Staat mit deutlich mehr als 100 Sprachen und unzähligen Dialekten schon mal zu Verständigungsschwierigkeiten kommen. Soweit die Voraussetzungen für meinen ersten Arbeitstag.

Busse für Indien

Die erste Lektion, die ich lernte: Distanzen sind relativ und Straßenverkehr folgt nicht den dir bekannten Regeln. Eineinhalb bis zwei Stunden zum Werk und wieder zurück, plante ich auf der Fahrt mit dem Company Bus immer ein. Alle drei Monate kam man dann auch mal in den Genuss eines klimatisierten Busses. Chennai ist die Hauptstadt von Tamil Nadu, einem Staat im Südosten Indiens, der direkt an der Küste liegt. Zu der Zeit war Hochsommer in der Region und Temperaturen an die 40°C waren keine Seltenheit.

Als ich die Busfahrt an Tag eins überstanden hatte, erwartete mich das Werk 365 in Oragadam. Die modernen Gebäude und die in Summe 16000 Bäume in den gepflegten kleinen Grünstreifen, passten nicht in das Bild, das ich bis dahin von den Straßen Chennais kannte.

Eine weitere viertelstündige Busfahrt brachte mich schließlich an meinen Arbeitsplatz mit der schlichten Bezeichnung BUS/IP: Bus Indien Produktion. Produziert werden Busse der Marken Mercedes-Benz und BharatBenz. Ihnen sagt BharatBenz so ganz und gar nichts? Kein Problem! BharatBenz ist eine Marke, die Daimler im Jahr 2011 eigens für den indischen Truck- und  Busmarkt eingerichtet hat.

Selbstgesteuertes Arbeiten

Nachdem mir bei der Themenfindung sehr viel Freiheit gelassen wurde, habe ich es mir zur Aufgabe gemacht die Qualitätskontrolle in den Quality Gates der BharatBenz 9t Busse, grundlegend aufzuarbeiten und zu optimieren. Das beinhaltete für mich sowohl die Planung, als auch die Einführung des entwickelten Systems in der Produktion.

Man könnte sagen, dass die Busproduktion gerade aus den Kinderschuhen herauswächst. Die noch sehr flexible Produktion hat es ermöglicht, ohne lange Prozesswege zu arbeiten. Wenige, aber effektive Absprachen mit den betroffenen Kollegen haben mir geholfen, zügig mit der operativen Umsetzung zu beginnen. In einer Zeit von zwei Monaten wäre ein studentisches Projekt in Deutschland wahrscheinlich nicht möglich gewesen. Für mich war das eine extrem motivierende Erfahrung.

Damit wären Montag bis Freitag von 06:00 Uhr Busabfahrt bis ca. 20:00 Uhr Busausstieg abgedeckt. Es blieben die Wochenenden.

Off Duty

Schon einige Monate vor Reiseantritt, hatte ich erfolgreich eine Zusage für ein WG-Zimmer in Chennai bekommen. Durch meine zwei Mitbewohner waren erste Kontakte schnell geknüpft. Trotz der normalen Arbeitswoche haben sich die Sonntage wie Urlaub angefühlt, wenn man mit dem Reiseführer durch die Stadt fährt und immer das Gefühl hat, etwas Neues zu entdecken.

Doch irgendwann sind alle Sehenswürdigkeiten in der näheren Umgebung abgeklappert und schließlich galt es auch, Land und Leute kennenzulernen. Ob es das „Kurta Shopping“ mit indischen Kollegen, zufällige Bekanntschaften beim Feierabendbier am Freitagabend oder der gemeinsame Barbecue-Abend waren, ich habe jedes Wochenende und die Abwechslung absolut genossen und zwischen den unzähligen Bekanntschaften haben sich Freundschaften ergeben, die ich nicht missen möchte.

Ein Wochenendtrip nach Bangalore hat mir gezeigt, dass die Welt 300 Kilometer weiter schon ganz anders aussieht. Leider habe ich keinen Urlaub nehmen können. Somit ist meine „To-See-Liste“ lange noch nicht abgehakt. Daher denke ich, es führt kein Weg an einer erneuten Reise nach Indien vorbei.

Alles in allem war Chennai für mich eine tolle Zeit, sodass ich sagen würde: Ausland? Jeder Zeit wieder!


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Dieser Artikel wurde von geschrieben. Sie ist duale Studentin der EvoBus GmbH im Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen.

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