„VaMoS“! Mein Weg in die Technologiefabrik

Es war schon eine große Sache: Zu Beginn des letzten Monats startete der Betriebsversuch für die erste, von mir mitentwickelte Montageanlage in der Montage der S-Klasse im Werk Sindelfingen.

Es ist eine Anlage zum automatisierten Fügen von Verschlussstopfen am Unterboden der Fahrzeuge. Das Besondere daran ist zum einen der feinfühlige Leichtbauroboter, der die Stopfen nicht nur verbaut, sondern auch direkt auf korrekten Sitz überprüft. Zum anderen ist das Variable Montagesystem (VaMoS), ein Modulbaukasten aus dem die Anlage aufgebaut ist, eine echte Innovation.

Mein erster Betriebsversuch: Toll, die von der Idee bis zur Umsetzung betreute Anlage in der Fabrik zu sehen! Und jetzt geht es für mich damit bei Daimler erst so richtig los.

„Tech-Nick“

Im Gymnasium merkte ich, dass meine Stärken in den technischen Fächern lagen. Da ich mich außerdem schon immer für Technik – mich interessierte alles von Landmaschinen bis hin zu Autos – begeisterte, fiel mir die Entscheidung leicht, Maschinenbau zu studieren. In den ersten Semestern war das Studium jedoch ziemlich theorielastig. So richtig Spaß gemacht hat es deshalb erst ab den höheren Semestern, als man dann erkannte, wofür die ganzen Grundlagen eigentlich gebraucht wurden. Da fühlte ich, dass ich mit meinen Interessen und meiner Studienausrichtung in der Automobilbranche richtig aufgehoben wäre.

Landmaschinen? Autos? TECFabrik!

Deshalb bewarb ich mich für ein Praktikum in der Verfahrensentwicklung der Technologiefabrik (TF/V), mit dem mein Einstieg bei Daimler begann. Durch meinen betrieblichen Betreuer gefördert, konnte ich währenddessen viele Einblicke in den Bereich und in die Tätigkeiten eines Projektleiters und Fertigungsverfahrensentwicklers gewinnen.

In der TECFabrik werden neue Technologien ausgewählt und bis zur Serienreife weiterentwickelt. So wird sichergestellt, dass technologische Innovationen mit einem gewissen Reifegrad in unsere Werke integriert werden können. Das Spannende in diesem Bereich liegt darin, mit immer neuen Herausforderungen (derzeit ist dies z.B. das Thema Industrie 4.0) konfrontiert zu sein und Lösungen gemeinsam im Projektteam zu erarbeiten. Die Zusammenarbeit erfolgt dabei neben der bereichseigenen Werkstatt, auch mit Lieferanten und Universitäten.

Das Zusammenspiel zwischen Universität und Unternehmen

Während ich im Praktikum beispielsweise die Absicherung einer Technologie zur Headup-Display-Kalibrierung in der Montage der S-Klasse mitbegleitet habe, konnte ich während meiner Masterarbeit den Fokus auf einen ganz anderen Bereich legen: Ich untersuchte Lösungen für die Automatisierung der Logistikkette vom Kleinteilelager bis zum Verbrauchsort am Montageband. Das Zusammenspiel zwischen Universität und Unternehmen während meiner Masterarbeit brachte mich auf die Idee, eine Industriepromotion zu versuchen.

Industriepromotion über Montageanlagen

Das Themengebiet konnte ich schnell auf die „Entwicklung wandlungsfähiger Montageanlagen“ eingrenzen. Es klappte! Ich bekam eine Betreuung am Institut für Technische Produktentwicklung der Universität der Bundeswehr in München.

Unter Wandlungsfähigkeit von Montageanlagen versteht man, dass sie schnell und mit geringem Aufwand an unvorhergesehene Änderungen angepasst werden können. Das kann beispielsweise starke Stückzahlschwankungen oder auch Änderungen am Produkt betreffen.

Wandlungsfähig

Ich untersuche dieses Themengebiet während meiner Promotionszeit aus zwei unterschiedlichen Blickrichtungen. Die erste liegt in der Betrachtung wandlungsfähiger Montageanlagen aus produktionstechnischer Sicht: Was macht eine einzelne Anlage in der Endmontage im Automobilbau wandlungsfähig?

Die zweite besteht darin, zu untersuchen, mit welchen Methoden und Methodiken die Entwicklung solcher wandlungsfähigen Anlagen begünstigt wird. Besonders interessant ist dabei, das Ganze in tatsächlichen Projekten ausprobieren zu können. Das Ergebnis, ein Modulbaukasten für die Montage, konnte als neues Projekt eingebracht werden und ist jetzt als Variables Montagesystem (VaMoS) erstmals im oben genannten Betriebsversuch in der Produktion zu sehen.

Einstieg über den Career Day

Für meinen weiteren Weg wurde es dann zu Beginn dieses Jahres spannend. Ich erfuhr, dass in der Verfahrensentwicklung einige Stellen ausgeschrieben wurden und dass man sich für einen Bewerbertag, den Career Day, bewerben konnte. Die erste Erleichterung kam mit der Einladung zu diesem Tag. Bereits am Abend vor dem eigentlichen Career Day ging es für uns ungefähr 60 Bewerber in einem Hotel in Sindelfingen mit einem ersten Kennenlernen bei einem Abendessen los.

Am nächsten Tag wurden wir mit Bussen in die Verfahrensentwicklung gefahren. Dort wurde uns zu den sonst üblichen Stationen wie einem Bewerbungsgespräch und einer Gruppenaufgabe ein abwechslungsreiches Programm geboten. Neben der TF/V stellten sich außerdem die Anlauffabrik und das Technische Kostenmanagement vor, die ebenfalls Stellen zu vergeben hatten. Dadurch konnte auch ich, als junger „alter Hase“ der Verfahrensentwicklung, noch einiges neues aus der Technologiefabrik kennen lernen. Ein Höhepunkt des Programms war definitiv das Fahrevent, bei dem wir die Produkte auf der Einfahrbahn testen konnten.

Fertigungs-Verfahrens-Entwickler!

Nach einigen Tagen des Wartens bekam ich schließlich die positive Rückmeldung zum Career Day. Verbunden mit der Nachricht, dass ich ab Juli als Fertigungsverfahrensentwickler (Zungenbrecher) in der Technologiefabrik anfangen kann! Mein Aufgabenbereich umfasst neben dem Austausch mit Universitäten und Lieferanten, die Koordination von Projektteams zur Technologieentwicklung und die Begleitung der Entwicklung von Technologien von der Idee bis hin zur serienreifen Anlage.

Spielplatz für Erwachsene

Bereits im Praktikum stellte ich fest, dass ich im für mich genau richtigen Bereich gelandet bin. Eigene Ideen einbringen und ausprobieren zu dürfen, macht mir Spaß. Die Zusammenarbeit mit Kollegen aus der Werkstatt, aus dem eigenen und auch aus anderen Teams sowie mit Studenten, die ihrerseits ihr Praktikum oder ihre Abschlussarbeit absolvieren, gibt der Arbeit ihren besonderen Charakter. Gerne vergleiche ich die Verfahrensentwicklung als eine Art „Spielplatz für Erwachsene“, wo Neues ausprobiert und weiterentwickelt wird.

See you in Sifi!

Rückblickend würde ich genau den gleichen Weg wieder einschlagen und hoffe, dass viele junge Kollegen ihren Weg zu Daimler finden! Wir sehen uns in Sindelfingen…


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Dieser Artikel wurde von geschrieben. Er arbeitet als Fertigungsverfahrensentwickler im Team Montagetechnik und Modularisierung in Sindelfingen.

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