SLK aus Bremen: Der 20. Geburtstag!

Seit meiner Kindheit bin ich Mercedes-Fan. Das ist schon mal klar. Was lange Zeit nicht ganz so klar war, war das Modell. Die Lieblingsautos mit dem Stern haben bei mir damals etwas gewechselt.

Wie alles mal begann: Anfangs war mein Traumwagen der 300 SL mit den irren Flügeltüren. Ein großes Poster hing jahrelang in unserem Wohnzimmer. Irgendwann habe ich mir den alten Roadster dann aber aus dem Kopf geschlagen. Ich mochte ihn zwar noch immer, aber er war einfach zu weit weg. Immer nur Bilder, oder vielleicht mal einer im Museum, das hat mir nicht mehr gereicht.

Ein neuer Liebling musste es sein: Der 500 SL aus der R107 Baureihe. Diese Autos waren real. Die fuhren auch schon mal durch so Weltstädte wie Osterholz-Scharmbeck. Mit Alufelgen und auf megabreiten 225er Reifen selbstverständlich. Mein damaliger Chef hatte einen 450 SLC (kein SL, aber immerhin) und ich durfte ihn als Lehrling durch die Gegend chauffieren, als sich der Boss ein Bein gebrochen hatte. Jetzt war ich ganz dicht dran, an meinem Traumwagen, aber das Bein wurde besser und ich musste wieder mit meiner alten Ente zur Berufsschule fahren.

Dann fing ich beim Daimler im Bremer Werk an und als ich dienstlich in Stuttgart war, ist es passiert. Irgendwann in den 1990er Jahren war ich in Sindelfingen im „Versuch“. Das war für uns Bremer natürlich eine komplett andere Welt. In diesen extra gesicherten Hallen, standen die Prototypen oder Studien, die die Welt erst viel später, manche erst in ein paar Jahren sehen würde. Ja, und manche nie!

Da haben mich zwei Bremer Kollegen gefragt, ob ich mal etwas sehr seltenes sehen möchte? Klar wollte ich! Einer der beiden Männer zog einen schweren Vorhang beiseite und plötzlich stand er vor mir: Ein roter SLK R170.

Das war damals natürlich noch alles große Geheimsache und als der Kollege dann auch noch das Verdeck, wie durch Zauberhand, im Kofferraum verschwinden ließ, war für mich alles klar. So einen wollte, nein, musste ich haben. Der SL 500 war vergessen. Es hat dann zwar noch etwas gedauert, aber jetzt sind wir schon seit vielen Jahren stolze Besitzer eines schönen, schwarzen R170. Natürlich mit Ledersitzen und Automatikgetriebe.

Der Anruf

Ein Mann ruft im Kundencenter des Bremer Werkes an und möchte Geburtstag feiern. Nein, nicht seinen eigenen, sondern den 20. Geburtstag des SLK. Zuerst gibt es nur ungläubiges Staunen: „Was zwanzig Jahre ist das schon her, seit wir den ersten SLK gebaut haben“?

Dann beginnt die Planungsphase und Schwupps, ein Jahr später (2016) stehen mehr als 100 SLK im Bremer Mercedes-Werk auf der Einfahrbahn. Dass auch noch alle Fahrerinnen und Fahrer zufällig so geparkt haben, dass ein riesiger Mercedesstern entsteht, ist schon verrückt, oder? Nein, natürlich nicht.

Das Organisationsteam, welches diese tolle Veranstaltung auf die Beine gestellt hat, ist dafür verantwortlich. Das Muster kommt vom 25. Geburtstag des Bremer SL. Aber wer hat eigentlich den Stern ins Rollen gebracht? Wer war der mysteriöse Anrufer? Antwort: Herr Friese von den SLK Classic Freunden hat das ganze Event auf den Asphalt gebracht.

Noch ein Anruf

Und wie bin ich dazu gekommen? Mein Kollege Thorsten Bergemann ruft mich an und macht mich auf etwas aufmerksam. Ich reagiere sofort. Meine Frau meint zwar immer, sofort ist bei mir erst viel, viel später, aber das ist eine andere Geschichte. Über das Intranet werden Mitarbeiter gesucht, die einen SLK fahren und an der Geburtstagsfeier teilnehmen möchten.

Das Auto muss man selbst mitbringen (logisch, oder?) und die Veranstaltung zählt natürlich nicht als Arbeitszeit. Ich bewerbe mich und meine Frau und ich dürfen mitmachen. Allerdings nur, wenn ich auch etwas über dieses einmalige Event in den Computer hacke. Dafür darf ich dann auch als erster auf die Einfahrbahn (ja, mit meinem eigenen SLK) und dann noch vorne im Autokorso durch das Werk fahren. Ich bin begeistert.

Der Geburtstag

Die SLK Classic Freunde sollen angeblich mit fast hundert Fahrzeugen anreisen und als wir beim Kundencenter ankommen, sehen wir schon jede Menge davon. Durch das Tor 10 fahren wir zur Einfahrbahn. Ich hätte gerne die Steilkurve etwas höher angefahren, aber die Faust meiner Frau trifft mich völlig unvorbereitet in die Seite und so fahre ich schön brav auf den mir zugewiesenen Parkplatz.

Wenn mir das mal einer erzählt hätte. Mit meinem eigenen Auto hier auf der Teststrecke herumfahren. Wahnsinn. 311 222 Mal wurde der R170 gebaut. Nur in Bremen versteht sich. Die Nachfolger R171 und R172 sind heute selbstverständlich auch vertreten, allerdings nur in kleiner Stückzahl. Aber auch sie sind echte Bremer Jungs.

Im Kundencenter gibt es nette Reden, Verpflegung und Pokale. Die SLK Classic Freunde sind gut vorbereitet. Es gibt Pokale für den jüngsten (18?) und den ältesten (80?) Teilnehmer . Der älteste Teilnehmer muss den Pokal weitergeben, er hat letztes Mal schon einen bekommen (ist ja klar, man wird schließlich nicht jünger). Die weiteste Anreise hat ein Fan aus Finnland. Dicht gefolgt von Fahrern aus Ungarn, der Schweiz und Luxemburg.

Halle 3

Zurück auf der Einfahrbahn heißt es jetzt: Gentlemen, start your engines! Doch auch einige Frauen drehen den Zündschlüssel herum. Hinter uns steht eine junge Dame mit einem schönen 320er Designo und ihr Mann hat ein noch selteneres Schmuckstück dabei. Einen von nur zwölf gebauten „Mille Miglia“. Ja, und ein SLK steht noch zuhaus bei den beiden. Einfach richtige SLK-Fans eben.

Weiter geht es durch das ganze Werk nach Halle 3. Es ist schon ein tolles Gefühl in diesem Pulk von Roadstern an den Hallen vorbei zu fahren, in denen ich jetzt schon seit über 30 Jahren arbeite. Im Südwerk gibt es noch einen besonderen Empfang. Hier werden die Roadster ja schließlich seit 1996 lackiert und montiert. Der Rohbau in Halle 7 steht im Nordwerk. Aber das nur nebenbei.

Es herrscht Gänsehautstimmung als uns die Kollegen vor der Halle empfangen. Hier kommen Menschen zusammen, die seit vielen Jahren diese klasse Autos bauen und die Kunden, die diese Autos mit ihrem Geld gekauft haben und teilweise richtig verknallt in ihre Lieblinge sind. Wieder gibt es freundliche Worte von den Verantwortlichen, aber noch besser sind die Gespräche zwischen Mitarbeitern und Kunden. Da spielt sich richtig was ab. Es soll sogar Tränen der Rührung gegeben haben. Aber das hier ist ja auch Leben und Leidenschaft pur.

This is Osterdeich

Die Feier im Werk ist vorbei und jetzt wird es ernst. Wir wollen zum Schuppen 1 in die Überseestadt fahren. Mit über 100 Fahrzeugen, mitten durch Bremen und das an einem Freitagnachmittag. Herzlichen Glückwunsch. Für Werder hatten sie damals beim Double noch die Straßen abgesperrt, aber damit können wir wohl heute nicht rechnen.

Wider Erwarten läuft alles glatt. Die SLK Freunde wollen unbedingt am Weserstadion vorbei fahren und den Osterdeich genießen. Gesagt, gefahren.

Schuppen Eins

Seit der Eröffnung bin ich im Schuppen Eins Stammgast und heute komme ich mit dieser riesigen SLK-Gruppe hier an. Ohne Worte. Auch hier werden wir freundlich begrüßt und es gibt lecker Butterkuchen. Allerdings erst nach der offiziellen Rede. Da ließen die verantwortlichen Damen sich nicht erweichen, obwohl ich wirklich Hunger hatte. Ehrlich. Na gut, verhungert bin ich ja nicht und es war auch genug für alle da.

Irgendwann haben meine Frau und ich uns dann verabschiedet. Von Kollegen, die auch einen  R170 fahren und von den SLK-Fans die wir im Laufe dieses tollen Tages kennengelernt haben. Im Café treffen wir noch den Herrn aus der Schweiz mit dem gelben Wagen. Er trägt, passend zum Auto, gelbe Schuhe. Alle Achtung.

Als ich noch mal mit ihm schnacke, entpuppt sich der „Schweizer“ als ehemaliger Sindelfinger Kollege. Vor zehn Jahren fuhr er mit einem schwarzen SLK zum Bodensee und traf eine Frau im silbernen SLK. Jetzt hat er einen gelben SLK und lebt in der Schweiz. Ich fahre lieber nicht zum Bodensee.

Tags: , ,

drucken

Wollen Sie wirklich das Internet ausdrucken?

Sparen Sie Papier und schonen Sie die Umwelt! Nutzen Sie die Funktionen zum Bookmarking oder zur E-Mail-Weiterleitung.

Ihre Daimler AG

Erst wenn Sie klicken, wird die Schaltfläche aktiv und stellt eine direkte Verbindung mit dem jeweiligen sozialen Netzwerk her. Hierdurch werden Daten an das jeweilige soziale Netzwerk übertragen. Bitte lesen Sie unsere Datenschutzhinweise.

Dieser Artikel wurde von geschrieben. Sein Kürzel „HDW“ (für die Nicht-Nordlichter: Anspielung auf Howaldtswerke-Deutsche Werft GmbH= HDW). Er arbeitet im Werk Bremen und schreibt gern über seine Reisen, „sein“ Werk und kleine Alltagserlebnisse an der Waterkant.

Lernen Sie weitere Autoren kennen oder lesen hier mehr über das Blog.

Die letzten 5 Kommentare

  1. Reach for the stars!

    Lisa: Habe gerade den Artikel gelesen und wollte nur mal eben ein großes Kompliment dafür...

  2. SxSW: BBQ, Blockchain, Karten und das Auto der Zukunft

    Sascha Pallenberg: HERE hat die meissten Strassen der Welt kartographiert. Es geht hier vor allen...

  3. Einfach Technik: So funktioniert DISTRONIC PLUS

    hugowilhelm: Ich habe als Rechtsfahrer (nicht ständig Mittelspur) auf der AB folgendes Problem:...

  4. Mein Duales Studium bei Daimler

    Martin: Ein sehr schöner Artikel. Ich finde es immer sehr interessant zu lesen, wie die ersten...

  5. Cross-Company Exchange mit LG Electronics

    Benjamin Schmidt: Sehr schön geschrieben und interessant! Ich freu mich jetzt schon darauf Anfang...