Von Bienen und Schmetterlingen

Stuttgart im Frühling: Der 5. DigitalLife Open Space im Römerkastell, knapp 20 Grad und strahlender Sonnenschein. 100 Bienen und Schmetterlinge brummen unter den blühenden Mandelbäumen umher. Bei genauerem Hinsehen kann ich auch die „Gattungen“ erkennen: Marketing, Sales, Forschung & Entwicklung, IT oder Financial Services…

Die OpenSpace Methode wurde bereits 1985 entwickelt und ist aus einer modernen Unternehmenskultur nicht mehr weg zu denken. Was die alle hier machen? Die eine oder andere Biene wurde sicherlich von den Schwarzwälder-Kirsch Desserts angezogen, aber eigentlich sind alle nur aus einem Grund hier: DigitalLife Open Space 2016.

„Digital Services“ als Oberbegriff

Open Space – „offener Raum“ – Was ist das? Was bringt das? Was kommt dabei heraus? „Ich weiß es nicht“, musste auch Harald Rudolph, Leiter Daimler Strategie, eingestehen als er 2011 zum ersten Mal das Konzept des Open Space bei unserem CEO, Dr. Zetsche vorstellte.

Das Format des Open Space steht für inhaltliche Offenheit: Teilnehmer können Ideen zu einem bestimmten Thema ins Plenum geben und im Anschluss in Arbeitsgruppen frei gestalten. Dieses Jahr wurde unter dem Oberbegriff „Digitale Services“ diskutiert und kollektiv gedacht.

Von Bienen und Schmetterlingen

Dabei können sich die Teilnehmer frei zwischen verschiedenen Arbeitsgruppen bewegen. Man unterscheidet zwischen Bienen und Schmetterlingen:

Bienen, das sind Teilnehmer, die von einer Idee zur nächsten schwirren und jeweils Impulse geben. Der Schmetterling charakterisiert hingegen den Teilnehmer, der sich ganz gerne einmal bei einer Idee niederlässt und dort länger verweilt.

Man solle sich verhalten „so wie es einem gut tut“ erklärt Moderatorin Elke Umbach, die gemeinsam mit Harald Rudolph durch die 1,5 Tage führt. Die Beiden gestalten mit dem DigitalLife Team den Rahmen, die Agenda legen alle Teilnehmer selbst fest. So getan!

Wahnsinnskreativität: 51 Ideen

Tag 1: „So ganz anders als normalerweise beim Arbeiten – Kreativ!“ Gut tut sicherlich sich zunächst zu informieren was in Sachen „Digitale Services“ eigentlich so läuft im Daimler-Konzern. An Marktständen präsentieren sich Mercedes me, Fleetboard, DFS, Truckpad und Mercedes me Retail. Danach brummte der Laden auch schon gewaltig – im Plenum skizzieren die ersten Teilnehmer ihre Ideen und Vorstellungen von digitalen Services für unseren Konzern.

Von beeindruckend professionell vorbereitet und durchdacht – inklusive Power Point Slides auf dem iPad – bis hin zu Ideen wie „Daimler Tinder“, die Interpretationsraum lassen, kommen mehr als 50 Ideen zusammen.

My Car as a Social Network

Auch ich habe den einen oder anderen Lacher auf meiner Seite für meine Messenger-Idee zwischen Fahrzeuginsassen. Du hast doch bestimmt auch schon einmal versucht deinem Ampel-Nachbarn zu sagen – Moment, das geht ja nicht, also gestikulieren – dass sein Licht kaputt ist. Oder was ist aus der süßen A-Klasse Fahrerin im Stau geworden? Oft schlichtweg nichts – ihr konntet euch ja nicht verständigen.

Über drei Runden, unzählige Apfelschorle und Fingerfood hinweg werden die vielen Ideen diskutiert, ausgebaut, verworfen, zusammengeworfen und konkretisiert. Ich entpuppe mich hierbei ganz klar als Schmetterling und freue mich über zahlreichen Blütenstaub, der an meinem Flipchart hängen bleibt.

Top 20 Ideen für den Folgetag

Bevor es zum gemeinsamen Ausklang in der Abendsonne geht, hatten alle Bienen und Schmetterlinge die Möglichkeit, alle Ideen mit Punkten zu bewerten. So werden für den Folgetag die Top 20 Ideen identifiziert. Trotzdem sind die erarbeiteten Ideen ein wichtiges Zeichen: Wir haben an allen Ecken Mitarbeiter, die vor Ideen sprudeln und Unternehmen für die Zukunft vorantreiben. Am Ende des Tages sind sich alle einig „Wir haben heute was geschafft!“. Und das ohne Agenda, ohne festgelegte Pausen, ohne Hierarchie.

Überzeugt vom Konzept und vom kulturellen Wandel bei Daimler zeigt sich auch Chef-Stratege Wilko Stark bei seinem Besuch am Ende des ersten Tages. Er betont die Bedeutung von jedem Open Space Teilnehmer als Botschafter, der zurück in die Organisation fliegt und den Open Space-Blütenstaub weiter verteilen soll (Vielleicht lesen ja auch Sie gerade meinen Artikel und denken sich „Das wäre doch was für den nächsten Team Workshop!?“).

Pitchen was das Zeug hält

Tag 2: „Daimler, the original startup – wir haben es in den Genen!“. Wer dachte lauter als an Tag 1 kann ein Schwarm Bienen und Schmetterlinge gar nicht brummen, hat sich getäuscht. Die Spannung bezüglich der 20 besten Ideen liegt bereits beim Get Together zum Frühstück in der Luft. Es folgt eine intensive Vorbereitungsphase: jede der 20 Ideen bekommt die Chance seine Idee vor allen Teilnehmern noch einmal in einem einminütigen Pitch zu präsentieren. Eine Minute, keine Sekunde mehr.

Man kann Pitches in einer Minute machen. Wenn es nicht klappt, dann war vielleicht die Idee zu schwammig.

Zwei besondere Gäste sorgten zusätzlich für einen Kick – Wilko Stark ist wieder da und hat Ola Källenius – Vorstandsmitglied und verantwortlich für den Mercedes-Benz Cars Vertieb – mitgebracht. (Ich bin nervös.)

Begeisterung für Innovation

Sich an den zeitlichen Rahmen zu halten, klappt bei dem einen mehr, bei dem anderen weniger und geht dann schnell in tosendem Applaus unter. Aber während die eine Idee sich betont lässig mit Sonnenbrille und Skateboard präsentiert, der andere immer einen Spruch auf den Lippen hat („Who the hell is customer Mr. Schmidt?!“) oder eine eher sachliche Präsentation abliefert  – eines haben alle gemeinsam: Begeisterung für Innovation.

Innovationen, die können wir, so Ola Källenius in seiner Key Note zur Bedeutung von digitalen Services. Er beschreibt Daimler als  „the original startup, und damit haben wir es in den Genen!“. Er unterstreicht dabei die Bedeutung von Disruption. Das Pferd mit dem Motorwagen zu ersetzen – das war disruptiv.

Welche der „gepitchten“ 20 Ideen das Potential disruptiv zu sein hat, wird bei einem weiteren Bienenflug evaluiert. Getreu dem Prinzip „Agenda und freies Arbeiten“ sagt sich Ola Källenius „Ich habe Zeit!“. Er unterhält sich mit jedem Pitch-Teilnehmer, verteilt dabei fleißig seine Punkte und gibt Feedback.

In meinem Fall hat er sicherlich sofort bemerkt, dass ich so überzeugt von der Idee war, dass ich den Produktlaunch am liebsten schon morgen hätte.

Digital Life Team

Next Level: DigitalLife Day

Bei der anschließenden Ernennung der Top 10 fühlt sich eigentlich jeder mindestens einer Gewinneridee zugehörig, da man garantiert an einer vorbeigeschwirrt ist. Am Ende stimmen alle Teilnehmer zu, dass es mehr von diesem disruptiven Konzept im Arbeitsalltag braucht – wir haben es schließlich in den Genen!

Ich freue mich wenn der eine oder andere von euch am DigitalLife Day herumschwirrt… Die Top 3 Ideen aus diesen 1,5 Tagen werden dann im Mai beim 2. DigitalLife Day vorgestellt. Ich bin schon sehr gespannt!


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