Arocs HAD: Vom Trucking und Erklären

Ich wusste schon mit 16, was ich später einmal machen wollte. Meine ersten Erfahrungen mit Trucks habe ich nach der Realschule in der Ausbildung zum Berufskraftfahrer gemacht, direkt im Anschluss die Ausbildung zum Auto-Elektriker bei einem Mercedes-Benz Händler. Auch mein erster Truck war ein Mercedes-Benz, Modell SK 1735.

Nach meiner Ausbildung habe ich die Fachhochschulreife nachgeholt. Trotzdem hatte ich dann erstmal genug von der Schule und wollte wieder zurück auf die Straße, deshalb war ich dann im Anschluss zwei Jahre als LKW-Fahrer im Fernverkehr unterwegs. Sowohl national als auch international habe ich die verschiedensten Güter von Milchprodukten bis Autoteile transportiert.

Später habe ich dann mein Betriebswirtschaftsstudium mit Fachrichtung Logistik und Unternehmensführung absolviert. Der Plan war, im Bereich Logistik zu bleiben und deshalb habe ich meine Diplomarbeit bei Mercedes-Benz Charter Way in Stuttgart geschrieben und bin 1998 ins Unternehmen eingestiegen. Dort war ich in der Transportlogistik drei Jahre lang für das Qualitätsmanagement zuständig bis ich dann 2001 zum Produktmanagement für Nutzfahrzeuge/LKW gewechselt bin.

Von der Hochschule zu HAD

Besonders mag ich Fahrveranstaltungen und Events mit Kunden oder Journalisten, bei denen gestandene Männer auch bei allen Zahlen und Fakten ein wenig ihren Kindheitsträumen nachhängen und mit großen Maschinen „spielen“ können. So wie neulich im Steinbruch bei Weilheim.

Da ich ja selbst einen LKW-Führerschein habe, konnte ich das HAD (Hydraulic Auxiliary Drive) beim Arocs-Truck mit seinen technischen Besonderheiten auch im Einsatz ausgiebig testen. Das System wurde dafür entwickelt, um in schwierigen Fahrsituationen nicht stecken zu bleiben und die Baustelle wieder sicher zu verlassen. Das Schöne an dem System ist, dass es aus Fahrersicht sehr einfach per Knopfdruck zu bedienen ist. Diese intuitive Bedienbarkeit ist sehr wichtig, damit das System auch vom Fahrer akzeptiert wird.

Technisch gesehen sorgt HAD für zusätzliche Leistung auf die Vorderachse. Der hydraulische Zusatzantrieb wirkt wie eine Anfahrhilfe. Wenn er aktiviert wird, erzeugt die Hydraulikpumpe, angetrieben vom motorseitigen Nebenabtrieb, einen Druck von bis zu 450 bar, der dann an die Vorderachse übertragen wird und für mehr Traktion sorgt.

Dennoch ist HAD nicht vergleichbar mit einem permanenten mechanischen Allrad-Antrieb, und bietet entscheidende Vorteile. Während ein Allrad-Getriebe deutlich schwerer ist und mehr etwa 6 bis 8 Prozent mehr Kraftstoff verbraucht, ist der temporär nutzbare HAD-Antrieb besonders effektiv im Mixbetrieb zwischen Baustelle und Autobahn. Außerdem ist die Rahmenhöhe bei einem Fahrzeug ohne Allrad-Antrieb deutlich niedriger und sorgt für mehr Fahrkomfort, und der ist bei 80 000 Kilometer im Jahr, nicht zu vernachlässigen.

Der HAD erfüllt damit den Bedarf nach einer Alternativ-Lösung zum Allrad-Antrieb.

Natürlich kommt der HAD auch mal an seine Grenzen, wenn das Wetter besonders schlecht ist, aber das Risiko dann doch mal stecken zu bleiben ist kalkulierbar. Außerdem sind Baustellen und Deponien auch in der Regel so angelegt, dass die Fahrzeuge da gut wieder raus kommen.

Vielfältigkeit und Komplexität

Das spannendste an meinem Job ist die Vielfältigkeit und Komplexität. Jeder Kunde hat heute spezifische Anforderungen und braucht ein maßgeschneidertes Produkt für seinen Einsatzzweck.

Meine konkrete Aufgabe hier in Stuttgart dabei ist die Betreuung einzelner Vertriebsgesellschaften in Deutschland, der Schweiz, Österreich, Schweden, Finnland, Dänemark und Norwegen. Im Produktmanagement sind wir für alle A-Baureihen zuständig und besprechen die neuen Produkte mit den Kollegen in den Vertriebsgesellschaften. Aber auch Fragestellungen sowie Probleme aus den Märkten stehen auf der Tagesordnung. Die Kollegen in den Ländern kümmern sich um die Verkäufer und Händler, die im direkten Kundenkontakt stehen. Neben diesen Aufgaben bringen wir unsere Markt-und Kundenexpertise in aktuelle Produktprojekte ein. Aber auch auf Messen oder bei Presseveranstaltungen wie in Weilheim  entsteht ein der Dialog mit Kunden, Journalisten oder Fahrern, die ihre Themen konkret ansprechen und mit uns. Hier in Weilheim hatten wir zusätzlich noch die Möglichkeit, ein Fahrzeug auf der Hebebühne auszustellen, sodass man die einzelnen Leitungsführungen und Komponenten des HAD auch aus der Froschperspektive betrachten kann.

Fahren und funken

Der Spaß am aktiven LKW-Fahren ist mir noch nicht verloren gegangen. Ich nutze sehr gerne die Gelegenheit bei regelmäßigen Vergleichsfahrten hinters Steuer zu kommen. So kann man auch das Produkt viel besser kennenlernen und einschätzen. Ich fahre auch richtige Touren, bei denen ich die ganze Woche unterwegs bin, es macht mir wirklich Spaß, aber ich freue mich auch immer wieder auf meinen normalen Job. Dadurch bin ich sensibilisiert für die Bedürfnisse und Anforderungen der LKW-Fahrer und unserer Kunden. Auch die Nutzung des CB-Funks finde ich richtig gut: zum einen ist es einfach witzig, wenn man in der Kolonne im Stau steht und wartet, aber es kann auch richtig nützlich sein, wenn man gewarnt wird vor Kontrollen, Staus oder Unfällen oder einfach nach dem Weg fragen will. Eine richtig gute Hilfe im Verkehr!

Autonomes Fahren in der Zukunft

Die zukünftigen Lösungen, die wir heute schon in unseren Fahrzeugen erproben, bieten enorme Chancen für den Fahrer. Zum Beispiel kann teilautonomes Fahren einerseits den Fahrer auf monotonen Strecken entlasten und das Unfallrisiko deutlich senken, und andererseits wird Ihm im diese Zeit möglicher weise nicht als Lenkzeit angerechnet, so dass in den strikt vorgegebenen Lenk-und Ruhezeiten sowie Schichtzeiten mehr Flexibilität entsteht.

BAUMA

Die BAUMA in München ist die weltgrößte Baumaschinen-Messe. Zwar ist die LKW-Sparte dort verglichen mit den Baumaschinenherstellern ein relativ kleines Licht, aber es ist dennoch wichtig, für uns dort präsent zu sein. In den Gesprächen mit Kunden oder Fahrern geht es zum einen ganz konkret um die einzelnen Produkte, aber auch um den Austausch von Erfahrungen, sowohl positive als auch negative.

Mein Traum-Truck

Wenn ich mir selbst einen persönlichen Traum-Truck zusammenstellen könnte, wäre mir neben einem komfortablen Arbeitsplatz hinter dem Lenkrad, ein gutes Soundsystem wichtig. Schließlich hat ein Arbeitstag im Truck regelmäßig 10 Stunden. Ebenso sind (Stand)-Klimatisierung und bequeme Betten wichtige Aspekte die ein Truck erfüllen muss, damit auch die Erholung in den Pausen nicht zu kurz kommt. Habe ich erwähnt, dass ich gerne Actros fahre?


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Er ist Produktmanager für Nutzfahrzeuge/LKW bei Daimler.

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