Formel 1 in der Schule

Von kleinen Autos und großer Begeisterung. Woran denken Sie bei Fahrzeugentwicklung, Sponsoring, Messeständen, und über alle Maßen engagierten Teams? Rennfahrer, Ingenieure, Formel1? Ich auch. Im Gegensatz zu Ihnen sind die Teammitglieder bei mir aber 11-19 Jahre alt und gehen noch zur Schule.

„Und was genau haben die jetzt mit Formel 1 zu tun?“, fragen Sie sich jetzt – dieser Verwirrung will ich natürlich schnell ein Ende setzen…

Start in England

Der Ende der 90er Jahre von Andrew Denford in Großbritannien gegründete Wettbewerb „F1inschools“ kam 2006 als Formel 1 in der Schule das erste Mal nach Deutschland – damals haben gerade einmal 7 Teams teilgenommen – und feiert dieses Jahr die 10. Deutsche Meisterschaft in Berlin – mit immerhin 231 Teams.

Worum geht’s?

Aber worum geht es dabei eigentlich? Formel 1 in der Schule ist ein multidisziplinärer, internationaler Technologiewettbewerb – der weltweit größte dieser Art – bei dem Schülerteams aus 3-6 Mitgliedern in 2 Alterskategorien Formel 1-Rennwagen bauen. Klingt erst einmal wenig spektakulär, aber nur, bis man sich vor Augen führt, was die Schüler – in ihrem Alter! – alles tun müssen:

Alles beginnt mit der Fahrzeugentwicklung mit einer 3D CAD-Software (SolidEdge). Dazu gehören CFD-Analysen in einem virtuellen Windkanal zur aerodynamischen Optimierung und Weiterentwicklung. Anschließend geht es an die Produktion der Fahrzeuge mit einer CNC-Fräse, CAM, 3D-Druckern und vielem mehr. In der Lackierung nimmt das Fahrzeug weiter Formen an und der Höhepunkt ist natürlich die „Hochzeit“.

Zum Fahrzeug gehört auch das Team, das eine Corporate Identity benötigt, vor allem in Kleidung und Image. Dieses Design findet auch auf Messen mit Flyern und Giveaways und online auf der Website Verwendung. Weitere Aufgaben sind die Präsentation und das Projektportfolio, die Entwicklung von Sponsoring- und Marketingkonzepten genauso wie ein Businessplan und das Projektmanagement.

Die Schüler führen eine Art „Mini-Automobilunternehmen“

Die Liste lässt sich beliebig fortsetzen. Wichtig dabei ist: Die Schüler führen eine Art „Mini-Automobilunternehmen“ – vom Businessplan und der Finanzierung über die Umsetzung bis hin zu Marketing und Messeauftritt, und natürlich dem Rennen selbst. Jedes Teammitglied hat dabei seine Rolle – Teammanager, Grafikdesigner, Konstrukteur, Produktionsingenieur, Sponsoring-Marketing-Beauftragter. Und dabei begleitet sie zwar ein Betreuer (Lehrer, Elternteil), sie sind aber weitestgehend auf sich allein gestellt – vor allem, weil die Betreuer nach ein paar Wochen Projektlaufzeit in der Breite und Tiefe der Themen gar keinen Durchblick mehr haben. Und falls Sie jetzt denken, da spielen nur Jungs mit Autos, liegen Sie völlig daneben:

F1iS verzeichnet einen Mädchenanteil von knapp 35%!

Das Projekt startet für gewöhnlich im Herbst, manche Teams sind aber auch schon über die Sommerferien fleißig. Da gilt es, die Regionalmeisterschaft (pro Bundesland) vorzubereiten, um dort einen Startplatz für die Deutsche Meisterschaft im Mai zu ergattern – immerhin darf nur der Landesmeister dort starten.

Teams aus 23 Ländern bei der Meisterschaft

Und dann muss in den circa zwei Monaten zwischen Regionalmeisterschaft und DM ein neues Fahrzeug, Messestand, Portfolio und Präsentation her – immerhin ist der Standard auf einer DM schon fast auf WM-Niveau, so zumindest die Aussage von Begründer Andrew Denford, die uns sehr geschmeichelt hat. Sie haben richtig gelesen: Es gibt auch eine Weltmeisterschaft, bei der Teams aus 23 Ländern (aus weltweit über 40 teilnehmenden Ländern) aufeinander treffen. Die findet jedes Jahr im Herbst im Vorlauf eines Grand Prix der „richtigen“ F1 statt, dieses Jahr z.B. in Austin, Texas. Das Weltmeisterteam erhält dann nicht nur die heißbegehrte World Champion Trophy, sondern auch ein Stipendium für die London City University. Und was haben hier Toto Wolff und die F1iS gGmbH gemeinsam? Beide sind mit ihren Teams amtierende F1 Weltmeister! Nur ist die kleine F1 dafür mit über 700 Fahrzeugen angetreten…Und noch etwas: Die deutschen Teams sind vermutlich diejenigen mit den bisher meisten Innovationspreisen (alles andere wäre ja komisch, oder?).

Die Leistungen der Teams werden auf all diesen Ebenen von einer freiwilligen Jury bewertet, die sich aus Vertretern aus Wissenschaft (Hochschulen, Universitäten) und Wirtschaft zusammensetzt – so präsentieren 13jährige auch schon mal ihr Projekt vor einem Geschäftsführer oder Professor und steigen in Fachdiskussionen ein, bei denen Außenstehende nur noch Bahnhof verstehen.

Unglaublich, was die Kids auf die Beine stellen

Ich selbst habe in meiner Schulzeit 2 Jahre teilgenommen und mit meinem Team immerhin vordere Plätze bei der DM belegt. Seitdem habe ich einen Rennstall betreut und bin als Juror tätig, und durfte als solcher sogar schon einer WM in Abu Dhabi beiwohnen. Und ich kann Ihnen sagen – es ist einfach unglaublich. Nicht nur, was man als Schüler alles lernt und für Erfahrungen macht, auch die Kontakte, die man knüpft (ich habe z.B. Schumi getroffen). Auch von der anderen Seite zu sehen, was die Kids jedes Jahr wieder auf die Beine stellen – diese Professionalität, Innovationskraft, und pure Leidenschaft, mit der viele dabei sind – da kriege ich gleich wieder Gänsehaut und freue mich auf den nächsten Wettbewerb!

Rätselhaft

Abschließend ein kleines Rätsel für Sie: Die Rennboliden sind ca. 20cm lang und haben ein Mindestgewicht von 55g; die Rennbahn ist 20m lang und angetrieben werden die Fahrzeuge mit einer CO2-Partone (Rückstoßprinzip). Bei wieviel Sekunden liegt wohl der Streckenrekord? (Der wird übrigens seit letztem Jahr endlich von uns gehalten.) Die Auflösung inkl. dem Ergebnis der DM gibt’s in KW19.

Live dabei sein

Falls dieses Projekt Ihr Interesse geweckt hat – sei es als Besucher, Juror, Betreuer (ob Eltern oder Lehrer) –  können Sie auf www.f1inschools.de vorbei schauen oder sich direkt an mich wenden. Ich freue mich über eine Frage oder Kommentar! Außerdem ist am 30. April in der Metropolis Halle am Filmpark Babelsberg die 10-Jahre-Jubiläums Deutsche Meisterschaft von Formel 1 in der Schule – Sie können also live dabei sein!

Hier noch ein Eindruck von der letzten WM 2015 – ein einmaliges Erlebnis:


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