Daimler Hauptversammlung – menschlich gesehen

Große Hauptversammlungen sind auch großes Kino: Unternehmen treffen auf Aktionäre. 5500 Menschen mit Fragen, Interessen, manchmal Wut im Bauch. Daimler-Vorstände, Aufsichtsrat und Wertpapierbesitzer legen sich die Karten.

Wie ist der Beziehungsstatus? Zwischen Firma und Besitzern? Ich möchte gerne ein paar Menschen vor und hinter den Kulissen kennenlernen. Zunächst aber mal ein paar Fakten zur (Geschäfts)-beziehung: Daimler-Aktionäre haben derzeit viel Grund zur Freude, schließlich dürfen sie sich auf eine Rekorddividende von 3,25 Euro pro Anteilsschein freuen – in Summe macht das 3,5 Milliarden Euro.

Bestwerte und Beziehungspflege

Das kommt nicht von ungefähr: Das vergangene Jahr war das erfolgreichste in der Unternehmensgeschichte. Daimler erreichte Bestwerte bei Absatz, Umsatz und Ergebnis. Und Dieter Zetsche verspricht den Aktionären eine Fortsetzung: „Alle Anzeichen sprechen dafür, dass auch 2016 ein gutes Jahr für Daimler wird“, sagt er bei seiner Rede.

Und bekommt dafür Applaus. Ich finde es, gut ganz im Sinne der Beziehungspflege, dem Aktionär dann auch gleich mal zu zeigen, dass Autohersteller, die auch in Zukunft erfolgreich sein wollen, nichts weniger tun müssen, als das Produkt Auto neu zu erfinden.

Wir erleben den tief greifenden technischen Umbruch in der Branche: Einführung alternativer Antriebe, die Vernetzung der Fahrzeuge und autonomes Fahren. Daimler will auf all diesen Innovationsfeldern die Nase vorn haben. Dieter Zetsche sagt:

Vor 130 Jahren haben wir das Auto erfunden. Heute treiben wir seine Neuerfindung voran. Wir sind und bleiben Pioniere der Mobilität

Laureus und soziale Verantwortung

Ich mache mich auf den Weg durch den CityCube, ströme mit der Menge durch die Gänge. In der Eingangshalle gehe auf Anita Greiner zu, der Geschäftsführerin von Laureus. Die Stiftung hat bei der HV einen eigenen Stand im Eishockey-Design. Die Laureus Sport for Good Foundation genießt einen hohen Status bei Daimler und gilt als wichtiges Corporate Social Responsibility Projekt des Unternehmens, siehe auch hier.

Aus gutem Grund: Seit Jahresbeginn hat die Stiftung mehr als 150 sportbezogene soziale Projekte auf der ganzen Welt unterstützt und in Deutschland fördert sie 16 Projekte mit dem Ziel, jungen Menschen neue Fähigkeiten zu vermitteln und Gemeinschaften einander näherzubringen. Dabei geht es auch um gesellschaftliche Herausforderungen wie Integrationsprobleme, Diskriminierung und Jugendkriminalität.

Anita Greiner mit Paul Schif von der Laureus Sport for Good Foundation

„Und hier in Berlin haben wir zum Beispiel das Projekt „KICK on Ice“ sagt Anita Greiner. Das erklärt das Eishockey-Design des Standes. „Wir bieten Eissportveranstaltungen für Kinder und Jugendliche an, die nicht in Vereinen organisiert sind. Derzeit spielen acht Eishockey-Teams um die KICK-Meisterschaft. “ Eine wirklich gute Sache. Von der noch viel mehr Aktionäre wissen sollten.

Rede und Antwort stehen

Einer der gefragtesten Menschen in punkto „aufschlauen“ heute ist Björn Scheib, Leiter Investor Relations bei Daimler. „Für unseren Bereich ist die Daimler-Hauptversammlung einer der wichtigsten Tage im Jahr“ sagt er.

Heute stehen wir den Aktionären Rede und Antwort. Aber es werden auch wichtige Beschlüsse für Daimler getroffen z.B. Aufsichtsratwahlen oder zur Dividendenausschüttung.

Insgesamt 6000 Aktionäre aus 20 Ländern sind hier vor Ort und vertreten über 50% der ausstehenden Aktien. Wir geben Auskunft, was Daimler sich für die Zukunft vorgenommen hat. Aber unsere Aktionäre haben auch die Möglichkeit unsere Produkte zu erleben und einen Dialog mit dem Vorstand zu führen. Meine Kollegen und ich freuen uns auf die alljährliche Veranstaltung. Jede HV ist anders und hat ihre eigenen Besonderheiten.

Der kategorische Imperativ

Vor ein paar Wochen las ich einen Artikel in der Zeitung „Die Welt“ über Corporate Governance, also „gute Unternehmensführung“. Manfred Gentz, der Chef der Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex, sagte dort in einem Interview, Manager und Unternehmer müssten in Fragen der Moral wieder mehr auf ihre innere Stimme hören. Das ist für Gentz die Antwort auf die jüngsten Krisen bei einigen großen Konzernen.

Wie beurteilt das Scheib aus Sicht von Investor Relations bei Daimler? „Das sehen wir ganz klar und einfach. Dass man sich auf gut Schwäbisch beim Geschäft was denkt und man am nächsten Tag in den Spiegel schauen kann. Es ist einfach der ‚kategorische Imperativ‘.“

Ethisches Handeln sollte den Unternehmens-Kompass bestimmen. Das erwarten unsere Aktionäre von uns.

Organisation: Läuft!

Und die Aktionäre erwarten auch, dass an einem Tag wie heute alles läuft. Funktioniert. Von der neuen Induktionsschleife für gehörlose Menschen (bekommen den O-Ton der Sprecher direkt auf das Hörgerät), über ein umfangreiches Fahrzeug-Display samt Explainern. Und genügend Würstchen beim Catering, aber dazu komme ich später noch.

Das verdanken wir alle, intern wie extern, dem Team von Ingrid Traub, die bei Investor Relations die Hauptversammlung organisiert. „Das Spannende daran ist, dass man bei der Organisation mit allen Bereichen des Unternehmens zusammenkommt, ob es die Fahrzeugstellung aus dem Werk Sindelfingen ist, die Rechtsabteilung, das Protokoll, der Kommunikationsbereich – jeder leistet seinen Beitrag“ sagt Ingrid Traub. Eine Kollegin, die an einem Stresstag wie diesem alles im Griff hat.

Familienunternehmen

Genau wie Nicole Kirschner, die Auszubildende Mechatronikerin, die vor den staunenden Blicken älterer Herren einen AMG-V8-Motor auseinanderschraubt. An diesem HV-Stand zeigen sie und die anderen Azubis, was sie können. „Ich war immer schon eine, die gerne mit den Händen arbeitet, nur vor dem Bildschirm zu hocken, ist nichts für mich“ lächelt Nicole Kirschner.

Der Vater war Vorbild: „Er arbeitet für Daimler im Werkzeugbau im Werk in Mettingen“ sagt Kirschner stolz. Für mich ist das genau eine dieser Familiengenerationen-Geschichten, die ein Unternehmen stark machen.

Digital Life@Daimler

Das krasse Gegenteil von Nicole Kirschner ist Sebastian Thiemt. Ihm gibt man lieber keinen Schraubenschlüssel in die Hand. Sondern ein Smartphone mit Extra-Akku für die nächsten zehn Stunden. Er stellt auf der HV im Rahmen von DigitalLife@Daimler seine App-Idee „pacTris“ als Beispiel für die Innovationskultur vor. Eine App, die Kunden hilft, ihren Einkauf perfekt in den Kofferraum zu verladen.

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Zusammen mit zwei Kollegen hat er diese Mitarbeiteridee letztes Jahr entwickelt, auf dem DigitalLife Day von Daimler vorgestellt, und als Gewinneridee innerhalb von 8 Wochen finalisiert. Ein Schritt in Richtung Innovationskultur, pacTris fühlt sich wie ein internes Start-up an. Und das, psst, beim „alten Daimler“.

Sebastian Thiemts Idee ist sicher auch etwas für junge Aktionäre wie Markus Deutschmann und seine Partnerin Anna Britschka, die sich sowohl für das digitale Leben, aber auch für einen klassischen Roadster wie den neuen Mercedes SL begeistern können. Kommt Zeit, kommt Cabrio!

Wurst Case Szenario

Es ist schon Nachmittag, Aufsichtsratsvorsitzender Manfred Bischoff hätte bestimmt Lust, die Fragenrunde und damit die Hauptversammlung im großen Saal so langsam ihrem Ende entgegenzuführen, aber solange es Fragen gibt, werden sie auch von den jeweils zuständigen Vorständen beantwortet.

 

Und dann sind da dann noch kurz vor Schluss die beiden Aktionäre, bei denen es um die Wurst geht. Der eine soll versucht haben, Würstchen in größerem Umfang vom Buffet in die Tasche zu stecken. Die andere ist lautstark dagegen. Es folgt ein Streit, dann folgen der Sicherheitsdienst und schließlich die Polizei. „Wir haben die Polizei gerufen, um zu schlichten“, sagt Manfred Bischoff oben im Saal während der Beantwortung von Aktionärsfragen. Es habe sich um „Saitenwürschtle“ gehandelt. Bei so vielen Menschen „würschtelt“, also „menschelt“ es eben auch manchmal.

SPS statt DPS?

Vielleicht sollten wir anstatt Dividende per Share lieber SPS einführen (Saitenwürschtle per Share)?

Fazit

Wie war der (lange) Tag für Bodo Uebber, Daimler-Finanzvorstand? „Die HV verlief lebhaft und konstruktiv“ zieht Uebber ein positives Fazit.

Besonders im Fokus waren dabei Fragen zur Dividende, der Geschäftsstrategie, zu Elektrifizierung & Digitalisierung sowie Fragen zur Beschäftigung. Die Vorschläge der Verwaltung wurden mit großer Mehrheit beschlossen. Und letztendlich können sich am Ende alle Aktionäre auf die Dividende von 3,25€ pro Aktie freuen!

Und ich freue mich schon wieder auf das nächste Jahr. Ob mit oder ohne Würstchen.


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