Ich brenne für die Brennstoffzelle

Viele zweifeln an ihr – ich bin der festen Überzeugung, dass sie eine zukunftssichere Ergänzung, wenn nicht sogar eine Alternative zum Verbrennungsmotor darstellt, den Carl Benz vor 130 Jahren erfunden hat: Die Brennstoffzelle.

Seit über sechs Jahren bin ich schon ein Teil der Daimler AG. Durch mein duales Bachelorstudium der Fachrichtung Maschinenbau an der DHBW in Stuttgart bin ich im Jahr 2009 ins Unternehmen eingestiegen und habe seit diesem Zeitpunkt schon ziemlich viel erlebt.

Mein Weg begann in der Ausbildungswerkstatt in Brühl. Um  eine praktische Grundlage für das Studium zu legen gab es dort für alle DH-Studenten erst einmal eine mechanische Grundausbildung. Da hieß es: Drehen, Fräsen, Schweißen!

Nachdem an diesen Fähigkeiten genug gefeilt wurde, sollte auch unser Verständnis für das Hauptgeschäft des Unternehmens – die Fahrzeuge mit Stern – geschult werden.

Motoren, Projektplanung & Innovationen

Was liegt da näher als das Herzstück eines Autos einmal ganz genau unter die Lupe zu nehmen? Zu diesem Zweck haben wir in Brühl einen Motor komplett auseinander und wieder zusammen gebaut. Das war aber nur eine von vielen spannenden Aufgaben, die wir bewerkstelligen mussten.

Außerdem bekamen wir während dem Studium eine Projektmanagement-Schulung. Mit einem festgelegten Budget durften wir anschließend ein eigenes Innovationsprojekt durchführen.

Mit meinem Team haben wir eine Vorrichtung unter der Motorhaube integriert, durch die eine Schutzfolie an der Windschutzscheibe hochgefahren werden kann. Die Idee war, gegen die Tücken der einzelnen Jahreszeiten gerüstet zu sein:

Im Sommer schützt sie den Innenraum vor Sonnenstrahlung und im Winter die Frontscheibe vor der Eisschicht, die sich nachts bei Frost auf die Scheibe legt.

Wir hatten riesigen Spaß an dem Projekt, auch wenn unsere Idee nicht umgesetzt werden konnte, da die Konstruktion für eine Serienproduktion nicht robust genug war.

Praxiseinsätze und Bachelorarbeit

Meine weiteren Praxiseinsätze waren unter anderem in der Produktionsplanung in Untertürkheim und dem Getriebewerk in Cugir, Rumänien. Den fünften und sechsten Praxisblock habe ich in meinem jetzigen Team verbracht.

Dort habe ich auch meine Abschlussarbeit mit dem Thema „Entwicklung einer Methode zur Charakterisierung und Bewertung von Schnittkanten an Brennstoffzellenmaterialien und die Empfehlung eines jeweiligen Verfahrens“ geschrieben.

Und weil es mir dort so gefallen hat, bin ich einfach dageblieben!

Das Team hinter der Brennstoffzelle

Wir sind eine wahnsinnig junge Truppe im Bereich „Verfahrensentwicklung Brennstoffzelle“, die gemeinsam mit dieser Technologie absolutes Neuland betritt und große Gestaltungsmöglichkeiten hat. Das schweißt zusammen und bringt eine riesige Dynamik mit sich.

Meine Aufgabe ist die Entwicklung von Fertigungsverfahren für die Brennstoffzellenherstellung aus hochempfindlichen Einzelfolien. Die beschichtete Membran hat eine Dicke von ca. 30 Mikrometern.

Das ist gerade einmal der Hälfte eines menschlichen Haares! Entsprechend anspruchsvoll sind die Fertigungsverfahren, die wir entwickeln.

Die täglichen Aufgaben

Ich bin zuständig für die Entwicklung aller Schneid- und Fügeprozesse dieser Einzelfolien. Das beinhaltet die Charakterisierung und Bewertung der Güte dieser Prozesse, die Auswahl des am besten geeigneten Verfahrens, sowie die Entwicklung der entsprechenden Module für den Produktionsprozess.

Meine tägliche Arbeit setzt sich aus drei Aufgabenstellungen zusammen: Der Laborarbeit im FCell Lab, der Zusammenarbeit mit Entwicklungspartnern und der Abstimmung mit den Produktentwicklern und der Daimler Produktionsabteilung in Vancouver, Kanada.

Das Reinraum-Labor aka FCell Lab

Im FCell Lab, unserem Reinraum-Labor, muss eine spezielle Ausrüstung getragen werden, um die Sauberkeit des Labors nicht zu gefährden. Zu dieser Ausrüstung gehören spezielle Schuhe, Kleidung und ein Haarnetz. Um ins Innere des FCell Labs zu kommen muss man durch eine Luftschleuse in der die Schmutzpartikel von der Kleidung entfernt werden.

Erst dann darf das Labor betreten werden. So wird sichergestellt, dass unsere Prozesse im Labor nicht durch störende Schmutzpartikel beeinflusst werden.

Die Versuchsteile, die wir im Labor herstellen, überprüfen wir dann mit modernster Messtechnik auf ihre Qualität. Anschließend diskutieren wir die Ergebnisse intern.

Freizeitbeschäftigung: berufsbegleitendendes Masterstudium

Um mein Wissen im Bereich der Alternativen Antriebe weiter auszubauen habe ich im Oktober meinen berufsbegleitenden Master of Engineering im Bereich der alternativen Antriebe angefangen. Deshalb bin ich zurzeit nur drei Tage pro Woche in Untertürkheim an meinem eigentlichen Arbeitsplatz.

Mittwochs unterstütze ich den Bereich Business Innovation in Leinfelden und schreibe dort eine Projektarbeit für mein Masterstudium. Die Vorlesungen dafür besuche ich freitags und samstags.

Ich verbringe auch viel Freizeit damit, die Vorlesungen und Inhalte aufzuarbeiten. Deswegen bin ich aktuell auch ganz gut ausgelastet und entsprechend voll ist auch mein wöchentlicher Terminplan. Ich bin mir aber sicher, dass sich die Strapazen auszahlen werden und ich mich in Zukunft noch besser bei den alternativen Antrieben einbringen kann.

Überlasten tut mich das ganze bisher nicht – dafür gefallen mir das Themengebiet und meine Arbeit viel zu gut.

Falls ich neben Job und Studium noch Zeit habe, gehe ich zum Yoga, spiele im Sommer Tennis, im Winter gehe ich Skifahren und außerdem bin ich ein großer Kino-Fan!

Traumauto: Starkes Design und innovativer Brennstoffzellenantrieb

Wenn ich mir mein Traumauto wünschen dürfte wäre es dem F015 oder dem Concept Car IAA sehr ähnlich: Eine Verbindung aus starkem Design und innovativem Brennstoffzellenantrieb. DAS wäre ein echtes Traumauto

Mercedes-Benz wird in 2017 ein Serien-Brennstoffzellenfahrzeug auf Basis des GLC vorstellen. Dieses Fahrzeug wird hoffentlich den Weg für weitere Modelle ebnen.

Vielleicht bieten wir dann zukünftig ein solches Fahrzeug mit außergewöhnlichem Design an, ähnlich den Concept Cars. Autos denen man sofort ansieht, dass sie anders sind und die nach außen verkörpern, was wir in der Abteilung schon lange wissen:

Die Brennstoffzelle ist eine faszinierende Technik und hat das Potential, einer DER Antriebe der Zukunft zu werden. Ich fände es klasse, wenn man das den Fahrzeugen sofort ansehen würde.


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Dieser Artikel wurde von geschrieben. Sie ist in der Verfahrensentwicklung der Brennstoffzelle tätig.

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