Go, Pascal!

Ich habe Pascal Wehrlein kennengelernt, als er 14 Jahre alt war. Da wurde er mir von Peter Mücke, dem erfahrenen Teamchef und Förderer von jungen Talenten, vorgestellt. Mücke hat dieses Gespür, ob jemand um diesen kleinen Tick besser ist, als der gute Durchschnitt.

Pascal fuhr gerade seine letzte Kart-Saison, die außergewöhnlich war. Ich traf in einem Motorhome auf einen schüchternen Burschen,  keine 50 Kilo schwer. Für mich eigentlich unvorstellbar, dass er schon in einem Rennauto fahren könnte. Aber das fahrerische Talent blitzte schon auf.

Peter Mücke platzierte ihn in der ADAC Formel Masters-Serie, die Pascal schon im zweiten Jahr gewann. Pascal stieg in die Formel 3 um, war mit seinen gerade einmal 17 Jahren sofort konkurrenzfähig und gewann die ersten Europameisterschaftsläufe. Als es dann um die Meisterschaft ging, haben Gerhard Ungar (der damalige sportliche Leiter von HWA) und ich ihn dann für die DTM engagiert.

Talentschmiede Formel 3

Die Formel 3 macht mir als Beobachter großen Spaß. Hier kann ich aufstrebende Piloten verfolgen, die es vielleicht später auch in die Königsklassen des Motorsports schaffen. Von den Medien bekommt die Formel 3, wie ich finde, zu Unrecht, weniger Aufmerksamkeit: Wo sonst sieht man 40 Starter, die gute Chancen haben, irgendwann in der DTM oder der Formel 1 Erfolge zu feiern? Hier fahren zukünftige Stars!

Deshalb unterstützt Mercedes-Benz die Serie mit leistungsfähigen Motoren. Wir wollen für uns die Meister von morgen aufbauen. So haben wir es schon damals mit dem legendären Mercedes-Benz Junior-Team, bestehend aus Michael Schumacher, Karl Wendlinger, Fritz Kreuzpointner und Heinz-Harald Frentzen, gemacht. Während Wendlinger FIA-GT-Champion wurde und Frentzen Formel 1-Vizeweltmeister, brach Schumacher sämtliche Rekorde der Königsklasse.

Kaltschnäuziges Küken

Pascal Wehrlein besaß schon mit 17 Jahren die gewisse Kaltschnäuzigkeit, um in der DTM gegen die erfahrenen Piloten anzutreten. Als „Küken“ wollte er bei seinen ersten Rennen Highlights setzen, sich bewähren und zeigte wenig Respekt vor den arrivierten Fahrern. Im letzten Jahr dann der Titel in der DTM. Er konnte eine Meisterschaft gewinnen.

Das heißt aus meiner Sicht als Team-Chef: Pascal schaffte es, auch an schlechten Wochenenden Punkte mitzunehmen, Kollisionen zu vermeiden. Das sind wichtige Fähigkeiten, die man auch bei Weltmeistern sieht.

Auf dem Weg zum kompletten Rennfahrer

Denn nur die Fähigkeit, schnell Auto zu fahren, macht allein noch keinen Champion. Wir wollen, dass unsere Fahrer „komplette Rennfahrer“ werden. Dafür haben wir Pascal ein Programm durchlaufen lassen: Er hat im Laminier-Shop der Karbon-Herstellung beim Formel 1 Team in Brackley gearbeitet, bei der Teilefertigung, mit den Ingenieuren. Da lernt man, dass es zwei Wochen dauert, einen neuen Frontflügel herzustellen. Dadurch entwickelt sich ein gewisser Respekt für die Arbeit, die im Hintergrund geleistet wird.

Der Fahrer ist nichts ohne sein Team

Denn der Fahrer ist nichts ohne sein Team, das sich geschlossen hinter ihn stellt. Dafür muss der Fahrer aber auch den richtigen Umgang mit dem Team pflegen und gemeinsam mit den Kollegen das Auto weiterentwickeln, die Performance vorantreiben. Egoismus oder „Diven-Verhalten“ führt nicht zum Erfolg. Wir haben nicht umsonst ein Motto im Team, das wir uns beim neuseeländischen Rugbyteam abgeguckt haben. Freundlich übersetzt heißt dies:

  Keine Idioten

Mentoring und Möglichkeiten bei Manor

Die Formel 1 ist für Pascal kein absolutes Neuland. Bei Mercedes und Force India fuhr er im vergangenen Jahr schon fast 3000 Testkilometer. Dazu verbrachte Pascal endlose Tage bei uns im Formel 1-Simulator. Wir haben ein gegenseitiges Vertrauen aufgebaut, und ich will aus ihm einen vollständigen Rennfahrer machen.

Das Privatteam Manor ist fit für die Saison 2016. Unser aktueller Mercedes-V6-Turbo ersetzt den Ferrari-Motor. Von Williams kommen das Getriebe und die Hinterachse. Sie haben gute Ingenieure. Und jetzt haben Sie noch einen DTM-Meister, der heiß auf seine ersten Punkte in der Formel 1 ist.

Go, Pascal!

PS: Was mich auch freut: Wir haben neulich beim Motorsport-Kick-off in Fellbach mit Esteban Ocon einen sehr guten Nachfolger für Pascal Wehrleins Cockpit in der DTM präsentiert. Als Mercedes-Benz Junior gewann Ocon 2015 die GP3 Serie und war als Test- und Ersatzfahrer des Mercedes-AMG DTM-Teams bei allen DTM-Rennen vor Ort, um wertvolle Erfahrungen zu sammeln.

Wir haben ihn auch zu Renault in der Formel 1 als dritten Fahrer für die nächsten Jahren „ausgeliehen“ – das ist eine Art Joint Venture zwischen Mercedes und Renault, ein bisschen wie im Fußball. Auch von ihm werden wir noch hören, beziehungsweise lesen.

Wir wollen unsere Titel in der DTM, der Formel 3, bei den ADAC GT Masters und in der Formel 1 verteidigen. Wir zählen auf Ihre Unterstützung!


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Dieser Artikel wurde von geschrieben. Er ist seit 2013 Motorsport-Chef bei Mercedes-Benz.

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