Asphalt ade, Marokko wir kommen!

Bald ist es wieder soweit: Am 19. März startet die 26. Wüstenrallye Rallye Aicha des Gazelles in Nizza. Ab dem 24. März geht es für die Teams in Marokko dann so richtig los. 9 Tage lang heißt es dann den kürzesten Weg von einem Checkpoint zum nächsten zu finden ganz ohne die Hilfe von GPS-Navigationssystemen.

Geht nicht? Geht doch. Das bewiesen schon letztes Jahr die Teams, die für Mercedes-Benz Vans die Wüste unsicher machten.

Die Teams und ihre Autos

Und eines der erfahrenen Teams ist auch dieses Jahr wieder im Vito in Marokko mit dabei, Vanessa Wagner und Viola Hermann. Als Senior-Team sollen sie ihre Erfahrungen mit Dünen, schroffem Gelände und dem feinen Wüstensand an die drei Junior-Teams, die dieses Jahr zum ersten Mal dabei sind, weitergeben. Die Herausforderung für dieses Jahr ist die Titelverteidigung, mindestens Platz drei oder sogar noch besser. Doch Vanessa und Viola wissen, dass meist nur wenige Meter über den Sieg entscheiden.

Für das Daimler Team sitzen dieses Jahr Bianca Manz und Alexandra Jansen hinterm Steuer. Die beiden „Kleinsten“ fahren das größte Fahrzeug, nämlich einen Sprinter. Für Alexandra ist das eine ganz besonders große Ehre, als Diplom-Wirtschaftsingenieurin betreut sie die Baureihe Sprinter in seinem Produktionsstandort Düsseldorf und kann ihn somit nun selbst auf seine Robustheit im Härtefall testen. Bianca arbeitet im Werk Sindelfingen in der Entwicklung für Telematiksysteme und bringt bereits Offroad-Erfahrung auf zwei Rädern mit als ambitionierte Motocross-Fahrerin.

Mercedes Fans schickt Dr. Eva Holzhäuser und Nicole Marquardt an den Start. Eva ist Ärztin in der Uniklinik Mainz und wird sich neben dem Fahren natürlich auch um das gesundheitliche Wohl ihrer Teamkolleginnen kümmern. Ihre Leidenschaft für Fahrzeuge hat sie sicherlich auch schon von ihren Eltern mit in die Wiege gelegt bekommen, die jahrelange Besitzer eines Autohauses waren. Nicole aus Böblingen wird den Vito durch die Wüste navigieren.

Die Deutsche Handwerks Zeitung ist dieses Jahr gleich mit zwei Teams vertreten, dem Senior-Team im Vito und Madeleine Oster und Catrin Peest im Sprinter. Madeleine ist Zimmerer- und Dachdeckermeisterin und wird den Sprinter durch Marokko lenken. Catrin Peest besitzt in Heidelberg eine „Meister Eder“ Schreinerei, klein aber gemütlich, wie sie sagt. Sie war privat schon mehrmals mit einem Land Rover in Afrika unterwegs und möchte ihre dort gesammelten Erfahrungen nun als Navigatorin in der Wüste einbringen.

Der Weg zum Erfolg

Doch was ist eigentlich das Geheimrezept für eine erfolgreiche Teilnahme an der Rallye?

Mit sieben Jahren Rallyeerfahrung auf dem Buckel weiß das Presseteam rund um Herrn Konzelmann, dass mehrere Faktoren eine Rolle spielen. Auf der einen Seite sind es die Fahrzeuge, die in der eigenen Werkstatt Offroad-tauglich gemacht werden. Auf der anderen Seite spielt ganz klar auch die Vorbereitung der Teams eine entscheidende Rolle.

Einen Führerschein und Fahrbegeisterung bringen die Teilnehmerinnen alle mit. Doch das reicht eben nicht aus. Daher war der erste Schritt in Richtung Marokko für die drei Junior-Teams ein Navigationstraining in Avignon. Zwar hat Mercedes Vans vier Handwerkerinnen an Board, aber das Navigieren nur mit Karte und Kompass ist eine Handwerkskunst für sich.

Bei den zwei Vitos 119 CDI 4×4 und den beiden Sprintern 316 CDI 4×4 beruft sich Sascha Belca auf die guten Erfahrungen des letzten Jahres. Alle vier Vans waren bereits in der Wüste und die Umbauten haben sich in ihrer Robustheit bewiesen. Also wieso etwas ändern, wenn doch alles gut lief im letzten Jahr. Somit wurden lediglich kleine Optimierungen vorgenommen.

Der Vito von Viola und Vanessa bekam neue Reifen und die Stabilisatoren aller vier Fahrzeuge wurden ausgebaut, damit die Achsen mehr Spielraum haben und sich die Vans noch besser an den unebenen Wüstenuntergrund anschmiegen können. Zusätzlich werden die Fahrzeuge noch mit neuen Wagenhebern ausgestattet, die die Fahrzeuge ohne große Anstrengung fast von alleine in die Höhe heben. Die Vitos bekommen außerdem neue Abschlepphaken aus Stahl, die gewährleisten sollen, dass sie sich auch in der kniffligsten Lage aus dem Sand ziehen lassen.

Training in Berlin

Im letzten Schritt der Vorbereitung wurden die vier Teams fahrtechnisch auf die Aicha des Gazelles vorbereitet. Dazu ging es letzte Woche zwei Tage ab Richtung Berlin auf die Verkehrs- und Versuchsanlage in Horstwalde.

Grundsätzlich standen vier Themen auf dem Programm: Lernen, die Vans auch Offroad zu beherrschen und sich nicht beherrschen zu lassen, die eigenen Grenzen und die Grenzen der Fahrzeuge kennenlernen, Fahrzeugbergung mit und ohne Unterstützung eines zweiten Fahrzeugs und Teambuilding.

Letzteres ist die dritte Zutat für das Geheimrezept zum Erfolg, wie mir Viola aus ihrer Erfahrung verrät. Die Teams müssen harmonisieren und zusammenwachsen. Nur wer gemeinsam entscheidet wo es lang gehen soll, Aufgaben klar verteilt und sich gegenseitig unterstützt wird in Marokko Erfolg haben. Nicht nur innerhalb der Zweierteams hat sich in Horstwalde gezeigt, dass Teamgeist in der Gruppe ganz groß geschrieben wird, auch untereinander haben sich die Fahrerinnen über die Walkie Talkies unterstützt.

In Horstwalde war es eher winterlich statt heiß wie in der Wüste. Statt Sandverwehungen gab es am ersten Tag Schneeverwehungen, aber das hielt Sascha Belca, der das Fahrtraining leitete, nicht davon ab seine Mädels hinters Steuer zu setzen.

Lektion 1: Grundeinstellungen

Allrad an, ASR für eine bessere Traktion aus und das Automatikgetriebe in den manuellen Modus umschalten. Erster und zweiter Gang völlig ausreichend. Das Automatikgetriebe bietet mehr Drehmoment und eignet sich daher besser für Offroadfahrten. Ein Team hat, überraschender Weise, bewiesen, dass man es auch ohne Allrad sehr weit den Berg hinauf schaffen kann, aber für die letzten Meter geht es dann doch nicht ohne.

Lektion 2: Reifendruck

Einfacher wird das Fahren im Sand je niedriger der Luftdruck in den Reifen. Für den Vito eignen sich etwa 1,5 Bar, der Sprinter braucht schon ein bisschen mehr Druck mit 2 Bar. Zwar fährt der Van danach wie ein nasser Schwamm doch genau das brauchen die Dünen, die übrigens der Konsistenz von warmer Nutella gleichen, laut Sascha. Ist der Untergrund hingegen steiniger, heißt es, die Luft muss wieder in den Reifen rein. Nach den zwei Tagen Fahrtraining sind die acht Frauen auf jeden Fall geübt was das angeht.

Lektion 3: Fahren

Die erste Strecke, die von den Fahrerinnen in Angriff genommen wurde war eine Lockersandpiste. Umso ausgefahrener und tiefer die Spuren im Sand umso schwieriger wurde es. Doch die Teams meisterten dies ohne Probleme. Um den Anspruch zu steigern ging es dann Sandhänge verschiedenen Steigungsgrades hinauf und wieder runter.

Auch auf halber Strecke anhalten und ohne Schwung weiter mussten die Fahrerinnen üben. Ab einer gewissen Steigung allerdings unmöglich. Beim bergab fahren macht das Lenkrad schon gerne einmal was es will und dreht sich in Sekundenschnelle um 360°. Ganz wichtig, Daumen aus dem Lenkrad um schlimmeres zu verhindern und das Lenkrad festhalten.

Ziel des Tages sollte es sein, dass sich ein Fahrzeug festfährt um das Bergen zu üben. Hört sich ziemlich einfach an, doch dieses Vorhaben entpuppte sich als Herausforderung. Unsere Fahrzeuge sind einfach zu gut, musste Sascha zugeben und so übernahm er diese Aufgabe dann selbst. Da steckte er nun, der Vito, mit den Hinterreifen komplett versunken. Kein Vor und auch kein Zurück war in Sicht. So konnten die Mädels gleich mal ihr Equipment testen.

Der Airjack

Schaufeln stand als erstes an der Reihe. Danach wurde die orangene Pusteblume, wie der Airjack einmal in einem schönen französischen Akzent bezeichnet wurde, vor einem der beiden Hinterräder platziert. Sie ist ein orangenes Luftkissen, das sich durch Verbindung mit dem Auspuff aufbläst und so einen Vito oder einen Sprinter ohne Schwierigkeiten noch oben hebt. Danach ging das Schaufeln weiter um die Maxtrax, das sind Bretter aus Kunststoff, möglichst weit unter die Hinterreifen platzieren zu können. Danach ging alles ganz schnell: Luft ablassen, möglichst ohne die Abgase einzuatmen, und rückwärts fahren.

Dass dieses Training in Marokko ganz schnell Realität werden kann verriet uns Viola, sie und Vanessa steckten im letzten Jahr drei Mal fest und mussten in der Hitze Marokkos ihren Vito befreien. Viel Arbeit kann man sich natürlich ersparen, wenn ein anderes Fahrzeug in Reichweite ist, das einen mit Hilfe von zwei Softschäckeln und einem Seil aus dem Sand ziehen kann. Dass der kleinere Vito auch einen Sprinter befreien kann bewiesen die Fahrerinnen beim Training.

Fahren in Schräglage

Als nächstes sollten die Fahrerinnen und auch die Vans an ihre (Umkipp-) Grenzen gebracht werden. Fahren in Schräglage war die Aufgabe. Dabei befanden sich die zwei rechten Reifen etwa 25° höher als die beiden anderen. Zweck dieser Übung war, dass die Teams ein Gespür dafür bekommen wie weit in die Schräglage sie gehen können ohne, dass das Fahrzeug kippt, aber auch ab welchem Punkt sie sich selbst etwas unwohl fühlen. Von außen sieht das alles gar nicht so schlimm aus, aber der Gesichtsausdruck der Fahrerinnen zeigte, dass es sich innen doch ein wenig seltsam anfühlt.

VanImWald

Als letztes nahmen die Teams noch eine Verwindungsstrecke in Angriff. Das könnte man auch mit einer Wellenstrecke vergleichen, bei der die Wellen links und rechts ungleichmäßig verteilt sind und ab und zu beim darüber fahren ein Rad in der Luft hängt. Ganz schön wackelig.

Rückblickend waren die zwei Tage eine sehr gute Übung für die Teams, nicht nur fahrtechnisch sondern auch um den Zusammenhalt im Team zu stärken.

Jetzt gilt es diese Erfahrungen in Marokko umzusetzen und für Mercedes Vans die kürzeste Strecke zurück zu legen. Ich und auch das ganze Presseteam von Thomas Konzelmann sind zuversichtlich und wünschen den Fahrerinnen „bon voyage et bonne chance!“.

Begleitet werden die Teams von vier Technikern, darunter Sascha Belca mit seinem Wüstenschiff, einem Werkstattsprinter mit Hochdach. Sie sind für alle, hoffentlich nicht eintretende, Notsituationen bestens gerüstet.


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Dieser Artikel wurde von geschrieben. Sie macht seit September 2014 eine kaufmännische Ausbildung zur Industriekauffrau mit Zusatzqualifikation "Internationales Wirtschaftsmanagement mit Fremdsprachen" bei der Daimler AG am Standort Stuttgart.

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