Einfach Technik: So funktioniert BAS PLUS

Zu kurze Sicherheitsabstände, Unaufmerksamkeiten des Fahrers und unerwarteter, abrupter Stillstand des Verkehrs sind die häufigsten Ursachen für Auffahrunfälle. BAS PLUS überwacht vorausfahrende Fahrzeuge und optimiert die Bremskraft, falls erforderlich automatisch bis zur Vollbremsung, sobald der Fahrer die Bremse betätigt.

Der Brems-Assistent BAS PLUS ist Bestandteil der optional erhältlichen DISTRONIC PLUS und kann helfen, einen Auffahrunfall zu verhindern oder zumindest die Aufprallgeschwindigkeit zu reduzieren. Aber wie funktioniert das genau?

In der Erläuterung dieser Systeme liegt nun eine gewisse Herausforderung, denn Technikbegeisterte wollen in der Regel andere Informationen, als interessierte Laien. Deshalb haben wir uns Gedanken gemacht, wie wir mit dem Daimler-Blog die Technologiekommunikation unterstützen können.

Dafür gibt es „Einfach Technik“: komplexe Technik, einfach erklärt. Der Beitrag besteht aus einem Video im „Graphic Recording Stil“ für den interessierten Laien. Dazu ein Interview mit einem verantwortlichen Ingenieur, für alle diejenigen, die mehr wissen wollen.

Entwicklungsingenieur Holger Maier im Interview

Holger Maier, Ingenieur für Fahrassistenzsysteme Radar, Konzernforschung & Mercedes-Benz Cars Entwicklung in Sindelfingen.

Wie funktioniert BAS PLUS? Welche Funktionen hat es, war „ABS“ sozusagen der Großvater?

Der konventionelle BAS könnte der Großvater sein. Im Gegensatz zum BAS nutzt BAS PLUS Umfeld Sensorik, die es ihm erlaubt, die Kritikalität einer Situation zu erfassen, um somit eine situationsgerechte Bremsunterstützung leisten zu können. Dies ist auch der Grund weshalb die BAS PLUS Aktivierungsgrenzen bezüglich der Erkennung einer Fahrer initiierten Gefahrenbremsung herabgesetzt werden konnten. Somit kann der BAS PLUS weitaus mehr Fahrer besser als der konventionelle BAS unterstützen

Warum war bei der Entwicklung des Bremsassistenten das reale Unfallgeschehen so wichtig und wie sind die Erfahrungen miteingeflossen?

Untersuchungen haben ergeben, dass viele Fahrer in einer kritischen Situation zwar schnell genug aber nicht entscheidend genug reagieren. Vor allem verzögernde, vorausfahrende Fahrzeuge werden von vielen Fahrern erst sehr spät richtig eingeschätzt, was sie in die Situation bringt schärfer bremsen zu müssen, um eine Kollision noch vermeiden zu können. Wie die Praxis zeigt, reicht es nicht immer aus. Mit dem Ziel sichere Autos für unseren Kunden zu bauen, war natürlich die Unterstützung unserer Kunden gerade in diesen kritischen Situationen eine treibende Motivation bei der Entwicklung von BAS PLUS.

Wie stark ließen sich Auffahrkollisionen prozentual verringern, wenn alle Autos im Straßenverkehr dieses System hätten? Stichwort „Gummibandeffekt“.

Es ist schwierig, hier eine quantitative Aussage zu machen. Aber wir sind überzeugt davon, dass die Auslegung unserer Systems primäre wie auch sekundäre Unfälle (bedingt durch auffahrenden Verkehrsteilnehmer im Heck) maximal möglich verhindern.

Wie arbeitet BAS PLUS mit anderen Assistenzsystemen zusammen? Stichwort „Gurtstraffer“ und weitere Assistenten.

BAS PLUS arbeitet ergänzend mit dem PRE-SAFE Paket. In einer für den Fahrer kritischen Situation fordertet PRE-SAFE Bremse eine optisch akustische Warnung an. Ein abgelenkter Fahrer oder ein Fahrer, der die Situation falsch eingeschätzt hat, wird auf die Kritikalität der Situation aufmerksam gemacht. Reagiert er nicht, leitet PRE-SAFE Bremse eine autonome Teilbremsung ein. Somit wird erreicht, dass

  • die optisch akustische Warnung mit einer haptischen Warnung bekräftigt wird,
  • dem Fahrer mit der autonomen Teilverzögerung zusätzliche, wertvolle Zeit für eine Reaktion geschaffen wird,
  • das Bremssystem vorkonditioniert wird, um einen möglichen Übergang zu BAS PLUS, weiter zu optimieren.

Der Eingriff der PRE-SAFE Bremse kann in einem gewissen Geschwindigkeitsbereich sogar gänzlich kollisionsvermeidend wirken. Im Hintergrund dieser aktiven Sicherheitssysteme, kommuniziert BAS PLUS und PRE-SAFE Bremse mit den passiven Elementen des PRE-SAFE Pakets, wie zum Beispiel der „Gurtstraff-Funktion“, „Sitzverstell-Funktion“, „Airbag-Funktion. Diese können anhand kritikalitätsbewertender Informationen die von BAS PLUS und PRE-SAFE Bremse zur Verfügung gestellt werden, die „passiven“ Sicherheitsfunktionen „rechtzeitiger“ aktivieren, so dass sie den bestmöglich Schutz für den Fahrer im Falle einer Kollision leisten können.

Wie entscheidet BAS PLUS, wann und wie stark eine Bremsung einzuleiten ist?

Unter Berücksichtigung des Abstandes zum vorausfahrenden Fahrzeug, der eigenen Geschwindigkeit und Beschleunigung und der Geschwindigkeit und Beschleunigung des vorausfahrenden Fahrzeuges wird eine Verzögerung berechnet, die sich kollisionsvermeidend auswirken soll, mit dem Ziel den verfügbaren Abstand best möglichst auszunutzen, um die Situation für den rückwärtigen Verkehr nicht unnötig zu verschärfen. Der Fahrer wird nur so viel wie nötig unterstützt.

Ist der Bremsweg mit BAS PLUS kürzer als bei einer normalen Vollbremsung? Stichwort „Pedaldruck“, warum er beim Normalfahrer oft zu niedrig ist.

BAS PLUS kann den Bremsweg nicht verkürzen. Die Physik ist für BAS PLUS die gleiche wie für eine „ABS-Funktionalität“. BAS PLUS und ABS arbeiten eher zusammen. ABS entscheidet letztendlich, welche Verzögerung aufgrund des verfügbaren Reibwerts umgesetzt werden kann. Allerdings kann BAS PLUS den optimalen Verzögerungsverlauf einstellen.

Reagiert BAS PLUS schneller als ein Fahrer? Um wie viel wird der Bremsweg verkürzt?

BAS PLUS ist als ein Assistenzsystem ausgelegt. Ein aufmerksamer Fahrer im Straßenverkehr kann entsprechende Gefahrensituationen durch vorausschauende Fahrweise vermeiden. Sollte jedoch plötzlich eine schnelle und herzhafte Reaktion vom Fahrer benötigt werden, so kann diese durch das BAS PLUS System in der Regel schneller durchgeführt werden. Quantitative Aussage schwierig, da hier ein Zeitgewinn entsteht, der je nach Fahrgeschwindigkeit sich dann in „gewonnenen“ Metern ausdrücken lässt.

Wird BAS PLUS einmal in allen Mercedes-Benz-Fahrzeugen angeboten?

Spätestens seit der Einführung von CPA (COLLISION PREVENTION ASSIST) als Serienausstattung ist aktive Sicherheit für jeden unserer Kunden erhältlich. Sicherheit ist kein Luxus mehr.

 


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