Agile: Evolution statt Revolution

Ich höre: „Mindset für ein anderes Framework ohne Impediments“. Wovon gesprochen wird? Gute Frage. In der Regel verstecken sich Menschen gerne hinter Anglizismen und anderen Fremdwörtern, wenn Sie nicht genau wissen, wovon sie sprechen oder wenig zu sagen haben. Doch heute scheint es anders zu sein.

Um mich herum sind rund 200 dynamisch-fröhliche Menschen, die eigens für diese Veranstaltung aus diversen Teilen der Republik angereist sind (Schweiz wird hier dazugezählt). Ich vernehme Plattdeutsch und sogar Schwyzerdütsch, treffe Daimler-Kollegen aus den verschiedensten Bereichen und aller Altersklassen an. Etwas ungewöhnlich für eine interne Daimler-Veranstaltung. Die Atmosphäre macht mich neugierig.

„Agilität“ – Was ist das eigentlich?

Alte Kelter. Fellbach. Ich bin auf dem Open Space: „Agile @ Daimler“. Es gibt Begriffe, die man oft gehört, doch nie „wirklich“ verstanden hat. Eines davon ist „agile“. Es muss sich ja etwas hinter diesem – Achtung – „Buzzword“ verbergen. Dabei ist es sogar ein Teil der Daimler-IT-Strategie. Eine Kollegin aus der Daimler-IT klärt mich auf:

Agilität ist eine Methode, um Projekte umzusetzen: sie ist zwar noch überwiegend in der IT-Welt zu Hause, kann aber auch sinnvoll in anderen Arbeitsbereichen eingesetzt werden.

Warum agil? Kundenorientierung!

Das übergeordnete Ziel ist Kundenorientierung. Gerade in größeren Konzernen, die zur Schwerfälligkeit, Trägheit und Unbeweglichkeit neigen, kann agiles Arbeiten eine zeitgemäße Lösung sein. So kann man „schneller und flexibler auf sich wandelnde Anforderungen und Trends in den Märkten reagieren und besser auf Kundenwünsche eingehen“, so eine andere Kollegin aus dem Daimler-IT. In den immer kürzeren Zyklen der Automobilentwicklung sei agiles Arbeiten sozusagen ein „must-have“ im Werkzeugkasten jeden Projektleiters. Es ist ein Festival der Metaphern. „Große Projektdampfer, nach langer Vorbereitung auf den Weg gebracht und viel zu träge für kurzfristige Kursänderungen“, seien nicht zeitgemäß. Klingt mehr als vernünftig.

Rahmenbedingungen: mehr Vertrauen, weniger Kontrolle

Und was ist das Innovative daran? „Es ist eine geschickte Kombination von vielen Dingen“, so einer der Veranstalter. „Aber das Entscheidende ist die Denkweise und Geisteshaltung, auf der die Projektumsetzungsmethode basiert.

Die Prämisse? Eine andere Arbeitskultur

Flache Hierarchien und Kompetenzverteilung – für selbststeuernde, kleine Teams mit eigenen, definierten Kompetenzen – sind da unerlässlich. Und ein Verständnis für eine andere Projektmanagementkultur. Speziell durch die „Entscheider“. Schließlich gebe man eine gewisse Kontrolle ab. „Silodenken, starre Strukturen und fehlendes Vertrauen“ sind folglich alles andere als förderlich, sondern Hindernisse – also „Impediments“. In einer idealen Welt wird so „Transparenz geschaffen in interdisziplinär arbeitenden und direkt kommunizierenden Teams“, so ein anderer anwesender Kollege. _SKF0818

Eher für kleinere Projekte geeignet?

Klare Ziele und Rahmenbedingungen, um mit Veränderungen und Unerwartetem umzugehen, statt allzu detaillierter Planung, sind natürlich dabei dennoch unerlässlich. Folglich sei „agiles Arbeiten eher für kleinere Projekte geeignet, höre ich woanders“. Ist „agiles Arbeiten“ in jedem Bereich möglich? Ich erfahre auf dem Open Space, dass schlankere Prozesse in den allermeisten Bereichen möglich sind. Als Mitarbeiter eines Konzerns, der schon mal längere Abstimmungsschleifen kennengelernt hat, ahne ich, wovon die Rede ist. _SKF0739

Ideal sind synergetische Effektive durch Kombination

Doch ein Allheilmittel für eine Projektumsetzungsmethode ist es scheinbar nicht. Die Frage sei hier nicht „ob man agile Methoden einsetzt, sondern wann und in welchem Zusammenhang man sie mit klassischen Arbeitsmethoden sinnvoll kombiniert“. Quasi eine Evolution statt einer Revolution. Als dann der „Get-together-after-work“-Teil beginnt, kann ich ganz entspannt den Tag ausklingen lassen und die neuen Arbeitsbekanntschaften vertiefen. Aber vor allem wird mir bewusst: die meisten von den anwesenden Kolleg(inn)en sind bereits agil und haben den richtigen „Mindset für ein anderes Framework ohne Impediments“. _SKF0840


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