Elektrotechnik dual

Anfang der Oberstufe machte ich mir viele Gedanken darüber, was ich nach der Schule machen wollte. Als ich von der Möglichkeit eines Dualen Studiums hörte, war ich sofort Feuer und Flamme und informierte mich über Firmen, bei denen ich ein technisches Studium absolvieren konnte.

Seit der Oberstufe wollte ich gerne Elektrotechnik studieren, da mir in der Schule der Physik- und Matheunterricht am meisten Spaß gemacht hat und mir nach dem Besuch einiger Abi-Messen und Ferienunis das Elektrotechnik-Studium am spannendsten und innovativsten schien.

Natürlich fiel mir bei dem Stichwort „Innovation“ als eines der ersten Unternehmen Daimler ein. Es sollte schließlich eine große, internationale Firma mit vielen Tätigkeitsfeldern sein, in der ich auch nach dem Studium gerne arbeiten wollte. Nach einer für mich aufregenden Bewerbungsphase, in der ich mit vielen neuen Situationen wie einem Bewerbungsgespräch und beobachteter Gruppenarbeit umzugehen lernte, erhielt ich meine Zusage und war überglücklich mein Elektrotechnik-Studium im Oktober 2013 bei Daimler beginnen zu können.

Erstes Kennenlernen

Die Zeit bis zum Abi verging daraufhin wie im Flug und so langsam machte ich mir Gedanken, wie es wohl sein würde von zu Hause auszuziehen und in einer fremden Stadt zu wohnen. Trotzdem hatte ich ein gutes Gefühl, denn Ende März gab es bereits den „Fit4Study-Day“ aller Elektrotechniker meines Jahrgangs im Ausbildungszentrum in Esslingen-Brühl. Wir erfuhren noch einige Details über unseren Studienbeginn im Oktober und durch Gruppenaufgaben knüpften wir schnell Kontakte.

Außerdem lernten wir unsere Paten aus dem Jahrgang über uns kennen, die uns jederzeit bei Fragen zur Seite standen.

Duale Elektrotechnik-Studenten von Daimler

Dann war es soweit. Es war Ende September und ich zog von Hessen nach Stuttgart. Wie fast alle anderen Daimler-Studenten wohnte ich zunächst im Daimler-Wohnheim. Hier gab es keinerlei Zeit für Heimweh oder Langeweile. Fast jeden Abend konnte ich, wenn gewollt, an Tätigkeiten wie gemeinsamem Kochen oder gemütlichem Zusammensitzen im Gemeinschaftsraum teilnehmen. Mit meiner Zimmermitbewohnerin, einer Maschinenbau-Studentin aus meinem Jahrgang, verstand ich mich sofort super und wir unternahmen in unserer Freizeit viel zusammen.

Von der Ausbildung in die Vorlesung

Die ersten drei Monate in der Firma verbrachten wir Elektrotechniker in der Ausbildungsabteilung. In diesen Monaten wurden wir optimal auf die Vorlesungen an  der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) vorbereitet und lernten einander durch eine Seminarwoche mit Teambuilding-Tätigkeiten noch besser kennen. Im neuen Jahr ging es dann zum ersten Mal an die DHBW.

Dafür musste ich erstmal umziehen, da das Elektrotechnikstudium an der DHBW Friedrichshafen am Bodensee stattfindet. Dort angekommen, lernte ich einen der großen Vorteile des dualen Studiums kennen: kleine Kurse, in denen jederzeit Fragen zu allen Themen gestellt werden können. Besonders schön am Bodensee war für mich die Nähe zu den Alpen, so dass kleinen Tagesausflügen in einige nahegelegene Skigebiete nichts im Wege stand.

Sonnenuntergang am Bodensee

Die erste Prüfungswoche war aufgrund der hohen Anzahl von Klausuren innerhalb einer Woche etwas ungewohnt, aber durch regelmäßiges Lernen gut zu meistern. Nach zwei aufeinanderfolgenden Semestern ging es wieder nach Stuttgart.

Verdeck, das sich automatisch bei Regen schließt

Diesmal stand „unser“ Projekt an. Wir bekamen die Möglichkeit, etwas Innovatives für das Auto zu entwickeln und diese Idee dann auch als Prototyp umzusetzen. Wir überlegten uns, einen Mechanismus für ein Cabrio zu entwickeln, der das Verdeck bei Regen automatisch schließt. Als besonderes Highlight sollte man das Verdeck des bereitgestellten SLK 350 am Ende unseres Projektes zusätzlich per Smartphone-App steuern können.

Nachdem unser Thema feststand, erhielten wir eine Projektmanagement-Schulung, so dass wir alles professionell planen konnten. Wir bestimmten einen Projektleiter und bildeten Projektteams. Da wir ein festgelegtes Budget hatten, führten wir eine Kostenplanung durch, wodurch wir unser Budget am Ende locker einhalten konnten. So schlossen wir unser Projekt innerhalb von drei Wochen erfolgreich mit einer Abschlusspräsentation, zu der Führungskräfte aus der Ausbildungsabteilung sowie Elektrotechnik-Studenten aus anderen Jahrgängen kamen, und einem selbstgedrehten Werbevideo ab.

Von der Vorlesung in die Fachabteilung

Nach weiteren zwei Semestern an der DHBW, in denen wir viele fahrzeugspezifische Vorlesungen über Verbrennungsmotoren, Bussysteme und Fahrzeugelektronik hatten, durften wir endlich in „richtige“ Abteilungen. Zum ersten Mal verbrachte ich meinen Praxiseinsatz von meinen Kommilitonen getrennt und außerhalb der Ausbildungsabteilung. Wir schrieben fleißig Bewerbungen an ganz unterschiedliche Abteilungen im Großraum Stuttgart. Da wir unsere Abteilungen selbst aussuchten und diese nach Themen für unsere Praxiseinsätze fragten, hatte jeder ein für ihn individuell ausgerichtetes Praxisthema.

 

Als Unterstützung suchte sich jeder von uns einen Betreuer in seiner jeweiligen Einsatzabteilung, der bei Fragen zur Verfügung stand und uns am Ende benotete. Ich fand ein interessantes Thema in der Produktionsplanung. Meine Aufgabe war es, Überwachungssysteme von Werkzeugmaschinen zu vergleichen und zu bewerten. Besondere Freude bereitete mir dabei der Kontakt mit den Lieferanten. Ich lud Lieferanten ein und besuchte andere Daimler-Werke, um deren Erfahrungen mit den Systemen einzuholen.

Praxis in der Truck-Entwicklung

Dadurch lernte ich eine Vielzahl von unterschiedlichen Menschen mit sehr unterschiedlichen Arbeitsfeldern kennen und meine Arbeit wurde nie langweilig. Meine vierte Praxisphase verbrachte ich dann in der Truck-Entwicklung. Auch hier wartete eine spannende Aufgabe auf mich. Ich durfte eine automatische Auswertung von Erprobungsdaten des neuen Abbiegeassistenten programmieren. Auf Erprobungsfahrten werden eine ganze Menge Daten aufgenommen, die nicht alle einzeln durchgesehen werden können.

Durch von mir programmierte Filterkriterien, erhält der Entwickler eine Liste, in der häufige Fehler mit einer Darstellung der Situation aufgezählt werden. Dadurch können die Entwickler die Daten nun schneller analysieren und durch eine zusätzlich programmierte Statistikauswertung Softwarestände vergleichen. Es macht mich stolz, schon als Studentin für die Abteilungen wichtige Aufgaben übernehmen zu können und zu wissen, dass meine Arbeit auch weiterhin in den Abteilungen genutzt wird.

Präsentation während meines Praxiseinsatzes in der Truck-Entwicklung

Durch diese Einsätze in sehr unterschiedlichen Bereichen habe ich die Möglichkeit bekommen, tiefe Einblicke in den Unternehmensalltag und die unterschiedlichen Aufgabenfelder eines Ingenieurs zu bekommen. Ich war positiv überrascht, dass es in fast allen Abteilungen des Unternehmens spannende Aufgaben für Ingenieure gibt und man uns DH-Studenten überall gerne aufnimmt.

Das große Abenteuer: Auslandspraxis

Zurzeit plane ich meinen nächsten Praxiseinsatz. Diesmal soll es ins Ausland gehen, da alle dualen Studenten von Daimler die Möglichkeit bekommen, einen Praxiseinsatz in einem anderen Werk weltweit zu verbringen. Genauer gesagt geht es in die USA, nach Sunnyvale in der Nähe von San Francisco. Nach der selbstständigen Kontaktaufnahme mit Abteilungen meines Wunscheinsatzortes Sunnyvale hatte ich schnell Glück und fand einen Betreuer, der mir eine interessante Themenstellung gab.

Es geht in eine Abteilung, die das autonome Fahren entwickelt. Genau das Richtige für eine Elektrotechnikerin! Alles muss in Eigenregie organisiert werden und eine Wohnung in einem fremden Land zu finden, ist gar nicht so einfach. Aber ich bin überzeugt, dass sich die Mühe lohnen wird, denn die Chance auf einen frei wählbaren Einsatz irgendwo in der Welt, sollte man auf keinen Fall verstreichen lassen. Ich freue mich darauf, die Arbeitsweise in einem anderen Land kennenzulernen und mich fachlich weiterzuentwickeln.

Die Einschränkungen des autonomen Fahrens sind in den USA zurzeit nicht so groß wie in Deutschland, da hierzulande die rechtlichen Grundlagen noch nicht vollständig geregelt sind. Deshalb kann ich dort die Mobilität von morgen erleben. Da das autonome Fahren in den nächsten Jahren dann auch in Deutschland stark vorangetrieben werden wird, kann ich die Erfahrungen aus meinem Auslandseinsatz bei meiner späteren Arbeit einsetzen.

Der perfekte Einstieg ins Arbeitsleben

Die letzten zwei Jahre sind wie im Flug vergangen. Ich habe unglaublich viele neue, meist positive Erfahrungen gemacht und konnte meine Persönlichkeit weiterentwickeln. Da wir unsere Praxiseinsätze größtenteils selbstständig organisieren, natürlich in Abstimmung und Begleitung der DH-Betreuer, kann ich mir immer ein für mich interessantes Thema suchen und bin dadurch auch sehr selbstständig geworden. Für mich war es auf jeden Fall die richtige Entscheidung, ein Duales Studium zu beginnen.

Die Kombination von Theorie und Praxis lässt den Tag nie langweilig werden und bietet meiner Meinung nach einen optimalen Einstieg in das Berufsleben. Ich freue mich auf mein letztes Jahr als Duale Studentin und bin überzeugt, dass ich in dieser Zeit noch sehr viele interessante Erfahrungen machen werde.


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Sie studiert dual Elektrotechnik an der DHBW in Friedrichshafen. Praxiserfahrung konnte Sie bisher in der Ausbildungsabteilung und der Produktionsplanung sammeln.

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