Körbe für Köln: Chancen für Kids

Wir schaffen einen Sport für alle! Das ist unser erklärtes Ziel. Das Team vom Laureus Sport for Good Projekt Körbe für Köln e.V., ist mit bis zu 45 Ehrenamtlerinnen und Ehrenamtlern in Köln und Umgebung am Start.

Im Jahr 2000 haben wir den Verein, damals als Netzwerkprojekt, aus der Wiege gehoben. Ich war für die Deutsche Sporthochschule Köln für die wissenschaftliche Begleitung und Qualitätsentwicklung der Maßnahme verantwortlich, habe über diese Maßnahme auch promoviert.

Wie alles begann…

In den ersten beiden Jahren haben wir in einem Netzwerkverbund mit Partnern aus verschiedenen Gesellschaftssystemen wie Sport, Soziale Arbeit/Jugendarbeit, Wirtschaft, Wissenschaft und Stiftungswesen gemeinsam aus einer Idee einen tragfähigen gemeinnützigen Verein entwickelt: Wir haben Wissen ausgetauscht, Ressourcen gebündelt, gesellschaftspolitische Themen analysiert, geschaut, wo der Handlungsbedarf am höchsten ist und gemeinsame Ziele formuliert. Daraus entstand unsere geteilte Netzwerkmission für den Sport.

Jugendsozialarbeit im Brennpunktgebiet

Seit 2002 arbeiten wir als gemeinnütziger Verein in sieben sogenannten ‚Brennpunktgebieten‘  (neudeutsch nennt man die nun „Wohngebiete mit erhöhtem Jugendhilfe- und Erneuerungsbedarf“). Wir bieten für sehr viele benachteiligte junge Menschen in Köln und Umgebung eine kostenfreie, mobile und aufsuchende sportbezogene Jugendsozialarbeit mit regelmäßigen offenen Trainings, Trainingsreihen, Aus- und Fortbildungen, Coaching, De-Eskalationstrainings, Events, einer eigenen Streetball-Cup-Reihe, Ferienaktionen, Projektwochen, Schulfesten und machen die jungen Menschen teilweise fit für ein Ehrenamt im Sport.

Sport für alle!

Wir wollen mit unserem Sport für alle (!) insbesondere die Zielgruppen und jungen Menschen erreichen, die (noch) nicht ihren Weg in den Sportverein gefunden haben, die Förder- und Unterstützungsbedarf haben und in Teilen auch noch ‚ihren’ Weg in unsere Gesellschaft und ein soziales Netzwerk mit Freunden und Peers finden müssen. Wir nutzen den Sport somit nicht nur als Selbstzweck für ein freudvolles ‚aktiv sein‘ und ‚soziales Miteinander‘, sondern bewusst als Mittel zum Zweck für eine Integration, Gewaltprävention wie auch Inklusion.

Ich bin mir sicher: Sport erhöht die Chancen der jungen Menschen auf eine gleichberechtigte Teilhabe in unserer Gesellschaft, auf ein gesundes Aufwachsen, auf Freude und Freunde. Das soziale Milieu, in dem wir arbeiten, ist oft geprägt durch Bildungsferne, Armut, Migrations- oder Flüchtlingshintergrund, aber auch durch besondere Herausforderungen wie Förderbedarfe in sozialer, psychischer, körperlicher, lernbezogener Art.

Vom Streetball zum Rollstuhlsport

Zu den Anfängen von Körbe für Köln und mit Hilfe einer Strukturförderung aus der RheinEnergieStiftung haben wir mit Streetball/Basketball versucht, unsere Kids zu erreichen, junge Menschen an ihrem Übergang von der Schule zum Beruf. Es galt sie zu vernetzen, sie auf Angebote zur Berufsorientierung wie auch weitere Sportvereinsangebote aufmerksam zu machen.

Laureus Sport for Good Camp

Das Spektrum hat sich aber über die Jahre ausgedehnt und verändert: So sind wir mittlerweile auch viel in der inklusiven Arbeit mit Rollstuhlsport für Kinder und Jugendliche mit und ohne Handicap unterwegs, bieten verschiedene Sportarten an (Schwimmen, Laufen, Fitness, Koordination, Fußball etc.), arbeiten auch mit sozialen Kompetenztrainings, Antidiskriminierung- und Antigewalttrainings und sind seit gut zwei Jahren im Sinne von ‚Refugees Welcome‘ in der Asylbewerber- und Flüchtlingsarbeit aktiv.

Der Sport erlaubt jungen Menschen, ihre überschüssigen Energien abzubauen, sich auf eine schöne und freudvolle Art und Weise auszutoben, aber auch zu entspannen, mal ‚runterzukommen‘.

Wir nutzen ihn zur Stärkung der Persönlichkeitsentwicklung, des Selbstwerts wie auch zur Wertevermittlung: Kids stark machen, Fair Play und die bunte Vielfalt unserer Gesellschaft gemeinsam gestalten.

Plötzlich vor dem Nichts

Bis 2009 hatten wir eine stabile Strukturförderung für all diese Maßnahmen. Mit der Insolvenz unseres Partners, dem Basketballbundesligisten der „Köln 99er“, dem Wegfall des Hauptsponsors und der auslaufenden Stiftungsförderung drohte alles ziemlich plötzlich zusammenzubrechen.

Was tun? Ich habe damals für das Ehrenamtsprojekt die Projektleitung übernommen und mich im innovativen Fundraising erprobt…keine leichte Aufgabe, es tat weh, manchmal keinen Cent für wichtige Projekte mehr übrig zu haben und Kids enttäuschen zu müssen. Aber wir haben nicht aufgegeben und neue starke Partner gesucht.

Körbe für Köln, Laureus und Mercedes-Benz

Seit 2012 haben wir eine finanziell gesicherte Säule durch die Laureus Sport for Good Stiftung, die durch Mercedes-Benz unterstützt wird. Dies hat es uns auch ermöglicht, die Bereiche der Mädchenförderung und der Inklusiven Sportarbeit mit Rollstuhlsport aufzubauen, aber auch jetzt zeitnah auf den Bedarf der Flüchtlingsarbeit angemessen zu reagieren. Ohne die Laureus-Förderung und ohne die Botschafter der Stiftung, die unseren Zielgruppen wichtige Richtungsweiser sind, Vorbilder und Heroes zum Anfassen, könnte der Verein dieses breite Angebotsspektrum nicht umsetzen.

Ein besonderer Tag

Ein Beispiel mit ‚Helden vor Ort‘ zum Anfassen Ende Oktober. Mit dabei Profibasketballer und Mercedes-Benz-Botschafter Sebastian Magenheim. Los ging‘s beim Berufskolleg Deutzer Freiheit, wo wir im Rahmen von ‚Fit durch die Schule‘ gemeinsam mit dem Partner u.a. die Internationalen Förderklassen an ihren Projekttagen in die hohe Kunst des Rollstuhlsports einführen konnten. Neben den KfK-Trainern Dr. Horst Strohkendl, Tanja Junkes und unserem KfK-Junior-Teamer Marcel Gerber (Jugendnationalspieler Rollstuhlbasketball) hat auch Basti Magenheim aufgetrumpft.

Sebastian Magenheim ist Markenbotschafter für mobile Fahrhilfen bei Mercedes-Benz

Die Kids, zur Zeit des Besuches circa 30 junge Menschen zwischen 16 und 22 Jahren aus 18 verschiedenen Nationen, haben nicht nur gelernt im Rollstuhl zu Kippeln, Hindernisse zu fahren und einen Parcours zu absolvieren. Sie konnten auch beim Rollstuhlbasketball richtig Gas geben. Korbwürfe, Blocken, umkippende Stühle im Eifer des Gefechts … ein großer Spaß für alle.

Und nebenbei ‚umgekehrte Inklusion‘ erprobt: Das Medium Rollstuhl auch mal als Sportelement für sich zu nutzen. Ganz schön cool! So fragte uns am Ende ‚S.‘, allein reisender Flüchtling aus dem Irak: „Können wir das nicht als Sportangebot regelmäßig am Berufskolleg machen?“. Sebastian wäre jederzeit gerne wieder willkommen und auch im Austausch mit ihm war klar: Das war etwas ganz Besonderes!

Ab in die Abenteuerhallen Kalk

Von dort ging es – mit einem Zwischenstopp in einem guten türkischen Restaurant, die das Kulturbild von Köln Kalk mit prägen – zu unserem Partner in die AbenteuerHallenKalk. Dies ist eine per se schon ‚coole‘, jugendkulturell geprägte Sportlocation: eine alte Fabrikhalle wurde zu einer Trendsporthalle und offenen Tür der Jugendarbeit umgebaut.

Hier bieten wir als Verein, angeleitet durch die rollifahrende Trainerin Tanja J., regelmäßige Rollstuhlbasketballtrainings für junge Menschen, die bei den Gemeinnützigen Werkstätten der Stadt Köln in Ausbildung sind. Das Training wird von den jungen Menschen mit diversen Formen und Arten der Handicaps gut angenommen und ist ein Highlight ihrer Schul- und Ausbildungswoche.

Besprechung in den Abenteuerhallen Kalk

Hier wurde Basti, den wir angekündigt hatten, ebenfalls freudig begrüßt und nachher konnten sich die Spieler nicht immer gleich einigen, wer denn mit ihm im Team spielen durfte. Für unsere Zielgruppen sind die Laureus-Botschafter besondere Vorbilder. Die GWK-Crew ist jetzt gewappnet und heiß darauf auch an die Spitze zu kommen. Der Sport lässt jeden von ihnen über sich hinauswachsen.

They are the champions, my friends

Das Laureus Sport for Good-Angebot hat hier neue Türen geöffnet und den Teilnehmerinnen und Teilnehmern unter anderem zu einem neuen Selbstbewusstsein verholfen. Noch höher hinaus, noch schneller und weiter rollen! Auf Grund des großen Engagements der Betreuung von Ria Nieberg und Markus Bürger haben sie es nun geschafft. Sie dürfen Anfang Dezember zu einem Trainingscamp für die Special Olympics. Das Trainingsspiel mit Basti war sicher hilfreich.

PS: Gestern habe ich bei facebook einen coolen Post gelesen: „Jeder Champion war mal ein Kämpfer, der sich geweigert hat, aufzugeben.“ Unsere Kölner Kids geben niemals auf!

PPS: Gestern war ich auf der Sport for Good Night.

Mit Axel Schulz auf der Laureus Sport for Good Night 2015


Anmerkung der Redaktion:

Mer­ce­des-Benz ist einer der glo­ba­len Part­ner der „Lau­reus Sport for Good Foun­da­ti­on“. Die Laureus Sport for Good Night – einer der bedeutendsten Medienpreise für soziales Engagement im Sport. Bereits zum 11. Mal zeichnete Laureus in Deutschland und Österreich sportjournalistische Beiträge aus, die den Laureus Sport for Good Gedanken auf besonders wirkungsvolle Weise präsentieren. Personen und Projekte, die Laureus durch ihr soziales Engagement im Sport nachhaltig unterstützt haben, standen während der Sport for Good Night auch als Preisträger im Rampenlicht. PS: Infos zu mobilen Fahrhilfen von Mercedes-Benz gibt es hier.


Wie bewerten Sie diesen Artikel?
No votes yet.
Bitte warten...

Tags: , , , ,

drucken

Wollen Sie wirklich das Internet ausdrucken?

Sparen Sie Papier und schonen Sie die Umwelt! Nutzen Sie die Funktionen zum Bookmarking oder zur E-Mail-Weiterleitung.

Ihre Daimler AG

Erst wenn Sie klicken, wird die Schaltfläche aktiv und stellt eine direkte Verbindung mit dem jeweiligen sozialen Netzwerk her. Hierdurch werden Daten an das jeweilige soziale Netzwerk übertragen. Bitte lesen Sie unsere Datenschutzhinweise.

Sie ist Projektleiterin bei Körbe für Köln. Über ihre Arbeit sagt sie selbst: "Wir sind Stützpunktverein und Preisträgerprojekt im Bund-Länder Programm „Integration durch Sport“ wie auch Preisträger beim Bündnis für Demokratie und Toleranz, gegen Rassismus und Rechtsextremismus Berlin. Wir sind als gemein¬nütziger Sozialverein Mitglied im Paritätischen Wohlfahrts¬verband und als Sportverein beim LSB NRW e.V., StadtSportBund Köln e.V. und dem Westdeutschen Basketballverband e.V. “Sport für alle” anzubieten ist mein Antrieb, über Integration und Inklusion Chancengleichheit zu schaffen mein Ziel. Dass uns mit einem Team aus gut 40 Ehrenamtler/innen dieses auch täglich gelingt, merken wir tagtäglich in unserer Projektarbeit und an den strahlenden Augen unserer Zielgruppen und Teilnehmer. Es ist ein superschöner Job, den wir hier machen dürfen! Aber hierfür brauchen wir jahrein – jahraus Spenden, Partner aus der Wirtschaft und Unterstützung. Dank der Laureus Sport for Good Stiftung und der Daimler AG können wir den Verein auf eine tragfähige Basisfinanzierung stellen, aus der heraus wir weitere Mittel einwerben. Weitere Spenden und Partner sind immer nötig und jeder Zeit willkommen!"

Lesen Sie mehr über das Blog.

Letzte Kommentare

  1. EQC Heißland-Testing: Klassenfahrt ins „Bud-Spencer-Land“

    Herbert Jäger: Hallo, hoffe den EQC gibt es mit Anhängerkupplung, ...

  2. EQC Heißland-Testing: Klassenfahrt ins „Bud-Spencer-Land“

    Kevin Berger: Toller Bericht und tolle Bilder!! Die Tarnung ist auch sehr...

  3. EQC Heißland-Testing: Klassenfahrt ins „Bud-Spencer-Land“

    Andreas Glatz: Ich kann mich meinen Vorschreibern nur anschließen. Auch ihr macht einen tollen...

  4. EQC Heißland-Testing: Klassenfahrt ins „Bud-Spencer-Land“

    Marc Christiansen: Sehr schöner Artikel Herr Scheible! Freue mich auf den EQ C.

  5. EQC Heißland-Testing: Klassenfahrt ins „Bud-Spencer-Land“

    Manuel: Hallo Karl, super geschriebener Bericht mit tollen Bildern. Und das alles...