Im Rennwagen zum Großkonzern

Bereits frühzeitig habe ich festgestellt, dass Autos nicht nur ein reines Transportmittel sind, sondern Emotionen und Faszination in mir auslösen. Mein Interesse galt, wie so oft in jungen Jahren, den schnellen Autos und besonders dem Motorsport.

Faszination Auto und der Wunsch, dieser auch beruflich nachzugehen

Walter Röhrl mit seiner legendären Fahrt zum Gipfel des Pikes Peak in Colorado und Michael Schumacher mit seinen vielen Weltmeistertiteln waren Idole. Schnell entwickelte sich ein ernsthaftes Interesse, diese Faszination auf meinen Lebensweg mitzunehmen. Glücklicherweise sind wir in Deutschland gesegnet mit den besten Unternehmen der Branche und pflegen eine lange Tradition im Automobilbau.

Formula Student Rennwagen FP612e des WHZ Racing Team, ©Lennert van den Boom

Daher war es eine logische Entscheidung, mich für ein Studium der Kraftfahrzeugtechnik einzuschreiben. Meine Wahl fiel auf die Westsächsische Hochschule in Zwickau: automobiler Leuchtturm in Ostdeutschland, Heimat der legendären Sachsenring-Werke und des Kult-Autos Trabant.

Praxisbezug während des Studiums – Formula Student

Schon früh im Studium entschied ich mich, Theorie und Praxis miteinander zu verknüpfen und beim Formula Student Projekt meiner Hochschule, dem WHZ Racing Team, mitzuwirken. Bereits im ersten Jahr sprang der Funke über. Ich war begeistert von der Möglichkeit an der Entwicklung eines echten Rennwagens mitzuwirken, diesen aufzubauen, zu testen und anschließend auf zahlreichen Events in Europa und Nordamerika damit Rennen zu fahren.

Die Teams sind organisiert wie Unternehmen mit Team- und Projektleitern und zusammen mit meinem Team lernte ich das schnelllebige Motorsport-Geschäft kennen und was es heißt, unter enormen Zeitdruck Leistung zu erbringen. Daher auch das heimliche Motto der Formula Student:

eat, sleep, race, repeat

Heckflügel-Beklebung am JMS15c, ©Formula Student Germany

Es wird elektrisch!

Während der ersten Jahre wurden die Rennwagen konventionell angetrieben, meist mit 600ccm-4 Zylinder Motorradmotoren. Die Einführung der Formula Student Electric im Jahr 2010 mit rein elektrischen Antriebssträngen eröffnete uns jedoch völlig neue Möglichkeiten in der Entwicklung und Gestaltung der Fahrzeuge.

Zahlreiche neue Konzepte wurden erarbeitet, optimale Batteriepositionen gesucht, Motoren direkt in Radnaben verbaut, Heck- und Allradantriebe konstruiert. Obwohl die Elektromobilität bereits in aller Munde war, fühlten wir uns wie Pioniere, die gleichzeitig der Leidenschaft am Motorsport nachgehen durften.

Engineering Design und Awards

Neben den dynamischen Disziplinen zählt der Engineering Design-Wettbewerb als wichtigster Bestandteil des gesamten Events. Hier werden das Konzept und die Konstruktion der Rennwagen vor einer Fachjury erläutert. Verschiedene Vertreter aus der Automobilindustrie bewerten hier gemeinsam die Arbeit der einzelnen Teams. Zusätzlich ausgeschriebene Awards legen den Fokus auf spezielle Bereiche der Rennwagen.

Engineering Design Präsentation, ©Formula Student Germany

Die Daimler AG beispielsweise übergibt seit 2010 den Award „Best e-Drive Packaging“ für Fahrzeuge der Formula Student Electric-Klasse. Aus zahlreichen Bewerbungen werden die besten acht Teams zur Präsentation eingeladen. Bewertet werden die Auswahl und zielgerichtete Anordnung aller Antriebsstrang-Komponenten im Fahrzeug, technische Innovationen sowie die Wartungsfreundlichkeit der Systeme.

Der erste Kontakt mit der Daimler AG

Erfreulicherweise habe ich es zusammen mit meinem Team jedes Jahr in die Finalrunde des Daimler-Awards geschafft, welchen wir in den Jahren 2010 und 2013 sogar gewonnen haben. Über die Fachpräsentation kam auch der erste Kontakt zum Unternehmen zustande, woraus sich eine Diplomarbeit im Projekt W242EV, der B-Klasse Electric Drive, entwickelte. Nach Jahren in der Formula Student wollte ich nun den Kontakt zum OEM herstellen. Das Studium neigte sich dem Ende entgegen und die Frage nach dem Abschluss stand im Raum. Dementsprechend glücklich war ich über die persönliche Anfrage von Daimler zu diesem Zeitpunkt.

Gewinn des Daimler Awards 2013, ©Formula Student Germany

Studium in Amerika

Bereits vor der Diplomarbeit habe ich einen längerfristigen Auslandsaufenthalt geplant. Für mich ging es deshalb im Anschluss in die USA, genauer gesagt nach Lawrence in Kansas. Hier hatte ich die Möglichkeit, meine akademische Ausbildung um ein Master-Studium im Maschinenbau zu ergänzen. Die Frage nach dem „USA ist ja echt cool, aber warum gerade Kansas?“ habe ich oft beantworten müssen. Meine Antwort lautete: Jayhawk Motorsports.

Im Formula Student Team der University of Kansas habe ich meine studentische Ingenieurs-Karriere fortgesetzt und durfte auch in Amerika einige große Erfolge feiern. Neben der bekannten Formula Student-Rennserie wollte ich aber vor allem das amerikanische Studentenleben erfahren und meinen Horizont um ein weiteres technisches Fachgebiet erweitern.

JMS14c nach dem Gewinn der Formula Student West in Lincoln/ Nebraska, ©Robert Weingart

CAReer-Einstieg

Während meiner Zeit in den USA bestand regelmäßiger Kontakt zu den ehemaligen Kollegen von Daimler. Dank der großartigen Hilfe konnte ich zielgerichtet interessante Stellen im Unternehmen ausfindig machen. Meine Priorität lag klar auf dem CAReer-Programm und so folgte nach einer erfolgreichen Bewerbung die Einladung zum AC nach Stuttgart-Vaihingen. Mit der Stelle in diesem Fachbereich hat es zwar leider nicht geklappt, aber ich hatte die Zusage für das Traineeprogramm an sich bekommen.

Übergabe des diesjährigen Daimler Awards, ©Formula Student Germany

Der sogenannte „Matching“-Prozess, bei dem Kandidaten mit Zusage für CAReer aber ohne spezielle Stelle mit weiteren Fachabteilungen verknüpft werden, hat sehr schnell funktioniert und bald darauf saß ich in Sindelfingen zum Gespräch in meiner heutigen Abteilung, Gesamtfahrzeugentwicklung Sport Cars. Die Zusage hat glücklicherweise nicht lange auf sich warten lassen und ich hatte meinen Berufseinstieg beim OEM sicher. Die Freude war riesig!

Fazit

Heute blicke ich auf die Erfahrung von mehr als fünf Jahren als Ingenieur, Projektmanager und Fahrer während der Formula Student zurück. Zum Abschluss durfte ich dieses Jahr bei der Verleihung des Daimler-Awards auf der anderen Seite stehen und diesen in Co-Moderation übergeben – ein tolles Gefühl nach all den Jahren. Auch wenn das Projekt „nur“ im studentischen Rahmen ablief, habe ich sehr viele berufsrelevante Erfahrungen sammeln können.

Früher wurden die kleinen Rennwagen als übermotorisierte Seifenkisten belächelt, heutzutage sind die Teams sehr professionell und die Autos können qualitativ mit den Spitzen des Motorsports mithalten. Stellvertretend sei an dieser Stelle der neu aufgestellte Beschleunigungs-Weltrekord für Elektrofahrzeuge des Greenteams aus Stuttgart erwähnt (0-100km/h in 1,779 Sekunden).

Persönlich bin ich fest überzeugt, dass mein Mitwirken am Formula Student Projekt die beste Entscheidung während meines akademischen Werdegangs war und diese mir viele, ungeahnte Möglichkeiten eröffnet hat. Stellvertretend für alle Studenten der Formula Student möchte ich mich daher beim VDI für die Ausrichtung in Deutschland sowie bei allen Sponsoren, u.a. auch die Daimler AG, für diese großartige Unterstützung bedanken.

Gruppenbild Formula Student Germany 2015, ©Formula Student Germany


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Er ist Trainee im „CAReer – The Top Talent Program“ mit der Zielstelle Entwicklungsingenieur in der Gesamtfahrzeugkonstruktion der Mercedes-Benz Sportfahrzeuge.

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