Mit Laureus zum Berlin Marathon

Km 28,5 – „Na, wie ist es?“, fragt mich meine Frau, die ich am Platz am Wilden Eber in der großen Menschenmasse entdecke. „Grausam“, lautet meine Antwort. Aber es wird noch extremer. Und zwar ab Kilometer 32, Hohenzollerndamm kurz vor dem Fehrbelliner Platz. „Dann beginnt der schwierigste Teil der Strecke“, gehen mir die Worte von Marathon-Experten durch den Kopf – gemeint ist die mentale und körperliche Beanspruchung – „Geht´s noch heftiger? Unglaublich!“.

Eingeweihte wissen, ich stehe gerade vor der größten Herausforderung beim Marathonlauf in Berlin. Es ist der 27. September 2015 an dem ich den ersten Marathon meines Lebens bestreite, und das ausgerechnet beim weltweit bedeutenden Berlin-Marathon. Ich bin einer von über 40.000 Marathon-Läufern, die um 9:00 Uhr auf die 42,195 km lange Strecke starten.

Ursprüngliches Ziel: Der Halbmarathon in Berlin

Vor ungefähr vier Jahren startete ich mit dem Joggen bzw. Laufen und 2013 habe ich in Stuttgart meinen ersten Halbmarathon absolviert. Hat Spaß gemacht und so sollte es auch bleiben, zwei Veranstaltungen pro Jahr standen seitdem in meinem Terminkalender. Stuttgart, Köln und irgendwann Berlin, ein Traum – wie gesagt, nur Halbmarathon.

Aber es kam anders. Am 29. Juli gab es im Intranet einen Link zu einer Aktion der Laureus Sport for Good Foundation, die zwei Startplätze für den Berlin-Marathon verloste. Marathon – nein danke. Aber halt: Bei dieser „Einladung“ ging es nicht um sportliche Höchstleistungen, sondern um die Unterstützung des sozialen Engagements der Laureus Foundation.

Willkommen im Laureus Team

Also formulierte ich meine Motivation, ein Teil des Laureus-Teams sein zu wollen. Schließlich ist mir durch meine ehrenamtliche Tätigkeit in einem gemeinnützigen Verein zur Unterstützung von Kindern und Erwachsenen mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen neben der gesundheitlichen Situation auch deren Stellung in der Gesellschaft sehr bewusst. Zwei Wochen später erhielt ich die Mitteilung „Herzlichen Glückwunsch und Willkommen im Laureus TEAM SPORT FOR GOOD“. Das war natürlich eine große Freude.

Allerdings traten bei den eilig aufgenommenen ersten Trainingseinheiten Probleme im Knie auf, die den Gedanken zur Absage der Laufveranstaltung in mir aufkommen ließ. Intensive physiotherapeutische Behandlungseinheiten durch meine Frau behoben die Schmerzen im Knie, und mit jedem Trainingslauf stieg die Freude auf Berlin. Die Marathonstrecke wurde dabei zur Nebensache, wichtig war nur die Ziellinie am Brandenburger Tor zu überqueren.

42 Kilometer für den guten Zweck

Es ist überraschend festzustellen, wie viele Menschen Marathon oder andere dauersportlichen Aktivitäten ausüben. Auf einer Geburtstagsfeier eines Freundes habe ich Daniela aus Berlin kennen gelernt, die mir aus ihren Erfahrungen als ehemalige Leistungsschwimmerin berichtet hat. Sie gab mir einen sehr wertvollen Tipp:

Du musst Dir einen mentalen Ankerpunkt suchen, um in den kritischen Situationen der körperlichen Höchstbelastungen aus dem Gedankenkarussell zu entfliehen.

Für mich war klar, ich laufe für Ben, Sophia, Julia, Manu, Andreas und viele andere Patienten, die als Kinder oder Erwachsene mit Querschnittslähmung, MS-Erkrankung, Sauerstoffmangel bei der Geburt, Morbus Down oder Herzinfarkt einen ständig schweren Weg haben.

Persönliche Grenzen kennenlernen

Den Willen und die Leistungsbereitschaft, den diese Menschen aufbringen um ein besseres Leben zu führen, kann ich sicher nicht nachvollziehen. Aber ich kann spüren, was es heißt, meine Leistungsgrenze zu erreichen. Und in diesem Augenblick fängt das Hamsterrad im Kopf an sich zu drehen, das war etwa ab km 32 beim Berlin-Marathon der Fall. Aber vielleicht sollte ich über das Marathon-Wochenende von Anfang an berichten.

Meine Frau begleitete mich nach Berlin, da wir dort auch Freunde besucht haben. Am Samstag musste ich meine Startunterlagen abholen, die auf der Messe Berlin Vital in den Hallen des Tempelhofer Flughafens ausgegeben wurden. Der Gang durch die Flatterband-Schlange vor den Ausgabeschaltern erinnerte mich an die Warteschlangen vor den Länder-Pavillons der Expo in Mailand, aber hier ging alles sehr schnell.

Startnummer 28146 und ein erster Eindruck der Strecke

Nach einer halben Stunde hatte ich meine Startnummer und konnte wieder nach Hause gehen. Denkste! Da hatte ich die Rechnung ohne die beiden Damen gemacht, die mich begleiteten. Shopping zu Messepreisen stand jetzt auf dem Programm, also wurde auch ich neu eingekleidet – mit einem Sportdress natürlich.

Anschließend erhielt ich in der Yorkstraße einen ersten Eindruck von der Begeisterungsfähigkeit der Berliner Zuschauer, die dem am Samstag auf der Marathonstrecke ausgetragenen Inlineskater-Wettbewerb beiwohnten. Super Stimmung um noch etwas Motivation für Sonntag zu tanken. Nervös? Nein, noch nicht.

Um 6:30 Uhr klingelt am Sonntagmorgen der Wecker. Laufhose, Laufshirt und die neuen Laufstrümpfe angezogen, noch etwas Warmes darüber, schließlich liegen die Temperaturen bei etwa acht Grad Celsius. Frühstücken und auf geht es zur S-Bahn, die direkt zum Brandenburger Tor fährt. Auf dem Weg zum Start treffe ich viele Mitläufer, darunter einige, die den Marathon auch zum ersten Mal laufen.

Beim Aussteigen wünschen wir uns gegenseitig viel Glück. Dann ist Orientierung und Vorwärtskommen in der Menschenmenge angesagt. Mit Carina Brunner von der Laureus Foundation war ausgemacht, im Startbereich ein Foto mit dem Laureus-Team zu machen.

Das Laureus Team

Das Team besteht aus Andreas von Wallfeld (Vorstand von Laureus Deutschland und Österreich, bei Daimler für Verkauf und Marketing Mercedes-Benz Cars Deutschland zuständig), Julian Beuchert (Triathlon-Weltmeister in der Altersklasse 18-24 Jahre und offizielles Mitglied im TEAM SPORT FOR GOOD) und den beiden Gewinnern Stefan Paeper aus Berlin und mir.

Leider habe ich die vielen Absperrungen und intensiven Zugangskontrollen unterschätzt, sodass kein Teamfoto vor dem Start möglich war. Also schnell die warmen Sachen ausziehen, den Kleiderbeutel abgeben und zum Startblock H gehen. Beeindruckend diese Menschenmasse!

Internationales Flair – über 40.000 Läufer aus 131 Nationen

Der Startblock ist bereits um 8:30 Uhr gut gefüllt, obwohl dieser Block erst gegen 9:30 Uhr an den Start geht. Die Stimmung unter den Läufern ist fantastisch, Teilnehmer aus den unterschiedlichsten Nationen kann ich ausmachen: Mexiko, Dänemark, Großbritannien, Brasilien, Indien, China, Japan und so weiter. Insgesamt 41.224 LäuferInnen aus 131 Nationen starten auf der Straße des 17. Juni zum 42. Berlin-Marathon.

Um 9.36 Uhr überquere ich die Zeitmessung am Start. Das erwartete Gedränge nach dem Start tritt nicht ein, ich bin überrascht über den Freiraum in der Menschenmenge. Vorbei an der Siegessäule, am Ernst-Reuter-Platz rechts abbiegen, das Salzufer überqueren und nach Alt Moabit ist im Regierungsviertel auf Höhe des Bundestages km 7 mühelos erreicht, ich bin gut unterwegs.

Weiter geht´s, die vielen begeisterten Zuschauer und unzähligen Musikbands – an fast jeder Ecke spielt eine Band – lassen die Zeit und die Strecke wie im Flug vergehen. Getragen von dieser unbeschreiblichen Atmosphäre überschreite ich die Halbmarathon-Zeitmessung mit unerwarteter Leichtigkeit, aber lange hielt diese Euphorie nicht an. Gedanken schießen durch den Kopf, was wäre wenn …. nein, nicht aussteigen.

Bekämpfe den inneren Schweinehund!

Irgendwo zwischen km 32 und 35 lese ich einen von vielen Motivationssprüchen „Umkehren wäre sinnlos“. Das Publikum wird immer besser, es entsteht der Eindruck, alle fühlen jetzt mit den Läufern, und spüren die Schmerzen in den Füßen, Waden, Oberschenkeln bis hoch zur Schulter.

Die Presse berichtet von über einer Millionen internationalen Zuschauern, die die Marathonläufer mit ganzer Kraft unterstützen und quasi auf Händen über die Ziellinie tragen. Km 37, die Skyline des Potsdamer Platzes taucht auf, es ist nicht mehr weit, „Jan, Du schaffst es“ rufen einige der den Straßenrand säumenden Berliner.

Die nicht enden wollende Leipziger Straße und dann endlich links abbiegen. Gendarmen Markt, jetzt bin ich bald am Ziel. Vor dem Brandenburger Tor herrscht eine nicht zu toppende Stimmung. Hier treffe ich noch einmal meine Frau, die mich „bereits erwartet“ – naja, die Halbmarathon-Zwischenzeit deutet auf eine frühere Zielankunft hin, aber dazwischen liegen weitere 21,0975 km, die zu bewältigen sind.

Und jetzt der große Augenblick, nach 42 km laufe ich durch das Brandenburger Tor, die letzten 195 m bis zur Ziellinie sind ein Genuss – wirklich. Wer es nicht glaubt, der möge es selber spüren – beim nächsten Berlin-Marathon.

Im Ziel lerne ich dann auch mein Team kennen. Dass alle auf mich gewartet haben, spricht für echten Teamgeist. Jedes Mitglied war mit seiner erreichten Zeit zufrieden. Dieser Erfolg ist die Krönung einer grandiosen Veranstaltung, die mir lange in Erinnerung bleiben wird.

Vielen Dank an das Laureus-Team, an Frau Carina Brunner und Herrn Andreas von Wallfeld, die dieses erlebnisreiche Wochenende ermöglicht haben.


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