20 Jahre Mercedes-Benz Erfindergeist im Silicon Valley

MfG von MBRDNA – In der letzten Septemberwoche war selbst für Silicon Valley-Verhältnisse viel los: Tesla präsentierte ein neues Auto. Google zeigte neue Smartphones. Und Twitter stellte einen neuen Nutzer vor: Edward Snowden.

Es gab aber noch etwas zu feiern – bei einer Silicon Valley-Firma, die schon existierte, als Snowden die NSA nur aus Hollywood-Filmen kannte. Dass diese Adresse trotzdem kaum jemand auf dem Schirm hat, liegt vielleicht auch am sperrigen Namen: MBRDNA. Das steht für Mercedes-Benz Research & Development North America.

Was machen die da eigentlich?

Dieser Daimler-Außenposten im kalifornischen Sunnyvale gehört seit 1995 zu unseren kreativsten Ideenschmieden und populärsten Expat-Standorten. Grund genug für die Kommunikation bei Mercedes, Ende September eine Gruppe Journalisten nach Sunnyvale einzuladen. Zum 20-jährigen Jubiläum ging es dabei um Antworten auf die Frage: Was machen die da eigentlich?

Unterschied zwischen Auto- und IT-Branche

Dass beim Thema Auto und IT Gesprächsbedarf besteht, wird schon am Vorabend des Besuches deutlich. Ein namhafter Techblogger aus Taipeh sagt uns freundlich, aber bestimmt:

Das mit dem F015 auf der CES war cool. Aber Ihr trommelt noch zu wenig für Eure Innovationen.

Ein Bekannter bei Apple stellt nüchtern fest: „Unsere Firma hat die Softwarekompetenz komplett inhouse und die Hardware-Produktion komplett extern. Bei Euch in der Autoindustrie ist es andersrum. Deshalb sind Eure Margen so niedrig.“ Man möchte entgegnen: Dafür sind bei uns die Beschäftigungszahlen höher. Aber sei’s drum.

Automobile Hardware

Dass automobile Hardware im Silicon Valley nach wie vor sehr populär ist, merkt man spätestens im Stau. Eine deutsche Kollegin bei MBRDNA sagt mir, sie habe hier immer eine Tüte Chips im Wagen. Damit man im Zweifel nicht auf dem Highway verhungern muss … Der Fernseher bestätigt dieses Risiko. Frühstücksfernsehen ist normalerweise gar nicht mein Ding (Cherno Jobatey war schuld.) Aber Dank Jetlag schaue ich hier um 4:00 Uhr morgens U.S. TV-Nachrichten und die bestehen größtenteils aus Verkehrsinfo. Am dritten Tag merkt man: Der Neuigkeitswert ist überschaubar, denn es ist sowieso immer Stau.

Bemerkenswert sind allerdings die Autos, mit denen man dann früh auf dem Interstate 280 steht. Vor ein paar Jahren hat man hier an einem Tag mehr Toyota Prius gesehen als anderswo in einem Jahr. Heute hat Teslas Model S hier gefühlt einen Marktanteil wie der Golf in Deutschland. Das hat man natürlich schon oft gehört. Aber dennoch: An einem Nachmittag auf einem dreispurigen Highway fuhren drei Tesla vor mir – einer auf jeder Spur.

Neue Branche: Start-ups, die Start-ups zuarbeiten

Das zeigt auch, dass es im Silicon Valley nicht nur viel Verkehr gibt, sondern auch verdammt viel Geld. Mittlerweile hat sich herumgesprochen, dass allein Uber mehr als doppelt so hoch bewertet wird wie Adidas und die Deutsche Lufthansa – zusammen. Im Forbes Magazine lese ich zudem, dass neben den IT-Start-ups mittlerweile eine andere lukrative Branche entstanden ist: Start-ups, die Start-ups zuarbeiten.

Artgerechte Haltung für Nerds

Eine Firma hat sich beispielsweise darauf spezialisiert, die artgerechte Haltung für Nerds und Stanford-Absolventen sicherzustellen: vom Designerstuhl für’s Loft-Büro bis zu einer Wanddekoration, die aus tausenden Tischtennisbällen besteht. Der Chef der Firma sagt im Interview:

Es fühlt sich an, als würde man mitten im Goldrausch Schaufeln verkaufen.

Ich bin ein bisschen neidisch – auf seine Geschäftsidee und auf die Ping-Pong-Deko.

Zurück zum Start-up Spirit

Die Stimmung steigt, als wir dann bei MBRDNA sind – in Sunnyvale, südlich von San Francisco. Der Standort sieht aus wie in einem Gründer-Prospekt: Sofas auf dem Rasen vor dem Haus. Selbstlernende Nest-Thermostate in jedem Raum. Zur Feier des Tages gibt’s Foodtrucks statt Kantine. Und Farben wie bei Tine Wittler – nur in cool. Noch besser als die Büros sind aber die Leute. Im Frühjahr hatte ich als Gast beim Daimler Digital Life Day nahe Stuttgart schon das Gefühl: Unser Laden verändert sich. Da traf man viele Menschen, die bei einem Start-up sein könnten, aber bei Daimler sind. Bei Mercedes in Sunnyvale ist allerdings jeden Tag Digital Life Day.

Wir hören dort zum Beispiel den Vortrag einer asiatisch-amerikanischen Doktorandin aus Stanford zum Thema „Ethik des autonomen Fahrens“. Sie bestätigt, dass es unterm Strich sicherer ist, wenn sich das Auto nicht immer sklavisch an Fahrbahnmarkierungen und Verkehrsregeln hält. Klingt vernünftig, finde ich.

Ein anderer Vortrag beschäftigt sich mit den Möglichkeiten lernender Maschinen. Eine Anwendung: Weniger Ablenkung im Auto durch Menüs, die mir standardmäßig nur Features zeigen, die ich auch häufig verwende. Das leuchtet ein. Warum mein Auto aus dem Jahr 2015 noch 12 physische Telefontasten hat, ist mir zum Beispiel schleierhaft.

„Boost bei Benz“ – Chauffeur für die Kleinsten

Zum Schluss wird dann noch ein MBRDNA-Projekt vorgestellt, bei dem sich Eltern fragen: Warum gibt’s das erst jetzt? Es geht um „Boost by Benz “. Das ist ein Fahrdienst für Kinder, die jede Woche zum Football, Fußball oder Ballett chauffiert werden müssen. Alle Mütter und Väter, die nicht von einer Karriere als Taxifahrer träumen, können diese Aufgabe jetzt an sorgfältig ausgewählte Mercedes-Fahrer delegieren. Der Service wird per Smartphone gebucht. Gleichzeitig zeigt die App in Echtzeit, wo sich der Nachwuchs gerade befindet. Als Doppel-Dad warte ich auf den Deutschland-Start.

Google: Unternehmen mit Uni-Charme

Was in den Sunnyvale Büros an jeder Ecke deutlich wird: Wenn nicht überall die Automodelle und -displays wären, dann könnte das hier auch die Zentrale von Instagram, Dropbox oder Google sein. Um das zu verifizieren, fahre ich dann auch mal zum Google Hauptquartier. Das dauert (trotz Stau) kaum 20 Minuten – hier ist alles sehr, sehr nah beisammen. Der erste Eindruck dort: Google ist keine Firma, sondern eher eine Uni. Nicht nur wegen des Altersdurchschnitts oder der Flip-Flop-Dichte, sondern wegen der Offenheit. Der Campus ist frei zugänglich, nur die Büros sind verschlossen. Untertürkheim kommt mir sehr weit weg vor.

Das autonome Google Auto steht auch hier rum. Als bekennender Verehrer der G-Klasse ist so eine Kugel aber irgendwie nicht mein Ding. Faszinierender ist das Google Street View Fahrzeug, mit dem die 360 Grad Bilder für Google Maps aufgenommen wurden. Als ich vor Jahren zum ersten Mal Google Streetview gesehen habe, war mir klar, was der Satz von Arthur C. Clarke bedeutet:

 Jede hinreichend fortschrittliche Technologie ist von Magie nicht zu unterscheiden.

Ich verlasse den Campus aber mit dem guten Gefühl, dass Daimler mit Nokia HERE ebenfalls in zeitgemäße Karten investiert hat. Eine Entscheidung, für die ich in dieser Woche übrigens immer wieder von wildfremden Leuten Anerkennung ernten konnte, sobald ich mich als Daimler-Mitarbeiter geoutet hab. Das Lob für diesen Deal gebe ich hiermit gerne an die verantwortlichen Kolleginnen und Kollegen der Daimler AG weiter.

Die Autoindustrie war nie so in Bewegung wie heute

Was ist nun die Antwort auf die Frage: Was machen die bei MBRDNA eigentlich? Kurz gesagt: Eine Menge. Und in einem Punkt waren sich bei diesem Besuch alle einig – der Blogger vom Vorabend, die Entwickler von „Boost by Benz“, sogar der Kollege bei Apple – alle sagen zum Schluss dasselbe: Die Autoindustrie war nie so in Bewegung wie heute. Und das gilt auch und gerade für den Erfinder des Automobils – nicht nur hier in Sunnyvale.

Ich glaube, da ist was dran. Deshalb sei dem Team von MBRDNA an dieser Stelle nochmal gesagt: Thanks for having us!


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