IAA oder die offene Gesellschaft

Offene Gesellschaft I: Open your mind

„Warum die IAA total überflüssig ist“ schrieb ein großes Magazin im Vorfeld der Frankfurter der Automobilmesse. Es folgte ein relativ schlechtgelaunter Abgesang auf Autos, Premieren, Messen… Ich bin trotzdem hingefahren. Mit offenem Blick.

Die Mercedes-Benz Media-Night am Montagabend ist ein Medien-Ereignis, soviel steht fest. Schwer für mich, im Gedränge der Kameras selbst Bilder zu schießen. Von Desinteresse an Autos in der Frankfurter Festhalle keine Spur.

Offene Gesellschaft II: Cabrios

Cabrios! Zwei Stars von Daimler bei der IAA, die gegensätzlicher nicht sein könnten: Das neue smart fortwo Cabrio und nach 45 Jahren erstmals wieder eine offene Mercedes-Benz S-Klasse. „Frech“ trifft „edel“.

Den fortwo können Frischluft-Fans zukünftig als offenen Zweisitzer mit Faltschiebedach oder noch weiter geöffnet fahren. Die Dachholme lassen sich beim Cabrio herausnehmen und in einem Fach in der Heckklappe verstauen. Binnen zwölf Sekunden öffnet sich das elektrische Dach -sogar während der Fahrt.

Wie es sich gehört, kommt das neue S-Klasse-Cabrio sehr gediegen daher, gleicht mit geschlossenem Dach dem S-Klasse-Coupé. Es erhebt den Anspruch, das komfortabelste Cabriolet der Welt zu sein. Dafür sorgen beim Klimakomfort sorgen das automatische Windschutz-System AIRCAP, die beheizbaren Armlehnen, die Sitzheizung auch im Fond sowie die intelligente vollautomatische Klimasteuerung.

Wie gerne würde ich Matthias Schlösser in voller Fahrt darin sehen, den Gewinner eines Daimler internen „Cabriofrisuren-Wettbewerbs“. Wie er sich den Bart um die Nase wehen lässt. Der Mann ist übrigens KEIN Hipster, sondern arbeitet sehr geerdet für Mercedes-Benz Vans. Lassen Sie uns an dieser Stelle zusammen und offen Klischee-Vorstellungen gegen checken. Auch über Daimler-Mitarbeiter.

Offene Gesellschaft III:  Ready for digital?

Jetzt weiß ich auch nach all den Jahren, wofür „IAA“ steht. Für „Intelligent Aerodynamic Automobil“. Die Concept-Studie ist eine fahrende Transformation: Ab 80 km/h kann das Fahrzeug automatisch vom Design-Modus in den Aerodynamik-Modus wechseln: Am Heck fahren acht Segmente aus und verlängern die Heckschürze.

Frontflaps im vorderen Stoßfänger fahren nach außen sowie hinten und verbessern die Luftströmung um Bug und der vordere Radhäuser. Die aktiven Felgen verändern ihre Schüsselung von 55 mm auf null und die Lamelle im vorderen Stoßfänger fährt 60 mm nach hinten und verbessert die Strömung am Unterboden. Ergebnis dieser Tranformation ist ein Aerodynamik-cw-Rekordwert von 0,19.

Der Antrieb der Studie wird durch einen 279 PS starken Plug-In-Hybrid gewährleistet, der im Aerodynamik-Modus auf elektrischen Betrieb umschaltet und dabei nur 28 GrammCO2 ausstößt. Ihr neuer Dienstwagen, Mr. Bond?

Die eigentliche Botschaft des „Concept IAA“ ist: Industrie 4.0 steht bei der Automobilbranche vor der Tür. Und Digitalisierung ist das Zauberwort. Denn Design und Technik des „Concept IAA“ sind das Ergebnis digitaler Vernetzung diverser Entwicklungsbereiche bei Daimler. So wurde die Aerodynamik mit Hilfe der numerischen Strömungssimulation entwickelt.

In rund einer Million CPU-Stunden (= „Prozessorzeit“, Messeinheit wie lange ein Computerprogramm rechnet) simulierten Ingenieure den Strömungsverlauf und rechneten dabei rund 300 Varianten durch. Dieser Aufwand entspricht in etwa der Entwicklung eines Serienmodells. Mit dem Concept IAA wurde also auch die komplette digitale Entwicklung zum Beispiel einer neuen Baureihe erprobt.

Offene Gesellschaft IV: Das Rennen wird wieder….

In Frankfurt stellt Mercedes-AMG ebenfalls sein neues C63 DTM-Renncoupé vor. Die Verwandtschaft zum ebenfalls neuen AMG C63 Coupé Serienmodell ist unverkennbar. Böse blickt er drein und das Mattschwarz zieht viele Besucherblicke auf sich.

„Das neue Mercedes-AMG C63 Coupé wird wieder Standards bezüglich Fahrdynamik und Design setzen. Damit bietet das Auto die ideale Basis für unser DTM-Fahrzeug“, sagt Mercedes-DTM-Teamchef Ulrich Fritz. „Ich freue mich schon jetzt darauf, den neuen C63 DTM ab 2016 im Einsatz zu sehen“. Wir DTM-Fans uns auch! Da geht bestimmt Richtung Meisterschaft was…

Offene Gesellschaft V: Elektromobilität

Es gilt ja an den medialen Stammtischen der Republik als gesichert, dass die deutsche Automobilindustrie im Einklang mit der Politik die Einführung der Elektromobilität verschläft. Dazu eine Beobachtung von der IAA: Dort gibt es eine Sonderausstellung „vernetzte Mobiliät“ in der Halle 3.1. Daimler zeigt dort zum Beispiel die Mercedes-Benz B-Klasse E-CELL, den noch aktuellen smart fortwo electrive drive sowie die C- und S-Klasse als Plugin Hybride. Auch car2go und moovel sind vor Ort. Neben anderen sehr interessanten Anbietern für Mobilitätslösungen oder für smartes Laden. Allein: Wenige interessiert diese Ausstellung. Während meines Aufenthalts in der Halle hätte ich alle Besucher oder Medienvertreter persönlich mit Handschlag begrüßen können. Eine „Abstimmung mit Füßen?“

Offene (Aktien-) Gesellschaft VI: Daimler erfindet sich neu

Mich fasziniert die Key Note von Dieter Zetsche: Ein Konzern, offen zukunftsorientiert, der nicht nur Autos bauen kann, sondern Ideen zu sich verändernden Realitäten der Mobilität entwirft. Sich neu erfindet. Daimler als vernetzter Mobilitätsdienstleister, der Kunden immer die Mobilität anbietet, die er gerade benötigt.

Zum Beispiel mit „Mercedes Me“ als Plattform für zukünftige Mercedes-Kunden. Die Möglichkeit, Autos zu bestellen und diverse Serviceleistungen zu nutzen. Klar ist dabei, dass Autos immer mehr zu Datenlieferanten werden. „Diese Daten sind bei Mercedes sicher“ sagt Dieter Zetsche und begründet dies damit: Anders als Internetfirmen aus den USA sei man nicht auf den Handel mit Daten angewiesen, um Geld zu verdienen.

Und weiter: „Die Chancen sind also groß, genau wie unsere Verantwortung für die Privatsphäre unserer Kunden und dafür, dass persönliche Informationen nicht an Dritte gelangen. Auf der anderen Seite bedeutet diese Verantwortung auch, dass unsere Fahrzeuge gegen Manipulationen von außen sicher sein müssen.“

Offene Gesellschaft VI: Solidarität mit Flüchtlingen

Daimler unterstützt die BILD-Hilfsorganisation „Ein Herz für Kinder“ mit einer Spende von einer Million Euro. Und erklärt sich solidarisch mit den vielen Menschen, die sich in den vergangenen Wochen in Deutschland an der Flüchtlingshilfe beteiligten: „Wir helfen. Das haben Tausende Menschen in Deutschland in den letzten Wochen gesagt – und getan. Daimler schließt sich an: „Wir spenden eine Million Euro, um Flüchtlingen den Neustart zu erleichtern“ sagte Dieter Zetsche in Frankfurt.

Zetsche auf Twitter:

Wer die Vergangenheit kennt, darf Flüchtlinge nicht abweisen. Wer die Gegenwart sieht, darf sie nicht abweisen, wer an die Zukunft denkt, wird sie nicht abweisen.

Zudem wird es einen Spendenaufruf an die Mitarbeiter geben. Die dabei erzielte Summe wird Daimler verdoppeln und an das Deutsche Rote Kreuz für die Flüchtlingsnothilfe spenden. Auch lokale Projekte zur Flüchtlingshilfe von Mitarbeitern werden unterstützt. Über die jeweilige Förderung wird unter Beteiligung der Mitarbeiter im Einzelfall an den einzelnen Standorten entschieden. Bereits in der Vergangenheit hat das Unternehmen beispielsweise Projekte gefördert, bei denen Mitarbeiter Wohnungen renovieren, Sprachkurse geben oder bei Behördengängen helfen.

Die Zuwanderung könnte aus Sicht des Daimler Vorstandsvorsitzenden sogar „Grundlage für das nächste deutsche Wirtschaftswunder“ sein. Eine Erinnerung an die zahlreichen Gastarbeiter, die Deutschland für den wirtschaftlichen Aufschwung in den 1960er Jahren ins Land holte. Gleichwohl sieht Zetsche in dem Zustrom von bis zu einer Million Flüchtlingen auch Herausforderungen. -Für mich eindrucksvolles Plädoyer an eine offene Gesellschaft. Und zwar hier und heute. Und nicht in Zukunft.


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