Busse als Teil der mobilen Zukunft

Ich wage jetzt mal eine These: Busse sind die mobile Zukunft. Zumindest ein wichtiger Teil davon. Eine Zahl dazu: in etwa fünfzehn Jahren werden 60 Prozent der Weltbevölkerung in den Metropolen leben.

Und nicht jeder wird sich individuell in einem eigenen Fahrzeug von A nach B bewegen (können). Ich bin davon überzeugt, dass den Bussen deshalb eine noch größere Bedeutung zukommen wird, als sie heute schon besitzen.

Glamourfaktor vs. innere Werte

Als Entwicklungsleiter bei Daimler Buses beschäftige ich mich schon einige Jahre mit Mobilitätsthemen. Zugegeben: Für die meisten Menschen hat ein Bus nicht den gleichen optischen „Glamour-Faktor“ wie ein Pkw vom Schlage beispielsweise eines Mercedes AMG. Für uns Ingenieure zählen aber die inneren Werte ebenso stark.

Als Entwickler im Nutzfahrzeugbereich ist die technische Gestaltung eines Buses faszinierend: Bei Daimler Buses gibt es eine hohe Motivation und viel direkte Verantwortung für die einzelnen Mitarbeiter. Mein persönliches „Gesellenstück“, die erste große Aufgabe als Teamleiter, war der Rohbau der Mercedes-Benz „Citaro“ Karosserie. Die Grundkonstruktion des heutigen ist immer noch das, was wir vor ein paar Jahren gezeichnet und entwickelt haben: Effizient, leicht, stabil.

Trommeln für Kortrijk

An diesem Tag in der Carl Benz Arena erkläre ich deutschen und internationalen Journalisten die neuesten Produkte unserer Marken Mercedes-Benz und Setra. Wir wollten schon ein wenig die Trommel für die Messe „Busworld“ im belgischen Kortrijk rühren. Kortrijk ist sozusagen „die IAA“ für Busse.

Dort werden im Oktober die neuesten Konzepte, Entwicklungen und Innovationen der Branche vorgestellt. Wir von Daimler Buses zeigen einige Premieren bei Motoren, Sicherheit, Fahrgastkomfort und Dienstleistungen.

Weltpremiere: Mercedes-Benz Citaro NGT mit Erdgasantrieb

Allem voran die Weltpremiere Mercedes-Benz Citaro NGT mit Erdgasantrieb. Auf dieses neue Fahrzeug bin ich besonders stolz. Denn der in Mannheim produzierte Stadtlinienbus besitzt sehr leise Laufeigenschaften und vorbildliche Emissionswerte. Im Vergleich zum Vorgängermodell ist er bis zu 20 Prozent effizienter. Und im Vergleich zum Dieselmotor beträgt der CO2-Vorteil bis zu zehn Prozent!

Bei Betankung mit Bio-Erdgas fährt er nahezu CO2-neutral. Er unterschreitet die extrem strengen Abgasgrenzwerte von Euro VI zum Teil erheblich. Mal so nebenbei: Hier in Europa waren wir der erste Hersteller, der seine komplette Flotte auf die Euro VI-Norm umgestellt hat.

Gleichzeitig konnten wir den Verbrauch bei unseren neuen Modellen um mehr als acht Prozent senken trotz Mehrgewicht durch die Abgasnachbehandlung. Warum betreiben wir diesen Aufwand? Weil unsere Kunden mit ihren Fahrzeugen Geld verdienen müssen – effizientes und nachhaltiges Fahren wird immer wichtiger.

Es werde (LED) Licht!

Neben dem erdgasbetriebenen Stadtbus sowie der neuesten Generation des jetzt noch sparsameren Heavy-Duty-Motors OM 471 dürften die Messebesucher in Kortrijk auch an der neuen LED-Hauptscheinwerfer-technologie interessiert sein.

Es werde Licht! Daimler Buses führt integrierte LED-Scheinwerfer als erster Anbieter für schwere Nutzfahrzeuge ein. LED-Scheinwerfer sparen nicht nur Strom und damit wertvolle Energie, sie sind auch ein zusätzlicher Sicherheitsfaktor. LEDs leuchten die Fahrbahn breit und präzise aus.

Ihre Licht-Temperatur ähnelt der von Tageslicht und lässt die Augen weniger schnell ermüden. Der wichtigste Punkt ist allerdings: LEDs erreichen Fahrzeuglebensdauer. Das heißt, ein Wechsel der Leuchtmittel entfällt über die gesamte Fahrzeuglebensdauer.

Weg zum E-Bus vorgezeichnet 

Wenn der Bus für die Mobilität der Zukunft eine wichtige Rolle spielt, und danach sieht es ja wie oben beschrieben aus, so heißt dies natürlich auch, sich über die Antriebe der Zukunft Gedanken zu machen. Alternativ zum weiter optimierten Antrieb mit Verbrennungsmotor heißen die nächsten Stationen auf dem Weg in die Zukunft CitaroE-CELL und Citaro F-CELL.

Sie sollen auf einer gemeinsamen E-Mobility-Plattform basieren, mit der Zero Emission Antriebskonzepte in Serienreife auf die Straße gebracht werden können. Ich bin sicher: Noch vor dem Jahr 2020 können wir den batterie-elektrischen Citaro E-CELL und anschließend den Citaro F-CELL auf der Straße sehen. Auf dem Weg zum lokal emissionsfreien Fahren arbeiten alle Fahrzeugsparten eng zusammen. So können Forschungsaufgaben gebündelt werden. Bestimmte Komponenten wie die Brennstoffzellen-Stacks können außerdem in Pkw und Nutzfahrzeugen gleichermaßen verwendet werden.

Die Zukunfts-Projekte gehen aber noch weiter: Daimler Buses sieht sich nicht nur als Bus-Hersteller, sondern als Gesamt-Systemanbieter für Mobilitätslösungen. Ein wichtiges Wachstumsfeld bei den Mobilitätsangeboten sind sogenannte Bus Rapid Transit Systeme (BRT). Dabei handelt es sich um Schnellbuslinien mit eigenen Spuren für den effizienten Personen-Transport in Großstädten.

Next Bus Stop: Flughafen

Meine nächste Busreise ist dagegen ganz profan: mit dem Flughafenbus. Den könnte ich auch selbst steuern, denn ich habe einen Busführerschein für Testfahrten. Denn ein Ingenieur sollte natürlich auch Praktiker sein! Ich werde manchmal gefragt, was mir als Entwickler denn das Wichtigste an der Konstruktion eines Busses sei: Dann sage ich: Zwischen 50 und 200 Menschen sicher zu transportieren, mit allem Komfort!


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Dieser Artikel wurde von geschrieben. Er hat Maschinenbau und Wirtschaftswissenschaften studiert. Als Entwicklungsleiter für Daimler Buses verantwortet er die weltweiten Entwicklungsaktivitäten der Bussparte des Daimler Konzerns.

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