Flüchtlingshilfe: Es sind die kleinen Dinge

Wir, das sind engagierte Mitglieder des Mitarbeiternetzwerkes Arab Business Circle of Daimler, haben uns im Fastenmonat Ramadan zum gemeinsamen Fastenbrechen getroffen. Das Wetter war wunderschön, von einer Terrasse aus konnten wir uns vor dem Sonnenuntergang über herrlichen Sonnenschein erfreuen; wir hatten Spaß und viel Freude. Dabei mussten wir aber auch an die Menschen denken, die diesen nicht so entspannt genießen können: die vielen Flüchtlinge.

Da kam uns die Idee – und wir hatten auch das Bedürfnis zum Fest am Ende des Fastenmonats Ramadan – Stuttgartern Flüchtlingskindern Freude zu schenken.

Es waren gerade mal noch zwei Wochen bis dahin. Es war Eile geboten. Welches Flüchtlingsheim war geeignet? Welches hatte viele Kinder in der Unterkunft? Wo konnten wir vielen Kindern ein Lächeln in ihre Gesichter und freudestrahlende Augen zaubern.

Spenden sammeln für Flüchtlingskinder

Kurzerhand fragten wir beim Caritasverband für Stuttgart e.V. an und bekamen eine Flüchtlingsunterkunft in der Stuttgarter Innenstadt, nahe Österreichischer Platz genannt. Nach einem Geld- und Sachspendenaufruf an unsere ABC-Netzwerk-Mitglieder bekamen, wir in kürzester Zeit einen sensationellen Spendenbetrag in Höhe von 370€ zusammen und darüber hinaus tolle Sachspenden.

Mit einem Teil des Spendenbetrages kauften wir in Abstimmung mit den Caritas-Ansprechpartnerinnen Bälle, Atlanten, Bücher, Malstifte, Malhefte, Lernspiele, Mäppchen, Füller und sonstigen Schulbedarf. Das kam sehr gut an, da viele Kinder kurz vor ihrer Einschulung stehen. Natürlich gab es für alle auch etwas Süßes zum Naschen, was zum Fest einfach dazugehört.

Am dritten Ramadan-Festtag, ging es dann los: Wir lernten insgesamt 13 Mädchen und Jungen im Alter von zwei Wochen bis 13 Jahren und weitere fünf bis sechs junge Erwachsenen im Alter von 15 bis 25 Jahren aus Syrien, Irak, Afghanistan, Aserbaidschan kennen.

Die Freude über die Geschenke war sehr groß

Neugier, Zurückhaltung und Vorstellung auf Arabisch

Nach der anfänglichen Neugier und Zurückhaltung was nun geschehen wird und wer da wohl kommt, wurden wir (zu erkennen an den weißen ABC-Poloshirts – natürlich privat und nicht aus Spendenmitteln beschafft) schnell herzlich willkommen geheißen und die Vorfreude der Kinder war kaum zu übersehen. Nach einer kurzen Vorstellung durch die Betreuerin der Caritas, Frau Cuk, begannen wir, die ABC-Board-Mitglieder Meryam, Ramy, Mohamed, Fatih und Farha, uns in Arabisch und Deutsch kurz vorzustellen – Wer wir sind, was wir machen und wie wir auf die Idee gekommen sind.

Anschließend übergaben wir die gekauften Süßigkeiten und die Sachspenden, die wir vorher altersgerecht für jedes Kind zusammengestellt hatten. So kamen wir langsam ins Gespräch. Empfangen wurden wir mit kalten Getränken und einer saftigen Wassermelone. Die taten echt gut, bei 30 Grad Außentemperatur.

Das schönste Geschenk das uns zuteil wurde und uns persönlich sehr berührte, waren tatsächlich die freudestrahlenden Augen der Kinder und die zufriedenen und zustimmend lächelnden Familien.

Geste der Dankbarkeit

Eine Situation die sich als Geste der Dankbarkeit und für uns als ein großer Vertrauensbeweis darstellte, war als eine frisch gebackene Mama ihr zwei Wochen altes Baby unserer Farha in die Arme legte.

Ein anderes, zuerst weinendes und verängstigtes Kind nahm lächelnd und freudestrahlend ihr Malbuch und die glitzernden Buntstifte entgegen und setzte sich gleich auf den Boden um darin zu blättern.

Stark traumatisierte Kinder

Mit zwei Brüdern im Alter von sechs und neun Jahren aus Aserbaidschan, die wie uns die Betreuerin sagte, stark traumatisiert waren, haben wir mit Handzeichen angefangen uns auszutauschen. Wie heißt du? Wie alt bist du? Kannst du mal in deiner Sprache zählen? Ist das dein jüngerer Bruder? Gefallen dir deine Geschenke? Gehst du bald in die Schule? Was heißt ja und nein in deiner Sprache? Viele ganz einfache Dinge. Beide Kinder hatten bald Vertrauen gewonnen und gestikulierten und antworteten in ihrer Muttersprache. Leider waren die Brüder nur mit Ihrer Mutter nach Deutschland geflohen. Was mit dem Vater ist trauten wir uns nicht zu fragen.

Zwei Mädchen zwischen zehn und dreizehn Jahren freuten sich auf ihre mit Schreibutensilien befüllten und mit Glitzer bestickten Schlampermäppchen und ihre Mädchen Teenie-Kalenderblöcke. Ein Mitglied hat zusammen mit seinem Kind aus dem Kinderzimmer nicht mehr benötigte Kuscheltiere und Autos ausgesucht und mitgebracht. Wir haben es uns nicht träumen lassen wie sehr sich diese Kinder über diese kleinen Dinge freuen.

Die mit den Familien anschließend geführten Gespräche, die u.a. auch auf Arabisch geführt wurden, schafften weiteres Vertrauen und waren sehr aufschlussreich. Wir haben Ahmet (Name geändert) kennengelernt, der aus der syrischen Hauptstadt Damaskus geflohen ist. Er erzählte, dass er mit seiner Familie in einem palästinensischen Flüchtlingslager gelebt hat. Seine Eltern mussten damals aus ihrer Heimat flüchten und nun muss er wieder flüchten. Das hat uns sehr getroffen. Ahmet hat es mit seinen zwei Kindern und seiner Schwester mit ihrer Tochter nach Deutschland geschafft. Die Anderen, so erzählte er, mussten zurück bleiben.

Studiert, aber perspektivlos und depressiv

Frau Cuk wies uns noch auf junge männliche Erwachsene hin, die überwiegend aus Syrien stammten. Nach nunmehr zweimonatigem Aufenthalt waren sie etwas perspektivlos und hatten teilweise bereits mit leichten Depressionen zu kämpfen. Ihre Bitte, ob wir uns auch mit Ihnen unterhalten könnten, schlugen wir selbstverständlich nicht aus. Schnell kamen wir in Arabisch oder Englisch ins Gespräch, über unsere Herkunftsländer, die unterschiedlichen Dialekte der arabischen Sprache, den Beruf, Studium, Weiterbildungsmöglichkeiten, das Leben und die vielen Möglichkeiten in Deutschland. Unser Arbeitgeber Daimler bzw. Mercedes-Benz war den jungen Männern schnell ein Begriff. Bei Mercedes zu arbeiten wäre für viele der jungen, hochintelligenten und studierten Männer ein Traum.

Bei der Vorstellung der tollen Autos glänzten auch die Augen der „Großen“ wie vorab bei den „Kleinen“. Eine aus Syrien kommende junge Mutter hat uns sogar als Zeichen der Gastfreundschaft und Dankbarkeit frischen Kaffee gekocht, den wir alle gemeinsam in fröhlicher Atmosphäre tranken. Uns so haben wir uns weiter unterhalten und kennenlernten. Im Gespräch stellte sich schnell heraus, das die Perspektivlosigkeit und steigende leichte Depression auch darin begründet war, dass viele der jungen Männer in Ihren Heimatländer entweder Mitten im Studium waren oder ihr Studium bereits abgeschlossen hatten und dies von heute auf morgen aufgeben mussten.

Gelernte Bauingenieure, Maschinenbauer, Informatiker, ein erfahrener Schwimmmeister und noch vieles andere können ihren Berufen nicht nachgehen. Einige wünschten sich sogar hier in Deutschland nochmal oder weiter studieren zu können. Wir haben alle unabhängig voneinander unterstrichen, dass es sehr wichtig ist schnell und gut die Deutsche Sprache zu lernen, um eine Basis für alles andere zu schaffen.

Ungewisse Zukunft

Dennoch die Ungewissheit was sie in der Zukunft erwartet; die Sprachbarriere; die Angst um Familienmitglieder, die zurückbleiben mussten; die tägliche Existenzangst; das Zusammenleben mit fremden Menschen auf engem Raum; und zuletzt das Verarbeiten des Erlebten; das alles lässt deutlich verstehen mit welchen inneren und äußeren Widerständen viele Flüchtlinge zu kämpfen haben.

Für jeden war etwas Passendes dabei

Nichtsdestotrotz konnten wir auch in der kurzen Zeit die wir zusammen waren, viel miteinander lachen, Menschen Mut machen, Freude schenken, zeigen dass es Menschen gibt, die sich für Sie interessieren und helfen wollen, Unterstützung anbieten, Interessen austauschen, Kontakt halten. Wir hoffen damit, den jungen Menschen ein wenig Ihre Perspektivlosigkeit genommen zu haben, und wir werden den Kontakt auf jeden Fall halten.

Strahlende Kinderaugen, Herzlichkeit und Dankbarkeit

Das schönste an der Aktion war für uns, einmal die freudestrahlenden Augen der Kinder zu erleben, die Herzlichkeit und Dankbarkeit der Familien zu spüren und zu erfahren und den Austausch und die anschließende lockere Atmosphäre mit den jungen Menschen, obwohl viele von Ihnen schreckliches durchleben mussten. Wir bedanken uns bei den edlen Spendern für die sensationelle Beteiligung und bei meinen ABC Board Kollegen für Ihr Engagement und die tolle gemeinsame Erfahrung und hoffe auf noch viele weitere. Respekt an die Arbeit des Caritasverbandes und natürlich eine große Hochachtung an die Menschen die aus Ihren Heimatländern fliehen, um die Herausforderung eine neue und sichere Heimat zu finden vieles in Kauf nehmen.

Am Ende sind es die kleinen Gesten, die den Nährboden für eine gelungene Integration schaffen.

Wir helfen weiter; das nächste Projekt ist schon in Planung: ein Kinder-Fußballturnier in Stuttgart. Dazu benötigen wir Ihre Hilfe.


Update vom 30.09.: Bericht zum Fußballturnier – „Kein Tag wie jeder andere“

Die Begegnung fand im Aufenthaltsraum der Unterkunft statt


Kinder-Fußballturnier in Stuttgart:

Wann: Samstag, der 19. September, 09:00 – 18:00 Uhr
Wo: Stuttgart-Freiberg, Adalbert-Stifter-Straße 9, 70437 Stuttgart, TV Cannstatt Sportpark Freiberg-Mönchfeld

Sie können uns folgendermaßen unterstützen:

  • Schiedsrichter,
  • Mannschaftsbetreuer
  • Fahrer (Kinder aus den Flüchtlingsunterkünften abholen)
  • Auf-/Abbau
  • Getränke und Kuchenverkaufstand

Melden Sie sich möglichst rasch unter: ABC@daimler.com Stichwort: „Helfer Kinder-Fußballturnier“

Sind Ihre Kinder zwischen 6 und 14 Jahre und fußballbegeistert? Dann freuen wir uns auf die Teilnahme der Kids – egal ob Junge oder Mädchen. Auch hier ist eine Anmeldung möglichst schnell unter: ABC@daimler.com (Vor- und Nachname, Alter des/r Kindes/er) möglich. Stichwort: „Spieler Kinder-Fußballturnier“.

Als Sponsor konnten wir bereits die Mercedes-Benz Bank gewinnen und werden durch den TV Cannstatt unterstützt. Hierfür herzlichen Dank!

Bitte folgen Sie auch dem Aufruf des Bundesfamilienministeriums sich in der Woche des Bürgerschaftlichen Engagements vom 11. bis 20. September an der „Aktion Zusammenspiel – Bündnisse für junge Flüchtlinge“ zu beteiligen.

Wir freuen uns auf eine gemeinsame tolle Aktion!

 


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Dieser Artikel wurde von geschrieben. Er ist Entwicklungsingenieur bei Daimler Trucks im Bereich Mechantronics und entwickelt Displays für unsere schönen neuen Truck Cockpits. Er ist zudem Mitglied des 2009 gegründeten "Arab Business Circle" – einem Netzwerk für Arabischstämmige und Interessierte. Das Daimler-Mitarbeiternetzwerk hat 235 Mitglieder aus 14 Nationen und möchte „Brückenbauer“ sein, indem es den Dialog zwischen den Kulturen in Deutschland und der arabischen Welt herstellt, sowie den Austausch fördert und pflegt. Dazu organisiert der Arab Business Circle Veranstaltungen, Vorträge oder Interviews. Das Netzwerk steht allen interessierten Mitarbeitern offen

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