Kassel ist ein Sternental

Wie sollte es anders sein?: „Ob listig, lustig, stink normal, klein, groß, dick, dünn, ganz egal. Coole Kids in großer Zahl sind zusamm‘ im Sternental“ So ertönte auch dieses Jahr wieder das Sternental-Lied im mit 150 Kindern gefüllten Eröffnungszelt auf dem Parkplatz des Mercedes-Benz Werkes Kassel. Zum mittlerweile 9. Mal beginnt das Projekt Sternental, welches ich grundsätzlich mit den Worten „Wie Ferienspiele, nur viel genialer und trickreicher“ beschreibe.

Wer es noch nicht kennt, was bei der großartigen Arbeit der Kommunikationsabteilung (zu dieser gleich mehr) kaum möglich sein sollte, dem möchte ich meine Eindrücke schildern sowie das, was hinter den Fassaden des diesjährigen Sternentals zu tun ist, mal aufzeigen. Doch zuerst machen wir einen Zeitsprung in meiner Lebenschronologie, denn 2 Wochen zuvor begann mein 14-tägiges freiwilliges Betriebspraktikum in der KOM, der Kommunikationsabteilung des Werkes. Dort durfte ich bereits erfahren und am eigenen Leib spüren, wie unfassbar viel Arbeit hinter dem Projekt Sternental steckt.

Blick hinter die Kulissen von Sternental

So durfte ich „typische Prakikantenaufgaben“ erledigen, die allerdings auch zu dem Aufgabenbereich langjähriger Mitarbeiter gehören. Mit der ironischen Aussage „am eigenen Leib spüren“ meine ich zum Beispiel das Drucken, Kopieren und Laminieren oder Restaurieren von 300 Berufeschildern, 50 Namenschildern, 35 Hüttenschildern und und und. Das Zurechtschneiden von 300 Einverständniserklärungen bis die Schneidemaschine ihren Geist aufgibt. Das Packen, Transportieren und Deponieren von Unmengen an Material.

Die Tatsache, dass diese Dinge in der Kinderstadt untergehen zu scheinen, beweist, dass sie nur ein winziger Teil der Gesamtarbeit ausmachen. Doch da alle Mitarbeiter, von Sternentalteamern und Azubis über Projektleitung bis hin zu den Führungskräften passioniert zusammen arbeiten und am selben Strang ziehen, steht auch dieses Jahr dem Erfolg des Projektes nichts im Weg. Und dann beginnt mit anfangs niedergeschriebenem Song die Eröffnung der Kinderstadt Anfang August.

Von Tag zu Tag entwickelt sich die gesamte Kinderstadt

Es herrscht Mal wieder buntes Treiben auf dem Platz. Den am Montagmorgen noch verlassen und gespenstisch aussehenden Hütten und Pagodenzelten auf dem Südparkplatz des Mercedes-Benz Werkes in Kassel wurden mit dem Eintreffen der Kinder und damit der Bürger, Bewohner und kreativen Köpfe neues Leben eingehaucht.

Von Tag zu Tag entwickelt sich die gesamte Kinderstadt, nimmt Form und Farbe an. Genau wie das Sternental, so entwickeln sich auch die Kinder innerlich, charakterlich und äußerlich, werden optisch bunter und dekorierter. Die Sternentalteamer machen den Spaß natürlich gerne mit, sodass am 3. Arbeitstag kein Ohr mehr ohne Federschmuck, kaum ein T-Shirt ohne Button oder eine Hand ohne Hennatattoo zu finden ist.

Holzwerkstatt ohne Holz und Dosentelefone

Auch wenn die Holzwerkstatt anfangs kein Holz hatte, was erstmals etwas paradox klingen mag, gibt es in der Stadt immer etwas zu tun, denn neben den Berufen locken mal wieder die Einkaufsmöglichkeiten, der Pool, die 2 Planschbecken, der Bach, die Sprenkleranlage (‘ne Menge Wasser bei über 30°C- jawoll) oder aber Workshops sowie Ausflüge bieten alternative Vergnügungsmöglichkeiten.

Besonders witzig wird es dann, wenn ein Kind beispielweise ein von der Spielzeugwerkstatt eigens hergestelltes/kreiertes Dosentelefon von 15 Euro ..ääähm, Sternentaler meine ich natürlich, auf 5 Sternentaler runterhandelt, mit dem cleveren Hintergedanken es für 15 Sternentaler weiter zu verkaufen, es schlussendlich aber trotzdem nicht kauft.

Zeig‘ deine Moves

Ebenso lustig, wenn Tanztalente wie auch Spaßvögel zu der ständig laufenden Musik ihre Moves zeigen. Wie cool ist das denn bitte? Außerdem spannend ist es, wenn die Kinder bei der Planung und manchmal, trotz gut organisiertem Ordnungsamt, bei der Durchführung eines Bankraubes die beste Zusammenarbeit leisten. Kooperation, Absprache und Zielstrebigkeit werden eben nicht nur während der Arbeit benötigt.

Ein toller Moment für mich als Sternentalteamerin war es, als die Kids ihren mühevoll erarbeiteten Lohn für Getränke und Snacks, wahlweise vom Imbiss, der Bäckerei oder der Karibikbar ausgaben um mich einzuladen. Und das, obwohl die Teamer vermutlich den Karibik-Cocktail günstiger erwerben könnten. Aber hey, die Kinder sollen sich ja verantwortlich, selbstbestimmt und abwägend verhalten. Die einfache Frage; „Kaufe ich das Dosentelefon als Geschenk für meinen Freund/Teamer oder verkaufe ich es selbst teurer weiter?“ lehrt diese Werte.

Gemeinsam Großes tragen

Am Ende?: Glücklicherweise ist Sternental, wie angedeutet ein bewährtes Projekt, weswegen viele Teamer, wie auch Kinder bereits seit dem ersten Jahr dabei sind, sodass man zielstrebig auf zwei erneut erfolgreiche Wochen blicken kann. Außerdem hat man als verpeilter Neuling, wie ich einer bin, dadurch stets die Möglichkeit jemanden zu fragen, was denn gerade Plan sei, da alle bestens informiert, engagiert und hilfsbereit sind.

Die Hütten arbeiten Hand in Hand, haben gegenseitige Abhängigkeitsverhältnisse und jede einzelne Hütte ist mit ihrer unverzichtbaren Funktion Teil von etwas Großem. Metaphorisch ist das vergleichbar mit einem 35-rädrigen Fahrrad, an dem jeder gebotene Beruf ein Rad darstellt, jedes Kind, jeder Teamer, jeder Mitarbeiter eine Speiche, die gegenseitig voneinander abhängig sind und gemeinsam befähigt sind, Großes zu tragen.

Die gesamte Arbeit unter der Woche gipfelte auf dem Freitag, an dem der Elternnachmittag dieses Jahr mit Tanz- und Akrobatikaufführungen, einer Modenschau, dem Verkauft etlicher Erzeugnisse und großer Versteigerung der Lieblingsprodukte einiges zu bieten hatte. Was für die Teamer und Mitarbeiter schweißtreibender Stress ist, bereitet Besuchern meist große Freude. Besondere Momente mit den Kindern zaubern selbst den An-/Eingespanntesten unter uns ein Lächeln ins Gesicht und erwecken den Gedanken, dass die Mühen sich mal wieder gelohnt haben.

Mit einem zufriedenen Grinsen und ’ner Menge Spaß heißt es zum Schluss mit allen Teamern dann ein letztes Mal „So ein Tag kann ewig dauern…“ in dem beliebten Sternentalsong (bei den Teamern vermutlich beliebter als bei den Kindern).


Die große Feier im Mercedes-Benz Werk Kassel: Die Kinderstadt Sternental öffnet immer zu den Sommerferien die Türen. Das bewährte und beliebte Ferienprogramm richtet sich an Mitarbeiterkinder von sechs bis dreizehn Jahren und deren Freunde, sowie an Kinder der Uni Kassel, der Stadtreiniger sowie befreundeter Firmen. Insgesamt über 300 Kinder sind in Sternental zu Gast, davon je rund 150 pro Woche


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