Reifeprüfung für den Mercedes-AMG GT3

Es wird ernst! Nach mehr als 12.000 zurückgelegten Testkilometern im Vorfeld absolvierte der neuentwickelte Mercedes-AMG GT3 am 4. Juli endlich das erste Rennen auf dem Nürburgring. Ein unbeschreiblicher Moment für uns alle. Bevor es zu diesem Rennen kam, stand natürlich eine Menge Entwicklungsarbeit auf dem Programm.

Aber ich fange mal ganz vorne an: Mein Name ist Stefan Wendl und ich bin bei Mercedes-AMG als Projektleiter für die Entwicklung des neuen Mercedes-AMG GT3 zuständig. Für mich ein absoluter Traumjob – denn schnelle Autos faszinieren mich schon seit meiner Kindheit, und Motorsport spielte schon immer eine wichtige Rolle in meinem Leben.

Bereits während meines Maschinenbau-Studiums bekam ich die Chance, für ein Rennteam in meiner Heimatstadt Magdeburg zu arbeiten. Seit Anfang 2015 bin ich nun bei Mercedes-AMG tätig, um den Mercedes-AMG GT3 für den Einsatz auf den Rennstrecken dieser Welt vorzubereiten.

Großer Bruder, leichtes Baby

Bei dem Mercedes-AMG GT3 handelt es sich um den „großen Bruder“ der Straßenversion, also des Mercedes AMG GT S. Der neuentwickelte Rennwagen basiert auf dem GT3-Reglement und wird ab Jahresende an die zahlreichen AMG Kundenteams weltweit ausgeliefert. Diese setzen das Auto dann bei Rennen rund um den Globus ein – zum Beispiel bei den 24 Stunden von Dubai oder den 12 Stunden von Bathurst in Australien.

Doch bis es soweit ist, sind mein Team und ich gefragt: Unzählige Wochen und Monate liegen bereits hinter uns, um aus dem Straßenfahrzeug dieses einzigartige Rennauto zu konzipieren und zu entwickeln.

Für die Entwicklung des neuen Rennwagens haben wir uns so nah wie möglich an die Straßenversion des Mercedes-AMG GT gehalten und diese zum Beispiel in puncto Sicherheit und Gewicht auf den Renneinsatz optimiert. So erreicht der GT3 im Gegensatz zum Serienfahrzeug ein noch geringeres Gewicht. Die Fahrzeugstruktur des GT3 besteht wie auch bei der Straßenversion aus einem ebenfalls sehr leichten und extrem steifen Aluminium-Spaceframe – hier bringt der Serien-Sportwagen schon optimale Voraussetzungen mit. Für die GT3-Rennversion sind zusätzlich Motorhaube, Türen, die vorderen Kotflügel, Front- und Heckschürze, Seitenwand, Seitenschweller, Diffusor, Heckdeckel und Heckflügel vollständig aus Carbon gefertigt, was eine zusätzliche Gewichtseinsparung bedeutet.

Sicherheit hat höchsten Stellenwert

Da die Sicherheit unserer Kunden den höchsten Stellenwert bei der Entwicklung unserer Fahrzeuge einnimmt, haben wir für die Rennversion außerdem das weitreichendste Sicherheitskonzept seiner Klasse entwickelt. Und auch der Innenraum des GT ist nun auf den Renneinsatz ausgerichtet: Damit die Fahrer während dem Rennen optimal alle Einstellungen vornehmen können, haben wir das Interieur mit einem neuen Ergonomie-Konzept gestaltet. Das Herzstück des Rennwagens bildet der 6,3-Liter-V8 Hochdrehzahl-Saugmotor. Die Laufzeiten und die Effizienz des Motors wurden durch kontinuierliche Weiterentwicklung nochmals gesteigert.

So wurde Dank des technischem Know-Hows und der unermüdlichen Leidenschaft aller Beteiligten ein Rennwagen geboren, der nur darauf wartet, die Rennstrecken dieser Welt zu erobern. Bei verschiedenen Testfahrten, unter anderem auch auf dem Lausitzring, wurde der neuentwickelte Mercedes-AMG GT3 auf Herz und Nieren geprüft. Mit jedem zurückgelegten Kilometer sammeln wir weitere Erkenntnisse, die uns bei der Verbesserung helfen.

Rennpremiere auf der Nordschleife

Der Höhepunkt unserer bisherigen Entwicklungsarbeit erwartete uns Anfang Juli. Zum ersten Mal wurde das Auto in einem Rennen und damit unter realen Wettbewerbsbedingungen getestet. Als Einsatzort haben wir die Nürburgring-Nordschleife gewählt, auf der die VLN Langstreckenmeisterschaft ihren vierten Saisonlauf austrug.

Die VLN ist eine der härtesten Rennserien der Welt, mit mehr als 130 Fahrzeugen im Starterfeld. Hinzu kommt, dass die Nordschleife mit über 20 Kilometern Länge als gefährlichste Rennstrecke der Welt gilt. Für Mercedes-AMG spielt die „Grüne Hölle“, wie der Kurs auch gern genannt wird, schon lange eine wichtige Rolle: Alle Straßenfahrzeuge von uns werden hier getestet und entwickelt.

Um uns optimal auf die Rennpremiere vorzubereiten, sind wir bereits zwei Tage vorher angereist. Wir haben die Zeit genutzt, damit sich unsere Fahrer Thomas Jäger, Bernd Schneider und Jan Seyffarth bestmöglich auf die Bedingungen einstellen konnten.

Zu den größten Herausforderungen während des Rennwochenendes zählte allerdings nicht der Renneinsatz selbst, sondern das Wetter: Das Thermometer kletterte weit über 30 Grad Celsius und machte den Teams und Fahrern entsprechend zu schaffen. Im Vorfeld hatten wir zwar rund 12.000 Kilometer zurückgelegt, meistens jedoch bei milden Temperaturen…

Tag der Wahrheit

Am Samstag, den 4. Juli, war er dann endlich da: Der erste Renntag. Der Tag, auf den die gesamte Crew so lange hingearbeitet hatte. Nach einem Teamfoto am frühen Morgen wurde es um 8:30 Uhr mit dem Start des Qualifyings ernst. Beim ersten Aufeinandertreffen mit der Konkurrenz machten unsere Piloten einen super Job und zeigten, was mit dem Mercedes-AMG GT3 möglich ist. Vor allem Bernd versetzte alle ins Staunen, als er mit 8:02,897 Minuten überraschend die schnellste Zeit fuhr und damit die Pole-Position eroberte. Die Qualifying-Premiere war ein voller Erfolg und brachte die Erkenntnis: An Schnelligkeit mangelte es unserem „Baby“ nicht!

Nach dem Erfolg im Qualifying war das gesamte Team für das Rennen hochmotiviert. Zur brütenden Hitze der Mittagszeit fiel der Startschuss für das vierstündige Rennen. Über 100 Rennwagen bretterten mit mehr als 200 km/h auf die erste Kurve zu – unser Thomas allen voran. Er hielt sich im Getümmel aus allem heraus und lieferte sich im Anschluss einen fesselnden Kampf um die Spitzenpositionen.

Nun würde sich zeigen, ob sich das Auto im Renneinsatz bewährt, die richtige Abstimmung getroffen wurde, das Material zuverlässig ist und sich die harte Arbeit der letzten Monate bezahlt macht.

Reifeprüfung geglückt

Auf der Strecke hat unser neuer Rennwagen dann eine gute Performance gezeigt. Allerdings mussten wir – typisch für einen ersten Praxistest – einen längeren Boxenstopp einplanen, ein Spitzenresultat blieb deshalb am Ende leider aus.

Trotzdem fällt mein Resümee sehr gut aus: Wir haben gezeigt, dass wir zum jetzigen Zeitpunkt der Entwicklung auf einem sehr guten Stand sind. Die Reifeprüfung ist aus Entwicklungssicht also geglückt, und der erste Renneinsatz wird allen Beteiligten noch lang in Erinnerung bleiben. Und mein Dank gilt der gesamten Mannschaft, die täglich so hart an der Entwicklung des Mercedes-AMG GT3 arbeitet!


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