Von vielfältigen Menschen

Ein ungläubiger bis belustigter Gesichtsausdruck meines_meiner Gesprächspartner_in, dann der Ausruf „… ach, die Quotenfrauen!“ – dieses Szenario ist mir nicht gänzlich unbekannt, wenn ich von meiner Arbeit als Praktikantin im Global Diversity Office (GDO) der Daimler AG erzähle.

Vor ein paar Tagen fand zum dritten Mal der Deutsche Diversity Tag der Unternehmensinitiative Charta der Vielfalt (die Daimler AG ist Mitinitiator und Erstunterzeichner), statt. Motivation war es, Vielfalt im (Arbeits-)Alltag zu zeigen und das Bewusstsein dafür zu stärken. Wenn man die vielen Aktionen betrachtet, die bei Daimler übrigens nicht nur in Deutschland, sondern, wie es sich für ein international agierendes Unternehmen gehört, weltweit und auch online stattfanden, eine gelungene Erinnerung an ein respektvolles Miteinander und interessante Einblicke in ein wahrlich diverses Unternehmen mit so unterschiedlichen Fahrzeugen wie Mitarbeiter_innen.

Testlauf im Alterssimulationsanzug

Theorie und Praxis

Als Studentin, die sich im Verlauf ihres Studiums (der Arabistik übrigens) auch mit theoretischen und praktischen Ausführungen der Gender Studies, also der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit Geschlecht und dessen Verhältnis zu Kultur, Gesellschaft und Wissenschaft, beschäftigt hat, interessiere ich mich auch sehr dafür, wie sich Strukturen – zum Beispiel Geschlecht, soziale Herkunft oder Ethnizität – im Arbeitsalltag auswirken und vor allem, was ein Unternehmen konkret tun kann, um ungleiche Startvoraussetzungen auszugleichen.

So klingt die offizielle Daimler-Version:

Unter der Maxime „Ich gehöre dazu“ schafft unser Diversity Management Rahmenbedingungen für eine Kultur der Vielfalt. Dazu gehören etwa die Absage an jede Form der Diskriminierung, die Gestaltung eines vorurteilsfreien Arbeitsumfeldes sowie die Bewusstseinsbildung und Schulung vor allem unserer Führungskräfte

und ich finde, das beschreibt sowohl unser Aufgabenfeld – Rahmenbedingungen schaffen – als auch, worin die Schwierigkeit – nämlich die Vorurteile und das zu stärkende Bewusstsein – liegt, sehr gut.

Oliver Bedow erzählte Stefanie Knecht von seinen Erfahrungen.

Das klingt eigentlich elementar und einfach und nach viel mehr als nur den Quotenfrauen, finde ich. Und natürlich geht es auch um Frauen – die machen immerhin die Hälfte der Weltbevölkerung aus – aber es geht auch um alte und junge Menschen, um Menschen mit Behinderung und ohne, um Menschen, die nicht in Deutschland geboren sind, aber hier wohnen, oder doch in Deutschland geboren sind, aber anders aussehen als die gemeine Kartoffel. Die Variations- und Kombinationsmöglichkeiten sind, wie oben schon angesprochen, vielfältig (höhö).

Der Daimler Chor Stuttgart mit einem Flashmob vor dem Vorstandsgebäude

Da Veränderungen innerhalb der Gesellschaft an den Werkstoren keinen Halt machen, setzen wir neue Maßstäbe, sind wir alle Teilnehmer_innen eines beständig stattfindenden Kulturwandels und wo gestern ein schwarzer Präsident noch unmöglich schien, ist heute schon eine Frau Kanzlerin. Und es wird so viel über die Gleichberechtigung der Geschlechter geschrieben und gestritten, wie schon lange nicht mehr – selbst wenn die Zeitungsartikel und Debatten oft unsachlich, polemisierend und für mich persönlich manchmal schwer auszuhalten sind. “There is only one thing worse than being talked about and that is NOT being talked about.” Das hat Oscar Wilde gesagt und der hätte es als Homosexueller heute vermutlich auch einfacher gehabt.

Ins Gespräch kommen

Aber ich komme vom Thema ab: Zum Anlass habe ich mir persönlich den Diversity Tag genommen, um mal mit ein paar Mitarbeiter_innen bei Daimler persönlich ins Gespräch zu kommen und um zu erfahren, ob die Sachen, die meine Kolleg_innen und seit kurzem auch ich so initiieren, messen, beraten und predigen überhaupt irgendwo rezipiert werden. Und die Antworten sind… vielfältig, genau.

Martin Stahl

Da ist zum Beispiel Martin Stahl, der im Team Einbaubegutachtung Motoren von Mercedes-Benz Trucks arbeitet. Er hat von Diversity bei Daimler eigentlich noch nie was gehört hat, aber merkt doch, dass sich die Belegschaft ändert, dass sie weiblicher wird und er konstatiert, dass in gemischten Teams „der Umgang angenehmer wird, ganz klar“. In reinen Männerteams ist das Klima wohl rauer.

Rangordnung im Meeting

Dr.-Ing. Carola Otto, Ingenieurin bei Trucks, arbeitet in einer von Männern dominierten Umwelt. Wir quatschen über Rangordnungen, die bei männlich dominierten Meetings in den ersten Minuten festgelegt werden. Darüber, dass es wichtig ist, präsent zu sein und sich zum geeigneten Zeitpunkt am Gespräch zu beteiligen, um in der Rangordnung an die oberen Plätze zu gelangen. Ehrgeizige Bemühungen in Sachen Frauenanteil findet sie wichtig, bemerkt aber auch, dass es gerade in der Entwicklung schwierig sei, die freiwillige Selbstverpflichtung von Daimler, bis 2020 20% Frauen in leitenden Führungspositionen zu haben, zu erfüllen.

Dr.-Ing. Carola Otto ist Ingenieurin bei Trucks

Für genügend weiblichen Nachwuchs zu sorgen, der gerade in technischen Berufen arbeitet, ist eben nicht so einfach – damit müsse man eigentlich schon im Kindergarten anfangen. Eine zu starke und zu schnelle Einführung der Frauenquote lasse ihren Beobachtungen nach das Klima kippen – Förderung von Frauen dürfe nicht Diskriminierung von Männern bedeuten. Und was ist ihr sonst wichtig?

Als globalen Konzern sieht sie Daimler auch in der „ethischen und sozialen Verantwortung“, und dass „ethische Standards nicht nur gelebt, sondern auch gestärkt werden sollten“, trotz primär wirtschaftlicher Interessen – und zum Beispiel durch Unterstützung von Aktionen wie ProCent und Star Care auch realisiert werden.

Welche Rolle spielt die Herkunft?

Mit Metin , der ebenfalls Praktikant ist, treffe ich mich auf einen Kaffee der Diversity Erlebniswelt, die vor dem Vorstandsgebäude aufgebaut ist. Wir schlendern an den Aïcha des Gazelles-Fahrzeugen (ganz schön dreckig) vorbei, sitzen im Aerodynamic Truck (gemütlich) und lassen uns den behindertengerecht umgebauten Van (immer maßgefertigt) zeigen. Metin, der VWL studiert und im Projekt Algerien arbeitet, erzählt mir im Gespräch, dass er am liebsten Sprinter fährt – „die ziehen vernünftig“ – und das Gefühl hat, hier bei Daimler in einem so interkulturellen Projekt am richtigen Ort zu sein.

In der Vergangenheit hatte er trotzdem schon öfter den Eindruck, trotz sehr guter Noten und als Stipendiat mit reichlich Praxiserfahrung im direkten Vergleich zu seinen Kommiliton_innen schwerer an ein Praktikum oder einen Job zu kommen. Ob das an seiner Berliner Herkunft liegt?

Es geht also um mehr als nur Frauen bei Diversity – das wird mir bei meiner Arbeit klar, bei Gesprächen und Diskussionen mit Kolleg_innen, in den Gesprächen mit Carola, Martin und Metin. Es geht um Menschen und wie sie zusammenarbeiten und miteinander umgehen wollen. Ich finde, diese Frage kann man sich nicht oft genug stellen!a


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Dieser Artikel wurde von geschrieben. Sie ist Studentin und macht derzeit ein Praktikum im Global Diversity Office (GDO) bei Daimler.

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