Zeichen setzen für Respekt und Toleranz

Was für ein Wechsel: Eben noch im Urlaub, war ich gleich am ersten Arbeitstag danach zu Gast in Stuttgart bei der Pressekonferenz „Respekt und Toleranz.“ Was für ein hochkarätiges Podium:

Dr. Christine Hohmann-Dennhardt, Vorstandsmitglied der Daimler AG für Integrität und Recht, Michael Brecht, Vorsitzender des Daimler-Gesamtbetriebsrats, Fritz Kuhn, Oberbürgermeister der Stadt Stuttgart, der bekannte Schauspieler Hardy Krüger, und Anetta Kahane, Vorsitzende der Amadeu-Antonio-Stiftung. Die Teilnehmer diskutierten unter Leitung von Jörg Howe (Leiter Kommunikation Daimler) darüber, was Unternehmen hier tun können. Was jeder Einzelne tun kann.

Daimler verstärkt sein Engagement bei der Flüchtlingshilfe

Respekt und Toleranz. Worum geht es dabei? Verantwortung in der Gesellschaft zu übernehmen, ein klares Zeichen zu setzen und einen tätigen Beitrag zu leisten – das sind klare Ziele des Engagements des Unternehmens, für das ich arbeite. Ich finde das klasse: Vor dem Hintergrund der aktuellen Flüchtlingssituation verstärkt Daimler sein Engagement im Bereich Flüchtlingshilfe und stellt für die nächsten drei Jahre der Stadt Stuttgart jeweils 100.000 Euro für die Einrichtung eines Welcome-Fonds zur Verfügung.

Außerdem wird eine Personal-Stelle für die Koordination des Fonds unterstützt. Der Welcome Fonds soll Ausgaben in den Bereichen Lern-, Sport- und Freizeitaktivitäten und Schulungen von ehrenamtlichen Mitarbeitern finanzieren, die nicht über staatliche Mittel abgedeckt werden können. Und das ist noch nicht alles! Das Unternehmen spendet außerdem zwei Mercedes-Benz Transporter, die von Organisationen im Bereich Flüchtlingshilfe genutzt werden. Mit weiteren 100.000 Euro unterstützt Daimler die Bürgerstiftung Sindelfingen. Diese Summe fließt zum Beispiel in Projekte zur Integration von neu ankommenden Flüchtlingen.

Ehrenamtlich etwas tun

Wenn Daimler bei Respekt und Toleranz so powert, dann ist dies auch für mich eine zusätzliche Motivation bei meinem ehrenamtlichen Engagement. Denn es gibt eine Vielzahl von ehrenamtlich engagierten Mitarbeitern, die sich auch für Flüchtlingshilfe hier vor Ort einsetzen. So habe ich z.B. als Mitglied der Arbeitsgruppe Fahrradwerkstatt des Freundeskreises Flüchtlinge Plieningen und Birkach bei der Erstellung und dem Betrieb einer Fahrradwerkstatt mitgewirkt.

Die Idee zur Fahrradwerkstatt

Wie kommt man nun eigentlich dazu, eine Fahrradwerkstatt für Flüchtlinge bauen zu wollen?

Die Idee zur Errichtung einer Fahrradwerkstatt entstand, wie so oft, bei einer gemütlichen Runde unter Freunden. Wir hatten mitbekommen, dass voraussichtlich im Herbst 2014 die ersten Flüchtlinge nach Plieningen kommen werden und hatten uns überlegt, ob wir hierzu nicht etwas beisteuern könnten. Thomas, ein guter Handwerker und erfahrener Fahrradreparateur, hatte schnell die Idee den Flüchtlingen mit der Erstellung und dem Betrieb einer Fahrradwerkstatt eine sinnvolle Aufgabe zu geben, die ihnen zusätzlich auf einfache und kostengünstige Weise die Nutzung eines Fortbewegungsmittels ermöglicht.

Ein Projekt als neue Perspektive

Konkreter wurde dieses Thema beim ersten Treffen des Freundeskreises im März 2014, an dem mehr als 100 interessierte Bewohner teilnahmen. Die ersten Pläne und Kalkulationen wurden erstellt, der Antrag für ProCent vorbereitet, Material besorgt, Kontakt zur Stadt aufgenommen, Aufgaben verteilt und eine etwa 10-köpfige Arbeitsgruppe ins Leben gerufen. Nach Abschluss der Vorbereitungen im August 2014 waren bereits die ersten der etwa 150 Flüchtlinge aus 16 verschiedenen Ländern wie Syrien, Serbien und Nigeria angekommen, so dass wir die Möglichkeit hatten erste Kontakte zu knüpfen. Dies war allerdings gar nicht so einfach wie ich mir dies vorgestellt hatte.

Sprachliche Hürden, Berührungsängste auf beiden Seiten und teilweise traumatisierte Flüchtlinge, die ihre Ruhe haben wollten, erschwerten dies. Wenn man hört, was diese Menschen teilweise durchmachen mussten, um nach Deutschland zu kommen, ist dies kaum zu glauben. Und mit einem solchen Projekt kann man versuchen, diesen Menschen eine neue Perspektive nach all dem Leid zu geben. Denn wie sollen die Menschen die Gegend kennenlernen, wenn sie nicht aus ihrer unmittelbaren Wohnumgebung herauskommen? Und wie soll jemand ein U-Bahn-Ticket lösen, wenn er aus einem anderen Land kommt, kein Deutsch spricht und noch nie U-Bahn gefahren ist?

Einfach mal anfangen: Kinder kennen keine Sprach- oder Berührungsängste

So haben wir einfach mal angefangen und uns ab sofort Samstags um 09:00 an der Flüchtlingsunterkunft getroffen. Und Gott sei Dank kennen Kinder keine Sprach- und Berührungsängste, so dass wir bei unseren Arbeitseinsätzen immer wieder interessierte Kinder begrüßen durften. Dies wiederum führte zwar dazu, dass wir nicht so zügig voran kamen wir wie uns dies gewünscht hatten, aber auch zu der ein oder anderen weiteren helfenden Hand aus der Unterkunft selbst. Und bei all unseren 15 Arbeitseinsätzen hatten wir nicht ein einziges Mal schlechtes Wetter und wurden jedes Mal mit einem wunderbaren Vesper versorgt. Schon alleine deshalb hat sich die Mitarbeit gelohnt und ich konnte zudem einem kostenlosen Heimwerkerkurs besuchen, denn ich hatte noch niemals zuvor Betonplatten gesägt, Holzbalken verzapft oder ein Dach eingedeckt.

Es war auch einfach schön zu sehen, dass wir kaum einen Samstag alleine gearbeitet hatten, da oft auch andere Arbeitsgruppen im Einsatz waren. Nach und nach konnte der Kontakt zu den Heimbewohnern durch gemeinsame Aktivitäten verbessert werden, so dass nun nach erfolgter Fertigstellung der Fahrradwerkstatt die eigentliche Arbeit ansteht: Die Einarbeitung der Flüchtlinge mit dem Ziel eines eigenständigen Betriebs der Werkstatt.

Treffpunkt zum Schrauben

Die Fahrräder, die jetzt auf dem Hof stehen, sind allesamt Spenden – teilweise in sehr gutem, teilweise in eher schlechtem Zustand. Es gibt also immer etwas zu tun, zu schrauben und zu schmieren. Gleichzeitig entsteht mit der Fahrradwerkstatt ein Treffpunkt für die großen und kleinen Heimbewohner. Wenn ich sehe, wie die Flüchtlinge hier in der Gemeinschaft um die Werkstatt herum aufleben, ist das wie Weihnachten und Ostern zusammen.

Hardy Krüger

Noch einmal zurück zur Pressekonferenz. Der Schauspieler Hardy Krüger hat mich beeindruckt. Was für eine Energie er bei diesem Thema besitzt. „Generation Y“ könnte sich von diesem 87 jährigen Mann „eine Scheibe abschneiden“. Er engagiert sich im In- und Ausland in Artikeln, Theaterauftritten, Büchern und Talkshows gegen Fremdenfeindlichkeit und rechte Gewalt. Die eigenen Erfahrungen sind der Grund, sich persönlich einzubringen. „In meiner Jugend habe ich Nazi-Deutschland erlebt. Gerade deshalb ist es mir so wichtig, dass so etwas nie wieder passieren kann.

Die demokratische Mehrheit muss aktiv werden und darf nicht zulassen, dass rechtes Gedankengut wieder salonfähig wird.“ Unter dem Motto „Gemeinsam gegen rechte Gewalt“ ist Hardy Krüger mit seiner „Rathaus-Tour“ in deutschen Städten unterwegs, berichtet als Zeitzeuge von seinen Erlebnissen während der NS-Gewaltherrschaft und weist auf die aktuelle Bedrohung durch Rechtsextreme hin. Daimler hat diese Veranstaltung als Sponsor unterstützt. Bei seiner Tour arbeitet der Schauspieler mit der Amadeu Antonio Stiftung zusammen, deren Ziel die Stärkung einer demokratischen Zivilgesellschaft gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus ist.

Und da der Zustrom an Flüchtlingen in den kommenden Monaten und Jahren noch eher zunehmen wird, finde ich deshalb das Zeichen, das die Daimler AG durch ihr starkes Engagement hier setzt, vorbildlich und hoffe, dass auch unser (kleines) ehrenamtliches Engagement viele Nachahmer findet. Wie sagte doch einst Erich Kästner? „Es gibt nix Gutes, außer man tut es.“


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Dieser Artikel wurde von geschrieben. Er ist Diplom Betriebswirt (FH) im Bereich International Business und seit 1998 bei Daimler. In seiner Freizeit treibt er gerne Sport und interessiert sich für andere Länder und Kulturen.

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