Hello again – mit Vans durch die Wüste!

Sanddünen, karge Bergmassive, Offroad-Pisten und ausgetrocknete Flusstäler prägen die südlichen Regionen von Marokko. Dies ist seit 25 Jahren das Setting für eine der außergewöhnlichsten Rallyes der Welt – die Rallye Aïcha des Gazelles. Ausschlusskriterium: es dürfen nur Frauen teilnehmen.

Und es geht nicht darum, wer am schnellsten wieder zurück im Biwak (dem großen Camp) ist, sondern wer auf kürzestem Weg alle Checkpoints erreicht hat. In der Praxis bedeutet dies, dass man meist mit nicht mehr als 30 oder 40 km/h durch die Landschaft „hoppelt“, denn man fährt über alles gerade drüber was gerade noch machbar ist ohne dabei seinem Fahrzeug Schaden zuzufügen. Damit meine ich Gräben, Berge, Sandfelder und auch Felder mit tückischen, scharfkantigen Steinen – alles nur um jeden Meter zu viel zu sparen.

Für das Fahrzeug ist dies aber mindestens genauso herausfordernd wie Speed-Rallyes auf Pisten und ebenem Untergrund, da man so öfter mit dem Fahrzeug aufsetzt und die vielen Unebenheiten eine hohe Belastung für die Dämpfer und die ganze Karosserie darstellen. Vor allem für SUVs und Vans ist das hart, da die Bodenfreiheit per Reglement nicht mehr als 25cm betragen darf – und das ist für manche ausgefahrene Pisten schon sehr wenig, sodass man dort ständig aufzusetzen.

In den ersten Jahren, nachdem die Crossover-Klasse, die Fahrzeugklasse in der SUVs und auch wir mit unseren Vans mitfahren, eingeführt wurde, hat es ausgereicht überwiegend Pisten zu fahren um vorn mit dabei zu sein. Mittlerweile ist das Niveau aber so angestiegen, dass man auch hier wie in der 4×4 Klasse vor allem abseits der Pisten einfach geradeaus fährt.

Auf Vito und Sprinter ist Verlass

Der einzige Unterschied, der geblieben ist, ist dass die Dünenetappen wegfallen. Unsere 2 Vitos und 2 Sprinter, mit den Mercedes-Benz Vans dieses Jahr bei der Rallye mitgefahren ist, haben diese Herausforderung aber gut hinbekommen und unsere Mechaniker mussten kaum mehr als einfache Wartungsarbeiten erledigen. Der Vito und der Sprinter sind sogar so gut gewesen, dass wir mit ihnen eine Strecke von ca. 5km durch hohe Dünen gemeistert haben, was ich nie für möglich gehalten hätte. An der Stelle hat sich aber auch gezeigt, was für herausragende Fahrerinnen meine Teampartnerin Andrea Spielvogel und die Amerikanerin Chrissie Beavis des Teams 317 sind!

Start in Nizza - MB Fahrzeuge

Mercedes beteiligt sich inzwischen schon seit 7 Jahren erfolgreich an dieser Rallye, wovon 4 Male mit einem Sieg gekrönt waren, wie auch in diesem Jahr. Andrea und ich hatten das Losglück auf unserer Seite und durften als einziges erfahrenes Team neben 3 überwiegend Rookie-Teams nochmal mitfahren. Andrea hatte in den Jahren 2010 und 2011 einmal den zweiten und einmal den ersten Platz geholt. Dementsprechend hoch war die Messlatte gesetzt.

Doch schon nach der ersten Etappe war klar, dass wir sehr ernsthafte Konkurrenz innerhalb der Mercedes-Teams von dem Sprinter-Team 317 mit den beiden US-Amerikanerinnen Alyssa Roenigk und Chrissie Beavis bekommen würden. Die beiden navigierten sehr gut und hatten zudem das etwas höhere Fahrzeug.

Auf dem Weg zum Doppelsieg

Die erste Etappe konnten wir noch knapp für uns entscheiden, aber bei der 2. Etappe trafen wir abends eine Fehlentscheidung bei Einbruch der Dunkelheit, die uns 13 Zusatzkilometer und damit auch den Etappensieg kostete. Danach lagen wir jeden Tag immer ein paar Kilometer hinter den anderen beiden Mädels und verfestigten so die Platzierungen 1 und 2.

Eigentlich ging es zum Ende auch nicht mehr darum, wer erster oder zweiter wird, sondern nur noch als Mercedes-Team eine gute Gesamtleistung zu zeigen und miteinander tolle Rallye-Etappen zu fahren. Über die Zeit entwickelte sich eine besondere Freundschaft und Team-Atmosphäre, ohne die die oben beschriebene Dünenstrecke nicht möglich gewesen wäre. Allein wären wir dort aus Respekt vor permanentem Steckenbleiben nie rein gefahren. Für mich war es beeindruckend zu erleben, wie viel mehr man sich als Team zutraut und was damit alles möglich wird!

Radwechsel

Ich hatte in unserem Team die Navigatoren-Rolle inne. Von Kollegen und Freunden werde ich oft gefragt, wie man sich dort ohne GPS, nur mit Karte und Kompass orientieren kann. Ist es nur mit diesen primitiven Mitteln möglich einen versteckten GPS-Koordinatenpunkt mit einer roten Flagge als Markierung zu finden? Letztendlich geht das viel besser, als man es sich von hier aus vorstellen mag. Es gibt viele Berge, Oueds (Sandfelder mit Kamelgras) und Höhenlinien, die man auf den topografischen Militärkarten sehr gut identifizieren kann. Am schwierigsten war es für mich am Anfang Entfernungen einzuschätzen – beispielsweise: ist der kleine Hügel neben mir 500 m oder vielleicht doch 2 km weg und wie weit ist die Bergspitze am Horizont entfernt?

Der Job des Navigators

Es ist keine Seltenheit, dass man 20 bis 25 km weit gucken kann, dafür dann aber umso schwieriger eine Bergspitze in der Landschaft genau dem richtigen Berg auf der Karte zuzuordnen. Zunächst hört es sich auch sehr einfach an, immer nur geradeaus zu fahren, aber es passiert ganz leicht, dass man von der Peilung ein paar Grad abweicht, womit man auf 10-20 km Entfernung schnell 1-2 km neben dem Ziel liegt. Als Navigator fixiert man oft irgendeinen Punkt am Horizont, während die Fahrerin auf das Terrain 100 m vor dem Fahrzeug achtet. Insgesamt kommt es darauf an, dass man nie die Konzentration verliert und permanent mittrackt, wo man sich auf der Karte befindet – dann kommt man eigentlich immer am Ziel an.

Sandbleche unterstützen im weichen Sand

Wenn man Gazelles aus den letzten Jahren fragt, sagen fast alle, dass sie jederzeit nochmal mitfahren würden. Warum? Was macht den Reiz aus, dass man sich freiwillig die Strapazen und das jeden Morgen um 4 Uhr früh aufstehen nochmal antut? Für mich ist es eine Mischung aus vielen Aspekten. Zum einen ist es die Herausforderung an seine Grenzen zu gehen und aus eigener Kraft es zu meistern, das Auto überall durch bzw. auch wieder rauszubringen und dabei möglichst alle Checkpoints zu finden, auch wenn sie manchmal noch so versteckt sind.

Fahren für den Stern

Zum anderen bin ich auch stolz, für meinen Arbeitgeber Rallye fahren zu dürfen, die eigenen Produkte nach außen zu repräsentieren. Abgesehen davon macht es auch Spaß und hat mir viele Erfahrungen gebracht, die eigenen Produkte „draußen“ unter härtesten Bedingungen erleben zu können, da ich selbst im Produktmarketing im Van-Bereich arbeite.

Rallye-Tross vor Zieleinfahrt

Besonders ist auch der Zusammenhalt unter den Teilnehmerinnen, man hilft sich ständig gegenseitig, sei es beim Befreien des feststeckenden Autos, Reifen wechseln oder dem Navigieren. Ein weiterer Aspekt ist für mich die Schönheit der marokkanischen Wüste, die dieses Jahr sogar nach anhaltenden Regenfällen über die Wintermonate Seen, Blumenteppiche und savannenartige Wiesen produziert hat, wo sonst nur Trockenheit, Sand und Staub ist. Und nicht zuletzt hatte ich für mich persönlich auch noch eine Rechnung offen nach dem Pech der letzten beiden Male und wollte einmal mit einem heilen Auto erfolgreich über die Ziellinie kommen, worüber ich sehr glücklich bin, dass es dieses Mal geklappt hat.

Ich möchte an dieser Stelle auch nochmal Thomas Konzelmann und seinem Mechaniker-Team danken, ohne die Mercedes-Benz Vans nicht Jahr für Jahr an dieser Rallye teilnehmen würde. Rückblickend ist dies eine schöne Tradition geworden, um die Vans zu testen und deren Robustheit unter Beweis zu stellen. Mögen andere Mitarbeiterinnen nach mir auch noch das Glück haben, für Mercedes-Benz an dieser Rallye teilnehmen zu dürfen. Es ist eine einzigartige Erfahrung, bei der man zwar an seine Grenzen geht, aber so viele Erlebnisse mitnimmt, an die man sich noch lang erinnern wird.


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