Zurück zum Startup-Spirit

Fellbach. Goldbergwerk. Ein internes Daimler-Event: 12 Marktstände, 13 Redner, unter anderem Daimler-CEO Dieter Zetsche, Google-Vertreter Klaus-Peter Fett und Tech-Blogger Sascha Pallenberg, 500 Besucher und 1 zentrales Thema: Digitalisierung!

Der erste Digital Life Day der Daimler AG – organisiert von der Konzernstrategie und gesponsert von Dieter Zetsche himself als Sponsor der Konzerninitiative „DigitalLife@Daimler“.

Ich lese auf einer Leinwand “Go digital or go home”. Mein innerer Spießer sträubt sich bereits leicht – Imperative sind nie sympathisch.

Eine interne Veranstaltung. Ich sehe viele enthusiastische und latent hippe Menschen quer durch alle Altersklassen und aus allen Kontinenten. Teilweise fühle ich mich wie in Berlin-Mitte. Mein Spießer grummelt.

Sascha Pallenberg von Mobile Geeks

Auf der Bühne darf sogar ein „Externer“ die Eröffnungsrede halten: Sascha Pallenberg von Mobile Geeks, ein „Tech-Blogger“.

Tech-Blogger Sascha Pallenberg

Ich höre seine Begeisterung förmlich heraus. Die “wunderbare und selbstkritische Offenheit” des Autobauers überrasche ihn schon länger. “Eine für alle Seiten befruchtende Haltung”, die bei ihm “in Erwartung der nächsten zehn Jahre eine kindliche Freude” auslöse, da dies das “Schlachtfeld der Zukunft sei, wo verschiedenste Industrien zusammenwachsen”.

Die deutsche Automobil-Industrie ist durch die Bank weg hervorragend für die Zukunft gewappnet

Für’s Protokoll: Pallenberg, einer der weltweit-renommiertesten Tech-Blogger, steht oder stand nie auf unserem Lohnzettel.

Klaus-Peter Fett von Google

Anschließend folgt Google-Mann Klaus-Peter Fett – aufgewachsen in Schorndorf und ebenso “Daimler-geimpft“ – und merkt an, dass 280.000 Mitarbeiter auch 280.000 potentielle Daimler-Botschafter sind. AMG-Kollege Michael Kübler lässt grüßen. Für Googles „Enterprise Industry Leader“ sind “Mitarbeiter eine Keimzelle, welche die Transformation ins Unternehmen tragen”.

Klaus-Peter Fett von Google

Der Moderator James Ryan, Kommunikationschef von Daimler Financial Services, scheint die perfekte Besetzung für dieses Event zu sein: kompetent, witzig und vor allem mit einem ansteckenden, innovativen Spirit.

Marktstände und „Digitale Vorfreude“

Eine Etage tiefer befinden sich die sogenannten Marktstände, wo verschiedene Kollegen aus der bunten Daimler-Welt uns Ihre Ideen und technischen Neuerungen zeigen. Das Spektrum reicht von der „Digitalen Vorfreude“ – dem Zeitraum von der Produktion eines Autos, bis zur Auslieferung an den Kunden – über die Vorstellen des internen, sozialen Netzwerks „Daimler Connect“ bis hin zum Mercedes-Benz „TruckPad“ – einem Verkäufertool für den Verkaufsprozess für Lkw. Langeweile sieht anders aus.

Marktstände und "Digitale Vorfreude"

Geht Digital uns alle an?

Dazu herrscht das demokratische “Free-Floating-Prinzip”. Jeder der 500 Teilnehmer kann mit den Füßen abstimmen und jederzeit wechseln, wohin er will. Es gibt keine Anwesenheitspflicht bei den Vorträgen oder Pitches. Angenehmer Nebeneffekt: jeder Speaker, respektive Stand erhält so ad hoc Feedback, wie gut er ankommt.
Was zusätzlich beeindruckt: alle 500 Teilnehmer erhalten leihweise ein speziell für die Veranstaltung konfiguriertes iPad. Mit der Möglichkeit, per iPad kurze Nachrichten an die Tweet-Wall zu senden, Fragen an die Redner zu stellen oder mit anderen Teilnehmern zu kommunizieren, macht der DigitalLife Day seinem Namen alle Ehre.

Doch was ist der Sinn der Veranstaltung? Veränderung und Fortschritt gehören zum menschlichen Leben. Der sogenannte Volksmund behauptet: wer rastet, der setzt Patina an, oder so ähnlich… Die Kardinalfrage bei dieser Wahnsinns-Erkenntnis “Richard David Precht‘schen-Ausmaßes” ist nun: wie gehen wir mit diesem Prozess, auch Digitalisierung genannt, um? Die 10 Ideen der Pitch-Teilnehmer geben die Antwort; der Prozess ist bereits in Gang gesetzt. Junge Daimler-Kolleg(inn)en, die neben der Arbeitszeit viel Energie in ihre Ideen investieren – aus Idealismus und „unternehmerischem” Antrieb:

Pitches zu neuen Geschäftsideen

  • Trunk Tetris: Es gibt Dinge, die kann man nicht verladen … für alles andere gibt es Trunk Tetris! Trunk Tetris ist eine App, die dem Mercedes-Benz-Kunden garantiert, seine Einkäufe zeit- und kraftsparend perfekt in seinen Kofferraum verladen zu können. Einfach den Barcode scannen und schon weiß man, ob das Paket in den eigenen Mercedes passt.
  • Digitale Vorfreude: Digitale Vorfreude ist eine mobile App, die es allen Kunden eines Neufahrzeuges ermöglicht, die einzelnen Entstehungsschritte und Teile ihres Fahrzeuges im Detail nachzuvollziehen.
  • Life Balance App: Die Life Balance App nimmt die Stimmungslage und die Aktivität des Nutzers auf. Basierend auf den Daten soll sie mit hilfreichen Tipps zu einer verbesserten Life-Balance beitragen. Die App macht Vorschläge zu Angeboten bei Daimler, die für einen Ausgleich sorgen können zwischen Arbeits- und Privatleben.
  • ride ‘n’ share: Teile ein Auto mit Deinen Freunden – jeder zahlt nur seinen Anteil. Ohne Schlüsseltausch – öffne das Auto einfach per Smartphone. Verdiene Geld mit Deinem Auto – vermiete es per Knopfdruck.
  • eTravel App: Wer liebt sie nicht, die Reisekostenabrechnung. Unter anderem werden bei dieser intuitiv-bedienbaren App bereits verfügbare elektronische Rechnungen automatisch übernommen. So werden Zeit und Kosten gespart sowie die Nerven geschont.

Done is better than perfect

Was im direkten Vergleich der aufeinanderfolgenden Präsentationen der Konzepte umgehend auffällt: nicht nur der Inhalt ist wichtig, sondern auch die Fähigkeit, die Ideen kommunikativ zu vermitteln. Ideen, die teilweise auf anderen, kreativen DigitalLife-Events wie Open-Spaces oder Hackathons entstanden sind. Man hat das Gefühl, dass an jeder Ecke im Konzern getüftelt wird.

Ist das hier wirklich eine interne Daimler-Veranstaltung? Enthusiasmus, freies, kreatives Denken, Erfindergeist-Mentalität und vor Allem keine Denkverbote …Trial und Error als Ziel. Scheitern soll kein Stigma mehr sein, sondern ein Zeichen von Erfahrung und unternehmerischem Risiko-Denken.

Bei allem Unmut über die vielen Regulierungen und vereinzelt noch herrschende “Beamten-Mentalität”, werde ich wieder daran erinnert, warum ich hier arbeite! Ein kleiner Tipp: nicht wegen der Kantine…

Der Höhepunkt kommt zum Schluss. Launig und unterhaltsam hält der Chef die Abschluss-Keynote – anschließend interviewe ich ihn. Dieter Zetsche:

Die Digitalisierung wird weiter Fahrt aufnehmen. Alle großen Trends der Branche werden heute schon durch Digitalisierung getrieben oder treiben sie selbst voran. Wir werden Schritt für Schritt eine neue Innovationskultur bei Daimler etablieren. Nur so können wir die Stärken eines Weltkonzerns noch enger mit den Stärken eines Startups verknüpfen.

Er schloss mit:

Wir müssen Daimler wieder mehr zur Startup-Garage machen. Meine Vision von der Daimler AG der Zukunft heißt: Ein Weltkonzern mit Gründergeist.

Man fühlt: auch Dieter Zetsche ist erfasst vom Startup-Spirit, der sich wieder mehr im Unternehmen verbreiten müsse. So, wie es früher einmal gewesen sein muss: in Gottlieb Daimlers Garage in Bad-Cannstatt.

Während mir bewusst wird, wie alle um mich herum vom “back to the roots-garage-feeling” restlos überzeugt sind, merke ich unterdessen, wie ich auch von DigitalLife infiziert bin. Mein innerer Spießer ist wohl angekommen


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