Viva Freightliner Inspiration Truck

Gesten oder Handzeichen sind von Kultur zu Kultur verschieden. Der nach oben gestreckte Daumen kann beispielsweise in manchen Ländern negativ konnotiert oder die Einladung zu interaktiven Handlungen sein. Doch in den meisten Kulturkreisen – wie im amerikanischen – ist das Handzeichen positiv behaftet und scheint vor allem in Las Vegas die Fahrer zweier Trucks unentwegt zu begleiten.

Weltpremiere und Weltrekord

Trucks? Las Vegas? Ich lausche dem am Hoover-Staudamm anwesenden Vorstand der Daimler AG für Trucks and Buses, Wolfgang Bernhard:

“…inventing the Truck all over again … global road freight transportation to triple by 2050 … first Highway Pilot in Mercedes-Benz Future Truck 2025, now in Inspiration-Truck … only DTNA (Daimler Trucks North America) has combined strength & leadership … next step: Germany … global challenge … lack of truck-driver … first license plate for public road use ever … ready by 2025.”

Vor mir sehe ich eine riesige Talsperre: 221 Meter hoch, bestrahlt von 60 Projektoren mit einer Lichtstärke von rund 1,17 Mio. Lumen – was nebenbei Guinness-Welt-Rekord bedeutet. Und mir wird sukzessive bewusst: hier passiert gerade etwas Historisches.

Mehr Sicherheit und Effizienz

Was in Magdeburg mit dem Future-Truck 2025 und dem Highway Pilot-System auf einer abgesperrten Strecke begann, wird nun um den Freightliner Inspiration-Truck im öffentlichen Straßenverkehr Nevadas erweitert:
In Las Vegas. Einer Stadt, mitten in der Wüste, die fast ausschließlich mit logistischen Hilfe von Trucks errichtet wurde und auch heute noch hauptsächlich durch Truck-Lieferungen am Leben erhalten wird.

Am Hoover-Staudamm: einem Nachweis höchster, avantgardistischer Ingenieurskunst, einem Monument der Innovationskraft seiner Zeit.
Während ich mir denke … gar nicht mal so unpassend dieser Ort… schaut mich einer der zahlreichen, anwesenden Medienvertreter bedachtsam an und gibt zu bedenken, dass „die anfängliche Skepsis gegenüber solchen Innovationen menschlich“ sei. Aber wie der Flug- und Schiffsverkehr gezeigt hat, ist sie unbegründet. Schließlich habe der Autopilot in Flugzeugen auch nicht zu mehr Unfällen oder Arbeitslosigkeit der Piloten geführt, sondern zu mehr Sicherheit und Effizienz.

Fahrer stets hinterm Steuer, um in Notsituationen einzugreifen

Derweil höre ich zeitgleich im Hintergrund sinngemäß: „ …zwar bereits alltagstauglich ist, der Fahrer sich jedoch stets hinterm Steuer befindet, um in Notsituationen sofort einzugreifen“ und merke, dass der Weg zum vollautomatisierten Fahren zwar noch steinig, aber unumkehrbar beschritten worden ist. Die Herausforderungen sind vielfältiger Natur und können nur partnerschaftlich von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft angegangen werden. Stichwort: Rechts- und Ethikfragen.

Bald auch in der EU?

Als ich zuletzt von den Fachkollegen wissen will, wie es denn für die Highway Pilot-Technologie weitergeht, fühle ich mich irgendwie an eine alte Immobilienweisheit (Lage. Lage. Lage.) erinnert. Die Antwort:
„Erproben. Erproben. Erproben – und das unter allen denkbaren (Wetter-) Bedingungen.“ Schließlich arbeite man an der Serienreife der Technologie für autonomes Fahren im öffentlichen Straßenverkehr und hoffe, bald die notwendigen Erfahrungswerte auch in der EU machen zu können, so Truck-Vorstand Wolfgang Bernhard.

Überwältigt von den Erlebnissen und dem Pioniergeist der letzten Tage, sitze ich auf der Rückfahrt zum Flughafen im Bus. Ist das hier alles real? Las Vegas, Weltpremiere, autonom fahrender Truck, zahlreiche Journalisten, US-Nationalmonument, Hoover-Staudamm.
Plötzlich fahren wir an einem Hotel namens Mirage vorbei. Mirage? Soll mir das etwas sagen?


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