Sieben Jahre in China – Coming back home

Von der 8-spurigen 4. Ringstrasse ins ruhige Schönbuch. Von boomender, lauter Millionenstadt ins Naturparadies mit Amselgesängen am Fenster. Von high Speed im Alltag in die schwäbische Gemütlichkeit. Es tut gut! An Erlebtem und Erfahrung reicher, nach 7 Jahren China back to the roots mit Neuausrichtung des inneren Kompasses. Zurückkommen nach Deutschland, nach solch einem Zeitraum – das ist ein Zacken schärfer.

Für uns – mein Mann Jörn (Maschinenbauingenieur) und ich (Bauingenieurin) – ein Neubeginn. Neues Umfeld, neue Menschen, langjährige und neue Freunde, das alte Zuhause in Beijing verlassen, um nunmehr als Tourist zurück zu kehren. Ein neues Zuhause in der alten Heimat Deutschland und Nest schaffen.

Unsere Zeit im Ausland hat uns stärker und reifer gemacht, gelassener, noch offener für Kulturen, für Anderssein, für Individualität, für die Welt. Unsere Nasen spüren automatisch nach Literatur mit Themen wie: Wie finde ich als Ausländer in Deutschland Heimat…..Einmal Deutschland entlang der Grenze umwandern….Wie sehen andere Länder uns Deutsche.

Ganz sich selbst sein, das Gegenüber in seinem Sein vorurteilsfrei lassen. Diese Haltung lässt hellhörig und empfindsamer sein, sobald man das neue, auch berufliche Umfeld betritt.

Abflug Beijing 05.Sept 2014

Karrieristen in jungen Altersklassen

Oh ja, es schmerzt, die teils krassen Erfahrungen hier in Deutschland: Schnelllebigkeit, Ellbogenmentalität, Burn out, ausgebrannte und ausgepowerte Menschen, Oberflächlichkeit, nicht echt sein, anmaßende Karrieristen in jungen Altersklassen, Ungleichgewicht in Gehaltsklassen insbesondere der sozialen und handwerklichen Berufe bei gleichzeitig anziehenden Mietpreisen und Lebenshaltungskosten. Gutes altes deutsches Handwerk und soziale Pflege, auf das alles sind wir stolz und können es nicht fassen, dass sich diese nationalen Hervorhebungsmerkmale im Verdienst kaum bis gar nicht niederschlagen. Zeitungen insbesondere die Lokalteile dokumentieren rassistische Übergriffe, Gewalt und Aggression, die sich an Andersdenkenden und Unschuldigen entlädt.

Übergaben sind nicht gewollt; stattdessen klarer Cut

Krasse Erfahrung – und in aller Munde – in internationalen Unternehmen in China: Übergaben sind nicht mehr gewollt, sondern ein klarer Cut.

Das ruft nach Umkehr in Wertevorstellung, Werte im Alltag leben, und Impulse setzen, damit wir gemeinsam unsere Gesellschaft prägen, wertschätzen, schützen und Gäste sich zuhause fühlen. Ein Appell an Empathie und Einfühlungsvermögen. Oder nicht?

Fragen und Antworten

Was waren wir in China? Gäste. Willkommene, herzlich begrüßte Gäste. Wir sind unserer Aufgabe nachgekommen, Botschafter unseres Landes und des deutschen Heimatempfindens zu sein.

Wie hat man uns behandelt? Offen, willkommen, echt, voller Neugier, uns ein Zuhause spüren lassen.

Haben wir Rassismus uns gegenüber gespürt? Nein. Deutschland genießt ein hohes Ansehen gerade in China. Man liebt unsere Mentalität, unser hohes Qualitätsbewusstsein, unsere Nachhaltigkeit, wenn wir etwas tun, dann 100%, was wir sagen, meinen wir.

Wie ist das Miteinander zwischen Deutschen und Chinesen? Es IST ein Miteinander, gemeinsam, man hat sich nie alleine gefühlt, ein Geben und Nehmen. Das persönliche Netzwerk wurde vorbehaltlos geteilt. Ohne seinen eigenen Vorteil in den Vordergrund zu stellen.

Was haben wir daraus gelernt? Dass man miteinander weiter gelangt, Höhen und Tiefen teilt, Erfolge gemeinsam feiert und dadurch Freude und Glück verdoppelt.

Ankunft in Deutschland 05.Sept 2014

Was hat unser in Beijing zurückgebliebener und treuer Freund Liu von uns übernommen?

  • Seine typisch westlich eingerichtete Wohnung
  • Seine Frau beauftragt ihn, beim deutschen bzw. fanzöschischen Bäcker Baguette und Brezeln zu kaufen. Sie liebt die!!
  • Er kocht Kohl- und Rindsrouladen :)
  • Er hat ein paar Brocken Deutsch gelernt und auch in anderer Sprache: ‚Bonjour, ca va? ‘, ‚Bon giorno‘, damit’s beim Einkauf oder im Straßenverkehr schneller geht, ruft er ‚Zack zack‘.

 Wie ist der Kontakt mit Freunden in China jetzt?

  • Spontane Telefonate, Gratulieren und Beglückwünschen zum Chinese New Year und Geburtstagen und deutschen Weihnachten
  • Ständig über Wechat verbunden, gegenseitiges Teilen des Alltages und Impressionen aus China & Deutschland.

Abschiedstour in die Weinregion Ningxia

 Was vermissen wir?

  • wir wissen, wir können jederzeit in Urlaub zurück
  • wir vermissen unsere Freunde und unsere Netzwerke in China
  • unseren englisch-chinesisch-sprachigen Alltag
  • wir vermissen oft die mit Menschen gefüllten Straßen
  • wir vermissen das schnelle Entwickeln und Umsetzen von Ideen, das unglaublich große Interesse der Chinesen an allem Neuem (In Deutschland: ‚Geht nicht‘-Mentalität), das Guanxi, das riesengroße Netzwerk und Gefühl jeder hilft jedem jederzeit und jeden Ortes
  • es fehlt die detaillierte, gut recherchierte und transparente Berichterstattung in Deutschland über China. Tatsächlich sind Berichte entweder stark fokussiert auf immer gleiche Themen wie Menschenrechte und Umwelt, oder fehlerhaft oder gar falsch und wir vermissen die tatsächlichen Entwicklungen im gesellschaftlichen / wirtschaftlichen / kulturellen / soziologischen / Bildungsbereich.
  • wir vermissen die Neugier bei vielen deutschen Mitmenschen an der Entwicklung über lokale Grenzen hinweg und global und der eigene Beitrag daran; am Weitervorwärtstreiben dessen, was Deutschland voranbringt. In China hat jeder einen großen Nationalstolz.

Chinese New Year 2015 in Deutschland

Wie leben wir unser China-Erlebnis im deutschen Alltag?

  • uns abends schon beim Türöffnen mit einem lauten ‚Ni Hao‘ zu begrüßen
  • Alltäglicher Austausch mit den chinesischen Freunden über Veränderungen in China (deren Schnelligkeit lässt sich mit nichts vergleichen, Bsp. mehrspuriger Brückenbau innerhalb von 2 Wochen oder Gesetzesänderungen innerhalb von 1 Tag insbesondere Umweltschutzgesetze)
  • Chinese New Year Party mit anderen Expats
  • Gemeinsames Chinesisch Kochen
  • Treffen mit unseren Expat-Freunden zum nachhaltigen Austausch und Schwelgen in Erinnerungen
  • Wir haben vielerlei asiatische Einrichtungen; insbesondere unsere China-Ecke im Wohnzimmer (viele Fotos, chinesische Kunst, chinesische Lampe)
  • Kochutensilien und Töpfe aus China zum alltäglichen Kochen oder zu besonderen Anlässen

Moving to Germany

Wie war die Rückkehr am 1. Tag, also am 05. September 2014?

  • Familiärer, überwältigender Empfang und Willkommen!!
  • Strahlender Sonnenschein, d.h. Petrus tat sein übriges :)
  • Noch völlig mit ‚China im Kopf‘ und unbegreifbar, dass keine Rückkehr in ein paar Tagen/Wochen in ‚unsere‘ dortige Wohnung und dortigen Alltag
  • Gespannt aber auch gelassen auf alles Neue, was kommt
  • Glücklich, Hauskauf-Autokauf-Urlaubsplanung-berufliche Aktivitäten lange im Voraus organisiert zu haben. Das Ergebnis brachte ein absolutes Yin-Yang Erlebnis, eine Ruhezone, in diese einmalige Lebenssituation.

Wie empfinden wir die Rückkehr fast 7 Monate später, also im April 2015?

  • Mehr Einblick in den deutschen Alltag, der sich in den 7 Jahren immens entwickelt hat und anders ist (und wir sind auch anders)
  • Absolutes Glücksempfinden, in den eigenen Garten / die Natur / die Weinberge / an die Seen gehen zu können ohne ständige und wegbegleitende Naturzerstörung/Umweltverschmutzung vor Augen
  • Produkte direkt aus dem Garten oder ab Bauernhofladen, frisch, voller Geschmack und direkt vom Bauern
  • Innenstädte und Straßen menschenleer, keine Straßengrills und Straßenstände mehr und spätabends und nachts keine Märkte
  • Erschütternde Erlebnisse:
    1.) viele Unternehmer und Manager berichten von ihren Vorurteilen und dass sie nicht mit Chinesen arbeiten wollen, auch da Sprachbarrieren.
    2.) Kommunikation und Kooperation von Deutschen mit Chinesen holpern, weil sich z. T. Deutsche wenig bis gar nicht interkulturell weiterbilden oder sich vorbereiten. Sie wundern sich dann über manch chinesische Reaktion, und wir erklären den Hintergrund, mit dem Ergebnis: auf einmal ist ein riesiges Verständnis da (kommt aber zu spät! Und wir denken, dass Offenheit und Respekt absoluter Grundstein sein muss für ein Miteinander). Noch immer sind viele Unternehmer und Manager in allen Ebenen teils ohne, teils mit sehr geringen Englischkenntnissen unterwegs geschweige denn Teilkenntnisse der Kooperationspartnersprache. Meetings mit internationalen Teilnehmern und in internationalen Projekten finden teils nur in deutscher Sprache statt, auch der deutschen email Kommunikation kann kein Chinese folgen, weshalb manche/r Deutsche sich über ausbleibende Antwort wundert.

Gartenarbeit im eigenen Grün

Wie ging es bei uns beruflich nach der Rückkehr weiter?

Mein Mann Jörn konnte reibungslos und ohne Unterbrechung seinen Vertrag bei Daimler in Sindelfingen fortsetzen und wurde von seinem neuen Team offen und herzlich empfangen. Durch die Netzwerkpflege auch während der Auslandsphase und seine Offenheit für alles Kommende klappte diese Etappe wunderbar.

Er war als Senior Quality Engineer bei Daimler Northeast Asia/Daimler Greater China in Peking tätig. Während seines 7-jährigen Auslandseinsatzes war er verantwortlich für die Lieferantenqualität und Lokalisierung von Interieur Bauteilen auf Basis der Daimler Qualitätsstandards für C-, GLK- und E-Klasse. Weiterhin wirkte er maßgeblich an der Entwicklung und des Aufbaus des Lieferantenmanagements und den Aufbau eines globalen Netzwerkes der Fachabteilungen mit. Aufbau, Training und Schulung der lokalen Mitarbeiter, enge Kooperation mit dem JV Partner BBAC standen ebenso im Fokus. Die Auslandsphase wurde abgerundet durch einen Task Force Projekteinsatz in Shenzhen mit Leitung eines Supplier Readiness Teams Interieur zur Absicherung des Anlaufes.

Da ich mich im Ausland selbständig gemacht hatte, wollte ich diese auch bei Rückkehr fortsetzen. Meine anfängliche Offenheit für Jobs im Angestelltenverhältnis (man fährt ja 2-gleisig) wurde schnell gezügelt, als mich langjährige Netzwerkfirmen, mit denen ich über all die Jahre die direkte Verbindung pflegte, um bei Rückkehr in einen Job einzusteigen, mit Jobangeboten in Saudia-Arabien und Bauprojekten mit Zweitwohnsitz konfrontierten. Nach meiner Absage dieser Projekte haben sie den Kontakt ad hoc eingefroren.

Über meine Selbständigkeit als freischaffende Bau- und Immobilienberaterin im In- und Ausland bin ich überglücklich.

Slogan of life

Fazit

Wir LEBEN unsere Affinität zum Ausland und entdecken uns immer wieder neu. China ist in unseren Herzen. Ein Schatz, den es zu entdecken und zu bewahren gilt.


Zusatzinfo der Personalabteilung

Für alle Mitarbeiter und deren Lebenspartner, die aus dem internationalen Einsatz nach Deutschland zurückkehren, bietet Daimler das Seminar Return & Restart an. Das Seminar ist eine Plattform, um die Auslandserfahrung zu reflektieren und soll dazu anregen, die Phase der Rückkehr und Wiedereingliederung bewusst zu gestalten. Ziel des Return & Restart ist es auch, die Teilnehmer dabei zu unterstützen, die erworbene internationale Erfahrung für das Unternehmen und die eigene Entwicklung zu nutzen und einzusetzen.


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Sie studierte Bauingenieurwesen in Konstanz, Mainz und Stellenbosch/Südafrika und war als Bau-, später als Projektleiterin für internationale Bau- und Facility Management Projekte tätig. Anschließend wurde Sie Geschäftsführerin im Innenausbau. 2007-2014 mit Ehemann Jörn in Peking, China, als Expat. 2008 Unternehmensgründungen der Bauconsultingfirma „International Construction Consulting Services“ und der mobilen Cafe-Tee-Bar “CoffeeArtCafe“ fuer Events. Autorin der jaehrlich erscheinenden DIE PFORTE (Herausgeber: Arbeitsgemeinschaft fuer Geschichte und Landeskunde e.V.). 2014 Rückkehr nach Stuttgart 2014 Tätig als Freischaffende Ingenieurin

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