Gut gebrüllt, Löwe

Ehe ich zum „Aber“ komme, möchte ich festhalten, welch überaus sehenswertes Städtchen Königslutter am Elm ist. Man sollte es sich auf der Fahrt von Braunschweig nach Wolfsburg keinesfalls entgehen lassen. Immerhin Grabstätte des Kaisers Lothar III., warten der niedersächsische Ort und seine rund 16.000 Einwohner mit Dom, malerischer Altstadt und mittelalterlichen Fachwerkfassaden auf Besucher aus aller Welt.

Nähe zum Elm (mitnichten ein Fluss, wie manch Ortsunkundiger vermuten könnte, sondern Norddeutschlands größter geschlossener Buchenwald), das lokal gebraute Ducksteinbier und ein eigener Wikipedia-Eintrag zeugen ebenfalls von hohem Naherholungswert und historischer Bedeutung Königslutters.

Aber: Dass man dort gleich eine komplette indische Delegation, darunter meine Kollegen von Daimler India Commercial Vehicles (DICV) und Mercedes-Benz India, anlässlich der 100 Kilometer (!) entfernten Hannover Messe unterbringt, ist dann doch ein ganz besonderer Test in Sachen interkultureller Anpassungsfähigkeit. Wie, frage ich mich, wirkt die grenzenlose Weite Niedersachsens, unterbrochen nur von Örtchen wie Bornum, Klein Schöppenstedt und Hemkenrode auf Menschen, die sich tagtäglich durch die Massen Delhis, Mumbais oder Chennais kämpfen? Was tut man in einem fremden Land, wenn selbst Taxifahrer bei Angabe des Zielortes ungläubig ein zweites Mal fragen: „Königslutter?“

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Hannover Messe

Die Antwort, jedenfalls meiner unerschrocken weltoffenen Kollegen, fällt eindeutig aus: Sie fahren trotz des langen Anfahrtsweges gemeinsam mit mir gut gelaunt zur Hannover Messe. Dort vertreten wir Daimler in den Messehallen 6 und 16 gleich zweifach. Denn unser Unternehmen engagiert sich intensiv im diesjährigen Partnerland der Industrieausstellung: Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe, eine eigens für Indien geschaffene Lkw-Marke namens BharatBenz und ein zusätzliches Buswerk, das Ende Mai seine Pforten am Standort Chennai öffnet.

Kanzlerin Merkel und Premier Modi

Kein Wunder also, dass zwei BharatBenz-Exponate im offiziellen indischen Pavillon zu bewundern sind, zu dessen prominentesten Besucherinnen die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel zählt. Schließlich erfüllt Daimler heute schon das, was der indische Premierminister Narendra Modi für das gesamte Land anstrebt.

„Make in India“

„Make in India“ nennt sich seine Initiative, die Indiens industrielle Basis stärken und das Land bei ausländischen Firmen zum attraktiven Investitionsstandort entwickeln soll. Sie erstreckt sich über alle denkbaren Branchen – von Automobil und Biotechnologie, über Chemie und Luftfahrt, bis hin zu Textil und Bauwesen. Selbst die indische Gesundheitsindustrie wittert ihre Chance in Hannover und animiert zu öffentlichen Gruppen-Yoga-Übungen.

Ein Löwe versinnbildlicht kraftvoll die Kampagne, gleich mehrere Löwen-Figuren dienen den Selfiestick-bestückten Besuchern auf dem gesamten Messegelände als willkommenes Fotomotiv. Schamlos reitet eine den Löwen im Namen tragende bayerische Brauerei auf dem tierischen Trend und lockt ihrerseits mit Getränken, deren übermäßiger Genuss mehr als den Tiger aus ihren Konsumenten hervorholen.

Überhaupt muss sich „Make in India“ vor Nachahmern hüten: Mit ihrem nur lieblos abgeänderten Slogan „Manufacture in Moscow“ beweist die russische Kapitale, dass man dort gerade nicht aus vollen Eimern Kreativität schöpft.

Industrie 4.0 im Fokus der Aussteller

„Gut gebrüllt, Löwe“, heißt es aber auch an anderer Stelle: Neben Indien steht das Thema Industrie 4.0 im Fokus der Aussteller. So bedeutend ist die digitale Vernetzung in Produktion und Wirtschaft, dass Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel und Bundesforschungsministerin Johanna Wanka auf der Messe gemeinsam den Start der „Plattform Industrie 4.0“ einläuten. Sie bringt Akteure aus Politik, Industrie, Wissenschaft und Gewerkschaften zusammen, um Fragen zu Standardisierung, Forschung und Sicherheit zu klären.

Michael Brecht (Zweiter von Links), Gesamtbetriebsratsvorsitzender von Daimler, bei der Podiumsdiskussion zur Gründung der Plattform Industrie 4.0.

Der ebenfalls geladene EU-Digitalkommissar Günther Oettinger steht ganz analog im Stau, dafür macht sich der Daimler-Gesamtbetriebsratsvorsitzende Michael Brecht in der anschließenden Podiumsdiskussion für eine Technologiefolgenabschätzung stark. Industrie 4.0 löse innerhalb der Belegschaften Fragen aus, denen man begegnen müsse. Die veränderte, vernetzte Fabrik erfordere zudem Weiterbildung, die es gezielt anzubieten und zu fördern gelte.

Nach zwei Tagen auf der Messe, in denen ich von Referenzarchitekturmodellen für die Digitalisierung der Wirtschaft, Investitionsmöglichkeiten im indischen Bundesstaat Maharashtra und innovativen Gleitring-Dichtungskonzepten gehört habe, ist mein persönlicher Weiterbildungswille allerdings vorläufig gestillt. Wieder einmal stelle ich genauso staunend wie dankbar fest, wie facettenreich ein Job bei Daimler sein kann. Und wie anstrengend! Ich jedenfalls werde beginnen, in den Urlaubsangeboten der Touristeninformation Königslutter am Elm zu stöbern…


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