Vier Dinge zur Zukunft der Mobilität

Man könnte meinen, die Zukunft der Mobilität wäre schon heute. Und so ganz falsch ist das ja auch nicht: Die aufsehenerregende Überlandfahrt von Bertha, der autonom fahrenden S-Klasse, ist jetzt schon fast zwei Jahre her, der Future Truck fuhr auch schon im letzten Jahr selbstständig über ein Autobahnstück bei Magdeburg und über eine Million Menschen benutzen car2go.

Dabei stehen wir erst am Anfang der Revolution der Mobilität, die digitale Technologien uns bringen werden. Um diesen Wandel zu begleiten und zu erklären, treffen sich jedes Jahr Experten und Insider aus der Autobranche  auf dem auto motor und sport-Kongress zur Zukunft der Mobilität. Dieses Jahr waren unter anderem Daimler-Entwicklungsvorstand Prof. Dr. Thomas Weber, sein Audi-Pendant Prof. Dr.-Ing. Ulrich Hackenberg und Opel-Chef Karl-Thomas Neumann dabei – und ich. Ich hatte dieses Jahr das große Glück, den Kongress besuchen zu können. Ein langer und anstrengender Tag, aber auch einer voller interessanter Vorträge, spannender Panels und anregender Diskussionen. Ich bin müde, aber mit einem Kopf voller neuer Gedanken nach Hause gegangen.

Hier ein kleines Best of:

4. Es geht nicht nur um Mobilität

Jede Stuttgarterin weiß zur Genüge, was Stau bedeutet. Und wird trotzdem vom durchschnittlichen Einwohner von Mexiko Stadt nur belächelt. Größere Städte bedeuten mehr Verkehr – und die Städte werden immer größer. Urbanisierung ist wahrscheinlich der Megatrend unseres Jahrhunderts. Schon heute lebt rund die Hälfte aller Menschen weltweit in einer Stadt, in Zukunft werden es noch mehr werden. Es geht also um mehr als nur darum, wie wir in Zukunft von A nach B kommen wollen. Es geht um die Frage, wie wir in Zukunft leben wollen. Es geht um die Stadt, in der wir in Zukunft leben wollen.

3. Autonomes Fahren ist keine neue Erfindung

Irgendwann kennt schließlich auch ein Brauereipferd seine tägliche Auslieferrunde. Und findet den Weg, wenn der Kutscher längst zu viel vom eigenen Produkt genossen hat. Das bedeutet auch, dass wir als Gesellschaft auf eine lange Erfahrung mit Mobilitätsrevolutionen zurückblicken können. Als das Brauereipferd zunehmend vom Verbrennungsmotor abgelöst wurde, brachte das dem Fuhrmann eine ganze Menge Autonomie: Er konnte sich zwar nicht mehr darauf verlassen, auch volltrunken noch wohlbehalten nach Hause gebracht zu werden, dafür war er nicht mehr vom Pferd abhängig. Der Motor braucht keinen Stall und wird auch nicht müde. Für Menschen um die Jahrhundertwende eine Revolution – und heute stehen wir mitten in der nächsten. Aber das letzte Mal hat es ja auch schon ganz gut geklappt!

2. Wir müssen aufhören, immer nur vom Auto zu denken

Mittlerweile gibt es über eine Milliarde Autos auf den Straßen der Welt. Und trotzdem ist das Auto der falsche Ausgangspunkt, wenn es um die Mobilität der Zukunft geht. Zumindest, wenn es nur darum geht, welche Features den bestehenden Fahrzeugkonzepten noch eingebaut werden oder mit welchem Energieträger sie betrieben werden. Schon der Erfolg von car2go zeigt, dass es um einen ganz neuen Ansatz geht. Der hat viele Namen und Gesichter, zum Beispiel „on demand Economy“, und so ganz bestand unter den Experten auf der Bühne auch keine Einigkeit, was uns bevorsteht. Einig waren sie sich jedoch darin, dass es darum geht, die richtigen Fragen zu stellen:

  • Was wollen unsere Kunden?
  • Wie schaffen wir die nötige Akzeptanz der Technologien?
  • Was sind die richtigen Kennziffern und Stellschrauben?

Und es geht darum, Mut zu haben und neue Dinge auszuprobieren.

1. Die beste Zeit des Autos steht uns noch bevor

Autofahren zu Beginn des 21. Jahrhunderts macht oft keinen Spaß. Im Stau zu stehen steht auf der Liste meiner Lieblingsbeschäftigungen irgendwo zwischen einer Wurzelbehandlung und dem Gefühl, wenn man sich den kleinen Zeh an einer Tür stößt. Parkplatzsuche ist sogar noch unangenehmer – wer auf dem Weg vom Parkplatz nach Hause auch schon einmal den Bus genommen hat, weiß wovon ich spreche. Aber das Auto als dritter großer Lebensraum neben dem Zuhause und dem Büro muss nicht so frustrierend sein. Schon heute kann uns die Technik vieles davon einfacher und angenehmer machen.

Das Forschungsfahrzeug F015 zeigt dabei, wohin  die Reise noch gehen kann: Ich muss im Stau nicht dauernd ein- und auskuppeln, sondern unterhalte mich mit meinen Mitfahrern. Oder – der größte Luxus – hole ein wenig Schlaf nach. Der Wecker klingelt auch immer so unangenehm früh! Wenn es sein muss, kann ich sogar am Steuer arbeiten, die Pendel-Plackerei übernimmt ja der Wagen für mich. In der entsprechend vorbereiteten Stadt lässt mich der Wagen an meinem Ziel raus und sucht sich selbst einen Parkplatz draußen vor der Stadt, dann lassen sich die Parkhäuser auch durch etwas mehr Lebensqualität stiftendes ersetzen. Wenn es am Wochenende aber auf die kurvigen Landstraßen der schwäbischen Alb geht, übernehme ich natürlich selbst wieder das Steuer.

Das Auto ist heute schon ein einzigartiger Rückzugs- und Erlebnisraum und wird es in Zukunft noch mehr sein. Könnte diese Zukunft bitte noch ein wenig schneller kommen?


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