Flüchtlingshilfe Syrien: Wir sind dabei!

Die Nachrichten über den Krieg und um Syrien gehören seit vier Jahren zu unserem täglichen Erleben. Wir nehmen sie nicht mehr wirklich wahr, weil der Krieg schon so lange, viel zu lange andauert.

Die Vereinten Nationen (UNO) haben Anfang 2014 aufgehört, die Toten zu zählen, auch weil die Lage in Syrien zu undurchsichtig geworden ist. Etwa 3,2 Millionen Syrer sind aus dem Land geflohen und Millionen sind innerhalb von Syrien auf der Flucht. Etwa die Hälfte der Flüchtlinge sind Kinder und Jugendliche unter 17 Jahren. Die UNO bezeichnet die Flüchtlingskrise als eine der schlimmsten, die es je gegeben hat.

So hat alles angefangen

Unter den Eindrücken des angebrochenen Krieges hat unser Unternehmen im September 2013 entschieden, den Menschen in Syrien zu helfen. Ich habe mit Begeisterung die Verabschiedung des ersten Konvoi im Intranet verfolgt. Als Trucker aus Leidenschaft habe ich mich sofort als freiwilliger Helfer für den nächsten Konvoi gemeldet. Ich wollte aktiv helfen und in meiner Freizeit einen der LKW’s fahren und so einen kleinen Beitrag leisten.

Aus der Idee, den zweiten Konvoi als Fahrer zu unterstützen wurde leider nichts, aus dem zweiten Konvoi aber schon. Den haben viele Kolleginnen und Kollegen am 10.12.2013, in Untertürkheim verabschiedet. Mit dem Konvoi wurden lebensnotwendige Hilfsgüter in eines der Flüchtlingslager nach Gaziantep gebracht.

Anfang 2014 erschien im Intranet ein Beitrag. Vier Kolleginnen und Kollegen (Michaela Jung, Havva Tetik, Bettina Agostinho und Gunther Mack) haben Mitstreiter für die Unterstützung von syrischen Flüchtlingen gesucht. Ich war beeindruckt, denn Sie sprachen mir aus der Seele und ich wollte sofort helfen, so meldete ich mich bei Michaela Jung und es nahm alles seinen Lauf.

Mein besonderer Bezug zur Region

Meine Frau stammt aus dem Irak und hat Verwandte in Syrien, und so hat die Hilfe für mich nicht nur den Aspekt der humanitären Hilfe, sondern ganz speziellen familiären Bezug. Durch die Verwandten meiner Frau erfahre ich natürlich auch weit mehr über die Lage in Syrien. Meine Frau ist schon viele Jahre als Dolmetscherin für soziale Einrichtungen, und das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge tätig. Seit dem Ausbruch des Krieges und dem damit einsetzenden Flüchtlingsstrom ist die Zahl der Anfragen natürlich gestiegen.

Mein Schwiegervater hat in Heidelberg Medizin studiert und viele Jahre als Chirurg gearbeitet. Neben der Pflicht als Mediziner hat er seine menschliche Pflicht gesehen, in dem Kriegsgebiet zu helfen und so ist er in seine Heimat zurückgekehrt. Ein Gehalt bekommt er dort nicht und die technische und hygienische Ausstattung ist mit der in Deutschland nicht zu vergleichen. Aber er kann helfen und wir versuchen von Deutschland aus mit Spenden, den Krankenhausbetrieb aufrechtzuerhalten.

Nach dem Artikel im Intranet habe ich kurzentschlossen eine der Initiatorinnen angerufen und wurde dann zum nächsten Treffen der Gruppe eingeladen. Beim Kaffee im Mercedes Museum haben ca. zehn Teilnehmer, aus verschiedenen Unternehmensteilen und mit sehr unterschiedlichsten Nationalitäten über Möglichkeiten der Unterstützung von Flüchtlingen diskutiert.

Gemeinsam anpacken

Uns war von Anfang an klar dass wir helfen wollen und müssen. Es ist ein Gebot der Menschlichkeit, den Menschen, die teilweise über mehrere Länder gereist sind, das Gefühl zu vermitteln, dass sie hier willkommen sind. Eine der Aktionen, die wir umgesetzt haben, war eine Apfelsaftproduktion an einem Samstag. Nicht die Helfer allein haben gearbeitet, sondern deutsche Helfer mit den Flüchtlingen zusammen. Kommunikation ist mehr als Sprache und ein gemeinsames Ziel kann auch sehr unterschiedliche Nationen verbinden.

Einer der Kollegen war vom Einfallsreichtum der Syrer sehr beeindruckt. Uns fehlte etwas, um den Apfelsaft herzustellen, die Syrer haben kurz beraten und dann eine Lösung für das Problem gefunden. Der Apfelsaft wurde dann verkauft. Vor unserem Weihnachtsfest wurden fleißig Engelchen und Schlüsselanhänger gebastelt und auch diese haben wir verkauft Für den guten Zweck bastelt auch ein eingefleischter Trucker Engelchen.

Über die Daimler-Initiative hinaus sind Kontakte zu anderen Hilfsgruppen entstanden. Wir haben auch eine Gruppe palästinensischer Frauen auf dem Cannstatter Weihnachtsmarkt unterstütz. Die Frauen sammeln seit Jahren Spenden, um ein Waisenhausprojekt in Palästina zu ermöglichen. Leider waren die Frauen beim Verkauf der arabischen Spezialitäten nicht so erfolgreich, wie sie und wir uns das gewünscht haben.

Die Frauen fragten mich, ob ich irgendwo Platz zum Einfrieren der Spezialitäten habe. Den konnte ich leider nicht bieten, aber ich wusste inzwischen, wo Flüchtlinge untergebracht sind, die sich über die Leckereien aus der Heimat freuen würden. Mein Gerechtigkeitssinn hat mich dann dazu verführt die Leckereien auf verschiedene Flüchtlingsheime zu verteilen und so lernte ich dadurch sehr viele Flüchtlingsunterkünfte in unserer Gegend kennen.

Die Unterstützung durch die Kolleginnen und Kollegen aus Sindelfingen und Möhringen erfolgt immer in Abstimmung mit Hilfsaktivitäten verschiedener Träger in den Gemeinden. Den Anfang hat die Daimler Initiative im Raum Böblingen gemacht. Wir Helfer haben gemeinsam entschieden, dass wir unsere Unterstützung bestehenden Initiativen in den Gemeinden anbieten. Ich habe dann mitbekommen, welche Erfahrungen einzelne Kolleginnen und Kollegen als Paten gemacht haben. Pate sein, war genau die richtige Idee für mich und so habe ich mich einfach angeschlossen. Ich arbeite im Gebäude „Häusler“ und konnte aus meinem Büro heraus über Wochen beobachten, wie eine neue Flüchtlingsunterkunft entstanden ist.

Mir war klar, hier will ich helfen

In den einzelnen Gemeinden sind die offiziellen Stellen über jeden Helfer dankbar und inzwischen ist unsere Daimler-Initiative recht bekannt. Ich bin hauptsächlich als Pate unterwegs und helfe in allen Bereichen, ob im Jobcenter, im Rathaus, im Ausländeramt, im Landratsamt oder auch im Welcome Center Stuttgart. Auch bei der Anerkennung von Schul- oder Ausbildungsabschlüsse bin ich unterwegs und nutze mein Netzwerk in der Handwerkskammer und verschieden Innungen im Raum Stuttgart aus. Mittlerweile sind wir (Daimler Syrienhilfe) recht bekannt und manche Türen öffnen sich da automatisch. Auch in Sachen Wohnungssuche bin ich aktiv und die letzte Wohnung für meine WG in Ostfildern mussten wir komplett renovieren und den Schimmel beseitigen. Zum Glück stand uns ein Fachmann zur Seite. In der WG leben zwei junge Syrer, Maher(27) Studiert seit Mitte März an der Uni Stuttgart Informatik und Yaser (22) besucht momentan noch ein Deutsch Integrationskurs und möchte danach eine Ausbildung zum Kraftfahrzeugmechatroniker anfangen.

Das Meiste erarbeitet man sich nach dem Motto „Learning by doing“. Ich lerne jeden Tag dazu. Zum Beispiel finde ich es immer noch unfassbar, was für einen Papierkram man als Flüchtling bewältigen muss. Für alles Mögliche, vom Arztbesuch bis zum monatlichen Taschengeld, muss jeder Flüchtling Anträge ausfüllen, die oft so kompliziert formuliert sind, dass noch nicht mal ich sie auf Anhieb verstehe. Auch eine Wohnung oder einen Kita-Platz zu finden, ist viel mühsamer als für uns Deutsche, Welcher Vermieter akzeptiert junge Männer, die alle paar Monate ihre Duldung in Deutschland neu beantragen müssen? Und welche private Kita nimmt Kinder auf, wenn die Eltern zu traumatisiert sind, um sich ehrenamtlich für die Gruppe zu engagieren?

Bei diesen Dingen versuche ich, so gut es geht, zu vermitteln. Rede mit Vermietern, Kindergartenleiterinnen, Behörden, Lehrern. Manchmal klappt dann alles wie geplant. Darauf bin ich richtig stolz. Das kriegen natürlich auch meine Freunde und Verwandte mit. Viele wollen jetzt selbst mithelfen. Kürzlich konnte ich einen Koffer voll Secondhand-Kleider als Geschenk mitbringen – lauter Spenden von Freunden, die auch helfen wollen. Die Familie hat sich unheimlich gefreut.

Die schönsten Momente sind aber immer die, wenn ich Kindern eine Freude machen kann, so habe ich zu Weihnachten Geschenke für Kinder, als auch für Erwachsene organisiert. Das war ein richtiger Gänsehautmoment. Und alle Probleme und Ängste waren plötzlich ganz weit entfernt.

Hilfe wird überall benötigt

Es gibt auch Arabisch sprechende Kolleginnen und Kollegen sowie aus dem Schichtbetrieb, die vormittags viele Ämtergänge erledigen können. Jede Hilfe ist willkommen, egal ob aus der Daimler-Welt oder außerhalb, Hauptsache den Flüchtlingen wird geholfen. Häufig wird darüber geredet, dass wir die Integration der Flüchtlinge fordern. Die Forderung ist legitim und das ist auch unser Ansatz als Helfer. Aber Integration ist nur möglich, wenn ein „Einheimischer“ oder eine „Einheimische“ zeigt wie wir in Deutschland leben. Was unsere Traditionen und Werte sind. Wir haben als Daimler-Initiative auch einen eigenen Deutschkurs auf die Beine gestellt und Sindelfinger Kolleginnen geben Flüchtlingskindern Nachhilfe in den naturwissenschaftlichen Fächern.

Für Aktivitäten wie diese, brauchen wir weitere Helfer. Wir suchen außerdem Wohnungen für Flüchtlinge. Integration in der unmittelbaren Nachbarschaft mit den Einheimischen ist viel einfacher möglich, als in einem Flüchtlingsheim.

Helfen Sie uns, Hoffnung zu geben und unsere Menschlichkeit unter Beweis zu stellen.

Die nachfolgenden Links zu den verschieden Freundeskreisen zeigen auf, wo auch Sie wohnortnah helfen können und wo wir uns treffen können.

http://fkasyl-ostfildern.de/
http://www.freundeskreis-asyl-fellbach.de/
http://fkn.bplaced.net/wordpress/
http://www.freundeskreis70567.de/
http://www.zell-am-neckar.de/zell-hilft/

Oder schreiben Sie uns einfach eine Mail an: syrienhilfe@daimler.com


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