In 24h ein bisschen die Welt verbessern

Bangalore Hackathon 2015. Ich weiß gar nicht mehr, wie viele Hackathons, Startup-Weekends und Startup-Labs ich besucht habe. Als Judge, Mentor oder einfach nur stiller und faszinierter Besucher. In den letzten 10 Jahren kommen da sicherlich einige zusammen und die Dynamik dieser Veranstaltungen fasziniert mich bis zum heutigen Tage.

Wer einmal 100 begeisterte und motivierte Entwickler für ein Wochenende oder gar nur 24h in einen Raum „geschlossen“ hat, kann vielleicht meine Begeisterung verstehen. Ihnen dabei zusehen, wie sich aus Ideen  Produkte entwickeln, wie sich Einzelne in Gruppen wiederfinden und von den jeweiligen Erfahrungen und Skills der anderen Teilnehmer profitieren.

Bangalore

Hackathons lassen in wenigen Stunden komplexe Strukturen, ja Nussschalen-Universen entstehen, von denen man viel über fundamentale Prozesse lernen kann.

Jetzt also Bangalore und damit die Möglichkeit an den Ort meiner ersten Indien-Reise im Jahre 2013 zurückzukehren. Damals wurde das neue Mercedes-Benz R&D-Center eröffnet und ich hatte die Möglichkeit, in die faszinierende Welt des indischen „Silicon Valley“ einzutauchen. All die großen Marken der IT-Industrie haben hier ihre Offices und nutzen die Chancen und Möglichkeiten dieses Standorts.

Tausende motivierter und gut ausgebildeter Ingenieure und Entwickler verlassen hier jedes Jahr die Hochschulen. Jung, hungrig und mit einer Sprachbegabung gesegnet, wie ich es an keinem anderen IT-Hotspot zuvor erlebt habe. Es ist diese Mischung aus dem kreativen Chaos der Stadt Bangalore und dem Elan seiner Bewohner, die mich in einen Zustand freudiger Erwartung auf ein Coding-Happening versetzte, in dem dann über 100 Teilnehmer, in mehr als 30 Gruppen, für 24 Stunden loslegten.

Dr. Michael Gorriz, Leiter IT-Bereich Daimler AG

Mercedes-Benz veranstaltete seinen ersten Hackathon in Indien und damit war es auch für mich das erste interne Event dieser Art. Waren mir bisher nur offene Varianten bekannt, so wurden in Bangalore ausschließlich Mercedes-Entwickler einbezogen, die bereits am Standort beschäftigt wurden. Spannend und mit interessanten Resultaten.

Wer kann denn bitteschön am ehesten interne Prozesse optimieren und woher kommen denn die meisten Verbesserungsvorschläge? Die eigenen Mitarbeiter kennen die täglichen Abläufe und können mit ihren Erfahrungen hier den Hebel ansetzen. Neue Ideen umsetzen und bestehende verbessern.

24h Vollgas

Und da saßen sie nun. Mehr als 100 Entwickler auf der 6. Etage eines Nebengebäudes. Versorgt mit Snacks, Getränken, den für derartige Events so wichtigen Fatboy-Sitzkissen und hackten in 3er und 4er-Gruppen gegen den erbarmungslos runtertickenden Countdown.

Dort wurde an Apps zur Lokalisierung von Sammel-Taxis gearbeitet, hier an im Sitz eingelassenen Sensoren zur Überwachung des Gesundheitszustands und drüben an einer NFC-Identifizierung, die den Mitarbeiter-Ausweis durch das Smartphone ersetzt. Um so schöner war es aber auch zu sehen, dass es meine beiden persönlichen Favoriten bis in die Top 10 schafften.

Idee Nummer 28 vom Team A.K.A. beschrieb eine dynamische und intelligentere Steuerung der Beleuchtung am Standort Bangalore. Die Erstellung eines Algorhythmus um die optimale Ausleuchtung des Arbeitsplatzes und der Gebäude abzubilden spart final nicht nur bares Geld, sondern schont letztendlich die Umwelt. Ein ökologisches Statement, welches zu einem ökonomischeren Einsatz von Ressourcen führt. Gerade in Bangalor ist dies ein Thema. Tägliche, wenn auch kurze, Stromausfälle sind ein Beweis dafür, dass die regionale Infrastruktur immer noch nicht ganz mit der rasanten industriellen Entwicklung mithalten kann.

Idee Nummer 12 vom Team Paramarthika war ebenso simpel, wie praktisch. Viele Mercedes-Benz Mitarbeiter in Bangalore sind auf Busse und Sammeltaxis angewiesen. Mit der sogenannten CabAlert App kann nun nicht nur der aktuelle Standort des Busses lokalisiert werden, sondern man sieht genau, wie viel Zeit einem noch bleibt, um sich rechtzeitig an der Haltestelle einzufinden.

And the winner is…

Natürlich gibt es final einen Gewinner und den stellte das Team UnReal. Digital Sense hieß die App, die der Zettelwirtschaft und damit dem erneuten Rohstoffverbrauch den Kampf ansagen will. Warum nicht Informationen zu aktuellen Modellen via NFC austauschen? Ein „Tap“ mit dem Smartphone auf den NFC-Sticker neben einer aktuellen C-Klasse und es wird umgehend eine Verbindung aufgebaut, die es ermöglicht, Spezifikationen, Fotos, ja sogar Video-Material zu übertragen.

Hochglanzprospekte können da einfach nicht mithalten. Ebenso kann Digital Sense Visitenkarteninformationen übertragen. Bei über 2000 Mitarbeitern am Standort bedeutet dies eine nicht unerhebliche Kosteneinsparung.

Aber es ist nicht nur das Team UnReal, welches hier den ersten Platz abräumt. Alle Teilnehmer sind Sieger. Dies wurde nicht nur über ein entsprechendes Geschenk mitgeteilt (Stichwort hochwertiges Smartphone), sondern manifestierte sich auch in der ehrlichen Freude gegenüber dem Team von UnReal. High Fives, Umarmungen und einen krachenden Applaus gab es, denn letztendlich haben alle Teilnehmer abgestimmt, wer der eigentliche Gewinner ist. Basisdemokratie unter Entwicklern, die mehr als 24 Stunden in kleinen Teams aufgeteilt wurden und nun final den Gewinner und sich selbst feierten.

Das macht einen Hackathon aus und genau dies werden die Teilnehmer auch so schnell nicht vergessen.


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