Amerika Road Trip mit dem 190D: Teil III

2005 – Viva Las VegasEin Hotel in Las Vegas zu finden, ist so einfach, wie einen Stein am Strand. Davon bin ich jedenfalls bisher ausgegangen. Ein Couponheft habe ich auch. Also, was soll schon schief gehen? Antwort: Alles!

Wer die ersten beiden Teile meiner 190er Saga noch nicht gelesen hat (Teil 1, Teil 2), sei hier kurz abgeholt: Ich habe mir von meinem Onkel Georg seinen 190D 2.2, Baujahr 1984 geliehen. Das Auto wurde damals im Bremer Werk gebaut und weil ich jetzt seit fast 30 Jahren dort arbeite, habe ich eine ganz besondere Beziehung zu dem Wagen. Hinzu kommt natürlich, dass ich sowohl Mercedes-, als auch USA-Fan bin.

Wenn ich also im Daimler durch Amerika fahren kann, ist das für mich einfach ganz großes Kino. Ich bin unterwegs von San Francisco, über den Highway 1, Los Angeles, ein Stück Route 66, nach Las Vegas. Ja, und jetzt suche ich wieder ein Hotel. Nachdem ich in Needles etwas schlechtere Erfahrungen gemacht habe, sollte es hier, in der Stadt der Sünde doch um einiges leichter sein.

Zwei Dinge habe ich jedoch nicht bedacht, als ich von einen Hotel zum anderen fahre und überall nur Absagen bekomme: Erstens beginnt in Amerika gerade Spring Break, also vergleichbar mit unseren Osterferien. Hier ist es jedoch für sämtliche Teenager der Startschuss zu einer riesigen Party. Und wo könnte man besser feiern als in Nevadas Partyhauptstadt? Überall laufen junge Leute herum die, wie ich, auch nicht reserviert haben und nun versuchen noch ein Zimmer zu bekommen. Ja, damals im Jahre 2005 war das so! Von wegen Smartphone und Tablet. Hä, was soll das denn sein?

Ja, und zum Zweiten hat sich die Natur etwas ganz Besonderes ausgedacht. Im Death Valley, also dem berühmten Tal des Todes, blühen jede Menge Blumen. Dieses Schauspiel gibt es wohl nur alle Hundert Jahre einmal und so kommen auch noch unzählige Naturliebhaber nach Vegas und wollen ein Zimmer. Ja und ich bin mittendrin. Ein Portier hat Mitleid mit mir und gibt mir folgenden Tipp: „Verschwenden Sie ihre Zeit gar nicht erst mit Suchen, in ganz Vegas werden sie heute kein Zimmer mehr finden. Aber an der Staatsgrenze zu California, da sollte noch was zu machen sein“.

Also fahre ich etwas enttäuscht aus der Stadt heraus. Um es kurz zu machen, ich halte an jedem Hotel (es sind hier in der Wüste nicht mehr zu viele), aber erst nach ca. 250 Kilometern, in der Stadt Barstow, habe ich Erfolg und bekomme ein Zimmer. Das letzte! So war das zwar nicht geplant, aber so ist es nun einmal. Hinter mir an der Rezeption, steht ein älterer Herr mit Sonnenhut und Fernglas. Wahrscheinlich einer der Blumenfreunde. Er ist natürlich total enttäuscht, dass er kein Zimmer mehr bekommt und ich kann ihn gut verstehen, aber meins gebe ich gewiss nicht wieder her.

Mein erster Gang ist nicht unter die Dusche, sondern ans Telefon. Und jetzt mache ich etwas, was ich sonst nicht tue: Ich reserviere mir telefonisch ein Zimmer in Vegas für die nächste Nacht. Selbstverständlich fahre ich morgen früh wieder zurück: Viva Las Vegas!

Zurück durch die Wüste

Was sind schon 250 Kilometer wenn die Sonne scheint und man in einem schönen Auto dem schwarzen Band des Highways folgt? Dem 190er scheint es, genau wie mir, richtig gut zu gefallen. Meinem Wagen ist wohl eher egal, in welche Richtung und zu welchem Zweck wir unterwegs sind. Hauptsache wir fahren. Dafür wurde der Mercedes ja schließlich auch mal gebaut. Irgendwann im Laufe des Vormittags ist es dann soweit. Wir sind wieder zurück.

Es ist doch immer etwas Besonderes, wenn man nach Las Vegas kommt. Finde ich jedenfalls. Die Wüste liegt hinter dir und plötzlich bist du in einer anderen Welt. Unwirklich scheinende riesige Hotels wachsen aus dem sandigen Boden und Leuchtreklamen blinken um die Wette. Nein, Las Vegas ist bestimmt nicht jedermanns Sache, aber wenn man es mag, ist es einfach unschlagbar. Und ich glaube, ich mag diese Stadt. Ich fahre zu meinem Hotel (wie habe ich das damals bloß geschafft, so ganz ohne Navi? Keine Ahnung).

Die Lobby ist proppenvoll und ich stelle mich in die Schlange zum Einchecken. Ein leichtes Grinsen kann ich mir nicht verkneifen. Ich habe schließlich reserviert. Muss ich noch erwähnen, dass mein Zimmer 163 $ plus Tax, also Steuern, kostet? Ich hatte am Telefon nur 63 $ verstanden? Egal, dass Geld habe ich bei meiner vorletzten Übernachtung gespart. Dafür bietet das Restaurant Steak und Hummer für 9,99 $ an und ich schlage zu. In Las Vegas gibt es oftmals sehr günstige Angebote um Gäste zum Spielen in die Hotels zu locken. Aber ich bin kein Zocker, ich genieße nur meinen leckeren Lunch.

1987 – Das erste Mal

Das war allerdings bei meinem ersten Besuch in der Spielerstadt noch anders. Zusammen mit meiner Freundin, wir waren sozusagen auf einer vorgezogenen Hochzeitsreise, wollte ich unsere zukünftige Kriegskasse mit ein paar tausend Las Vegas Dollars füllen. Das war damals mein Gedanke. Ich musste nur etwas finden was auch sicher war! Am besten totsicher, oder nee, doch lieber nur idiotensicher. Aber egal, jedenfalls wollte ich mich nicht in die Reihe derer stellen, die hier bereits auf den großen Gewinn gehofft und dann Haus und Hof verloren hatten. Also zog ich mit meiner Fastfrau, auf der Suche nach dem großen Coup, durch die großen Casinos.

Einfach war das nicht. Überall lockten die blinkenden, einarmigen Banditen und die Spieltische hatten für uns, einem jungen Paar, aus der Weltstadt Osterholz-Scharmbeck, irgendwie etwas Unnahbares. Wofür sollten wir uns entscheiden? Wo lauerte das Glück auf uns? Hm. Doch dann sah ich ihn plötzlich, unseren Weg zu Reichtum und Glück! Mit einem Mal standen wir direkt davor: Es war großes Glücksrad und man brauchte die Dollarscheine nur davor in die entsprechenden Felder, auf den Spieltisch zu legen. Das Spiel war so einfach und die Gewinnchancen so hoch! Wer hier nicht groß absahnte, musste wirklich blöd sein. Dachte ich damals jedenfalls. Ein paar Glücksradumdrehungen später war ich schlauer.

Jetzt gab es nur noch einen Weg für uns. Zurück zu den Spieltischen. Ich hatte zwar keine Ahnung, aber davon jede Menge. Wir schauten den Zockern über die Schulter und dann war es soweit. Ein Stuhl wurde frei und ich setzte mich an einen Spieltisch. Soweit ich das Geschehen überblicken konnte, spielten die Leute hier eine Art siebzehn und vier. Es hieß nur anders: Black Jack! Egal, das Spiel kannte ich noch von früher, aus den Freistunden in der Schule.

Jetzt war es soweit. Die Chips stapelten sich vor mir auf dem grünen Spieltisch und der Croupier gab mir die erste Karte. Eine wichtige Regel hatte ich gleicherkannt: Die Kartenhand darf den Tisch nicht verlassen (das hat wohl mit den Jungs zu tun, die immer noch ein Ass im Ärmel haben). Egal, ich wollte meine erste Million ehrlich erspielen. Es wurde am Tisch auch nicht groß geredet. Ein Kratzen mit der Karte bedeutete: Gib mir noch eine. Meiner Freundin wurde das Ganze zu langweilig und sie hob meinen Kartenarm hoch, um in mein Blatt zu sehen. Augenblicklich richteten sich alle Augen auf uns. Mensch, dachte ich, gleich zieht einer den Colt. Aber wir hatten Glück. Es blieb bei einer strengen Ermahnung des Croupiers. Ansonsten hatten wir nicht so viel Glück. Meine Chips wurden schnell weniger und der Traum vom schnellen Reichtum verblasste allmählich. Reich sind wir damals also nicht geworden, aber verheiratet sind wir noch immer.

2005 – Ein Engel für HDW

Aber zurück ins Jahr 2005. Der Strip, so wird der Las Vegas Boulevard hier bei den großen Hotels genannt, wartet auf mich. Ich lasse mich vom warmen Wüstenwind an den riesigen Attraktionen vorbei treiben. Die Menschen sind hier Tag und Nacht unterwegs, denn es gibt jede Menge zu sehen und zu staunen. Ja, und dann steht er plötzlich vor mir. Ein alter Bekannter aus Deutschland! Richtig gut sieht er aus. Ich kenne ihn aus Bremen. Es ist ein C209. Ein wunderschönes CLK 55 AMG Coupé, mit einem klasse Nummernschild aus Nevada (was ja hier nicht unbedingt etwas Besonderes ist, schließlich bin ich gegenwärtig in diesem Bundesstaat). Diese 367 PS Variante haben wir von 2002 bis 2006 gebaut, bis dann die 63 AMG mit noch mehr Hubraum und Power ihre Stelle eingenommen haben. Aber das nur nebenbei.

Ich schaue mir den Wagen von allen Seiten an und hätte gerne den Besitzer gefragt, ob ich ein Bild machen darf. Die Fahrertür steht zwar offen, aber der Wagen scheint niemanden zu gehören. Na gut, denke ich: „Wo kein Kläger, da kein Richter“! Doch gerade als ich auf den Auslöser drücke, spüre ich ihn: Ein Blick der Eis zum Schmelzen bringt, oder Wasser zu Eis gefrieren lässt, oder was auch immer. Jedenfalls fühle ich plötzlich ein seltsames Kribbeln im Rücken und dann höre ich sie auch schon. Ihre Stimme! „Sir, was machen Sie da? Warum fotografieren sie mein Auto? Sind sie ein Cop“? Als kleiner Junge habe ich früher gerne die Fernsehserie „Drei Engel für Charly“ gesehen und irgendwie war ich von dem einen Engel ziemlich angetan (aber bitte nicht weitersagen, ist sozusagen privat. Sollte meine Frau das mitkriegen bin ich geliefert und darf nie wieder alleine nach Amerika).

Tja, und nun steht dieser blonde Engel anscheinend leibhaftig vor mir und stellt mir irgendwelche Fragen, die gar nicht bis in mein Gehirn vordringen. Ich schaue die Dame einfach nur an und bin hin und weg. Der Engel hingegen, hat offenbar als junges Mädchen keine Lieblingsserie gehabt, in welcher der Held große Ähnlichkeit mit mir hatte. Jedenfalls blickt sie mich alles andere als verträumt an. Mir bleibt also wohl nichts anderes übrig, als die Situation auf der Sachebene zu klären. Meine Entschuldigung, dass ich aus Deutschland komme, wo dieser schöne Mercedes vor kurzem gebaut wurde, scheint sie nicht so richtig zu überzeugen. Sie glaubt wohl eher an das Schlechte im Menschen und hält mich offensichtlich für einen solchen. Und so steigt „mein“ blonder Engel in ihre schwarze Rakete und ich kann ihr nur wehmütig hinterher schauen. Tja, das ist wohl, was diese Stadt ausmacht denke ich: Las Vegas. Wie gewonnen so zerronnen. Ach ja, und verheiratet bin ich ja schließlich auch noch.

Ganz oben und noch etwas weiter

Am nächsten Morgen stehe ich wie immer früh auf und verschwende keinen einzigen Gedanken mehr an den vergangenen Tag. Warum auch. Neuer Tag neues Glück. Außer wenn irgendwo ein schwarzer Daimler auftaucht, und das sind hier nicht wenige, schaue ich etwas genauer hin. Aber nur so, weil ich ja Mercedes Fan bin. Mein Ziel ist der Stratosphere Tower der mit seiner Höhe von ca.350 Metern nicht zu übersehen ist. Er steht am Nordende des neuen Strips, kurz bevor das alte Las Vegas Downtown (wo alles mal begann) anfängt. Dieses Hotelcasino hatte bis zum Ende 2005 die höchste Achterbahn der Welt und noch ein paar weitere, kleine Spielereien in luftiger Höhe. Hier oben auf dem Turm ist es morgens noch nicht so voll und ich kann alle Karussells mal in Ruhe ausprobieren. Der Big Shot schießt mich in den Wüstenhimmel von Vegas und unter mir fliegen die Hubschrauber. Irre.

Jetzt habe ich genug Adrenalin für die Weiterfahrt und mache mich auf den Weg ins Death Valley. Ich mag die Wüste, vor allem, wenn es, so wie jetzt im Frühjahr, noch nicht so heiß ist. Als ich das erste Mal hier durch kam, lagen am Straßenrand noch zig tausend leere Plastikflaschen und Dosen. Aber seitdem man beim Recyclinghof hierfür Geld bekommt, ist das wohl vorbei. Natürlich weisen auch immer wieder Schilder auf die sehr hohen Strafen für das Wegwerfen von Müll hin. Wie auch immer, heute sieht es hier sauber aus. Tatsächlich sehe ich auch die vielen Blumen, aber für so einen Möchtegern-Abenteurer wie mich, ist das nicht unbedingt was Besonderes. Ob der Samen jetzt hundert Jahre im heißen Staub lag, oder nicht. Blumen haben wir in Deutschland schließlich auch jede Menge. Zwar nicht in der Wüste, aber immerhin.

Wie gesagt, ich mag es, hier durch die fast menschenleere Weite zu fahren, aber meine kleine Reise neigt sich dem Ende zu und ich will natürlich meinen Flieger nicht verpassen. Also mache ich mich auf den Weg zurück nach San Jose zu Georg und Frieda. Den 190er muss ich auch abgeben, er passt leider nicht in das Handgepäck. Ich stelle ihn vor der Garage ab, genau da, wo er immer steht. Tja, und es sollen tatsächlich neun lange Jahre vergehen, bis wir zwei uns wieder sehen werden. Aber davon mehr beim nächsten Mal, wenn es wieder heißt: Unterwegs mit dem Mercedes-Benz 190D in Amerika.

See you

>>> Den 1. Teil nochmal lesen: Amerika Road Trip mit dem Mercedes-Benz 190D
>>> Den 2. Teil nochmal lesen: Amerika Road Trip mit dem Mercedes-Benz 190D (II)


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Sein Kürzel „HDW“ (für die Nicht-Nordlichter: Anspielung auf Howaldtswerke-Deutsche Werft GmbH= HDW). Er arbeitet im Werk Bremen und schreibt gern über seine Reisen, „sein“ Werk und kleine Alltagserlebnisse an der Waterkant.

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