Mit dem SLS bei den 24h von Dubai

Im Herbst 2014 sprach mich das SPS-performance Team an, ob ich mir einen Einsatz bei dem 24h Rennen in Dubai vorstellen könnte, und ich habe spontan zugesagt!

Darauf folgten unsere ersten Vorbereitungen im Rahmen eines 2 Tagestests in Le Castellet. Dort habe ich auch meine Teamkollegen Lance David Arnold, Alex Müller und Valentin Pierburg näher kennergelernt. Unsere Sessions haben sehr gut geklappt  und auch neben der Strecke passen wir gut zusammen. Darüber hinaus hat Stephan Sohn, der Chef bei SPS Performance mit seiner Mannschaft den Mercedes SLS AMG immer weiter verbessert, so dass wir am letzten Trainingstag super Zeiten hinbekommen haben.

Dann folgten die Weihnachtstage und Silvester, an denen ich mein tägliches Fitnessprogramm nicht vernachlässigen durfte. Den 6stündigen Flug nach Dubai habe ich in Frankfurt am 6. Januar angetreten. Was für ein Temperatur Unterschied: Frankfurt -6 Grad / Dubai bei der Ankunft 23 Grad. Nach dem Einchecken im Teamhotel ging es am nächsten Morgen zum ersten Mal an die Rennstrecke. Das Dubai Autodrome ist eine tolle Anlage auf dem neuesten technischen Stand. Das Team war mit den meisten Vorbereitungen bereits fertig, und die Box war bereits perfekt eingerichtet.

Wir Fahrer absolvierten die Streckenbegehung mit einem gemieteten PKW. Es war das erste Mal, dass ich eine Reinstrecke Strecke als Beifahrer kennengelernt habe. Den Rest des Tages verging wie im Fluge mit Sitzanpassung, Einschreibung, Fahrerwechsel- und weiter mit einem Boxenstopp-Training. Die Organisatoren der 24h von Dubai haben danach alle Teilnehmer zu einer Welcome Party eingeladen. Wir sind nicht bis zum Ende geblieben, sondern frühzeitig ins Hotel zurück gefahren, um für den wichtigen Qualifying Tag fit zu sein.

Das Fahrerteam

Am Donnerstag ging es bereits um 8.30 Uhr an die Rennstrecke. Nach dem obligatorischen Drivers Briefing  bei dem durch den Rennleiter ausführlich auf die Flaggensignale, Speed Limit in der Boxengasse und das Procedere bei Tankvorgänge hingewiesen wurde, begannen um 11.00 Uhr die beiden freien Trainingssessions.

Dabei konnten wir uns permanent unter den ersten 10 Teilnehmern einordnen. Uns war aber klar, dass nicht alle Teams ihre Karten komplett aufgedeckt hatten. Lance David und Alex fuhren nachmittags die Qualifikation und platzierten uns auf Rang 10. Im Anschluss hatten wir noch die Gelegenheit, die Strecke bei einem Nachttraining kennenzulernen. Durch meine Erfahrungen bei den 24h Rennen auf der Nordschleife hatte ich keine Eingewöhnungsprobleme. Im Anschluss hatten wir noch ein 2 stündiges Teammeeting.

Die Nacht vor dem Rennen habe ich sehr gut geschlafen, und wir waren pünktlich an der Rennstrecke. Um 10.30 Uhr konnten wir den SLS beim Warm Up nochmals testen. Zum Glück war alles o.k.! Das Einzige, was nicht funktionierte, war die Inboard Kamera. Trotz Reparatur Versuche der TV Leute hat das Teil fast die ganzen 24h nicht funktioniert.

Die Spannung steigert sich, je näher der Start kommt. Eine willkommene Abwechslung sind hier die Startaufstellung und dazu statt findende Fotosessions und Interviews.

Der Gastgeber der Hankook 24h in Dubai, Scheich Muhammad bin Raschid al Maktum, schwenkte um Punkt 14.00h Ortszeit die Fahne zum Start der Dubai 24h, und 88 Starter machten sich auf dem Dubai Autodrome daran, das Rennen anzugehen. Der Team Chef von SPS performance hatte die Fahrerreihenfolge festgelegt: Lance David Arnold, Valentin Pierburg, Alex Müller, Patrick Assenheimer.

Lance David hielt sich anfangs aus dem üblichen Startgetümmel heraus. Recht schnell gab es die ersten Berührungen und damit verbunden die Code 60 Flagge die bei diesem Rennen das Safetycar ersetzt hat. Als ein gewisser Fluss im Rennverlauf eingetreten war, schaltete er auf Attacke um, und nach perfekten Überholmanövern verbesserte er sich Position um Position, und die Boxenstopps mit Fahrerwechsel liefen exakt wie geplant.

Die Wartezeit bis zu meinem ersten Stint überbrückte ich mit der Verfolgung der Rundenzeiten meiner Partner  und einer Ruhephase im Team Wohnmobil. Nach 5 Stunden übernahm ich den SLS auf Position 5. Endlich hatte die Warterei ein Ende! Nach 2 Gewöhnungsrunden hatte ich keine Schwierigkeiten, die Pace der Spitze mitzugehen. Dennoch gab es bei den Überholmanövern von langsameren Fahrzeugen einige heikle Situationen. Aber das Team hatte sich entschlossen, mich länger auf der Strecke zu belassen, da die Rundenzeiten mit 2.01 /2.02 optimal waren. Am Ende des Stints konnte ich den Mercedes auf Platz 3 liegend an Lance David übergeben.

Mit dem Adrenalin im Körper dauert es etwas, herunter zu kommen. Essen und eine Massage waren jetzt angesagt. Beim Turn von Alex Müller gab es derweil an der Tankstelle Probleme und mit der Tür-Verriegelung. Das brachte uns eine Zeitstrafe ein.

In der Nacht stellten wir unsere Fahrerreihenfolge etwas um. Deshalb fuhr ich in der Nacht meinen 2.Stint. Die Zeiten waren wieder super! Ich konnte mich dauerhaft als einer der 2 schnellsten Fahrer im Feld behaupten und daher bis auf Position 2 vorfahren. Mein Stint wurde leider frühzeitig durch einen Unfall  unterbrochen. Die langsame Fahrt des gesamten Feldes (60 km/h) nutzten  wir um unsere Zeitstrafe abzusitzen. Wir verloren einige Plätze, waren aber immer noch in der Lage auf die Top 3 zuzufahren.

Langsam wurde es wieder hell, und das Fahren wurde  für alle Teilnehmer wieder angenehmer. Nach erneuter Übernahme des Mercedes konnte ich 2 Plätze gut machen und war optimal im Renngeschehen. Leider  kam dann das schnelle „Aus“.

Als das vor mir fahrende Fahrzeug auf einer Ölspur ins Rutschen gekommen ist, war auch ich nur noch Passagier und konnte den Mercedes nicht mehr abfangen. In diesem Streckenabschnitt gibt es keine Auslaufzonen, sondern nur eine Betonmauer. Ich fuhr den Mercedes zurück in die Box. Die SPS Mechaniker checkten den Schaden. Leider war in der Kürze der noch verbleibenden Zeit eine Reparatur nicht sinnvoll. Ich war total am Boden zerstört und bin erst mal eine Stunde alleine durchs Fahrerlager gelaufen, um das zu verdauen.

Das Tolle war, dass mich meine Fahrerkollegen und das SPS Team gut aufgenommen haben und bestätigt haben, dass es nicht möglich war, den Unfall zu vermeiden. Trotzdem fühlt man sich nach einer solchen Situation beschissen. Die ganze Arbeit und der Einsatz aller Beteiligten sind in einer Sekunde hinüber. Aber so ist es im Rennsport!

Selbstverständlich sind wir zur Siegerehrung gegangen und haben gratuliert. Aber man denkt dort nochmals darüber nach,dass man heute hier stehen könnte. Mit ein paar Tagen Abstand fällt es wieder leichter, an das Rennen zu denken.  That’s Racing!

Das SPS automotive Team plant dieses Jahr noch weitere 24h Rennen. Wenn die Termine mit meinen Einsätzen bei der ADAC GT Masters und in der VLN Serie nicht kollidieren, werde ich nochmals starten.

Danke an alle, die mich unterstützt haben, vor allem meine Freunde vom Mercedes Fan Club!


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Er ist gelernter Mechatroniker und studierte an der FH in Heilbronn. Seine größte Leidenschaft ist jedoch der Motorsport. Der 23-Jährige kann z.B. schon drei Siege beim 24-Stunden-Rennen am Nürburgring vorweisen. Auch 2015 wird er Einsätze im SLS bestreiten. Mehr Infos über ihn gibt es auf seiner Website: www.patrick-assenheimer.de.

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