Frau im Blaumann

Mit meiner Bewerbung bei der Mercedes-Benz Niederlassung Rhein-Ruhr habe ich eine sehr gute Wahl getroffen. Es ist einer der wenigen Betriebe mit einer Frauenumkleide inkl. Dusche und einer separaten Damentoilette. All das konnte mir kein anderer Betrieb in der näheren Umgebung bieten, denn Frauen im Blaumann sind eine seltene „Spezies“ – aber auf dem Vormarsch.

Ich bin jetzt im zweiten Ausbildungsjahr als Kfz-Mechatronikerin in der Niederlassung Rhein-Ruhr und habe meine Entscheidung, diesen Beruf zu erlernen nicht bereut. Es macht mir sehr viel Spaß, technische Dinge zu erlernen und mich neuen Aufgaben zu stellen.

Am Anfang der Ausbildung waren wir zuerst 3 Wochen im Werk Düsseldorf, um dort als erstes unsere technischen Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Ein U-förmiges Stück Stahl musste auf gewisse Maße zu Recht gefeilt werden. Da die Jungs mehr Kraft haben als ich, war ich zunächst etwas skeptisch ob ich es überhaupt schaffen würde, doch es bewies sich das Gegenteil.

Ich war sehr stolz darauf die Schnellste gewesen zu sein, was viele der männlichen Azubis und sogar die Ausbilder überrascht hat.

Nicht nur dort wurde ich unterschätzt, auch von vielen Kunden werde ich auf eine harte Probe gestellt. Wenn ich nach vorne zum Kunden gerufen werde um ihn nach seinem Anliegen zu fragen, schauen die meisten zuerst verdutzt. Dann wird ihnen klar, dass ich jetzt für ihren Leuchtmittelaustausch, die Reifendruck-, Ölkontrolle oder ähnliches zuständig bin. Meistens verzieht sich kurz die Mimik und anschließend folgt die Aussage: “Sie sind ja eine Frau“. Ich setze mein charmantes Lächeln auf und mache unbeirrt weiter…

Dann folgt die Fragestunde: „Sind sie wirklich in der Werkstatt tätig? Ich meine so richtig mit dem Schraubendreher am Auto und so? Können Sie das auch bzw. sind Sie dafür geeignet?“. Besonders amüsant ist auch die Frage, ob ich eine Kurzzeitpraktikantin sei. Ich stelle mir dann die Frage, woran die Kunden das erkennen wollen. Ehrlich beantworte ich ihm alle seine Fragen denn ich weiß, dass es nur sehr wenige Frauen in diesem Beruf gibt und dass es für die meisten am Anfang ungewohnt zu sein scheint. Doch letztendlich überzeuge ich mit meiner guten Arbeit, sodass der Kunde sehr zufrieden ist.

Anders dagegen sind die weiblichen Kunden, die mich mit einem Lächeln und den Worten: “Oh wie schön, endlich mal eine Frau.“ empfangen. Sie sind immer sehr aufgeschlossen und freuen sich von einer Frau beraten zu werden. Das Fragenpotenzial ist eher fachbezogen z.B. ob es Hilfsmittel für die körperlich anstrengenden Tätigkeiten gibt oder ich wegen meiner zierlichen Finger knifflige Sonderaufträge bekomme. Auch diese Fragen beantworte ich gerne. Trotz all diesen Klischees macht mir der Umgang mit den Kunden sehr viel Spaß.

Eine weitere Besonderheit der Ausbildung ist das Fahrsicherheitstraining, was am Anfang der Ausbildung stattfindet. Wir durften Wasserfontänen ausweichen, haben unser Heck ausbrechen lassen und durften die Grenzen der Fahrzeuge testen, die wir von der Niederlassung gestellt bekommen haben. Dabei ging natürlich nie alles glatt, wir drehten uns mehrfach, konnten den Fontänen nicht immer ausweichen und blieben in der Wassermenge stehen.

Dabei stand nicht nur der Spaßfaktor an oberster Stelle, sondern auch der Zusammenhalt untereinander sowie der sichere Umgang mit den Fahrzeugen.

Innerhalb der Ausbildung durfte ich auch die Stuzubi in Düsseldorf besuchen, um dort anderen Bewerbern einen Einblick in die technische Ausbildung der Daimler AG zu verschaffen. Da die Ausbildung sehr abwechslungsreich ist, bleibt man motiviert und kann gleichzeitig in verschiedenen Bereichen Erfahrung sammeln. Aus diesem Grund konnte ich den potenziellen Auszubildenden auf der Messe viel berichten.

Nach der bestandenen Prüfung ist mein nächstes Ziel, nebenberuflich meinen Meister zu machen. Ich hoffe auf eine spannende zweite Hälfte der Ausbildung.


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Sie ist aktuell im zweiten Ausbildungsjahr als Kfz-Mechatronikerin in der Mercedes-Benz Niederlassung Rhein-Ruhr.

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