Ein Praxiseinsatz im „Silicon Valley Indiens“

Es hat sich gelohnt – die vielen E-Mails und Telefonate, Impfungen, Buchungen und der Visumprozess. Der Aufwand war es wert, um beim MBRDI (Mercedes-Benz Research & Development India Pvt. Ltd.) in Bangalore einen Praxiseinsatz von acht Wochen zu absolvieren.

Als Ulmer-Modell-Student bei der EvoBus GmbH studiere ich Fahrzeugelektronik an der Hochschule Ulm und arbeite in den Semesterferien in verschiedenen Abteilungen der Entwicklung. Dabei ermöglicht EvoBus seinen dualen Studenten, für einen Praxiseinsatz ins Ausland zu gehen und trägt diesen Aufenthalt auch finanziell.

Diese Chance wollte ich unbedingt wahrnehmen, da ich überzeugt bin, mich dadurch weiterentwickeln zu können: sprachlich, fachlich und persönlich. Indien als englischsprachiges Land mit einer völlig fremden Kultur, bereits ausgeprägter Technologie, aber auch noch großem Potential, hat mich dabei besonders gereizt.

Am 28.07.2014 beginnt die Reise mit dem Flug von Frankfurt nach Bangalore. Auf der knapp 50 km langen Strecke in meine Wohnung sah ich, wie Indien mitten in der Nacht aussieht. Natürlich wusste ich in etwa, was mich erwartet, aber dies hautnah zu erleben war doch ein ganz besonderes Gefühl.

Alles scheppert und wackelt
Meinen ersten Tag im Stadtteil Whitefield in Bangalore kann ich gut dazu nutzen, den Wohnkomplex „Prestige Shantiniketan“ und die Gegend kennen zu lernen. Meine Wohnung liegt nur 20 Minuten zu Fuß vom Arbeitsplatz entfernt, wofür mich viele meiner Kollegen beneiden, die zum Teil über zwei Stunden mit Bussen unterwegs sind. Die öffentlichen Busse in Indien sind übrigens keinesfalls vergleichbar mit denen, die wir in Deutschland produzieren. Alles scheppert und wackelt aber dafür kommt man für umgerechnet 50 Cent durch die Stadt.

Silicon Valley Indiens
Schnell bemerke ich, dass die Bezeichnung „Silicon Valley Indiens“ für die Stadt Bangalore nicht von ungefähr kommt. Neben Daimler sind hier viele weitere namhafte IT- & Elektronikkonzerne sesshaft, wie zum Beispiel HP, SAP, Intel und IBM, um nur wenige zu nennen.

Nachdem an meinem ersten Arbeitstag am MBRDI alle Formalitäten abgeschlossen sind, werde ich von meinem Team sehr herzlich empfangen. Sofort fühle ich mich wohl unter meinen indischen Kollegen. Die Arbeitsatmosphäre ist – trotz Großraumbüro – absolut angenehm, was an den netten und hilfsbereiten Kollegen, sowie einem motivierten Team liegt.

Das Projekt, an dem ich mitwirken darf heißt Electric Drive Bus in der Abteilung RD I/EE (Research & Development India – Electrics/Electronics), wobei wir uns mit dem Energiemanagement der elektrisch angetriebenen Stadtbusse beschäftigen – ein hoch interessantes Thema. Meine Aufgaben erledige ich hauptsächlich mit MATLAB/Simulink. Damit lassen sich zum Beispiel Simulationen durchführen und Programmcode für die Steuergeräte erstellen.

Nationalsport Cricket
Mit den Kollegen aus meiner Abteilung unternehme ich von Beginn an auch nach Feierabend fast täglich Dinge, wie Besuche in Shopping Malls und Kinos oder abends gemütlich essen gehen. Dabei lerne ich die scharfe indische Küche immer mehr kennen und schätzen. An einem Arbeitstag kann ich an einem Ausflug zum Team Building mit der ganzen Abteilung teilnehmen. Nach den Gruppenspielen (siehe Bild) ist noch genügend Zeit für Aktivitäten wie dem indischen  Nationalsport Cricket, Paintball oder Wasserball.

Am Standort in Bangalore arbeiten über 1800 Menschen (hauptsächlich Ingenieure) in den Abteilungen Produktentwicklung (Cars, Trucks), Interieur/Exterieur, CAE (Computer Aided Engineering), EE (Electrics/Electronics), IT und HR. Das MBRDI ist somit größter Entwicklungsstandort der Daimler AG außerhalb Deutschlands.

Friends will be friends
Am Mercedes-Benz-Standort lerne ich viele deutsche Praktikanten kennen, die ebenfalls hier arbeiten und, wie sich herausstellt, keine 50 Meter von mir entfernt wohnen. Sowohl mit ihnen, als auch mit vielen indischen Kollegen entstehen gute Freundschaften. An jedem Wochenende unternehmen wir gemeinsam kleinere oder größere Ausflüge, wie zum Beispiel Trips nach Goa, Mumbai, Mysore oder nach Coorg in den indischen Western Ghats.

Zwei Wochen Urlaub runden meinen Aufenthalt in Indien perfekt ab. Erstes Reiseziel ist der Norden des Landes mit den Stationen Delhi, Agra und Jaipur. Anfang Oktober geht es dann von Bangalore aus wieder nach Deutschland. Seit ein paar Wochen ist mein Praxiseinsatz beendet und ich stelle fest: Die Zeit war viel zu kurz! Gerne wäre ich noch länger geblieben, doch es begann das neue Semester.

Ich bin sehr dankbar für die unvergesslichen Wochen in Indien, viele neue Freundschaften und die sehr wertvollen Erfahrungen, die ich hier in vieler Hinsicht sammeln durfte.


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