Mehr als Blechbüchsen – Auf der Spur des „Next Big Thing“

Linus Pauling sagte einmal: „Der beste Weg, eine gute Idee zu haben, ist es, viele Ideen zu haben“: Genau das erleben wir als 30 Teilnehmer am 29. Oktober 2014 im „Business Innovation Workshop for Daimler Talents“ hautnah. Denn an diesem Tag kommen wir als CAReer-Trainees, DHBW-Studenten und eingeladene Gäste auf dem Mobility Campus in Leinfelden-Echterdingen zur Weiterentwicklung neuer Ideen für zukünftige Geschäftsfelder zusammen.

Bereits beim Blick auf die Agenda wird mir klar: Heute wird sich keiner nur zurücklehnen können.

Raymond Chow, unser Gastgeber, begrüßt und stellt uns seinen Bereich Business Innovation (BI) vor. Dabei muss er nicht weit zurück in der Vergangenheit: Seit 2007 beschäftigt sich BI mit Antworten auf Mega-Trends wie Urbanisierung, Digitalisierung, Globalisierung und Konnektivität.

Das Bild der Zukunft, das er bildhaft zeichnet, stellt unser bisheriges Denken ganz schön in Frage. Und das ist gut so! Denn mit einer bloßen Weiterentwicklung der traditionellen Produkte wird es schwierig werden, mit dem technologischen und gesellschaftlichen Fortschritt mithalten zu können. Was gefragt ist, sind nicht nur innovative Produkte, sondern auch innovative Geschäftsmodelle und Services.

Was gefragt ist, sind nicht nur innovative Produkte, sondern auch innovative Geschäftsmodelle

Wilfried Steffen erklärt weiter, wie BI diesen Herausforderungen begegnet. Ein offener Innovationsprozess bindet nicht nur die Spezialisten aus dem eigenen Bereich bei der Ideenentwicklung mit ein. Vielmehr werden gezielt auch externe Partner integriert, die zum Beispiel aus der Business Innovation Community, von Universitäten oder aus branchenfremden Bereichen (so genannte Cross-Industry-Partner) kommen. Und hier fällt der Groschen: Heute dürfen also wir diese Ideengeber sein!

Mir wird warm ums Herz, als ich höre: „Alles, was Sinn macht, ist erlaubt“. Endlich runter mit den alltäglichen Scheuklappen. Denn der BI-Bereich versteht sich als Labor für gerade solche innovativen Ideen und Lösungen, die außerhalb des Daimler-Kerngeschäfts liegen. Eben für mehr als die Herstellung von „Blechbüchsen“-das ist hier wirklich liebevoll gemeint, denn unsere Premium-Blechbüchsen sind die Besten. :-) Zunächst Zunächst bin ich skeptisch. Denn oft bleiben Ideen eben nur Ideen, und die Umsetzung hakt. Doch mit den gezeigten Beispielen werde ich eines besseren belehrt: Moovel, Mercedes Benz Rent oder die Space Cowboys sind nur einige der bisher tatsächlich auf die Straße gebrachten Erfolgsstories aus dem Bereich.

 

Wie können Shopping, Service, Logistik und natürlich das Fahrzeug in ein Ökosystem integriert werden?

Nach dem obligatorischen Networking in der Kaffeepause konfrontiert uns Dirk Reimelt direkt mit unserer ersten Herausforderung für den heutigen Workshop. Unter dem Titel „The Next Big Thing for Logistics“ startet auch gleich eine hitzige Diskussion. Wie können Shopping, Service, Logistik und natürlich das Fahrzeug in ein Ökosystem integriert werden, welches für Daimler ein Alleinstellungsmerkmal darstellt?

Nach den ersten Kommentaren stellen glücklicherweise alle schnell fest: Dieses Problem kann keiner im Raum alleine lösen. Aber durch die gemeinsame Diskussion füllen sich die Metaplan-Karten und eine Idee führt zur nächsten. Dabei fällt es nicht leicht, gleichzeitig nicht nur Empathie für den Nutzer zu entwickeln, sondern immer auch die technische Umsetzung und die Wertschöpfungs-Partner im Blick zu behalten. Nach eineinhalb Stunden schaue ich mit einer guten Portion Respekt auf das Ergebnis der Kreativität aus der Gruppe. Und ich höre meinen Magen knurren. Denn die Zeit verging bisher wie im Flug und mittlerweile hat sich das intensive Brainstorming bis in die Mittagspause ausgedehnt.

In der Pause erfahre ich mehr über die anderen Teilnehmer beim Workshop. Anton Kocher zum Beispiel erzählt, wie er zum Workshop gekommen ist. Als Marketing-Student hat er einige seiner Ideen mit Daimler geteilt. Das kam so gut an, dass BI ihn zum Gespräch und zum heutigen Workshop eingeladen hat. Ich bin beeindruckt. Von Anton. Und von BI – nicht jedes Unternehmen hat den Mut, eines seiner kreativen Zentren so nach außen zu öffnen. Wir als Teilnehmer profitieren auf jeden Fall von dieser bunten Mischung – denn die verschiedenen Sichtweisen erweitern den Horizont und helfen, endlich einmal ausgetretene Pfade zu verlassen.

mittendrin statt nur dabei

Am Nachmittag leitet Christian Geiss die zweite kreative Runde ein: In Kleingruppen geht es um das Trend-Thema “Individualization”. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Produkte, Services und Erlebnisse immer noch persönlicher auf unsere Kunden maßgeschneidert werden können. Wieder sind gleich alle „mittendrin statt nur dabei“ und es sprudeln sofort die Ideen. Das passt zur Ansage. Denn hier gilt erst einmal: Quantität statt Qualität, denn jede Idee kann die anderen Teilnehmer vielleicht zu neuen Ideen anregen.

Erst danach geht es an die Priorisierung der Ideen: Durch Portfolios wird ausgelotet, welche Ideen das größte Potential und die beste Umsetzbarkeit versprechen. Und schließlich werden die besten Ideen als „Business Model Canvas“ detailliert: Bei dieser Methode werden Geschäftsmodelle aus verschiedenen Sichten der Wertschöpfung beleuchtet. Ich habe mal wieder richtig Glück mit meiner Gruppe: Durch den interdisziplinären Mix der Teilnehmer bekommen wir Produktentstehungsprozesse, Kundennutzen, Marktsegmente und Finanzen fast lückenlos zu einer potentiellen Geschäftsmodell-Innovation zusammen.

Der „Applausometer“ fährt in den Anschlag

Zum Schluss werden zwei der Geschäftsmodelle von den Teilnehmern Sebastian Thiemt und Steven Rottmann vor der ganzen Gruppe präsentiert. Nicht ganz zufällig erinnern die Präsentationen an die legendären Produktvorstellungen von Apple und auch der „Applausometer“ fährt in den Anschlag. Das soll zeigen, dass beide Ideen wohl einen weiteren Blick wert sind. Dann wie sonst oft also mal ab in die Schublade damit? Nein! Tatsächlich hört es heute nicht bei bunten Post-Its auf. Stattdessen werden Aufgaben und Verantwortlichkeiten verteilt, um die Ideen voranzutreiben. Es geht also doch!

In ihren Schlussworten sind sich Raymond Chow, Dirk Reimelt und Thomas Kircher einig: Kreativität und Ideen außerhalb unseres heutigen Kerngeschäfts sind zentraler Erfolgsfaktor für unsere Zukunft und jeder von uns ist eingeladen, dazu beizutragen. Thomas Kircher (Business Innnovation) sowie Antje Wolf und Christoph Hoezel aus dem Personalbereich von Daimler, die das Konzept für diesen Workshop entwickelt haben, verbuchen den Tag als vollen Erfolg. Für das nächste Jahr wird bereits ein Nachfolge-Event geplant und auch den Teilnehmern sehe ich an, dass sie Lust auf mehr Kreativität im Alltag bekommen haben.

Eine Woche nach dem Workshop schaue ich bei meinem Kollegen Sebastian Thiemt vorbei. Ich staune nicht schlecht, als ich sehe, was er da mittlerweile zusammen mit Gabriel Selbach ausgeheckt hat. Aus den Kritzeleien vom Workshop hat sich schon ein erstes richtiges Konzept entwickelt. Ich kann es kaum erwarten, den Prototypen zu sehen. Mir zeigt das: Kreativität hört nicht bei einem Workshop auf – Wer Innovationen will, muss sich auch im Alltag Zeit für Ideen nehmen!


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