Roller Derby: als Schiedsrichter bei starken Frauen

Mein Name ist Marcus Günter, ich arbeite für die Daimler Protics GmbH zusammen mit Daimler Kollegen in vielen interessanten Projektteams, vom Mitarbeiter-Portal bis zur Fahrzeug-Telematik.In meiner Freizeit bin ich Teil eines außergewöhnlichen Sportvereins. Ich bin Schiedsrichter und Trainer für die „Stuttgart Valley Rollergirls“. Der ersten Roller Derby Mannschaft Deutschlands.

Wenn man von Roller Derby spricht, schauen die meisten erst einmal verwirrt. Unterhaltungen drehen sich immer um die gleichen Fragen. “Gibt es da einen Ball?” “Ist das wie in dem Film, wie hieß er doch gleich, Rollerball?!”, “Das sind doch alle Mannsweiber.”.

Was ist Roller Derby eigentlich?
Roller Derby ist ein Teamsport auf Rollschuhen, ausgetragen auf einer ovalen Bahn. Es treten zwei Teams gegeneinander an. Jedes Team besteht aus 14 Mitgliedern von denen immer jeweils fünf  Spielerinnen auf der Bahn sind.  Davon ist eine Spielerin die Punktemacherin (der sogenannte Jammer) – sie muss innerhalb von 2 Minuten die gegnerischen Teamspieler so oft wie möglich überrunden. Für jede überholte Gegnerin erhält sie einen Punkt. Die restlichen Spielerinnen versuchen die gegnerische Jammerin aufzuhalten oder ihrer eigenen Jammerin zu helfen. Dazu können sie mit vollem Körpereinsatz die Gegner angreifen oder versuchen davon zu sprinten. Legaler Körperkontakt begrenzt sich auf die Hüften, Schultern und den Brustbereich. Zu illegalen Manövern gehören: Festhalten, Einsatz der Ellenbogen, Bein stellen oder Treffer in den Rücken. Trotzdem geht es meistens hart zur Sache…

Nach maximal 2 Minuten werden die Spielerinnen auf dem Track ausgewechselt. Das Spiel dauert 2 x 30 Minuten. Die Mannschaft mit den meisten Punkten gewinnt.

Wo kommt Roller Derby her?
Roller Derby begann als Ausdauerrennen in den 20er Jahren und entwickelte sich stetig weiter. Vom Ausdauerrennen als Teamwettbewerb zu Staffelrennen mit gemischten Männer- und Frauen-Teams bis hin zu einer Art Show-Wrestling auf Rollschuhen, wo auch gerne einmal die Fäuste auf der Steilbahn flogen.

Seit dem Jahr 2000 entwickelt sich Roller Derby als ein von Frauen dominierter Amateursport. Da drehte sich noch alles um das Event. Schminke und schrille Outfits waren an der Tagesordnung. Heute ist es eine der am schnellsten wachsenden Sportarten und wird durchaus auch mit professionellem Engagement betrieben. Neue Teams starten wöchentlich auf der ganzen Welt, von Australien bis Island, von Ägypten bis Rio de Janeiro. 2005 gründeten 30 Mannschaften den aktuell größten Verband (WFTDA), der heute 260 Mannschaften aus aller Welt und 100 Anwärter-Teams umfasst.

Der Betrieb der einzelnen Teams liegt dabei immer bei den Spielern, so dass sich eine DIY Mentalität durch den gesamten Sport zieht.

Was macht Roller Derby so besonders?
Heute wird versucht Roller Derby ein wenig zu professionalisieren, die Tutus und Netzstrumpfhosen weichen funktionaler Sportkleidung. Die Party findet nicht mehr auf dem Spielfeld, sondern auf der After-Party statt. Dennoch sind wir Exoten. Die Spielerinnen und Schiedsrichter tragen noch ihre Kampfnamen wie: „Ellie Minate“, „Teaze the Tiger“ oder „Jam Pain“. Manchmal findet man noch geschminkte Gesichter und im Hintergrund läuft während des Spiels immer noch Musik. Das Beste sind aber die Fans. Dort kommen viele Gruppen zusammen, die man sonst in einer Stadt wie Stuttgart nicht so leicht findet. Alles ist weltoffen und tolerant. Da der Sport auf starke Frauen aufbaut ist alles emanzipiert und alternative Lebens-Einstellungen sind voll akzeptiert.

Marcus Günter als Trainer (Foto: Riot Rollers Darmstadt)

Wenn das ein Sport von und für Frauen ist, was macht man als Mann in so einem Verein?
Wie jeder Verein funktioniert natürlich auch hier nicht alles von alleine. Es werden immer Leute für organisatorische Aufgaben gebraucht. Es müssen T-Shirts bedruckt und verkauft werden, Reisen geplant und Spiele organisiert werden. Ich war von dem  Sport so begeistert, dass ich unbedingt etwas auf Rollschuhen machen wollte. Als ich angefangen habe, waren Schiedsrichter oder Trainer die einzigen Optionen das zu tun. Ich konnte ja schlecht bei den Frauen mitlaufen. Also wurde ich Schiedsrichter und später Trainer für die Anfänger.

Im Gegensatz zu den Spielerinnen sind die Schiedsrichter auch meistens Männer. Es gibt oft viele Fragen, warum das so ist. Ich glaube einfach  dass die meisten Frauen lieber als Spielerin auf den Track wollen.

Marcus Günter als Schiedrichter beim Roller Derby (Foto: Lightfield - http://www.flickr.com/nico_lightfield)

Als Schiedsrichter gibt es aber auch Vorteile. Man ist ständig unterwegs, weil alle Team zu wenig der so genannten „Officials“ haben. Zu einem Spiel werden bis zu 7 Schiedsrichter und ein gutes Dutzend NSOs (Non Skating Officials) gebraucht. So kann ich mir jedes Wochenende eine andere Städtereise in meinen Kalender eintragen. Das führte mich zum Beispiel schon nach London, Prag, Paris, Malmö und sogar zu Turnieren in Hawaii und Las Vegas.

Da Sponsoren den Sport noch nicht großflächig für sich entdeckt haben, ist das alles meist auf eigene Kosten. Aber bei fast allen weiteren Reisen darf man die Gastfreundschaft der ausrichtenden Mannschaften, in Form einer Couch oder eines Gästezimmers, in Anspruch nehmen. Die Community ist großartig, bis heute habe ich fast ausschließlich nette und hilfsbereite Menschen voller Begeisterung für den Sport kennen gelernt.

Als Trainer sieht die Welt dann schon anders aus. Dort ist es meine Aufgabe, den Neueinsteigern die Grundlagen des Roller Derby zu vermitteln. Von skaten, bremsen bis zum Vollkontakt ist dort alles dabei. Die meisten Spieler fangen bei uns nämlich ohne Erfahrung im Rollschuh fahren an, teilweise haben sie vorher nie Sport gemacht. Bei aller Vorbereitung und Betreuung bleibt dort manchmal das Drama nicht aus. Aber das ist normal wenn es um Sport und starke Persönlichkeiten geht. Bis heute haben wir aber noch alle Wogen geglättet

Mens Roller Derby (Foto: Thomas Kilian)

Was bringt die Zukunft?
Aktuell haben sich einige der Trainer und Schiedsrichter aus Stuttgart mit anderen Männern der umliegenden Vereine zusammen getan und eines der ersten Roller Derby Teams für Männer in Deutschland gegründet. Mit „South German Men’s Roller Derby“ sind wir letztes Jahr Deutscher Meister geworden und stellten die Hälfte von Team Deutschland, mit dem wir an der ersten Men’s Roller Derby WM teilgenommen haben.

Fall jemand von euch jetzt Lust bekommen hat, einmal vorbeizuschauen – nur zu! Das nächste Heimspiel findet am Samstag, 15. November, in der SCHARRena statt. Quasi direkt neben dem Werk Untertürkheim. Weiter Informationen: www.rollergirlz.de

Website der Stuttgart Valley Rollergirls: www.rollergirlz.de
Website von South Germany Men’s Roller Derby: www.sgmrd.de


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