Von Peking auf die Schwäbische Alb

Fünf Jahre für Daimler als „Manager Service Technical Support“ in Peking sind vorbei und wir setzen unser Vorhaben mit einer Beiwagenmaschine der Marke Chang Jiang 750 von Peking zurück in unsere Heimat auf die Schwäbische Alb zu fahren um. Wir, das sind meine Frau Monika, unser 11 jähriger Sohn Rouven und ich. Unsere 16 jährige Tochter Tara nahm das Flugzeug, sie meinte, sie sei doch nicht verrückt sich das anzutun.

Schwer bepackt machten wir uns Ende Juni von Peking aus auf den Weg. Wir hatten alles dabei: Zelt, Schlafsäcke, Therma Rest Matten, Hocker, Kocher, Geschirr, Lebensmittel, Apotheke, eine Angel für unseren Junior, Ersatzteile, Werkzeug und natürlich Bekleidung, die sich aber auf das Minimum beschränkte. Unsere „Bella“ wie wir unser Motorrad liebevoll nennen hatte mit ihren 24 PS Schwerstarbeit zu leisten.

Von Peking an der Chinesischen Mauer vorbei nach Ulaan Baatar
Die erste Etappe führte uns vorbei an der Chinesischen Mauer in Badaling nach Ulanqab in der Provinz Innere Mongolei und dann weiter nach Erenhot, der Grenzstadt zur Republik Mongolei. Die Straßen auf Chinesischer Seite waren gut, der Verkehr hielt sich in Grenzen und somit erreichten wir die Mongolische Grenze nach zwei Tagen ohne Probleme. Die Mongolei empfing uns auf den ersten Kilometern mit Sandpisten und wir mussten einige Male Nachfragen ob wir auf der Richtigen „Spur“ sind, trotzdem waren wir von der Mongolei sofort begeistert.

Auch wenn nur ein paar Kilometer zwischen den beiden Grenzposten lagen, hatte man den Eindruck in unterschiedlichen Welten zu sein. Die Menschen kamen freundlich auf uns zu und waren von unserer „Bella“ und unserem Vorhaben nach Deutschland zu fahren total begeistert, lösten aber auch ungläubiges Kopfschütteln aus und wir wurden zum Teil auch für verrückt erklärt.

Mit diesen „positiven“ Eindrücken konnten wir uns auf das was vor uns liegt freuen. Je weiter wir Richtung Ulaan Baatar kamen umso mehr faszinierte uns die Mongolei mit ihren unendlichen Weiten, sanften Hügeln, wenigen Menschen, die aber umso freundlicher waren. Wir genossen die zweitägige Fahrt nach Ulaan Baatar sehr und mit ihr auch die Freiheit wieder einmal auf Reisen zu sein, wir konnten China nun hinter uns lassen.

In Ulaan Baatar angekommen hatten wir auch das zweite Etappenziel ohne Probleme erreicht, was uns für die weitere Reise positiv stimmte. Mit Bekannten die wir aus Peking kannten und zur gleichen Zeit in Ulaan Baatar waren, verabredeten wir uns um die Stadt und ihre Sehenswürdigkeiten anzuschauen.

Ulaanbaatar, die Hauptstadt der Mongolei, hat rund 1,3 Mio. Einwohner.

Ersatzteil-Lieferung nach Ulaan Baatar
Außerdem unterzog ich das Motorrad einem gründlichen Technischen check up, denn was auf den nächsten 1800 km auf uns zukommen wird, wird der wohl härteste Teil unserer Reise werden. Bei der Kontrolle des Motorrades stellte ich fest, dass die Hardyscheibe zur Kardanwelle schon sehr stark verschlissen war und mit Sicherheit nicht mehr allzu lange hielt. Aber wie immer gehen die Teile kaputt, die man nicht dabei hat…

So kontaktierte ich einen Kollegen in Peking der mir das Ersatzteil besorgte. Ich bestellte aber nicht nur eine Hardyscheibe, ich bestellte mir gleich fünf, denn diese Gummischeibe scheint ein Schwachpunkt zu sein und wird noch des Öfteren getauscht werden müssen.

Die Teile waren schnell besorgt, aber wie nach Ulaan Baatar bringen? UPS, DHL etc. dauerte zu lange, da das Wochenende dazwischen lag, also kontaktierte ich einen anderen Kollegen in Peking dessen Frau Mongolin ist. Sie machte einen Studenten ausfindig der am nächsten Tag von Peking nach Ulaan Baatar flog, uns die Teile mitbrachte und sogar bei uns im Hotel ablieferte. Es ist immer wieder schön zu erleben welche Hilfsbereitschaft man von wildfremden Menschen erfährt.

Weiter in die Altai Region im Westen der Mongolei zur Grenze Russlands
Mittlerweile ist auch unser Freund und Kollege Bernd Schiedlauske mit seinem ML in Ulaan Baatar angekommen. Er kam uns von Deutschland aus entgegen um mit uns zusammen durch die Mongolei zu fahren. Gemeinsam starteten wir Richtung Altai Region im Westen der Mongolei zur Grenze Russlands.

Die ersten 350 km hinter Ulaan Baatar waren noch Teerstraße, doch jetzt fingen die Pisten an, die uns mehr abverlangen sollten als wir uns das je vorgestellt hatten. Die Pisten änderten ständig ihr Gesicht, kurzes „Wellblech“ , wieder langes „Wellblech“, dann gar keine Piste mehr sondern nur noch „Tracks“, trockene Flussbetten mit tiefem Sand, Löcher, tiefe Furchen, tiefe Fluss Durchquerungen, nicht gerade die besten Voraussetzungen für unser Motorrad, das kaum an Bodenfreiheit besitzt, aber wir wollten es ja nicht anderst!

Im Schnitt schafften wir ca. 150 km/Tag bei 10 Stunden Fahrt, nur erster und zweiter Gang, abends waren wir total erschöpft. Übernachtet haben wir meistens im Zelt, irgendwo neben der Piste, wo wir dann auch des Öfteren Besuch von den einheimischen „Nomaden“ bekamen, die mit ihren Jurten und ihrem Vieh durchs Land zogen.

Sie brachten uns Geschenke mit, wie geronnene Kuhmilch die wie Naturjoghurt schmeckte, getrocknetem Schafskäse der zwar steinhart war, aber sehr gut schmeckte. Die nächst größere Stadt war Altai wo wir uns ein Zimmer mit eigener Dusche nahmen um mal wieder etwas mehr für die Körperhygiene zu tun.

Außerdem musste ich die gebrochenen Speichen am Hinterrad und Beiwagenrad erneuern und eine gebrochene Kofferhalterung schweißen lassen. Weiter ging es Richtung Ölgij im Westen der Mongolei, wir waren überglücklich als wieder einmal für 150 km ein Abschnitt mit Teer kam, es war die reinste Wohltat für uns und die Maschine.

Doch trotz aller Strapazen erfreuten wir uns jeden Tag aufs Neue an diesem Land und seinen Menschen, wenn die Kinder auf ihren Pferden neben uns her ritten und uns zu einem Wettrennen herausfordern wollten, oder wir abends vor dem Zelt saßen und nur der Natur zuhören durften. Auch war es wieder etwas Besonderes andere Reisende zu treffen um mit ihnen die gemachten Erfahrungen auszutauschen.

In Ölgij angekommen quartierten wir uns in einer Jurte ein. Wenn wir schon in der Mongolei sind, wollten wir auch einmal in einer Jurte übernachten, was auch schön war, aber noch schöner hätte sein können wenn die Betten nicht so kurz gewesen wären und ich die Beine nicht seitlich am Bett heraus strecken hätte müssen. Aber unser Sohn Rouven war happy, denn der Besitzer der Jurte hatte einen Sohn in Rouvens alter und Rouven konnte endlich mal wieder mit jemandem gleichaltrigen Fußball spielen.

Ich nutzte natürlich wieder die Zeit um Schweißarbeiten an Auspuff und Kofferhalterungen durchzuführen, außerdem war der Kabelstrang für die gesamte Heckbeleuchtung komplett durchgescheuert was auch repariert werden musste bevor wir weiter fuhren.

Vor der russischen Grenze
Nach insgesamt elf Tagen erreichten wir die Russische Grenze wo wir uns an einem netten Bach nochmal für zwei Tage etwas ausruhten um die Eindrücke und Erlebnisse der bisher zurückgelegten Strecke verarbeiten zu können. Wir hatten auch mit dem Wetter sehr viel Glück, außer Regen und zweimal Hagelsturm hatten wir durchweg gutes Wetter.

Am 10. Juli wollten wir die Russische Grenze überqueren, wohlwissentlich dass unser Visum für Russland erst ab dem 11. gültig ist, aber ab dem 11. Juli ist die Grenze für drei Tage geschlossen aufgrund des mongolischen Nationalfeiertages „Naadam“. Wie sollte es auch anders sein, schickte uns der Russische Grenzposten wieder zurück in die Mongolei, wir sollen am 14. wiederkommen dann dürfen wir einreisen. Alle Versuche uns doch jetzt schon einreisen zu lassen scheiterten.

Hier verabschiedeten wir uns auch von Bernd, denn er musste weiter, da er früher als wir mit Arbeiten beginnen musste. Wir fuhren wieder zurück zum mongolischen Grenzposten, die erstaunt waren uns wieder zu sehen, reisten wieder in der Mongolei ein und machten es uns auf dem Hof einer Familie in dem kleinen Grenzdorf für die nächsten drei Tage „bequem“.

Wir konnten unser Zelt aufbauen, bekamen Wasser und auch etwas zu Essen. In einem kleinen Geschäft im Dorf versorgten wir uns mit dem nötigsten, leider gab es kein kühles Bier. Mit allem möglichen wie, lesen, Kartenspielen, Tagebuch schreiben, spazieren gehen verbrachten wir die Zeit und waren froh als die drei Tage um waren.

Hier geht es zum zweiten Teil des Reiseberichts „Von Peking auf die Schwäbische Alb“


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