Überm Zaun scheint immer die Sonne

Als sich die Realschule langsam dem Ende zuneigte, musste ich mir Gedanken machen, was nun? Für mich waren eigentlich drei Sachen klar. Erstens: keine Schule mehr, Geld verdienen, unabhängig sein. Zweitens: irgendwas mit Autos. Drittens: sicherer, regionaler Arbeitsplatz. Wenn du diese 3 Begriffe bei Google eingibst dann kommt auf der ersten Seite: Daimler.

Klar, das habe ich gemacht, als ich diesen Beitrag geschrieben habe. Damals habe ich mich mit meinen Eltern, Bekannten und Verwandten unterhalten, worunter auch sehr viele bei Daimler arbeiteten. Jeder hat mir dazu geraten. Dann war eigentlich relativ schnell klar wo die Reise hingehen sollte.

Mercedes-Benz SLK 350 im Kältekanal

Nur eine Bewerbung
Ich weiß heute noch nicht warum, aber ich habe damals lediglich nur eine Bewerbung geschrieben, und diese ging nach Sindelfingen. Einige Monate später saß ich dann mit ca. 20 anderen jungen Leuten in der Werkstatt des Bau 11 in Sindelfingen und begann meine Ausbildung als Kfz-Elektriker. Das war 1997, also vor 17 Jahren.

Erste Station: Kfz-Elektriker
Bis heute habe ich bei Daimler schon einige Stationen durchwandert, hatte auch immer das große Glück, als Kfz-Elektriker eingesetzt zu werden und Vorgesetzte zu haben, die mich förderten. Mit meiner letzten Station war ich sehr zufrieden. Konnte mich als Kfz´ler völlig austoben. Ob elektrische Fehlersuche am Fahrzeug, oder das Wechseln von Motoren, Achsen oder Getrieben. Das war voll mein Ding.

Ich wäre da mit Sicherheit auch heute noch, wenn es nicht eines Tages geheißen hätte „die C-Klasse wird nicht mehr in Sindelfingen gebaut“. Das war natürlich erstmal ein Schock für mich. Was nun? Und das war dann auch das erste mal, dass ich die internen Stellenausschreibungen durchsucht habe.

Gebläse im Klimakanal

Zweite Station: Werkstattmitarbeiter Klimawindkanal
Nach einer Einladung zu einem persönlichen Vorstellungsgespräch, was leider mit einer Absage unter den letzten Vier endete, bin ich einige Wochen später auf die Ausschreibung meiner jetzigen Stelle gestoßen: „Werkstattmitarbeiter in den neuen Klimawindkanälen“ – allerdings wäre das in der Entwicklung.

Man muss dazu wissen, dass hier in Sindelfingen die Produktion (Werk 50) und die Entwicklung (Werk 59) nur durch einen Zaun voneinander getrennt werden. In der Produktion hieß es immer „in die Entwicklung kommt man eh nicht rein“ und „überm Zaun scheint immer die Sonne“. Diese zwei Sätze sind irgendwie bei mir hängen geblieben.

Ich dachte mir, egal probier‘ es einfach und bewirb‘ dich … und Sonnenschein ist ja sowieso was Gutes! Und tatsächlich, ich wurde zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen und ein paar Wochen später dann auch genommen. Ich konnte es kaum glauben.

Dritte Station: Prüfstandführer Klimawindkanäle
Nach ca. 1 ½ Jahren in der Werkstatt bekam ich eines Tages einen Anruf meines damaligen Meisters ich möge doch mal bitte zu ihm in sein Büro kommen. Dort saß er dann zusammen mit meinem Teamleiter und beide hatten so ein komisches Grinsen im Gesicht. Sie boten mir eine freie Stelle als Prüfstandsführer der Klimawindkanäle an. Da musste ich zuerst einmal tief durchatmen.

Nach kurzer Bedenkzeit habe ich diese neue Herausforderung angenommen und bis zum heutigen Tag nie bereut. Ich hatte erst Bedenken, ob das was für mich ist, ob ich diese Aufgabe, die sehr komplex ist, schaffen kann.

Meine Aufgabe besteht darin, den Messingeneuren die äußeren Gegebenheiten zu liefern, die es überall auf der Welt gibt, sodass sie unter reproduzierbaren Bedingungen die bestmöglichsten Ergebnisse erzielen können.

Temperaturen von -40°C bis +60°C, eine relative Luftfeuchte von max. 99,9%, Sonne so hell wie im Death Valley, Schnee, so wie er nur in Schweden aufzufinden ist, oder Regen, wie aus einem Monsun. Dazu können auf unserem Rollenprüfstand Steigungen und Gefälle simuliert werden wobei Wind- und Rollengeschwindigkeiten bis max. 265 km/h möglich sind.

Imagekampagne für Daimler
Eines Tages bekam ich eine Anfrage, ob ich bei einer neuen Imagekampagne von Daimler mitmachen würde. Daimler würde gerne Mitarbeiter in den Fokus rücken, die ihre eigene Geschichte erzählen – und das, ohne zu wissen wie meine Karriere bis jetzt abgelaufen ist.

Mit meiner Geschichte, die ich unter dem Motto „That´s Us“ erzählen darf, möchte ich den jungen Leuten zeigen, was in unserem Unternehmen alles möglich ist. Das was ich bis heute erlebt habe ist ja noch lange nicht alles, was es zu erleben gibt. Zahlreiche Auslandseinsätze sind beispielsweise noch gar nicht dabei.

Und wohin meine „Reise“ geht kann ich auch noch nicht sagen. Es kann meine letzte Station sein, muss es aber nicht. Ich lasse alles auf mich zukommen und versuche jeden Tag mein Bestes zu geben. Ich kann Daimler nur empfehlen, halte das Unternehmen für einen starken, zukunftsorientierten Arbeitgeber mit vielen Möglichkeiten und Wegen seinen richtigen Weg zu finden und sich zu verwirklichen – wenn man will!

Und so scheint für mich im Warmkanal der beiden Klimawindkanäle über dem Zaun die Sonne – auch bei schlechtem Wetter.


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