Gastbeitrag: Aus Stilistik wurde Design – die Kunst der Formgebung

Design [dɪˈzaɪn] – bedeutet Gestaltung oder auch Formgebung. Es ist ein Lehnwort aus dem Englischen, das wiederum aus dem lateinischen designare [dt.:“(be)zeichnen] abgeleitet ist und in viele Sprachen Eingang gefunden hat.

Ohne eine gestalterische Formgebung hätte nichts Künstliches (vom Menschen Erschaffenes) auf der Welt eine Anziehungskraft. Der Mensch möchte gerne getäuscht bzw. angezogen werden und es liegt in seiner Natur sich besondere Formen, Farbgebungen und ein Spiel aus Konturen, Schatten- und Lichtverläufen ansehen zu wollen.

Nicht ohne Grund muss (!) ein jeder eine Mattlackierung anfassen, auch jene Menschen die normalerweise keine so innige Beziehung zum Automobil pflegen. – wer jetzt nein sagt, der ist unehrlich mit sich selbst!

Es liegt in unserer Natur und genau aus jenem Grund werden seit jeher künstliche, vom Menschen erschaffene Güter auch darauf abgestimmt eine besondere Erscheinung darzustellen, eben dadurch auf sich aufmerksam zu machen.

Und nein, das liegt nicht daran weil der Inhalt nicht überzeugen kann und man deshalb auf eine Show setzen muss. Das mag sicherlich für manche Produkte zutreffend sein, aber im Idealfall ist der Inhalt bereits überzeugend und wird nurmehr attraktiv verpackt.

Bei Daimler hieß der Bereich Design bis Anfang der 1990er Jahre noch Stilistik und war anfänglich (bis in die 1970er hinein) auch noch im Bereich Karosserie und Aufbauentwicklung angegliedert. Man kann sich so vielleicht schon vorstellen welch untergeordnete Rolle das Design des Fahrzeugs seinerzeit gespielt hatte und dennoch kommen mit die schönsten Fahrzeuge mit dem Stern aus der Epoche 1950 bis 1980.

Design ist unerlässlich wenn man ein Industriegut verkaufen möchte und hat im Automobilbau eine sehr lange Tradition die bereits auf den Kutschenbau vor vielen hundert Jahren zurückzuführen ist. So waren die ersten Designer so genannte Karossiers die ursprünglich Kutschen bauten und die Fahrgestelle der ersten Automobilhersteller mit Karosserien bestückten.

Besonders herausragende Persönlichkeiten waren bei Daimler-Benz u.a. Friedrich Geiger der neben dem legendären 300SL Flügeltürer (W198) später auch den W116 maßgeblich gestaltet hat – hätten Sie jetzt nicht gedacht oder? Oder aber Paul Bracq, ohne jenen jungen Franzosen gäbe es heute keine große Staatslimousine wie den 600 (W100) oder den wunderschönen S-Klasse Vorläufer 250S-300SEL 6.3 (W108/109) und auch nicht den Mercedes, der das Image der unerschütterlichen Qualität so sehr in aller Welt prägte wie der /8 genannte Mittelklassetyp (W114/115).

Aber an dieser Stelle darf genauso wenig jener Bruno Sacco fehlen der für das Erscheinungsbild des legendären Forschungsauto C111 verantwortlich war und später so erfolgreiche, weil harmonisch auf einander abgestimmte, Fahrzeugtypen der Baureihen BR 126, BR 201, BR 124 und R129 entwarf. Sein letzter großer Wurf war die BR 220.

Heute wird der Bereich Design seit vielen Jahren von Gorden Wageners Handschrift geprägt. Und mittlerweile erkennt man auch sehr deutlich, was ursprünglich mit SLS AMG, der neuen A-Klasse und dem CLA auf die Straße gelassen wurde.

Es entsteht eine erkennbare, weil bewusst so gestaltete, Verwandtschaft unter den einzelnen Baureihen. Das stimmige Gesamtkonzept einer einheitlichen Designsprache die dennoch sichtbare Unterschiede in den verschiedenen Karosseriekonzepten und Klassen zulässt.

Doch nicht nur die Gestaltung der Karosserie ist wichtig für ein schönes Automobil – seine inneren Werte sind ebenfalls wichtig. Sogar wichtiger denn je und heute meist noch mehr kaufentscheidend als die äußerliche Entscheidung.

Als bestes Beispiel kann man an dieser Stelle wohl die neue C-Klasse, die BR 205 anführen. Der Pressetext sagt an dieser Stelle man habe „zwei Generationen übersprungen“ und wer einmal in einem Exclusive oder AMG Line Fahrzeug gesessen oder noch besser gefahren ist, der weiß sofort was gemeint ist.

Alle Materialien sind sorgfältig auf einander abgestimmt, der sportliche und edle Look der aluminisierten Oberflächen (Alubeamlack) spielt mit dem unterschiedlichen Lichteinfall. Die Kunststoffe sind alle vollständig mit weicher, weil hinterschäumter Folie, überzogen und sind so in Griff und Optik (der sogenannten Haptik) höchster Güte entsprechend.

Man merkt, neben der gestalterischen Erscheinung vermischt sich in diesem Bereich schnell das Design mit der Materialgüte, denn nur wenn eine Form etwas verspricht und deren Material es auch hält, fühlt der Kunde sich wohl und bestätigt in seinem Gefühl etwas preiswertes (eben seinen Preis wert sein) erworben zu haben.

Mercedes-Benz C-Klasse Limousine (W205) 2013

Wie groß die Überlegungen bei Mercedes in diesem Bereich sind, sieht man an so feinen Details wie dem „Designer-Klick“ der runden Lüftungsdüsen der C- und S-Klasse wenn man diese verstellt. Eine hochwertige Kugelgelagerte Mimik sorgt für diesen wertvollen Griff mit akustischer Rückmeldung. Auch bei so feinen Details wie dem aus echtem Metall gefertigten COMAND Dreh-Drücksteller oder dem fein geschwungenen Touchpad-Sockel.

Seit einigen Jahren widmet sich auch – endlich – ein Team um Designer und Konstrukteure um den Bereich des Lichtdesigns. Lange Zeit musste man den Eindruck haben dieser Bereich der Wiedererkennung und des heute auch sehr wichtigen Nachtdesigns des fahrenden Autos sei bei Mercedes nicht von sonderlich großem Interesse. Heute wird man eines besseren belehrt!

Um nur ein paar Beispiele zu nennen: Welcome-Home Funktion in der neuen C-Klasse (BR 205) mit ILS Scheinwerfer (auch im neuen CLS und der neuen B-Klasse erhältlich und nach und nach auch in weiteren Baureihen), der Wagen empfängt mit einer blauen Lichtinszenierung seinen Besitzer. So etwas sucht seines Gleichen!

Genau wie die fein geschwungenen Lichtschlangen mit 3D-Effekt der Heckleuchten. Gewiss, Erfinder der Lichtelemente die durch LED gespeist war kein Schwabe, aber die konsequente Umsetzung über sämtliche Baureihen hinweg, das zeigt wieder diese Homogenität. Man erkennt nachts bereits von weitem ob vor einem ein Mercedes fährt oder nicht.

Last but not least muss an dieser Stelle der noch der neue Swarovski-Scheinwerfer des S-Klasse Coupés (BR 217) genannt werden. Hier werden echte Glas-Kristalle der weltbekannten Marke als Optikelemente über den LEDs platziert und sorgen so einerseits für die vom Gesetzgeber geforderten Abstrahlwinkel, aber eben auch für ein ganz besonderes Funkeln der Scheinwerfer an sich – egal ob nun die Funktion eingeschaltet ist oder Wagen bloss parkiert irgendwo steht.

Ein fester Bestandteil dieses tollen und wertvollen Designs der neuen Mercedes Modelle ist auch die Integration der weltweit verteilten Advanced Design Centers.

Gerade bei der neuen C-Klasse haben die Kollegen im Center Como maßgeblichen Anteil gehabt, nicht zuletzt bei der Entscheidung der Materialauswahl und deren Form- und Farbgebung. Bleibt zu hoffen das diese Zusammenarbeit weitere Früchte trägt!

Hätten Sie zum Beispiel gewusst, dass bei der Sonderausführung des Zierteils Esche schwarz offenporig zunächst ein weisser Lack unter hohem Druck in das Furnier gepresst wird, dieses danach abgeschliffen wird und erst im Anschluss die schwarze Beize aufgebracht wird? Dies hat den einfachen Sinn und Zweck die feine Maserung der Esche bei dem dunklen Farbton brillanter in Erscheinung treten zu lassen – welch Aufwand doch hinter manch kleinem Detail steckt.
Weiter so!


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