Auslandspraktikum Türkei – Hoş Geldiniz Istanbul’a

Nach einer langen Planungsphase startete Ende Juli 2014 mein Flugzeug Richtung Türkei. Mein Ziel, nicht etwa ein Strand an der türkischen Riviera, sondern der Daimler Buses Standort, Mercedes-Benz Türk A.Ş. in Istanbul. Mein Name ist Lukas Haas. Im Rahmen meines Dualen Studiums bei der EvoBus GmbH in Neu-Ulm hatte ich die Möglichkeit einen Praxiseinsatz an einem ausländischen Standort zu absolvieren.

Ich musste nicht lange überlegen. Eine andere Kultur, einen anderen Tagesablauf und einen anderen Standort kennenlernen, diese Erfahrung möchte ich unbedingt machen. Hinzu kommt die Möglichkeit die Stadt zu besichtigen, neue Bekanntschaften zu machen,

sowie meine Sprachkenntnisse in Englisch zu verbessern und ein wenig Türkisch zu lernen. Ich studiere nach dem sog. „Ulmer-Modell„, wobei ich in 4,5 Jahren Ausbildungszeit die Ausbildung zum KFZ-Mechatroniker, sowie ein Studium an der Hochschule Ulm, Fachrichtung Fahrzeugelektronik absolvieren werde.

Mercedes-Benz Türk

Wie schmeckt das Essen?

Im Vorfeld machte ich mir einige Gedanken dazu, wie mein neues Arbeitsumfeld wohl so sein könnte. Wie wird mein Arbeitsplatz aussehen? Sprechen die Kollegen nur türkisch? Und das Wichtigste: Wie schmeckt das Essen?
Bei meinem ersten türkischen Çay (Tee) lernte ich meinen Teamleiter Thomas Bäro kennen. Für die nächsten Wochen konnte ich in der Abteilung DB/S-EAK (Daimler Buses/Systeme – Elektrik-Aufbau / Komfort) mitarbeiten.

Das Team arbeitet hauptsächlich im Rahmen von Serienbetreuung und der Bearbeitungen von Kundensonderwünschen und besteht aus 8 internen, sowie  4 externen Mitarbeitern. Ich wurde schnell bei meinen neuen Kollegen integriert und so konnte ich bereits nach der ersten Mittagspause meine ersten türkischen Wörter: „Merhaba“, „Afiyet Olsun“ & „Teşekkürler“.

Ich bekam einen eigenen Schreibtisch mit Telefon, PC mit türkischer Tastatur und sogar einen Service, den ich aus deutschen Abteilungen nicht kannte. Hier servieren zwei Kellner über den ganzen Tag verteilt den türkischen Çay oder Türk Kavesi (türkischer Mokka).Zu meinen Aufgaben gehörte das Einarbeiten in ein bestehendes Projekt bezgl. Elektronikarchitekturen, bei dem ich einen Kollegen unterstützen konnte. Zusätzlich hatte ich die Möglichkeit anderen Kollegen über die Schulter zu schauen, z.B. bei der Erstellung eines Lastenheftes oder der Programmierung einer kundenspezifischen Software.

Hier am Standort werden hauptsächlich 3 Sprachen gesprochen: Türkisch, Englisch und Deutsch. Mit Kollegen redete ich Englisch, was mich innerhalb der 3 Monate sprachlich sehr viel weitergebracht hat.

Das faszinierende am Standort Istanbul ist, dass die Fertigungstiefe in der Produktion extrem hoch ist. Die Fabrik verfügt über eine Teilefertigung, Karosseriebau, Lackierung mit KTL (Kathodische-Tauch-Lackierung), Montage, Stuhlbau und Finish. Da ich bereits in Neu-Ulm in der Produktion meine Ausbildung gemacht habe, fielen mir hier in der Türkei sehr viele Parallelen in der Fertigung auf. Vor Allem die Stationen in der Montagehalle sind sehr ähnlich. Die Modelle die hier gefertigt werden, sind u.a. der Mercedes-Benz Travego, Tourismo, Intouro, Citaro & Conecto, sowie der Setra UL Buisness.

Mercedes-Benz Travego

Gleich zu Beginn des Praktikums wurde mir bei der Suche nach dem richtigen Shuttle-Bus für den Transport zur und von der Arbeit geholfen. Auch bei allen anderen Fragen rund um meinen Aufenthalt unterstützten die Kollegen mich, wie beim stundenlangen Studieren des Fahrplans für U-Bahn und Busverbindungen.

Das Arbeitsklima unter den Kollegen ist super

In den Pausen sitzt man zusammen im Innenhof des Entwicklungsgebäudes, welcher eigentlich kein richtiger Hof ist, sondern eher einer kleinen „Oase“ mit Palmen und Blumen gleicht. Dabei unterhält man sich über alles Mögliche. Hierbei stand mein Türkisch-Unterricht immer an erster Stelle.

Nicht nur der Innenhof, sondern der komplette Standort wird aufwändig gepflegt. Man sieht hier jeden Tag die Jungs vom Gärtnerteam die Hecke schneiden oder den Rasen mähen und bewässern. Die Grünflächen gleichen einer Parkanlage, in welcher immer zahlreiche Mitarbeiter unter Palmen ihre Pausen verbringen. 

Generell wird in der Türkei sehr viel Wert auf das Wohl der Mitarbeiter gelegt, so wird ihnen z.B. kostenfrei ein Sportzentrum für den Feierabend zur Verfügung gestellt, wie auch das Mittagessen in der Kantine. In der Türkei ist es gesetzlich vorgeschrieben, dass größere Firmen einen kostenlosen Shuttle-Bus für ihre Mitarbeiter anbieten. Diese Busse (MB Sprinter & Reisebusse) stehen nach Feierabend an der Pforte und fahren um Punkt 17:30 (keine Sekunde früher oder später) in die verschiedenen Stadtteile von Istanbul.

Für einige Kollegen, die im asiatischen Teil der Stadt wohnen, sind Fahrtzeiten von 1-2h, je nach Verkehr, vollkommen normal. Ich wohnte in einem Hotel im Stadtteil Beylikdüzü. Dadurch war ich zwar unter der Woche nach 20min. zu Hause, benötigte aber am Wochenende ca.1,5h bis ins Zentrum. Morgens hatte ich das Glück, dass mein Service-Bus direkt durch meine Straße gefahren ist und ich nur noch aufspringen musste.

Die Fahrt ins Zentrum mit dem Metrobus war aber immer sehr interessant, da ich oft mit anderen Fahrgästen ins Gespräch kam. Eine für mich persönlich wertvolle Erfahrung konnte ich in einem Gespräch mit einem Mann aus Syrien machen. Er erklärte mir, warum er hier sei und dass er wegen des Krieges nicht zurück in sein Heimatland könne.

Metrobus-Station

Nicht nur in Alltagssituationen, sondern auch im Arbeitsleben der Türken sammelte ich Eindrücke & Erfahrungen.

So konnte ich in einem Team-Meeting teilnehmen, das auf Deutsch begonnen wurde, zwischenzeitlich des Öfteren ins Englische wechselte und zum Schluss auf Türkisch beendet wurde. Für mich als „Kulturfremder“ erschien das Gespräch zunächst wie bei einem Verhandlungsgespräch auf dem Basar: alle redeten gleichzeitig und sehr laut, aber am Ende konnte man das Gespräch erfolgreich abschließen.Das witzige hierbei war, dass während der türkischen Unterhaltung immer wieder deutsche Wörter, wie „Nebelschlussleuchte“, „Blinker“, „Steckverbinder“ oder „Kundensonderwunsch“ zu vernehmen waren.

Außerhalb der Arbeitszeiten hat die 15-Millionen Metropole natürlich noch viele Dinge, die nur darauf warten erlebt zu werden.

An den Wochenenden war ich selten alleine unterwegs. Meine Kollegen, die ziemlich schnell zu guten Freunden wurden, zeigten mir jedes Wochenende die schönsten Seiten von Istanbul.

Zu meinen Highlights gehörte ein Ausflug auf die Prinzen Inseln. Dort sind Autos verboten, man sieht hier nur Elektroroller und Pferdekutschen. Ja, ich war durchaus selbst von mir überrascht, dass ich mich irgendwann einmal mehr auf Kutschen freuen würde, als auf Autos. Das war zum gewohnten Stadtbild sehr angenehm, da nicht ständig Gefahr im Verzug, in Form von gestressten Autofahrern, war.

Während meines Praktikums hatte ich mir zur Aufgabe gemacht, so viele neue, unbekannte Gerichte wie möglich auszuprobieren.

Dazu gehörte das absolute Muss bei jedem Istanbul Besuch, der Balık Ekmek (gegrillter Fisch im Brot). Weitere kulinarische Highlights wie Iskender, Börek, Pide, Dürüm und das türkische Eis habe ich ausgiebig getestet.

Dann waren da auch noch sehr leckere Gerichte, deren Namen ich weder aussprechen, noch mir merken konnte. Am Abend ging ich häufig in ein nahe gelegenes Einkaufszentrum. Dort hatte ich die Möglichkeit ins Kino zu gehen, zu shoppen und den gesamten Food-Court im obersten Stock auszuprobieren. Regelmäßig besuchte ich auch meinen Fitnesscoach im Gym.

Vielen Dank an das gesamte Team/Freunde für diese Zeit.

Leider vergingen die Wochen in Istanbul wie im Flug. Für mich persönlich nehme ich aus dieser Zeit viele neue Freundschaften, Erfahrungen und Einblicke in die türkische Kultur mit nach Hause. Ich habe die Türken als sehr gastfreundlich, hilfsbereit und aufgeschlossen kennengelernt.

Ausblick vom Galata Turm


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