Gastbeitrag: Tierrettung – Einsatz im Werk Untertürkheim

Tierrettung Mittlerer Neckar im Einsatz im Werk Untertürkheim

Seit September bin ich ehrenamtlich bei der Tierrettung Mittlerer Neckar tätig. Kennengelernt habe ich das Tierrettungs-Team, als ich für einen Zeitungsartikel als Redakteurin mit ihnen unterwegs war. Ich treffe in meinem Beruf viele interessante und engagierte Menschen – aber die Tatkraft von Jürgen Völker und seinem Team haben mich mehr als beeindruckt. Selten habe ich Menschen kennengelernt, die sich derart uneigennützig für eine Sache einsetzen und aufopfern. Warum ich das in diesem Blog vortrage? Erst kürzlich wurde die Tierrettung von der Werkfeuerwehr der Daimler AG, Werk Untertürkheim, zu in Not geratenen Entenküken gerufen. Aus diesem Grund möchte ich unsere Arbeit an dieser Stelle vorstellen und auch darüber berichten, was aus den Entenküken geworden ist. Doch nochmal kurz zurück zu meinem Weg zur Tierrettung: Die Zeit, die ich für den Artikel mit dem Team unterwegs war, war sehr interessant und spannend. Wir haben uns auch alle auf Anhieb gut verstanden. Da ich selber ein Haustier habe – Franzi, eine Berner-Senner-Husky-Dame – hatten wir viel Gesprächsstoff. Bis zu dem Tag, als ich zum ersten Mal von der Tierrettung gehört hatte, hatte ich mich so oft gefragt, was ich denn eigentlich machen würde, wenn sich Franzi unterwegs beim Gassi gehen verletzen würde. Einen 35 Kilo Hund trägt man nicht mal schnell zum nächsten Tierarzt. Diese Sorge bin ich glücklicherweise los.

Die kleinen Küken haben die Rettung gut überstanden.

Irgendwann fragte mich Jürgen Völker, der Chef der Tierrettung, ob ich nicht bei ihnen mitmachen möchte. Meine Antwort: Ich glaube ich kann das nicht. Weil ich es nicht ertragen könnte, ein schwer verletztes Tier sterben zu sehen, gab ich als Begründung an. Jürgen überlegte kurz und sagte dann zu mir: Wenn man etwas nicht ausprobiert, kann man doch nicht sagen, dass man es nicht kann. Und damit hatte er absolut Recht. Wie oft drückt man sich vor etwas, weil man denkt man kann es nicht? Weil man Angst davor hat versagen oder scheitern zu können? Weil man denkt man bekommt es zeitlich nicht unter? Zu oft, dachte ich mir schließlich und meine Entscheidung stand fest. Am nächsten Tag sagte ich der Tierrettung mein ehrenamtliches Engagement zu.

Mittlerweile bin ich ausgebildete Tierunfallsanitäterin und befinde mich mit sieben Kolleginnen und Kollegen in Ausbildung zur Tierrettungssanitäterin. Ich hatte in den vergangenen Monaten Einsätze, bei denen ich ein Tier seinem überglücklichen Besitzer zurückbringen konnte, aber ich hatte auch Einsätze, bei denen ich zusammen mit dem Besitzer sein verstorbenes Tier beweint habe. Alles in allem muss ich aus heutiger Sicht sagen: Ich kann das. Und ich mache das von Herzen gern. Zwar gehen mir – und das gilt für das gesamte Team – manche Ereignisse nach wie vor an die Substanz, aber das wiegen die Fälle mit Happy End weitgehend auf. Und letztendlich muss man sich für das, was einem wichtig ist einsetzen: Für uns ist es, in Not geratenen Tieren zu helfen. Zusammen mit dem Team kümmere ich mich um Fundtiere, verunfallte, verletzte und kranke Tiere. Größtenteils handelt es sich dabei Haustiere, mitunter sind aber auch Wildtiere dabei. Wir führen die Erstversorgung durch und transportieren das Tier – wenn nötig – zum Tierarzt oder in eine naheliegende Tierklinik. Wir übernehmen aber auch Fahrten zum Tierarzt – zum Beispiel für Tierhalter, die keinen Führerschein haben. Wir versorgen Tiere außerdem medizinisch, wenn ihnen etwa zuhause per Infusion Medikamente verabreicht werden müssen. Alles in allem, versuchen wir, die Lücke zwischen Notfall und Tierarzt zu schließen, um zu vermeiden, dass ein Tier unnötig lange leiden muss.

Unser starkes Team.

Jürgen und seine Frau Lenore sind rund um die Uhr einsatzbereit. In Bereitschaftsdiensten unterstützen wir die beiden wo wir nur können. Mit unserem – von der Humanmedizin ausrangierten – Rettungswagen, zwei weiteren Einsatzfahrzeugen und den privaten Pkws der Tierretter sind wir bei Notfällen zu jeder Tag und Nachtzeit zur Stelle. Die Fahrzeuge, auch einige der privaten, sind ausgestattet mit Transportbox, Fangnetz, Maulkörben, Chiplesegerät, einem Erste-Hilfe-Koffer, und noch vielem mehr. Unser Einsatzgebiet umfasst den Landkreis Esslingen, Teile des Rems-Murr-Kreises und erstreckt sich bis Göppingen. Wir arbeiten mit vielen Tierärzten und Tierheimen in der Region gut zusammen, sowie auch mit Polizei und Feuerwehr.

Und so wurden wir vor einigen Wochen auch von der Werkfeuerwehr vom Daimler-Werk Untertürkheim zu Hilfe gerufen: Eine Entenmutter wurde von einem Erpel derart bedrängt, dass sie irgendwann klein bei gab und mit ihm „durchbrannte“. Ihre neun Küken ließ sie auf dem Werkgelände zurück. Ohne Mutter haben die Entenbabys keine Überlebenschance. Leider waren drei der Küken bei unserem Eintreffen in Untertürkheim bereits tot. Sie hatten einen Sturz vom Dach nicht überlebt. Die restlichen sechs Entchen wurden von der Werkfeuerwehr in unsere Obhut übergeben. Vier mussten vor Ort mit Infusionen behandelt werden. Da die Kleinen stark unterkühlt waren, packten wir sie umgehend unter eine Rotlichtlampe.

Erst einmal ein Bad.

Zwei verstarben in der ersten Nacht. Eine meiner Kolleginnen nahm sich liebevoll der Küken an. Leider ist in ihrer Obhut noch ein weiteres verstorben. Die drei waren einfach zu schwach. Doch die drei übrigen Küken haben sich mittlerweile zu stattliche Enten entwickelt: Bertha, Carl und Mercedes, wie wir sie anlässlich des Fundorts getauft haben, entwickeln sich prächtig. Und sie sind inzwischen große Vorbilder für sechs weitere, von uns adoptierte, kleine Enten. Sobald auch die sechs Nachzügler soweit sind, werden wir sie gemeinsam mit Bertha, Carl und Mercedes in die Freiheit entlassen. Insgesamt haben wir dieses Frühjahr 21 Enten großgezogen. Ich freue mich sehr, dass die Küken es geschafft haben, was ohne das Engagement meiner Kollegin, die sich ohne zu Überlegen, als Pflegemama angeboten hat, nicht möglich gewesen wäre.

Allen geht es gut.Ich freue mich, dass es dem Unternehmen Daimler und seiner Werkfeuerwehr ein Anliegen ist, sich um Tiere in Not zu kümmern. Ein riesen Dankeschön an dieser Stelle für die wirklich tolle Zusammenarbeit! Die in Not geratenen Entenküken waren schließlich nicht unser erster Einsatz auf Daimler-Gelände. Leider ist es nicht für alle Menschen selbstverständlich, Tieren in Notsituationen zu helfen. Diese Erfahrung müssen mein Team und ich bedauernswerterweise oft machen. Manchmal liegt es daran, dass Menschen schlicht und einfach nicht wissen, wen sie in so einem Fall anrufen können. Leider gibt es aber auch Menschen, die Tiere nicht als uns ebenbürtige Lebewesen betrachten und sie ihrem Schicksal überlassen. Andere wiederum schauen einfach weg. Doch: Nach dem Tierschutzgesetz darf man ein Tier nicht leiden lassen. Es ist mir und meinem Team ein Anliegen, Menschen darüber aufzuklären, wie sich in einem tierischen Notfall richtig verhalten. Deshalb sind wir auch regelmäßig in unserem Einzugsgebiet mit Infoständen unterwegs, mit denen wir versuchen, für dieses Thema zu sensibilisieren und Hilfestellungen zu geben. Auch bieten wir regelmäßig Erste-Hilfe-Kurse für Tiere an.

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Über die Autorin:
Jennifer Reich engagiert sich mit Leib und Seele beim ehrenamtlichen Verein Tierrettung Mittlerer Neckar. Über die gute Zusammenarbeit mit der Daimler Werkfeuerwehrin Untertürkheim konnten im Laufe der Jahre schon oft Tiere aus gefährlichen Situationen befreit werden.


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