Partnerbetrieb des Spitzensports

Haben Sie schon einmal etwas von der Initiative „Partnerbetrieb des Spitzensports“ gehört? Vermutlich die wenigsten von Ihnen. Sportförderung – hmmm… davon liest, sieht und hört man tatsächlich relativ wenig in den Medien. Das soll sich nun ein wenig mit diesem Blogbeitrag ändern.

Das deutsche Sportsystem ist, liebevoll formuliert, in der Tat ausbaufähig. In der Wirtschaft vergleicht Deutschland sich mit anderen Ländern und Daimler sich mit anderen Unternehmen. Warum sollte man dann nicht auch die deutsche Sportförderung mit dem System in anderen Ländern vergleichen dürfen. Doch in Deutschland fehlt es sowohl an Geld für die Spitzensportler, als auch für qualifizierte Trainer.
Es gibt nur wenige Konzepte und die Strukturen sind mehr als veraltet. Nachwuchsförderung? Fehlanzeige!  Viel zu wenige junge Menschen werden für den Spitzensport motiviert. Dies sollte schon in der Schule geschehen, doch es fehlt an Motivation, Vielfalt und guten Sportanlagen.

Wo sind die Lehrer, die sich engagieren? Wo das Geld für AGs oder Förderprogramme? Zwar hat der Leichtathletikverband einen Etat zur Verfügung, doch ich habe das Gefühl, dass beim Athleten selbst einfach zu wenig davon ankommt. Dabei gibt es rund um den Sport beträchtliche Ausgaben: um zu den Wettkämpfen zu kommen zum Beispiel, brauche ich meistens ein Auto, also auch Benzingeld. Hinzu kommen Ausgaben für Trainingslager, Trainer und Sportbekleidung. Das alles sind feste Ausgaben, die fast monatlich anfallen. Dennoch wollen die Menschen in Deutschland während den Olympischen Spielen erfolgreiche deutsche Sportlerinnen und Sportler im Fernsehen sehen. Dafür müssen diese konsequent gefördert und unterstützt werden – aber wie?

In diesen Sekunden vor dem Start entscheidet sich alles.

Ich hatte das große Glück, meine Ausbildung zur Industriekauffrau bei der Daimler AG im Werk Sindelfingen zu machen und so die Initiative „Partnerbetrieb des Spitzensports“ kennenzulernen. Daimler ist Mitglied dieser Initiative und so war es mir möglich meinen Sport trotz Ausbildung und später neben dem Beruf nicht aufgeben zu müssen. Während dieser Ausbildungszeit habe ich wöchentlich rund 40 Stunden gearbeitet – trotz 35h-Vertrag, um Gleitzeit aufzubauen für mögliche Wettkämpfe und Trainingslager. Hinzu kam die Unterstützung der Daimler AG im Rahmen dieser Initiative.

Die Daimler AG geht als Vorbild für andere Unternehmen hier die ersten Schritte in die richtige Richtung. Meiner Meinung nach muss man sich als Spitzensportler auch Gedanken über ein Leben nach dem Sport machen. Viel zu schnell kann die sportliche Karriere durch eine Verletzung vorbei sein. Es ist wichtig, eine berufliche Perspektive nach dem Sport zu haben. Seit dem erfolgreichen Abschluss meiner Ausbildung im Januar, arbeite ich daher Teilzeit im Personalbüro, kümmere mich dort beispielsweise um die Zugriffsverwaltung für die Personalakte (eAkte) oder das Personalmanagementsystem (ePeople). Derzeit arbeite ich montags 9-10 Stunden und von Dienstag bis Freitag rund 4 Stunden pro Tag.

Nach 9-10 Stunden getaner Arbeit ist der Tag für mich aber noch lange nicht vorbei, denn danach geht’s zum Training. Sich nach so einem langen Tag noch zum Trainieren zu motivieren ist natürlich mitunter schwierig. Doch ich habe große Ziele und will es vielleicht sogar bis zu den Olympischen Spielen schaffen. Bei der ISTAF 2013 in Berlin habe ich schon erfolgreich teilgenommen, ein Höhepunkt meiner bisherigen Laufbahn. Die zeitliche Belastung eines Spitzensportlers ist sehr hoch, aber ich liebe meinen Sport und weiß: „von nichts, kommt nichts.“ Deswegen sieht ein beispielhafter Tagesablauf bei mir so aus:

Beim Training.

05.00 Uhr:                  „Oh Wecker klingelt“: Aufstehen
06.30Uhr:                    Arbeitsbeginn
15.30 Uhr:                   Arbeitsende
17.00 Uhr:                   Trainingsbeginn
20.00 Uhr:                   Trainingsende
20.30 Uhr:                   Physiotherapie
21.00 Uhr:                   Ankunft zu Hause – „endlich“
22.00 Uhr:                   Es klingelt an der Haustüre: „Dopingkontrolle“ Ja, als Spitzensportler gehört das dazu.
23.00 Uhr:                   Nun ist auch mein Tag vorbei: Schlafenszeit

Natürlich sind 2,5 Std Training am Tag, 6 Tage die Woche viel, doch der Sport gehört zu meinem Leben dazu und Sonntag ist dann selbst bei mir Ruhetag, damit Familie und Freunde nicht zu kurz kommen. ;-)

Solche Spitzenleistungen im Sport, aber auch in Wirtschaft und Gesellschaft entstehen nicht von alleine. Sie setzen das Engagement vieler Menschen voraus, die alle nach bestmöglicher individueller Leistung streben. Um die Arbeits- und Trainingsbedingungen zu erfüllen, müssen die Spitzensportler von einem ganzen Netzwerk unterstützt werden. Zu diesem Netzwerk gehören: Eltern, Trainer, Trainingsgruppe, Trainingsbedingungen, Physiotherapeuten, Ärzte. Aber auch finanziell benötigen sie Unterstützung. Daher muss ebenfalls der Arbeitgeber zu diesem Netzwerk gehören. Er unterstützt die Athleten beispielsweise durch folgende Punkte: Streckung der Ausbildungszeit, Teilzeitausbildung, flexible Arbeitszeit- und Entgeltregelungen, Aussetzung des Vertrags bei Gewährleistung des Wiedereinstiegs und Sonderurlaub für Wettkämpfe und Trainingslager.

Jede Sekunde zählt!

Ich persönlich profitierte während meiner Ausbildungszeit durch flexible Arbeitszeitregelungen und Sonderurlaub. Meine Kollegen haben dafür vollstes Verständnis und stehen hinter mir. Natürlich mussten die schulischen Leistungen in der Berufsschule stimmen. Diese Initiative war wirklich ein Glücksfall für mich! Allerdings denke ich, sollte viel mehr Werbung gemacht werden, damit auch andere Unternehmen in diese Initiative einsteigen und Spitzensportler in Ihrer Ausbildung unterstützen – so wie die Daimler AG.

Weitere Informationen unter:
http://www.partnerbetrieb-spitzensport.de/home/


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