More Mobility: Warum ich auf verschiedene Weisen Gas gebe

Fahrhilfen ab Werk – More Mobility

Wie Ihnen hoffentlich bekannt ist, bietet Mercedes „Fahrhilfen ab Werk“ für mobilitätseingeschränkte Menschen an. Dies sind Hilfsmittel, die zum Beispiel Rollstuhlfahrern oder Amputierten ermöglichen selber Auto zu fahren und in den Genuss zu kommen, das Mercedes-Benz-Fahrgefühl selbst zu erleben. Denn die Freiheit zu besitzen dorthin zu fahren, wohin man will, ist gerade für einen Menschen mit einer körperlichen Beeinträchtigung besonders wichtig. Zu den Fahrhilfen zählen zum Beispiel verschiedene Handgasgeräte, Lenkraddrehknauf und schwenkbare Sitze. In meinem Fahrzeug sind zum Beispiel folgende Fahrhilfen eingebaut:

Ein Lenkraddrehnknauf, mit dessen Hilfe ich schnell das Lenkrad drehen kann, obwohl ich nur mit einer Hand lenke. Denn die andere Hand bedient das Handgasgerät Multima II, welches ich zum Beschleunigen und Bremsen benötige.  Das Bediengerät ist mit dem Gas-und Bremspedal verschraubt und funktioniert folgendermaßen: wenn ich den Gashebel abwärts bewege, gebe ich Gas, wenn ich den Hebel nach vorn drücke, bremse ich. Die Fußfeststellbremse betätige ich mit einem Handhebel. Vor den Pedalen befindet sich die Pedalabdeckung, welche aber jederzeit abgenommen werden kann, damit auch ein „Fußgänger“ das Auto ganz normal fahren kann.

Eine weitere Besonderheit ist, dass der Wagen mit zwei Gaspedalen ausgestattet ist. Wenn zum Beispiel jemand mit dem rechten Bein Probleme hat oder gar eine Amputation dieses Beines hatte, kann er einfach einen Klipschalter umlegen und das Fahrzeug mit Hilfe des Linksgas fahren. Wenn dann zum Beispiel die Partnerin fahren möchte, kann man mit Hilfe des Klipschalters das Ganze einfach wieder auf „Normalbetrieb“ umstellen und wieder mit dem herkömmlichen Gaspedal auf der rechten Seite fahren.

Das gesamte Thema Fahrhilfen steht unter der Überschrift More Mobility. Hierfür wurden an bestimmten Zweigstellen der Daimler AG  More Mobility Center eingerichtet. Hier sind speziell ausgebildete Verkäufer tätig, die sich bestens mit der Thematik Fahrhilfen auskennen. Um More Mobility im Norddeutschen Raum  bekannter zu machen, verstärke ich das Mercedes Benz Team seit einigen Wochen. Meine Aufgabe wird es sein, die Zielgruppe auf unsere Produkte aufmerksam zu machen (z.B. auf Sportveranstaltungen, Messen oder direkt in Kliniken), erste Beratungsgespräche zu führen und gemeinsam mit dem More Mobility Verkäufer unserem Kunden das perfekte Fahrzeug an zu bieten. Bei diesem Verkaufsgespräch übernimmt unser Verkäufer den Part, wenn es um die Fahrzeugauswahl und die Konfigurierung des Fahrzeugs angeht. Wenn es dann um die speziellen Fahrzeughilfen geht, berate ich den Kunden. Falls wir vorher schon wissen, dass der Kunde Umbauten benötigt, die wir nicht in unserem Portfolio haben, holen wir einen externen Umbaupartner dazu, der dann mit uns gemeinsam den Kunden berät. Unsere Zielgruppe reicht von jung bis alt und von Selbstfahrer bis Mitfahrer. Besonders zu beachten ist meiner Meinung nach, dass diese Zielgruppe als ganz „normaler“ Kunde zu behandeln ist. Sicher gibt es einige spezielle Dinge die zu beachten sind, aber nichts ist für einen Rollstuhlfahrer schlimmer, als wenn ein laufender Mitmensch in die Hocke geht, um bei einem Gespräch auf gleicher Höhe mit dem Kunden zu sein. Ich kann den Verkäufern nur den Tipp geben, verhalten Sie sich ganz natürlich und locker, dann wird der Kunde es genauso tun.

Da ich selbst im Rollstuhl sitze, ist es mir ein besonderes Anliegen, dass meine Gleichgesinnten optimal beraten werden und ein Fahrzeug bekommen, in dem sie sich rundum wohlfühlen können. Vor allem das Thema rund um das Fahrzeug liegt mir besonders am Herzen. Denn viele Betroffene wissen gar nicht, wo sie sich hinwenden können und wo sie Hilfe herbekommen. Hier möchte ich Abhilfe schaffen, und meinen Kunden direkt an die richtigen Stellen bzw. Personen weiterleiten. Sozusagen das Rundum-Sorglos-Paket!

Ich bin stolz auf meine Leistung. Copyright: Jens Jarmer/BUKH Aber nun ein paar Informationen zu mir: Ich bin 24 Jahre alt. Seit einem Fehler während einer OP im Kleinkindalter sitze ich im Rollstuhl. Das klingt jetzt sicher tragisch, ist für mich aber gar kein Problem. Denn so bin ich praktisch mit meiner Behinderung/Einschränkung aufgewachsen und habe es nie anders kennen gelernt. Somit ist es viel einfacher, als mitten im Leben zu stehen und dann einen schweren Unfall oder Krankheit zu haben und dann sein gesamtes Leben umkrempeln zu müssen. Ich für meinen Teil kann nur sagen, ich bin glücklich so wie es ist, was vor allem an meiner bezaubernden Verlobten, meiner Familie und meinem Sport liegt. Seit fast 13 Jahren spiele ich Sledge-Eishockey. Dies ist Eishockey für Menschen mit einer Einschränkung der unteren Extremitäten wie z.B. Querschnittlähmung oder Amputation. Das Spielfeld und die Spielregeln sind mit dem „Läufer-Eishockey“ identisch. Nur die Fortbewegung findet hier auf einem Schlitten und mit Hilfe von zwei Schlägern statt. Der Schlitten besteht aus einer Sitzschale, einem Metallrahmen und einem Kufenblock, an dem zwei Kufen parallel befestigt sind. Das Kurvenfahren bei uns hat ein Freund mal mit dem Fahren einer Kurve mit dem Motorrad verglichen.  Die beiden Schläger sind ca. einen Meter lang und an deren Ende sind Spikes befestigt. Diese rammen wir ins Eis und schieben uns so vorwärts.

Neben den Reisen zu Ligaspielen, Trainingslager und Turnieren mit der Nationalmannschaft bleibt einem nicht viel Zeit für andere Hobbys. Aber wer kann schon einen Europameistertitel, einen Weltmeistertitel und einen vierten Platz bei den Paralympics sein eigen nennen?

Action auf dem Eis.

Nun hoffe ich, neben der erfolgreichen Zeit im Sport auch eine erfolgreiche berufliche Laufbahn einschlagen zu können und bedanke mich herzlich bei der Daimler AG, die mir die Chance gibt, mich beruflich zu verwirklichen und gleichzeitig meinen Brüdern und Schwestern im Geiste etwas Gutes zu tun und ihnen zu mehr Mobilität zu verhelfen.

Oder wie ich es in meiner Bewerbung geschrieben hatte: Hin zu mehr Mobilität!


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