Mein Weg zum Daimler Praktikum in Alabama

Es ist Anfang 2013- Ich schaue auf meinen Studienplan für die nächsten Semester und was erblicke ich? In knapp einem Jahr steht ein Praktikum auf dem Programm! Seitdem ich vor einem Jahr nach der Ausbildung zum Bankkaufmann mein Studium aufgenommen habe, ist die Zeit nur so verflogen und in weiteren verschwindend geringen 12 Monaten soll ich also den Lehrstuhl der Uni gegen den Bürostuhl eines potentiellen Arbeitgebers tauschen.

Na gut! Ich habe den sicheren Hafen der Finanzinstitute ja nicht umsonst verlassen ( Ja ich weiß, in Zeiten der Finanzkrise klingt das wie pure Ironie), ich möchte neue Erfahrungen machen und andere Branchen kennenlernen. Und das Ziel ist klar – Die Automobilindustrie. Da ich „Vitamin B“ nur aus der Apotheke kenne, heißt es also die Suche beginnt bei null.

Auf zur Jobmesse

Weil ich mir aber den Standardbewerbungsprozess bei Premiumautomobilfirmen ungefähr so überlaufen vorstelle, wie die die Toilette am Rosenmontagszug (viel zu viele Menschen wollen rein und das was übrig bleibt möchte man nicht wirklich haben), fasse ich die Entscheidung, mir etwas anderes zu überlegen. Mein Vater hat immer gesagt „Es geht nichts über einen ehrlichen Händedruck, Jung’“ – sich persönlich vorstellen, das ist die Idee.

Doch bei riesigen Konzernen ist das leichter gesagt, als getan. Also werden Jobmessen gegooglet. Stuttgart ,München Ingolstadt- auf den dortigen Messen sind sie zu Hauf vertreten nur in meiner Region ist die Präsenz meiner Traumarbeitgeber, (sagen wir mal diplomatisch) „rar“. Der einzige Lichtblick: Der „Automotive Day Aachen“, eine Jobmesse speziell für die angehenden Ingenieure der RWTH. Das passt doch wie die Faust aufs Auge: Ich als BWLer (Studiengang International Business and Management) auf einer Jobmesse für angehende Ingenieure.

Leicht aufkommende Zweifel werden kurzerhand im Keim erstickt und so mache ich mich vier Wochen später auf nach Aachen. Dort stehen sie, die Repräsentanten der Firmen, deren Praktikumsplätze ich begehre. „Nun gibts kein Verstecken hinter Stellenbeschreibungen und Verweise auf Career-Seiten Freunde“, denke ich mir und schreite zur Tat. Ich stelle mich vor und erkläre die Intention meiner Anreise. Der gelangweilte Gesichtsausdruck meines Gegenübers lässt mich erahnen, dass ich nicht der erste Gesprächspartner des Tages bin und für ihn anscheinend auch nicht der interessanteste.

Als BWLer auf der Jobmesse für angehende Ingenieure

Aber was dann kommt habe ich nicht wirklich kommen sehen…“Sie studieren also BWL…. Uiuiuiui…Sie wissen aber schon, dass das hier auf Ingenieure ausgerichtet ist, oder?“  Ich gebe zur erkennen, dass ich mir dessen bewusst war, mich aber mehr mein Interesse für die Automobilbranche und die Leidenschaft für schöne Autos sowie deren Produzenten zu dieser Veranstaltung gebracht haben, als die Zugehörigkeit zur ausgemachten Zielgruppe.

Sichtlich unbeeindruckt entgegnet er mir: „Wollen Sie nicht lieber was Richtiges studieren?“ Ich hatte Infos zur Firma erwartet (und auf ein Praktikum gehofft), aber das als besonderer Service hier noch eine Studienberatung angeboten wird, löst wahrlich Begeisterung bei mir aus (oder wie nennt man das nochmal, wenn einem die Haare im Nacken hochstehen?) Nach diesem glamourösen Auftakt gehe Ich also weiter, besuche Hersteller sowie Zulieferer, werde auf Karriere-Seiten verwiesen und natürlich mit Flyern versorgt. Alles gut und schön, aber dafür hätte ich in den Zeiten des Internets nicht mal die Haustür verlassen müssen.


Als letztes auf meiner Agenda steht der Mercedes-Benz Stand, eine Dame lächelt mich an kommt auf mich zu und fragt wie sie mir weiterhelfen kann. Ich komme mit ihr ins Gespräch und es stellt sich heraus, dass sie in meiner Heimatstadt Düsseldorf im Sprinterwerk tätig ist und auch sonst ein „ganz normaler Mensch“ ist. Ein ganz normaler Mensch?! Und das nach dem doch recht arroganten Erstkontakt auf der Messe vorher. Ich kann es kaum glauben. Sie bietet mir an, eine Werksführung mitzumachen und gibt mir ihre Kontaktdaten, ich verabschiede mich und bedanke mich für das nette Gespräch.

Da war er. Der persönliche Kontakt. Dem Traumpraktikum vermeintlich einen Schritt näher, vergesse ich beinahe mein Auto zu nehmen, weil ich vor lauter Endorphinen fast auf Wolke 7 die Heimreise angetreten hätte. In den kommenden Wochen vereinbare ich einen Termin für die Werksführung. Durchgeführt wird sie von einem Mitarbeiter des Qualitätsmanagements, ein freundlicher Mann etwa Ende 20. Ich komme mit ihm ins Gespräch und er erzählt mir von seinem Praktikum im Werk der M-Klassen Produktion in Tuscaloosa, Alabama sowie seinen Eindrücken und Erfahrungen als Mitarbeiter der DAG. Schon wieder ein ganz normaler Mensch, kann das Zufall sein?

Am Ende tauschen auch wir E-Mail Adressen aus. Wenige Tage später erhalte ich eine Mail von ihm mit einem Namen und einer E-Mail Adresse. Sinngemäß steht in der Mail „Wenn du Interesse an einem Praktikum in den USA hast bewirb Dich bei dieser Dame, sie ist der richtige Ansprechpartner.“ USA? Ich nehme allen meinen Mut zusammen und bewerbe mich…

„Schnitt“!

Es ist Mitte April 2014, ich schreibe diesen Text aus Tuscaloosa Alabama, hier mache ich seit knapp drei Monaten ein Praktikum bei MBUSI im Finance – Bereich. Genauer gesagt, in der Abteilung für „Product Costing & Customs“. Was ich hier mache? Das war mir am Anfang auch nicht so ganz klar, denn eines ist sicher: In dieser Firma sind Abkürzungen sehr, sehr beliebt ;-) Doch das sollte kein Hindernis darstellen, denn mit der Unterstützung meiner hilfsbereiten Kollegen waren die ersten Unklarheiten flott beseitigt.

Eines war jedoch sofort klar, Ich bin zu einer besonderen Zeit hier, denn hier im Werk beginnt im Mai 2014 die Produktion der neuen C-Klasse und das bringt einige Herausforderungen und Aufgaben mit sich. Für mich als Praktikanten ist das perfekt, denn neben dem Tagesgeschäft finden gleichzeitig viele Projekte statt. So bekamen wir für einen Workshop-Besuch aus dem Werk Kecskemét in Ungarn und auch Besuch aus Deutschland ist nicht unüblich.

Das Motto in Tuscaloosa: Roll Tide!

Zu meinen Aufgaben gehört beispielsweise die Planung von Meetings, Erstellung von Präsentationen, die Überwachung des Projektverlaufes, aber auch eigene Projekte zur Prozessoptimierung, die ich dann dem Management vorstelle. (Falls das hier ein zukünftiger Praktikant liest: Kein Kopieren oder Kaffekochen!)

Neben der Arbeit ist das Motto in Tuscaloosa ganz klar. “Roll tide!“ Das ist hier der geflügelte Begriff um die Begeisterung für die Crimson Tide, die lokale Footballmannschaft der University of Alabama, auszudrücken. Auch wenn momentan leider leine Football-Season ist, ist es allgegenwärtig. Besonders wenn man den Campus der University entlangschreitet um das riesige Bryant–Denny Stadion (aktuell das neuntgrößte Stadion der Welt) und die imposanten Häuser der Studentenverbindungen zu bewundern (Welche übrigens im Inneren eher den rustikalen Charme einer Justizvollzugsanstalt haben)

An den Wochenenden gehen wir (damit sind die mehr als 20 Praktikanten und CAReerler vor Ort gemeint) auf Erkundungstour im näheren Umland. In amerikanischen Maßstäben bedeutet dies, es werden die Städte im Sechs-Stunden-Umkreis erforscht. So durften wir uns den ersten Sonnenbrand des Jahres an den wunderschönen Stränden Floridas abholen, die amerikanische Variante des Karnevals beim Mardi Gras in New Orleans erleben, oder ein NBA Spiel live in Atlanta verfolgen. Manche haben bereits ihre Liebe für die Countrymusik in der „Music-City“ Nashville entdeckt und andere die beeindruckende Natur der Smoky Mountains bewundert. Ich übertreibe also nicht wenn ich sage, dass hier für jeden was dabei ist und man sich keine Sorgen muss machen, dass Langeweile aufkommt.

Long story short:

Ich lerne jeden Tag etwas dazu, mache viele neue Erfahrungen und arbeite mit tollen Kollegen aus den USA und aller Welt Hand in Hand!

Einerseits möchte ich mich durch diesen Blogbeitrag bei den Menschen auf meinem Weg für ihre Offenheit und Unterstützung bedanken. Andererseits möchte Ich hiermit jeden ermutigen der mit dem Gedanken spielt sich zu bewerben, sei es auf ein Praktikum, einen Ausbildungsplatz oder einen Job sich auf keinen Fall entmutigen zu lassen. Denn mein anfänglicher Verdacht hat sich erhärtet, auch in einer riesigen Firma wie der Daimler AG arbeiten ganz normale Menschen. ;-)


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