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Gastbeitrag: Mein Jahr mit dem smart fortwo electric drive – Teil 2

Gastbeitrag: Mein Jahr mit dem smart fortwo electric drive – Teil 2

Heute Teil 2 meines Erlebnisberichts über ein Jahr smart fortwo electric drive fahren:
Einsteigen, unter Strom setzen ( früher: „starten“) und lautlos losfahren. Dieser Betriebskomfort ist eigentlich der automobilen Oberklasse vorbehalten, die vor allem beim Diesel im Kaltstart doch noch ein paar Geräusche nach innen dringen lässt. Dann folgen die Karosseriebewegungen beim Gangwechsel – nicht so beim smart ed. Er legt ohne Gangwechsel – hat ja nur einen – Geschwindigkeit zu, lässig, geräuschlos bis etwa 30 km/h und völlig entspannend für den Fahrer. So durch die Stadt zu cruisen, ist einfach cool, also eigentlich sogar obercool. Der Begriff vorausschauendes Fahren erhält in der E-Mobilität eine anschauliche Erweiterung. Die Fahrweise wird deutlich effizienter, zu starkes Beschleunigen mit dem Erfordernis starken Bremsens unterbleibt intuitiv. Äußert angenehm ist die Rekuperationsbremse, die fast die gesamte Bremswirkung leistet, die Pedalbremse wird – natürlich außer in brenzligen Situationen nur kurz vor Stillstand benötigt. Die Stromausbeute soll lt. Prospekt durchschnittlich etwa 15% der verbrauchten Energie betragen, was wahrscheinlich statistisch irgendwann stimmt, in der Praxis aber nicht wahrgenommen wird. Die Bremsleistung, die bereits beim Fußwegnehmen vom Pedal einsetzt, ist die eigentliche Novität. Vorausschauendes Fahren ist eine Sache, vorausschauende Nutzung eine andere. Wer schon immer gerne geplant hat und Abläufe/Prozesse zu gestalten weiß oder auch sonst sortiert durchs Leben geht, dem wird E-Mobilität entgegenkommen. Jeder kommende Tag will durchdacht sein. Wo will ich hin, wie weit ist das, muss ich vorher laden?

  Hund und Herrchen sind gleichermaßen begeistert.

Nach einem Jahr sind wir noch nicht liegengeblieben, haben aber schon das Aufsuchen von 4 Stromsäulen regelmäßig auf dem Schirm, da sie sich unmittelbar bei öfter angefahrenen Zielen befinden. Die nutzen wir auch, wenn eigentlich noch genug Strom im Akku ist, aber die Säulenbetreiber sollen nicht den Eindruck gewinnen, es käme keiner und sie könnten den Service wieder einstellen. 

So sieht’s innen aus.Grundsätzlich laden wir zu Hause, weil’s organisatorisch am einfachsten ist. Wir kommen abends nach Hause und laden über Nacht. Unsere Stadtwerke bieten für E-Autos keinen Nachtstrom an, macht aber nix. Je nach Bedarf laden wir 1 bis 4 mal pro Woche, wie die Strecken es eben erforderlich machen. Die eigene Ladestation war nicht ganz so einfach zu installieren. Eine FI-abgesicherte Außensteckdose mit eigenem Zähler und eigener Sicherung war schnell gelegt. Aber wohin dann mit dem Smart eigen Ladekabel? Das Kabel einschließlich Schaltbox hing an der Steckdose und musste nach dem Ladevorgang immer ins Auto gepackt werden. So ein Umstand. Was ich wollte, war ein Kabel, was bei Bedarf mit dem Fahrzeug verbunden wurde und ansonsten gut untergebracht an der Wand blieb. Für unterwegs brauchte ich ja ein anderes Ladekabel, welches auf beiden Seiten die Typ 2-Stecker/Kupplung hat. Mit einem Haushaltsstecker am Ende des Ladekabels kann bekanntermaßen an einer öffentlichen Ladesäule nur selten Staat gemacht werden. Also wollte ich dieses serienmäßig mitgelieferte Kabel zu Hause verwenden. Ich brauchte also einen Behälter, der innen die Steckdose beherbergt sowie das Ladekabel mit Box. Der Stecker, der zum Laden mit dem Auto verbunden wird, sollte bei Nichtnutzung auch völlig verschwunden sein, vor allem kindersicher.   

Also musste erst mal ein geeignetes Gehäuse her. Im Baumarkt gab’s so was nicht – aber ein großer Außenbriefkasten tut’s auch. Den musste ich ein wenig aufschneiden, damit alles reinpasst und das Kabel ordentlich liegt – und fertig !  Ein Photo sagt mehr als 1000 Worte:

Der Unterlegkeil ist fest montiert und sorgt für die richtige Position

Die Nachbarn haben erst skeptisch nachgefragt, dann Sinn und Zweck verstanden, – und waren begeistert. Wichtig war uns, dass der Stecker weggeschlossen werden kann. Somit steht regelmäßig Strom zur Verfügung – und das größte Problem war gelöst. Und sogar eine IEC-Norm besitzt der Kasten: 60364-7-722, wen es interessiert.

Unter Beobachtung – Im Rahmen des Emerge-Programms wird das Nutzungsverhalten der E-Smartfahrer aufgezeichnet und ausgewertet. Für diejenigen, die noch nie davon gehört haben, sei es kurz beschrieben:  Die Fahrzeugzustandsdaten (Stromaufnahme bzw.-Abgabe, Temperatur, Ladezeit, Geschwindigkeit, gefahrene Entfernung etc.) werden in einer Box erfasst und periodisch als Datenpaket an den Hersteller gefunkt. Zusätzlich erfasst ein elektronisches Fahrtenbuch auf einem Tablet (den gibt’s als Geschenk dazu), den zurückgelegten Weg mit Uhrzeit. Der Fahrer  füllt dann noch einen kurzen elektronischen Fragebogen aus und trägt den Zweck der Fahrt ein – also die totale Überwachung. Die Daten werden per SIM-Karte zur Uni Siegen gefunkt. Die Batteriemiete in Höhe von 65 € monatlich entfällt dann für die Dauer von 18 Monaten. Aus prinzipiellen Erwägungen würde ich nie an so einer Überwachung teilnehmen, aber aus anderen prinzipiellen Überlegungen ist die Teilnahme an diesem Programm geradezu geboten, – denn nur sorgfältig gewonnene Erkenntnisse helfen, eine sachgerechte Planung für die Entwicklung der Elektromobilität zu erstellen. So ist das eben mit widerstreitenden Prinzipien – das klügere gibt nach.

Mein eigenes Ergebnis kann ich nach knapp einem Jahr schon jetzt auswerten: km gesamt bis 31.3. ca.  8000; davon 250 Tage Wohnung-Arbeit-Wohnung x 14 km macht etwa 3500 km, bleiben 3500 für „Umlandverkehr“ im 50 km-Kreis für  berufliche Zwecke und der Rest, ca. 1000, sind privat gefahrene Kilometer (Sport, Freunde, Einkaufen).  Fahrten mit dem Verbrenner-Zweitwagen zur gleichen Zeit etwa 7000, davon 3500 für Urlaub. Mit anderen Worten: die geplante Nutzung des E-smart konnte in der Realität ohne Einschränkungen umgesetzt werden. Ich muss zugeben, das fällt mir jetzt erst beim Schreiben dieses Blogs so richtig auf. 

Die Nutzung im Alltag

Die Reichweite – Die Reichweitendiskussion ist eigentlich übertrieben. Auf das Nutzungsprofil kommt es an. Wenn der Nutzer oft/täglich größere Reichweiten benötigt als der Akku hergibt, muss er eben Abstand von der E-mobilität nehmen. Es lohnt nicht, sich mit Unzulänglichkeiten wegen der Reichweite rumzuärgern, wenn Langstrecke gefordert ist. Selbst viele Ladesäulen helfen nur bedingt, denn die Ladezeit will ich natürlich nicht mit überflüssigem Warten und Kaffeetrinken verbringen, sondern es soll geladen werden, wenn ich sowie so in der Nähe der Ladestation etwas zu erledigen habe. Dies alles unter einen Hut bekommen zu wollen, ist ähnlich erfolgreich wie Lottospielen; also eine sorgfältige Analyse der Fahrprofilanforderungen ist der Schlüssel zum erfolgreichen E-Autofahren.  Ich war am Anfang skeptisch, ob die Reichweite immer „passt“. Sie hat bisher immer gepasst. Im Winter sinkt die Reichweite wegen der Heizung, die ganz schön Energie zieht. Aus 145 km werden dann ca. 100 km, je nach Heizleistung und Fahrweise. Aber auch das ist kein Problem gewesen.

Laden und Parken beim Büro – Der Strom ist hier kostenlos, es muss nur die Parkzeit bezahlt werden. Wir können also bei Bedarf auch tagsüber nachladen, was sehr beruhigend ist.

Laden und Parken beim Büro

Komfortable Ladesituation in der Parkgarage Hagemann GmbH und Co KG, Stresemannstr. 8., 40210 Düsseldorf – Strom kostenfrei, alle Stecker möglich, ohne Anmeldung bzw. RFID-Card.

Ladesäulen im öffentlichen Bereich – Hier muss noch am meisten geschehen –  vor allem für „Laternenparker“. Die Idee, jede strombetriebene Laterne mit einer Ladestation auszurüsten, ist der m.E. richtige Ansatz. In Parkhäusern, Betriebsparkplätzen und auf öffentlichen Parkplätzen ist die Einrichtung von Ladesäulen ohnehin problemlos, sobald die Nachfrage steigt. Die Stadtwerke Düsseldorf sind schon auf einigen öffentlichen Parkplätzen mit Gratisstrom (RFID-Karte vorher beantragen) vertreten. RWE (SMS-Bezahlung) und E-ON (RFID-Karte) betreiben ebenfalls nicht wenige Säulen, also Strom gibt’s genügend, auch wenn’s noch mehr E-Autos geben wird. 

Tja, mehr gibt’s eigentlich nicht zu sagen. Wer kann, sollte sich e-mobil bewegen. Alles in Allem: der smart ED begeistert uns nach wie vor!

 Selfi:  Der Autor und seine Allerliebste.

Selfi: Der Autor und seine Allerliebste.

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Über den Autor: Felix Laumen,56 Jahre alt, ist verheiratet und arbeitet als Rechtsanwalt in Düsseldorf. Im Rahmen dieses Beitrag berichtet er von seinen Erfahrungen und Erlebnissen mit dem smart fortwo electric drive.

 

 


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