Global Brand Protection: Darum ist es so wichtig

Global Brand Protection: Darum ist es so wichtig

Wenn Menschen an Produktpiraterie denken, dann oft erstmal an die Luxusgüter: An gefälschte Taschen, Uhren oder Shirts. Meine Abteilung und ich denken vor allem an gefälschte Bremsbeläge, Bremsscheiben, Airbags und andere Ersatzteile. Bisher setzen sich oft nur Fachleute mit Kopien von sicherheitsrelevanten Fahrzeugteilen auseinander. Ich bin mir nicht sicher, ob der normale Konsument überhaupt weiß, wie viele Fälschungen es auch neben den typischen Artikeln wie Taschen und Uhren gibt.

Daher kam mir die Idee zu diesem Blogbeitrag. Mein Team setzt sich aus Kollegen unterschiedlicher Geschäftsbereiche bei Daimler zusammen. Wir sind Experten für „Global Brand Protection“, also den weltweiten Schutz der Marken. Wir wollen es Fälschern so schwer wie möglich machen, ihre gefährliche Ware zu produzieren oder zu verkaufen. Wir durchsuchen dazu das Internet: Mit der Zeit bekommt man ein geschultes Auge, ob zum Beispiel ein Bremsbelag mit Stern darauf bei einer Online-Versteigerung echt wirkt oder nicht. Der Blick für gefälschte Ersatz- und Zubehörteile hat sich bei mir in den letzten Jahren stark geschärft. Ich bemerke es, wenn ich an einem gebrauchten Mercedes-Benz vorbeifahre, dessen Felgen mir eigentlich bekannt sind, und sie doch „irgendwie anders“ wirken. Wir haben schon die merkwürdigsten Fälschungen mit einem Stern darauf aufgestöbert: Boxhandschuhe, Duschbrausenköpfe und als absolutes Highlight: Klobürsten mit Mercedesstern. Mein Team arbeitet zudem international eng mit Zoll- und Strafverfolgungsbehörden zusammen. Unsere registrierten Marken sind beim Zoll hinterlegt und wir haben nahezu weltweit sogenannte „Grenzbeschlagnahmeanträge“ gestellt: Der Zoll macht hierzu Stichprobenkontrollen und wenn er etwas findet, meldet er sich bei uns und wir verifizieren, ob es ein Originalteil ist oder nicht. In der heutigen Zeit sieht man an den Grenzen viel „Ameisenverkehr“, so nennen wir kleine Produktmengen, die dann ins Zielland gelangen. Die Stichproben des Zolls bringen daher nicht immer gleich einen großen Fang hervor. Aber wir können die Informationen aus einem solchen Fall weiter nutzen. Man bekommt Informationen über den Versender und den Empfänger und kann dort weiter nachforschen.

echte Qualität nur mit Original-Teilen

Die Ermittlungstätigkeiten zu unseren Fällen können sich schon einmal über Monate ziehen. Je nachdem, wie viele „Firewalls“ ein Fälscher eingezogen hat, und bis man tatsächlich an den eigentlichen Hersteller herankommt. Für unsere Ermittler vor Ort ist dies klassische Detektiv-Arbeit. Danach muss ein Zugriff relativ schnell ablaufen: Wenn der Ermittler die Fälscher-Produktion oder den Umschlagplatz gefunden hat, müssen wir in möglichst kurzer Zeit auf die Behörden zugehen und ihnen klar machen, dass wir in diesem Lager oder in dieser Produktionsstätte entsprechende Fälschungen vermuten. Ende letzten Jahres gelang uns ein großer Fang: In Dubai konnten wir zusammen mit den Behörden vor Ort ein Schwergewicht „hochgehen“ lassen. Über 80.000 illegal kopierte Ersatzteile (Gesamtwert im siebenstelligen Bereich) und Produktionsmittel im Wert von etwa drei Millionen Euro konnten beschlagnahmt werden.

Gefälschte Waren und Etiketten

Gefälschte Waren und Etiketten

Was mich an meiner Arbeit besonders reizt, ist die Nähe zum Produkt. Ich merke jeden Tag, dass ich für einen Automobilhersteller, für eine großartige Marke arbeite. Mercedes-Benz ist eine der wertvollsten Marken der Welt. Diesen Ruf der Marke aufrecht zu halten, treibt mich an. Und dabei geht es uns generell nicht nur um die Vermeidung einer Geschäftsschädigung. Es steht mehr auf dem Spiel. Durch Produktpiraterie können weltweit Arbeitsplätze verloren gehen. Ein Markeninhaber steckt Geld und Know-how in die Innovation seiner Produkte. Zudem sehen wir häufig Verbindungen zur organisierten Kriminalität. Wir wissen auch, dass hinter der Produktpiraterie kriminelle Vereinigungen stecken, die so durch den Verkauf von Fälschungen mitfinanziert werden. Da ist eine gefälschte italienische Ledertasche eben kein „Mode-Gag“ mehr.

Geprüfte Qualität

Und was mir ganz wichtig ist: Es geht auch um Verbraucherschutz. Wissen Sie, was ich nicht will? Ich will nicht, dass ein Mercedes-Fahrer, der sich unwissentlich zum Beispiel gefälschte Bremsscheiben auf seinen Wagen hat montieren lassen, in einen Unfall gerät, weil die Fälschungen versagen. Und wenn es uns wieder einmal gelungen ist, solche Teile vom Markt zu nehmen bevor sie verbaut werden können, dann war es für mich ein guter Tag!

PS: Anbei ein Link zu einem Video der amerikanischen Sicherheits-Behörde NHTSA, die gefälschte Airbags auf ihre Funktionstüchtigkeit testete. Die Airbags waren zum Teil für Ihre Auslösung mit Schwarzpulver befüllt und erwiesen sich als lebensgefährlich. Hier gehts zum Video!


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