Sieben Jahre China – What goes around comes around

Going global? Ni hao ma? Point of no return? Integrate, reintegrate or not re-integrable? Ni shi shei? Just passionate about global lifestyle and the hunger for intercultural fulfilled living? Due, hen hao!!!

Es ist kein Geheimnis, wir sind große Fans vom Im-Ausland-Leben. Unseren Auslandstraum haben wir verwirklicht und würden es wieder tun! Wir leben seit sieben Jahren in Peking. Sieben erfüllte; reich an Erfahrungen, farbenfrohe, interkulturell fordernde, persönlich fördernde, alle Sinne packende Jahre. Jahre, die einen Apfel von sanftem Grün bis zum saftigen Rot haben reifen lassen.

Und jetzt sind es noch ein paar Meter bis zur Rückkehr nach Süddeutschland. Geplant war die Dauer nie. Im Oktober 2007 gingen wir von 2 Jahren aus. Auf die Zahl 7 kamen wir durch Zwei- bzw. Ein-Jahresvertragsverlängerungen und unserem Gefühl „nein, für die Rückkehr sind wir noch nicht reif“. Die Entscheidung war richtig, denn unseren Schatz China, den wir im Herzen tragen, hat die Zeit ‚rund‘ werden lassen. Netzwerken, Kontakte weiterpflegen, neue aufbauen, Jobmöglichkeiten ab und an überdenken und evaluieren, geerdet bleiben, Gedankenspiele für den weiteren Weg nutzen, z.B. was mach ich, wo will ich hin, was macht mich glücklich, was füllt mich aus, wie halte ich mir ein Eckchen aus dem Chinaerlebnis frei im deutschen Alltag. Diese Gedanken haben uns bisher ausgeglichen und einen Rahmen geschaffen für alles, was kommt. Wir, Jörn, 43 Jahre & Bianca, 38 Jahre, Beruf: Maschinenbauingenieur und Bauingenieurin, leben in Peking, China, seit 01.10.2007. Hier sind wir am Puls der Zeit; Teil und mittendrin in der rasanten wirtschaftlichen, sozialen und gesellschaftlichen Entwicklung. Erlebt hautnah! Dieses Abenteuer in Worte zu fassen ist ein schier endloses Abenteuer!

„Aller Anfang ist schwer“ – oder doch nicht?

Unser Erleben in Kürze: das Erlernen der chinesischen Sprache hat sofort geholfen im Land ‚anzukommen‘. Leider nimmt der Dauersmog stark zu, ca. 1-2h dauert die Autofahrt zur Arbeit, Tendenz steigend. Was alles machbar ist, wie man an sich gewachsen ist, welche Freiheit und Luxus es bedeutet, diesen Schritt gemacht zu haben! Das war die schönste  Erfahrung seit der Auswanderung. Es ist schön zu erleben, wie man mit chinesischen Freunden an den Punkt zu gelangt, an dem man sich nah ist. Die zahlreichen und erfüllenden Erfahrungen mit heimatlichen Besuchen lassen einen in ein zusätzlich neu entdecktes Peking eintauchen und Freundschaft und Nähe aufsaugen. Freunde, die das Erlebte mit nach Hause tragen und dort streuen. Somit wird das Bild, das die Medien von China zeigen, realistischer und konkreter. Die zögerliche Berührung mit China wird gedämmt und Zugang zum Land, zur Kultur geschaffen. Der Lernprozess findet mit auch in unseren Köpfen in der Heimat statt. Nur so gelingt die länderübergreifende Annäherung.

China ist unglaublich an sich gewachsen, leider gehen die deutschen Medien darauf nicht bzw. oberflächlich ein oder schießen sich auf nur wenige Themen ein. Dabei haben Gesellschaftsentwicklung, ein verbessertes Bildungssystem, Kulturaustausch, Sprachaustausch, Einrichtungen für Pflege Älterer und Behinderter, orientiert am westlichen Vorbild, zugenommen, Hygiene-Standards bei den vorhandenen Einrichtungen wurden erhöht. Der Ärzte-, Pflegepersonalaustausch zwischen China und dem Westen helfen in der Verbesserung der vorhandenen Gesundheits- und Pflegeinfrastruktur. Die Chinesen streben nach Verbesserung; sie wollen Qualität in allen Lebensbereichen, insbesondere Nahrungsmittel, streben nach Austausch länderübergreifend, lernen vom und orientieren sich vielfach am westlichen Vorbild.

Umso wichtiger ist es, dass wir uns unserer Vorbildrolle bewusst sind, diese vorleben und für uns wiederum positiv nutzen, aber dabei nicht abheben! Zuhören, nicht besserwissend auftreten. Neues annehmen und die Selbsterkenntnis als Erfolgsschritt wertschätzen. Daraus kann etwas ganz Großes, der schönste Erfolg überhaupt, behutsam entstehen. Ein langer Atem ist Grundvoraussetzung. In Geduld übt man sich in China schnell. Suchen Sie sich einen Park und lassen Sie sich einfach darauf ein: in der Stille und Muse Kraftschöpfen für Familie und Beruf. Tai-Chi, Tanzen, Musizieren, den vielen Drachenkünsten in den öffentlichen Parks zusehen.

China hat viele Gesichter. Hier beginnt die Entdeckungsreise. Das Hetzen, Wetteifern, Karriere mit Ellenbogen, etwas Hinterherlaufen, Neid in Deutschland hat zugenommen – das ist uns aufgefallen bei unseren Reisen zurück nach Deutschland; Deutschland hat sich verändert, wir selbst haben uns weiterentwickelt, und vielleicht sehen wir deshalb viele Veränderungen kritischer. In China rast die Entwicklung noch schneller, aber familiäre Werte und In-Sich-Ruhen stehen an erster Stelle. Ausfälliges oder aggressives Verhalten bedeutet in China Gesichtsverlust.

Herausforderungen meistern – im Team geht’s einfacher

Die Expatriation setzt eine klare Vision als Paar bzw. als Individuum voraus: was und wohin man will. Der Schritt raus aus Deutschland wirft neue Fragen auf und unberechenbare Schwierigkeiten tun sich auf. Dies setzt ein eingespieltes Team voraus, wo jeder aktiv seinen Part übernimmt und verantwortlich und achtsam dem Partner gegenüber ist. Beide müssen zu 100% dahinter stehen. Zu denken, das wird sich geben, ist ein Fehler. Unsere Erfahrung zeigt auch, dass man bei den vielen Reizen, dem Überangebot an Freizeitgestaltungsmöglichkeiten gut geerdet sein sollte, um für sich gezielt eine Auswahl zu treffen und so sein Leben im Ausland bewusst zu gestalten.

Die Gründe sind vielfältig, weshalb manch Entsendete ausländischer Unternehmen es nicht packen. Wenn er/sie als Mitgereiste/r nur wegen dem Partner mit nach China zieht, nicht auf eigenen Beinen steht, sich hinten angestellt fühlt, oft keine eigene Freizeit gestaltet und auf das Nachhausekommen des Partners wartet. Viele suchen sich keine Arbeit, oder lassen sich nicht 100% auf den neuen Schritt, das Ankommen und Leben in China, ein, sondern sinnieren über das Gute in der alten Heimat. Der arbeitende Partner hingegen sieht sich konfrontiert mit wesentlich höherem und intensiverem Arbeitsaufkommen, da der Prozess in einem neuen Land mit völlig anderer Kultur, andersdenkenden Menschen und völlig neuen Arbeitsabläufen einer beruflichen Neueinstellung gleichkommt, d.h. mehr notwendige Arbeitszeit und vermehrtes Reisen, da Arbeitseinsatzorte oft chinaweit verstreut sind.

Die Herausforderung besteht nun darin, dass man sich als Partner dabei nicht aus den Augen verliert und mit der jeweiligen Situation achtsam umgeht, sich gegenseitig unterstützt und sich über das individuelle Erleben austauscht. Hier sprechen unsere Herzen: dadurch, dass wir beide arbeiten, unsere Arbeitsgebiete lieben und bei uns Leben und Arbeit nahtlos ineinander übergehen, haben wir den Grundstein für Teamwork früh gelegt. Langeweile ist für uns ein Fremdwort, Chancen sehen und wahrnehmen hingegen Alltag, Freude und Erfolge feiern das Tüpfelchen auf dem ‚i‘. Durch Reisetätigkeit verursachte Abwesenheitszeiten waren Schaffenshochphasen, die einem neuen Buchprojekt zugute kamen oder der Abwicklung besonderer Projektphasen.

Der gegenseitige Austausch beim Wiedersehen sorgte dann für das gemeinsame Begeistern für das, was jeder geschaffen hat, oder zum Durchspielen von Szenarien oder Lösungsansätze. Dazu muss man sagen, dass wir ein anderes Leben gar nicht kennen, immer mit Reisetätigkeiten gelebt haben, es für uns als sehr lebensbereichernd erfahren und wir uns sehr gut ergänzen. Die Entsendung annehmen bedeutet für uns, Altes überwinden, weil man Neues will und es als Bereicherung in allen Bereichen sieht. Diese positive Stimmung schlägt sich voll nieder in der Kommunikation in der Familie, im Freundeskreis usw. Wir würden den Schritt nach China jederzeit wieder tun!

Globalität und Interkulturalität entscheiden den Wettbewerb

Wenn wir die ausländischen Unternehmen in China näher betrachten, stellen wir fest: viele dieser Unternehmen benötigen eine globalere Aufstellung und interkulturell feingeschliffenere Art, um im Wettbewerb stand zuhalten und zu wachsen. Bis dorthin sind noch viele Schritte notwendig. Enttäuschungen zu Vorgehensweisen, in welchem Tempo Prozesse abgewickelt werden, wie motiviert und gemanagt wird, haben viele Mitarbeiter zum Wechsel in eine andere Firma gebracht.

Die Konkurrenz dankt es, weil sie das Wissen, auch gerade der aus dem Ausland Rückkehrenden gerne als Added-Value für sich verbucht. Wunderbar! Aber lernt das jeweilige Unternehmen daraus und nutzt diese Erkenntnis für ein Umdenken? Packt sie es als Herausforderung an? Talente verlassen das Unternehmen oder Motivation nimmt ab, u.a. wegen unzureichender Führungskräfte – ist das nicht Grund genug, um sich als Unternehmen 360 Grad zu hinterfragen und zu analysieren?

Uns hat am stärksten positiv überrascht, wie offen, hilfsbereit und freundlich die Chinesen sind. Nicht zuletzt durch die Olympischen Spiele 2008 ist die Begeisterung und Weltoffenheit von einer breiteren Masse gewachsen. Eine zunehmende Anzahl an Bürgern, die sich kritisch mit Politik, Gesellschaft, Umwelt, Bildung auseinandersetzt (wird reflektiert in Internetforen, TV-Diskussionsrunden, weiteren Medien). In China, everything is possible! Eine Idee ist da, kann ohne langes Trara realisiert und eine sagenhafte Erfahrung gemacht werden.

Unsere chinesischen Freunde schätzen unsere chinesischen Sprachkenntnisse sehr, weshalb sie sich öffnen konnten und sich mit uns über alles austauschen. Da wir über die Jahre tief mit ihrer chinesischen Kultur verbunden sind, sehen sie in uns die Brückenbauer zwischen beiden Ländern und Kulturen; wir fungieren einerseits als Sprachrohr in Deutschland für die Chinesen, tragen China sozusagen in die Welt, und andererseits sind wir uns der Verantwortung als Vorbild für die westliche Kultur in China bewusst, dort, wo wir Gast sind. Die offene herzliche Begegnung, der Austausch ohne Sprachbarriere, Entdecken von vielen Gemeinsamkeiten unserer beider Länder haben unsere Freundschaften vertieft.

„Corporate Social Responsibity“ – schlicht ein PR Gag?

Eine Thematik, die sich für uns persönlich durch die Jahre in China heraus kristallisiert, ist das unternehmerische Engagement zur Corporate Social Responsibility, sowohl hier im Ausland als auch im Heimatland. Ist es nur geschriebenes Wort in allen Wirtschaftszeitungen oder gelebte Verantwortung? Ist es schlicht ein PR-Gag oder ernsthafte, werteorientierte Unternehmensführung? Das Kompetenzfeld Wirtschaftsethik muss gelebt werden, insbesondere in einem Umfeld von Korruption.

Also mehr Transparenz, ethische Verantwortung, Achtsamkeit und Respekt, und ein Miteinander zum gemeinsamen Erfolg! Deutschland und jedes deutsche Unternehmen muss sich der Herausforderung, mit China zu kooperieren, sich noch mehr anzunähern, sich dem Kommenden offen stellen und positiv anpacken! Mit unseren Erfahrungen stellen wir fest: Die Chinesen sind offener, als viele denken und als es viele von uns westlichen Ländern sind. Denken beide Partner an ihre Vorteile, gleichen ihre Schwächen aus und bilden Synergien, gelingt das Projekt ‚Zukunft‘ und ‚Gemeinsam erfolgreich sein‘!

Unser Ratschlag für zukünftige Expats: Mach es! Plane es gut und sei realistisch! Und genieße es mit allen Fasern Deines Körpers! Lass alle Empfindungen zu und sprich darüber! Es ist ein Geschenk! Xiexie!


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