555.555 Nutzfahrzeuge mit dem Stern aus Ludwigsfelde

Als gebürtiger Mecklenburger verschlug es meine Mutter 1965, als ich 3 Jahre war, nach Stahnsdorf. Hier verlebte ich meine Kindheit und Schulzeit. Nach der Schule absolvierte ich im IFA Automobilwerk Ludwigsfelde von 1979-1981 eine Lehre zum Karosseriebaufacharbeiter.

Mein Stiefvater als Berufskraftfahrer und dann Schweißer hatte mich neugierig gemacht. Ich war als kleiner Junge oft mit ihm mitgefahren und habe später zugesehen und geholfen, wenn er zu Hause an Autos geschweißt hat. Das fand ich interessant und man konnte etwas dazu verdienen. Während der Lehre war es dann toll, zu erleben, wie so ein W50-Lkw entstand.

Im praktischen Einsatz war ich im Fahrerhaus-Rohbau, in der Pritschen- und Kipperfertigung sowie in der Instandhaltung eingesetzt. Als aktiver Fußballer war ich auch in der Lehrlingsmannschaft aktiv. Nach abgeschlossener Lehre 1981 absolvierte ich meinen 3-jährigen Armeedienst. Danach ging ich wieder ins Autowerk und begann als Schweißer im FB6 in der Halle 4 bei der Pritschen- und Kipperfertigung sowie Kleinteilschweißerei. Während der Armeezeit lernte ich meine Frau kennen. Wir heirateten 1985 und im gleichen Jahr wurde mein ältester Sohn Christian geboren.

Anfang 1986 wurde mir die Meisterschule angeboten, mit der Aussicht, als Schichtmeister zu arbeiten. Zu diesem Zeitpunkt arbeitete ich in 3-Schichten. Ich nahm an und absolvierte neben dem Beruf und der 3-Schichtarbeit auf der Abendschule die Meisterqualifizierung. Es war oft nicht einfach, alles unter einen Hut zu bekommen, da 1987 mein zweiter Sohn Sebastian zur Welt kam. Im Sommer 1988 beendete ich die Meisterschule erfolgreich und wurde in meinem Bereich als Schichtmeister eingesetzt. Anfang 1989 übernahm ich die Vertretung des Kostenstellenmeisters im Rahmenbau. Dann kamen die aufregenden Tage des Mauerfalls. Ich erinnere ich mich, zu diesem Zeitpunkt Nachtschicht gehabt zu haben. Mit der Wende kamen auch große Veränderungen im Autowerk auf uns zu. Verkürzte Arbeit, wechselnde Mitarbeiter, es war eine Zeit ständiger Änderungen. Die Daimler AG übernahm wieder die Flächen ihres 1935 erbauten Werkes. Man versuchte, über ein Joint Venture einen LKW zu bauen, es war letztlich nicht erfolgversprechend.

1990 wurden wir befragt, ob wir uns den Einsatz in Daimler-Werken vorstellen könnten. Das Werk in Ludwigfelde wurde umgebaut und ich war im Herbst für 3 Monate im Produktionseinsatz im Werk Wörth. Zu diesem Zeitpunkt hatte mein dritter Sohn Oliver schon das Licht der Welt erblickt. Es war eine harte Zeit, regelmäßiges Pendeln zwischen Stahnsdorf und Wörth, alle 14 Tage eine Heimreise und die Familie sehen. Da hatte meine Frau sehr viel um die Ohren, täglich die drei Jungs und wenn Papa da war, war sie „abgemeldet“. Nach dem Umbau übernahmen wir Anteile der Mercedes-Benz Transporter LK (LN2) aus Wörth. Ich begann in der Vormontage, wo ich in den 3 Monaten angelernt wurde. 1991 starteten die Serienanläufe für den LK und den T2 (LN1) bei uns im Werk. Bei der Verlagerung des T2 von Düsseldorf nach Ludwigsfelde konnte ich 6 Monate lang die Produktionsvorbereitung unterstützen, indem ich in Düsseldorf die datentechnische Verlagerung am Rechner machte.

1995 begannen die Arbeiten am Nachfolger des T2, dem Vario. Es sollte ein Produkt werden, das fast ausschließlich am Standort entwickelt wurde. Ich war in der Planungswerkstatt dabei, als wir die ersten Varios auf Standplätzen bauten. Das war eine tolle und aufregende Arbeit. Nach dem Serienanlauf arbeitete ich am Band im Bereich LMT. Dort montierte ich die elektrischen Leitungssätze in den Rahmen. Daneben montierte ich auch die Druckluftbremse Rahmenseitig sowie die Druckluftumfänge für Triebkopf, Allrad und Luftfeder. Zu dieser Zeit wurde ich auch ab und zu als Meistervertreter eingesetzt.

Nach der Jahrtausendwende ging es an das nächste Projekt mit dem Stern. Es begannen die Entwicklungen am Compact-Van Vaneo auf Basis der Baureihe 168 (A-Klasse). Es ging für mich wieder in die Planungswerkstatt. Diesmal hieß es aber nicht „schrauben und basteln“. Ich war in die Materialbeschaffung und Materialverwaltung integriert. Also gab es wieder viele neue Eindrücke und Aufgabenfelder für mich zu bearbeiten. Nach Abschluss der Erprobung war ich wieder in der Montage. Mit dem Hochfahren der Stückzahlen bekam ich eine Meisterstelle in der Montage. Das Konzept war gut, nur  eben ein völlig neues Segment bei Mercedes. Die Konkurrenz gerade preisgünstiger Vans war groß und der Vaneo konnte von den Verkaufszahlen her leider nicht die Erwartungen im Konzern erfüllen. Nach einem anfänglichen Boom wurde das Fahrzeug wieder vom Markt genommen. Für uns brach damals eine kleine Welt zusammen. Es gab nicht wenige, die große Hoffnungen in diesen Van gesteckt hatten. Heute denke ich: Das Auto kam einfach zu früh. Nach einem Kurzeinsatz im Werk Marienfelde ging ich zurück in „mein Werk“ in die Logistik.

Mit der Entwicklung des Sprinters (NCV3) war ich wieder in der Planungswerkstatt und habe dort die Logistik unterstützt. Die Fabrik wurde umgebaut, auf die Produktion des Sprinters angepasst. Mit dem Serienanlauf des Sprinters übernahm ich die Meisterstelle im IAB1 (Innenausbau). Ich hatte meinen Zielbahnhof in der Montage gefunden. Mit dem Hochfahren der Produktion wechselte ich in die Fahrwerkslinie als Meister. Von dort ging die Rotation für mich zum Finish, über den IAB1 hin zum IAB2, wo ich heute als Meister in der A-Schicht tätig bin. Während meiner langen Zeit in Ludwigsfelde gab es schon einige Jubiläen zu feiern, 2010 ging das 100.000 Nutzfahrzeug vom Band. Jetzt schreiben wir das Jahr 2014 und am 13.02.14 wurde das 555.555 Fahrzeug mit einem Stern bei uns vom Band gezogen. Es gab bei uns einen „richtig großen Bahnhof“. Der Ministerpräsident und der Wirtschaftsminister von Brandenburg sowie Vorstand und Spartenleitung sind erschienen, mit einer Vielzahl von Journalisten und dem Fernsehen. Diese Aufmerksamkeit wurde sehr gut am Standort und bei den Mitarbeitern aufgenommen. Es war zu erkennen, dass der Standort Ludwigsfelde einen entsprechenden Stellenwert besitzt. Die Entwicklung macht mich und viele Kollegen am Standort stolz. Meine Treue zum Standort hat sich auch für mich bezahlt gemacht.

Also: Auf zu neuen Aufgaben!


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